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Breitensportliche Highlights

21.03.05
Quelle:

 
© Foto Team Müller/marathon4you.de 4 Bilder

So oft wie nie richtete sich in den letzten Tagen der Blick der Verantwortlichen des Brooks Steinfurt Marathon nach oben. Allen voran Ellen Borowiak, die in diesem Jahr zum ersten Mal als Chefin des Organisationsteams an vorderster Front stand, wünschte sich bessere äußere Bedingungen als im vergangenen Jahr, als Regen und stürmische Winde den Läufern und Helfern gleichermaßen zusetzten. Unvergessen ist den Teilnehmern der Streckenabschnitt von Dumte zurück zum Schloss Burgsteinfurt, wo der Wind besonders heftig war und körperlich und mental den Akteuren alles abverlangte.

 

Die Bitten wurden erhört, das Wetter spielte mit. Zwar war es bedeckt und mit ca. 8 Grad ziemlich kalt, aber bis auf einen kurzen Nieselregen blieb es trocken und die Winde waren erträglich. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprachen gar von idealen Bedingungen.

 

Der Brooks Steinfurt Marathon hat sich zu einer rein breitensportlichen Veranstaltung entwickelt, was auch ganz im Sinne des Veranstalters liegt. Spitzenläufer werden keine verpflichtet, Antrittsgelder nicht bezahlt. Die Attraktivität des Laufes leidet darunter nicht. Über 1000 Akteure hatten sich angemeldet, und in den Ortschaften nahm die Bevölkerung regen Anteil. Garagen- und Gartenfeste dominierten das Straßenbild in den Ortschaften, die Zuschauer waren gut drauf, feuerten die Marathonis lautstark an und sorgten für gute Stimmung. Trotz erheblicher Verkehrsbeeinträchtigungen vor allem in Borghorst lief alles planmäßig und harmonisch ab, die Autofahrer hatten Verständnis und räumten den Marathonis uneingeschränktes Vorrecht ein. Als Teilnehmer hatte man den Eindruck, dass sich die Bevölkerung mit dem Marathon total identifiziert und wenn man schon nicht mitläuft, dann zumindest hilft oder mitfeiert. „Auch der Bürgermeister, die Verwaltung und Handel und Industrie stehen hinter der Veranstaltung“, berichtet Ellen Borowiak nicht ohne Stolz.

 

Vor diesem Hintergrund ist es fast kein Zufall, dass die Siegerin Elisabeth Rewer, (Start-Nr. 30 - 3:19:47 Std.) vom Ortsverein Marathon Steinfurt kommt. „Ich habe überhaupt nicht mit diesem Sieg gerechnet. Ich war doch nur mit mir beschäftigt, musste die ganze Zeit kämpfen," erzählt „Lissi“ den zahlreichen Gratulanten müde aber überglücklich im Ziel. Bei den Männern gewann zwar kein Einheimischer, aber ein guter Bekannter. Janusz Sarnicki (Start-Nr. 3 -2:26:45 Std.) aus Katowice trug sich bereits zum fünften Mal in die Siegerlisten ein und ist praktisch „eingebürgert“.


Für ein weiteres Highlight sorgte der 18jährige Alexander Materla aus Schwerte, der seinen ersten Marathon in 3:53:59 Stunden finishte und dabei so gleichmäßig wie ein Routinier lief (1.HM 1:58, 2. HM 1:56). Er war jüngster Teilnehmer, natürlich Altersklassensieger und erhielt als besonderen Preis eine komplette Laufausrüstung.

 

Mit Sven Kaiser aus Mönchengladbach war nur ein Rollifahrer am Start. Sicher wurde er von zwei Bikern über die Strecke geleitet und unterwegs von vielen Läuferinnen und Läufern beklatscht. Mit 1:59:58 blieb er knapp unter der 2- Stunden-Grenze.

 

115 Finisher (75 Frauen und 40 Männer) weist die Statistik bei den Walkern aus. Die schnellsten Zeiten erreichten Thomas Hess (SuS Schalke 96) mit 2:05:58 Stunden und Andrea Hirsch (LG Emsdetten) mit 2:18:50.

 

Immerhin 140 Skaterinnen und Skater erreichten das Ziel. Auf der nicht ganz einfachen Halbmarathonstrecke gewannen der Schweizer Alain Gloor in 38:19 Minuten und Jannita Spigt aus den Niederlanden in 43:14 Minuten.

