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Laufberichte

Je schwerer die Prüfung, desto größer der Sieg

 

Dieses Jahr sind wir mal  früher in Kandel und hoffen auf einen guten Parkplatz. Das hatten wohl noch andere gedacht und so reihen wir uns schon früh in die Schlange der Parkplatzsuchenden ein. Die Helfer sind das gewöhnt; unerbittlich werden wir weiter gewunken. An der Bienwald-Halle ist bereits alles voll und auch der folgende Waldweg ist schon ziemlich zugeparkt. Gefühlte zwei Kilometer weiter gibt es noch Stellplätze idyllisch an einem See gelegen. Die erste Hürde des Tages haben wir damit erfolgreich gemeistert.

Vor der Bienwald-Halle der nächste Stau. Alle wollen rein. Endlich haben auch das geschafft. Die Ausgabeschalter für die Startunterlagen sind alphabetisch geordnet, so dass wir unerwartet schnell unsere Startnummer in Händen halten. Wie immer gibt es ein Funktionsshirt, dieses Jahr in grasgrün.

 
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Kurz vor 10 Uhr verlassen wir die Halle. Der Start erfolgt direkt davor auf der Straße. Hinter dem roten Startbogen ist es schon voll. Wir werden von hinten starten, wie es auch die Schilder für die Startaufstellung vorschreiben. Die Strecke ist komplett flach, so dass hier ein starkes Läuferfeld zu erwarten ist. Um vor allem am Anfang keinen zu behindern, ist es wichtig, sich seinem Leistungsvermögen gemäß einzusortieren. Da die Halbmarathonläufer mit uns zusammen starten, ist die richtige Reihenfolge beim Start umso bedeutender.

Es ist schon 10 Uhr und wir warten gespannt. Geht es schon los? Es dauert etwas, bis sich die Läufer vor uns in Bewegung setzten. Erst unter dem Starttor kommen wir dann tatsächlich ins Laufen. Das Feld ist dicht, man achtet auf den anderen. Erstaunt beobachte ich nach der ersten Kurve, wie sehr sich das Feld bereits auseinander gezogen hat.

In einer Schleife geht es nach Kandel zurück und durch den Ort. Hier stehen einzelne Fangruppen und feuern uns an. Auch aus den Fenstern heraus werden wir bejubelt. Wir verlassen den Ort und erreichen die abgesperrte B427. In einiger Entfernung drehen sich träge vier mächtige Windräder. Minefeld heißt der nächste Ort, mit der ersten VP am Ortsausgang bei km 5.

 
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Nach einem weiteren Kilometer erreichen wir den Wald. Über einen schmalen asphaltierten Weg gelangen wir beim Naturfreundehaus auf die K16. Dieser folgen wir für ca. 2 km bis sie auf die K15 trifft. Vorher schon, kurz vor dem km 8 Schild kommen mir bereits die Führenden des Halbmarathons entgegen. Habtom Weldu und Simon Stützel liefern sich ein packendes Duell. Sie werden später in dieser Reihenfolge im Ziel einlaufen, netto nur eine Sekunde auseinander. Die Siegerzeit beträgt 1:05:14. Endisu Getachew kommt kurze Zeit später an mir vorbei und wird im Ziel dritter. Bei den Frauen gewinnt Lisa Hahner in 1:14:28 vor Tanja Grießbaum mit 1:15:36 und Kerstin Stephan in 1:18:03. Lisa Hahner hat sich ganz kurzfristig dafür entschieden, auf der schnellen Strecke durch den Bienwald den für die Olympiaqualifikation geforderten Leistungsnachweis zu liefern.  Das ist ihr auch geglückt. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt muss Zwillingsschwester Anna nachziehen.

Wir biegen auf die K15 ein. Auch diese breite Straße ist komplett für den Verkehr gesperrt. Wir laufen auf der rechten Seite, links kommen die Halbmarathonläufer mittlerweile in größeren Gruppen. Die sind ganz schön schnell. Auf unserer Seite dagegen geht es eher gemächlich zu. Hier ist Zeit für diverse Unterhaltungen und mit der Ablenkung durch den Gegenverkehr ist die lange, gerade Strecke sehr  kurzweilig. Lauffreundin Gise mit  (Stoff)Henne Helga im Rucksack ist im gleichen Tempo wie ich unterwegs. Wir haben viel zu erzählen, die Zeit vergeht schnell.

 
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Nach dem Wendepunkt für den Halbmarathon hinter km 12 wird es ruhiger auf der Laufstrecke. Wir erreichen den Abzweig Richtung Büchelberg.  Wir müssen aber geradeaus nach Schaidt, wenden und zurücklaufen.

Wieder ist reger  Gegenverkehr. Diesmal sind  es die schnelleren Marathonläufer,  die die  Schleife und insgesamt 21 km bereits hinter sich haben.  Bei mir sind es knapp 15 km. Die Führenden müssen aber schon durch sein, denn nur den 3:30 Zugläufer sehen wir noch. Ein paar Minuten später kommt Norbert mit unserer Lauffreundin Elli, die heute ihren zweiten Marathon läuft. Das sieht noch gut aus.

Weiter in lockerem Tempo erreichen wir den Ortseingang von Schaidt. Die Guggemusik-Formation „Die Jockgrimer Feierbatscher“ spielen heiße Rhythmen und das Publikum macht Stimmung. Beschwingt laufen wir weiter. Bis zur Wende ist es ein ziemliches Stück und ein unangenehmer Gegenwind bremst uns aus. Wir trösten uns mit dem Gedanken an den Rückenwind nach der Wende. Ich bin schon gespannt, wer noch alles hinter mir ist. Viele sind es nicht und irgendwann ist die Gegenfahrbahn verwaist. Schon von weitem hören wir wieder die Guggenmusik. Es geht auf der K15 zurück. Es ist sehr ruhig geworden, denn es wir nur noch in die eine Richtung gelaufen. Nur der Besenwagen kommt noch. Gut, dass ich hier nicht alleine laufen muss …

 
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Km 21, wir haben den Abzweig Richtung Büchelberg erreicht. Halbzeit. Ich muss Gise ziehen lassen, meine Beine sind schwer. Jetzt kommt das schönste Stück der Strecke. Die Straße ist schmal, vielleicht ein wenig ungepflegt, aber genauso, wie es sich für einen Naturpark gehört. Der Wald rückt näher heran und zeigt sich von seiner rustikalen Seite.

Es geht durch den Nordteil des Bienwalds, der ein etwa 120 km² großes Landschaftsschutzgebiet ist, durchzogen von einem Gewirr aus Rinnsalen, Gräben und Bächen, die z.T. im Sommer austrocknen. Die Vegetation hat sich angepasst: Wo Wasser lange steht, gibt es die seltenen Erlenbruchwälder. Die lichten Eichen- und Kieferwälder sind eher in den trockneren Zonen anzutreffen. Im Bienwald gibt es 151 gefährdete und seltene Pflanzenarten.

Die größten Säugetiere sind Schwarz- und Rehwild. Aber auch seltene Baummarder und Wildkatzen sind hier wieder heimisch geworden. Der Bienwald ist Brutgebiet zahlreicher Vogelarten und ein Mekka für Ornithologen. Leider sind um die Mittagszeit keine Tiere zu beobachten. Aber allein schon der urwüchsige Baumbestand hat seinen Reiz.  So laufen wir nun ca. 5 km bis zum nächsten Wendepunkt. Da jetzt wieder Läufer entgegenkommen ist dieser Abschnitt spannend. In den Gesichtern spiegeln sich die unterschiedlichsten Gemütslagen: gequält, konzentriert, unbeeindruckt. Oft aber auch ein Lächeln oder Lachen, wenn man ein bekanntes Gesicht erkennt. Dazu kommt jetzt manchmal sogar etwas die Sonne heraus.

 
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Ich bin froh, den Wendepunkt bei km 26 zu erreichen. Es herrscht wieder mächtig Gegenwind. Es scheint egal zu sein, in welche Richtung ich laufe. An der nächsten VP gibt es zum ersten Mal Cola. Bisher waren wir mit Wasser, Iso und Tee gut bedient. Außerdem sind immer Bananen- und Orangenstücke im Angebot. Auch an aufmunternden Worten seitens der Helfer wird nicht gespart.

Ein besonderer Service beim Bienwald-Marathon sind die persönlichen Ansagen der Brutto-Durchgangszeit alle 5 Kilometer. Für mich ist das zwar wenig relevant, aber eine nette Abwechslung ist es dennoch. Hinter km 31 biege ich wieder auf die K15 ein. Ich bin nun eindeutig auf dem Rückweg, das Schlimmste ist also geschafft. Die Restkilometer werden nun einstellig.