 

Hier der Laufbericht von Klaus:


Brooks Steinfurt Marathon

 

Steinfurt, 19.03.2005

Autor: Klaus

 

Der Brooks Steinfurt Marathon ist eine Veranstaltung mit langer Tradition. In diesem Jahr findet bereits die 22. Auflage statt. Berühmt wurde der Marathon durch die Zug- und Bremsläufer, die in Steinfurt praktisch „erfunden“ wurden. Letztes Jahr beim Marathon Rund um den Baldeneysee in Essen waren sie auch im Einsatz und ich habe mir vorgenommen, das nächste Mal in Steinfurt dabei sein.

 

Jetzt ist es soweit, vor dem Schloss in Burgsteinfurt laufen die letzten Vorbereitungen zum Start. Zur Geschichte des herrlichen Schlosses ist auf einer Tafel ist nachzulesen: „Im 11. Jahrhundert als kleine Burg auf einem künstlich aufgeworfenen Turmhügel („Motte“) errichtet, 1129 erstmalig erwähnt. 1164 Zerstörung durch die Herren von Ascheberg. Wiederaufbau unter der Beihilfe des Kölner Erzbischofs Rainald von Dassel für die Herren Rudolf und Ludolf von Steinfurt. Seit 1489 Erbvereinigung mit der Grafschaft Bentheim und Steinfurt. Das Schloss ist bewohnt und beherbergt außerdem die Grundbesitzverwaltung.“

 

In diesem Jahr erstmals bereits um 13:30 Uhr, die Laufzeit verlängert sich dadurch auf max. 5 ½ Stunden, was den Marathon für noch mehr Einsteiger und auch für die nicht ganz so schnellen Läuferinnen und Läufer interessant machen soll. Möglich wurde diese Regelung aber erst, als die Händler des Marktes zustimmten, eine halbe Stunde eher als sonst den Platz zu räumen. Ein großes Problem war das nicht, die Identifikation der Bevölkerung mit der Veranstaltung ist groß, die Unterstützung durch die Behörden, den Handel und die Industrie ist großzügig und wirkungsvoll, wie die Organisations-Chefin Ellen Borowiak gerne bestätigt.

 

Viel mehr Sorge hatte man wegen des Wetters. Im letzten Jahr herrschten Regen und Sturm und alle Beteiligten hatten enorm zu leiden. Überall weiß man vom „Sturmlauf im letzten Jahr“ zu berichten. Ganz eindrucksvoll dazu ist auch der Bericht von Michael Dahme unter Laufberichte hier bei marathon4you.de


In diesem Jahr hat der Wettergott ein Einsehen. Zwar macht der Frühling gerade Pause und es ist ziemlich kalt, diesig und auch etwas windig. Aber es regnet nicht und laut Prognose soll es auch so bleiben. Besonders die leidgeprüften Teilnehmer des letzten Jahres sprechen denn auch von „idealen Bedingungen“. Ich hätte es gerne wärmer gehabt, denn ich bin bei 20 Grad zu Hause gestartet, nur kurze Hosen im Gepäck. Zum Glück hab ich auf der kleinen Messe noch eine langbeinige warme Version erstanden und so sehe dem Start gelassen entgegen. Gespannt bin nur, wie ich den Lauf verkrafte, schließlich war ich erst letzte Woche beim Bienwald-Marathon aktiv. Aber ich habe mir wieder kein zu enges Zeitlimit und so wird es schon klappen.

 

Nachdem die Skater auf der Strecke sind, machen sich auch die Läuferinnen und Läufer auf den Weg. Es ist ein Rundkurs von 21,1 km zweimal zu durchlaufen. Ich trabe mit Bernhard los. Es geht über die große Kreuzung auf die halbseitig gesperrte Verkehrsstraße in Richtung Emsdetten leicht bergan. Nach 5 km biegen wir rechts auf einen geteerten Wirtschaftsweg und sind gleich bei der ersten Verpflegungsstelle. Die Tische mit den verschiedenen Getränken sind weit auseinander gezogen. So kommt jeder zu seinem Wunschgetränk ohne Gedränge. Es geht vorbei an Felder und Wiesen durch zum Teil recht würzige Landluft. Nach 7 km erreichen wir Borghorst und laufen einige Schleifen durch den Ort. Überall stehen Leute, treffen sich an Freiluft-Tresen, zu Garagenfesten oder sitzen unter Schirmen an der Straße. Es wird gegrillt, getrunken und gefeiert. Die Stimmung ist prächtig. In der Ortsmitte begrüßt ein Sprecher die Läuferinnen und Läufer namentlich und wünscht einen guten Lauf.

 

Erst bei km 11 verlassen wir den Ort, überqueren auf der Überführung die B 54 und laufen auf dem Radweg parallel zur Hauptstraße. Bei km 14 geht’s rechts ab Richtung Burgsteinfurt. Ein Drittel ist geschafft, meine Zeit: 1:27 Std. und damit etwas schneller, als ich dachte. Das liegt an Volker und Denise, sie kommen aus Hamm und laufen sagenhaft locker und gleichmäßig. Ich verliere sie nicht aus den Augen. Mal bin ich etwas vor, mal sie. Jetzt überholt uns der einzige teilnehmende Rollifahrer. Zwei Radfahrer vorneweg sichern seine Fahrt. Wir gehen zur Seite und klatschen ihm Beifall.

 

Bei km 19 erreichen wir Burgsteinfurt. Ich laufe zu einer Frau auf und frage, ob’s gleich auf die zweite Runde geht. Sie hat die Nummer 462 und will aufgeben und es für heute mit der Halbdistanz gut sein lassen. „Mach das nicht“, rate ich ihr. „Du bist nach einer halben Stunde wieder topp fit und ärgerst Dich schwarz“. Ich gebe ihr von meinen Ultra-Gel-Chips und rede weiter auf sie ein. „Heb Dir das Aufgeben für schlimmere Tage auf, heute schaffst Du es“. Ich nehme ihr das Versprechen ab, dass sie nicht aufgibt und laufe weiter. Nach 2:12 Stunden laufe ich über die Matten. Ich ärgere mich, dass ich mein Radio im Auto habe liegen lassen. Ich rechne nämlich mit einer einsamen zweiten Runde, denn die meisten erreichen hier ihr Ziel.


Ich laufe wieder die lang gezogene Steigung hoch, drehe mich um und bin überrascht, als ich einen ganzer Pulk Läuferinnen und Läufer hinter mir sehe. Auch Volker und Denise sind dabei, die Locker- und Gleichmäßig-Läufer. Jeder erzählt etwas von sich und seinen Läufen. Die Zeit vergeht im Flug. Von Langeweile keine Spur. Wir überholen jede Menge Läuferinnen und Läufer. Schon bald sind wir wieder in Borghorst, km 28 ist erreicht und damit 2/3 der Strecke. Meine Zeit: 2:56 (1:29 für das zweite Drittel), bestens. Immer noch sind etliche Leute am Straßenrand. Einige sind allerdings zwischenzeitlich schon etwas „angeschlagen“, was der Stimmung aber keinen Abbruch tut. Einer fragt: „Kommt Ihr noch mal durch?“

 

Ich habe etwas gebummelt und mache jetzt Tempo. Für die nächsten 5 km brauche ich 28 Minuten und habe wieder zu Denise und Volker aufgeschlossen. Immer wieder überholen wir Läufer, die die erste Hälfte offensichtlich zu schnell angegangen sind. Ich kenne das, ich hab auch schon 4 ½.-Stunden-Marathons hinter mir, wobei auf die erste Hälfte 2 Stunden und auf die zweite 2 ½ Stunden entfielen. Es ist doppelt deprimierend. Selbst ist man am Ende und dann wird man auch noch dauernd überholt. Heute läuft es gut, obwohl ich auf den letzten 3 Kilometern meine ständigen Begleiter ziehen lassen muss. Ich habe aber nicht das Gefühl, dass ich langsamer laufe, die machen einen Endspurt. Nach 4:25 (1:29 für das letzte Drittel) bin auch ich im Ziel und wieder glücklich und zufrieden.

 

Wenig später trifft auch Bernhard ein und in der Halle lerne ich endlich Frank Pachura (auch marathon4you-Autor) kennen, der sich gerade auf den Heimweg machen wollte.

 

Soeben, während ich noch an diesem Bericht schreibe, erreicht mich folgende Email:

 

„Hallo Klaus, hier schreibt Dir die "Startnummer 462"... Marita aus Göttingen. Ich möchte mich auf diesem Wege recht herzlich für Deine Aufmunterung bedanken. Dank Deiner Hilfe habe ich nicht auf halber Strecke abgebrochen und bin ziemlich munter den Marathon zu Ende gelaufen. Du hattest Recht: es war bei mir wirklich nur eine reine Kopfsache. Liebe Grüße Marita“.

 

Informationen: Steinfurter Marathonlauf
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