In der Ferne kann ich einige Läufer ausmachen. Anscheinend komme ich mit meinem langsamen, aber immerhin gleichmäßigen Tempo immer näher heran. Bald habe ich Jürgen aus Duisburg eingeholt. Wie so oft, werden aus ein paar freundlichen Worten kleine Gespräche und schon habe ich einen netten Laufpartner für die letzten Kilometer. Die Helfer an den VPs kümmern sich rührend um uns und sprechen immer wieder Mut zu. Hinter km 35 geht es auf die kleine Teerstraße zum Naturfreundehaus. Jetzt lässt sich sogar dauerhaft die Sonne blicken. Trotz des starken Windes wird es richtig warm. Ich kann die Lautsprecherdurchsagen vom Stadion schon hören. Spaßes halber erkundige ich mich an der VP, ob es links nicht näher zum Ziel wäre. „Nein, nein, Du musst schon geradeaus weiter“ wird mir beschieden. Meint der Helfer wirklich, ich würde so kurz vor dem Ziel abkürzen?

Bei km 38 verlassen wir den Wald. Es geht über weitläufige Wiesen. Die ersten Häuser von Kandel sind in Sicht. Wir biegen rechts zwischen dem wasserführenden Hintergraben und dem Floßgraben ab und laufen an der ersten Häuserreihe entlang. Der Gegenwind scheint es noch einmal richtig auf uns abgesehen zu haben.

Ab km 40 kann ich wieder die Lautsprecherdurchsagen vom Ziel wahrnehmen. Obwohl man das Stadion noch nicht sehen kann, ist es ganz in der Nähe. Nur noch rechts auf den Hubhofweg, dann beim parkenden Krankenwagen links abbiegen und schon geht es am Stadion entlang. Hier kommen uns gefinishte Läufer und Begleiter entgegen. Jeder feuert uns an, so dass ich die letzten Kräfte mobilisieren kann. Es geht ins Stadion, dann folgt nur noch eine Runde auf der Laufbahn.

Norbert wartet schon im Ziel, Gise ist da und andere, die vor mir angekommen sind. Wir beglückwünschen uns gegenseitig. Gratulation! Es gibt leckeres Erdinger und noch einmal Verpflegung.

Die nahe Bienwald-Halle ist wieder Läufertreff. Hier kann man seine Urkunden ausdrucken lassen, und eine Medaille erstehen. Außerdem gibt es Speis und Trank für kleines Geld. Vor der Halle ist ein kleiner Bauernmarkt. Erzeuger aus der Region bieten ihre Produkte an.

 

 

Fazit:

Der Bienwald-Marathon ist ein gelungener Mix aus hochkarätiger Sportveranstaltung und Familienfest. Mit Marathon-Finisherzeiten von 2:30.49 durch Richard Schuhmacher und 2:59:08 von Manische Sina, 34 Marathonläufern unter 3 Stunden im Ziel und einer Gesamt-Finisherzahl von 506 beim Marathon und 1268 beim Halbmarathon braucht man sich im Ranking der Laufveranstaltungen nicht zu verstecken.

Die Organisation ist perfekt, und die gute Verpflegung, die netten Helfer und das urige Ambiente allseits beliebt. Über die Attraktivität der Strecke lässt sich trefflich streiten. Es ist immer flach und geht die meiste  Zeit stur  geradeaus. Das ist gutes Mentaltraining als Zugabe zu 42,195 Kilometern. . Aber so wollen wir es ja: Je schwerer die Prüfung, desto größer der Sieg.

 

Marathonsieger

 

Männer

1 Schumacher, Richard  Sparda Team Rechberghausen 2:30:49    
2 Grotti, Raphael engelhorn sports team - TV Schriesheim 2:39:22             
3 Vöhringer, Bernd TSV Kusterdingen 02:39:53    

 

Frauen

1 Sina, Manishe LG Seligenstadt 02:59:08        
2 Veith, Pamela TSV Kusterdingen 02:59:29        
3 Herbrik, Katrin TV Hergershausen 03:08:37   

 

 

Bildimpressionen

(Klaus und Margot Duwe)

 

 

 
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Informationen: Bienwald-Marathon
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