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Laufberichte

Öfter mal was Neues

11.04.10

Das Sechseläuten ist das Frühlingsfest der Limmatstadt mit einem farbenprächtigen Kinderumzug am Sonntag und dem eigentlichen Sechseläutenumzug der Zünftler am Montag. Höhepunkt ist die symbolische Verbrennung des Winters in der Gestalt eines Schneemanns – des Bööggs. Die Zeitspanne, die vom Anzünden des Feuers bis zur Explosion des Bööggenkopfs vergeht, wird als Gradmesser für die Wetterentwicklung des darauf folgenden Sommers genommen. Mal schauen, welche Prognose wir am kommenden Wochenende erhalten, wenn es wieder so weit ist.

Gleich anschließend an den Sechseläutenplatz stehen Abschrankungen um die Baustelle für das unterirdische Parkhaus beim Opernhaus. Kürzlich entdeckte prähistorische Pfahlbauten, die zu den am besten erhaltenen Seeufersiedlungen überhaupt gehören, haben zu einem vorläufigen Baustopp geführt. Die Rettung dieses potentiellen Welterbes stellt die Stadt wegen des Mangels an qualifizierten Fachleuten allerdings vor große Schwierigkeiten.

Wenn dann mal gesichert und konserviert und das Parkhaus gebaut ist, wird auch der Sechseläuteplatz endlich ein freundlicheres Gesicht erhalten. Nach Abschluss der Arbeiten wird er mit 16 000 m2 zum größten innerstädtischen Platz der Schweiz.

Auf der Höhe des Opernhauses geht es in die nächste Parallelstraße zum See, ein gehobenes Wohnviertel, durch welches die Strecke bis zum Zürichhorn führt. Den Namen trägt die Straße nach einem weiteren General der Schweizer Armee, dem Humanist, Politiker, Kartograf und Ingenieur Guillaume-Henri Dufour, eine der bedeutendsten  Persönlichkeiten der Schweiz im 19. Jahrhundert. Ihm hatte das Land die erste amtliche topographische Karte zu verdanken und als Dank dafür wurde der höchste Punkt der Schweiz, die Dufourspitze im Monte-Rosa-Massiv, nach ihm benannt.

Aber auch die Verwendung des Schweizer Kreuzes als Schweizer Staatswappen wie auch die Verwendung der farblichen Umkehrung  als Emblem des Roten Kreuzes, welches er nebst der Genfer Konvention zusammen mit Henri Dunant begründet hat, gehen auf Dufour zurück.

Beim Zürichhorn geht es in einer Spitzkehre zurück zur Stadt. Ein Siebtel des Marathons haben wir bereits in unseren Beinen und wenn wir das nächste Mal in dieser Richtung auf der Bellerivestrasse unterwegs sind, liegt nur noch ein Achtel vor uns.

Auf der linken Seite zum See hin ist der Chinagarten, ein Geschenk der chinesischen Partnerstadt Kunming an die Zürcher Bevölkerung für die technische und wissenschaftliche Hilfe beim Ausbau der Kunminger Trinkwasserversorgung und der Stadtentwässerung. Seit sechzehn Jahren erfreut er die Züricher mit seiner intensiven Auseinandersetzung mit einem der Hauptthemen der chinesischen Kultur, der «Drei Freunde im Winter»: die Föhre, der Bambus und die Winterkirsche, die gemeinsam der kalten Jahreszeit trotzen.
Meine Kleidung trotzt der Bise, und ich habe es bis jetzt noch nicht bereut, dass ich mich eher warm angezogen habe.

Zum zweiten Mal sehe ich die Zehenschuhe bei einem Marathon im Einsatz. Kalte Füße gibt es darin angeblich keine. Im Gegenteil der Träger versichert mir, dass mit diesen Barfußschuhhüllen die Füße im vergangen Winter beim Laufen im Schnee die einzigen warmen Körperteile gewesen seien.

Wie es so ist, komme ich beim Fotografieren mit verschiedenen Teilnehmern ins Gespräch. Und auch heute geht es  darum, wie gut das Laufen für Körper und Geist ist. Davon muss mich niemand überzeugen, genauso wenig wie den Bündner Andrea, der beim Zürich Marathon noch nie gefehlt hat und daneben auch zehnfacher Finisher des Comrades ist. Irene, zu welcher wir aufschließen, bestätigt diese Einschätzung mit einer weiteren, sehr persönlichen Dimension. Sie läuft gegen Krebs. Nicht als Spendensammlerin, wie das viele in verdienstvoller Weise auch tun, sondern gegen den Krebs in ihr.

Nach der zweiten Wasserstelle beim Bad Uto-Quai, verabschiede ich mich von meinen temporären Begleitern und ziehe das Tempo ein wenig an. Über das Bellevue, die Quai-Brücke und den Bürkliplatz geht es zurück nach Zürich-Enge. Statt links dem See entlang geht es um den Häuserblock herum. Dabei gibt es nochmals eine Lektion Schweizer Geschichte. Zuerst ein kurzes Stück durch die General-Wille-Straße, dem Befehlshaber der Armee während des Ersten Weltkriegs, dessen Ernennung die Romands brüskierte und für die Schweiz zu einer inneren Zerreißprobe wurde.

Die Straße, welche dann gleich links weg hinter dem Gebäude der Swiss Life weiterführt, ist nach dem Initiant dieses Versicherungs- und Finanzkonzerns  benannt. Alfred Escher, der Gründer der damaligen Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, war die herausragende wirtschaftspolitische Persönlichkeit in der Schweiz des 19. Jahrhunderts. Zu seinen großen wirtschafts- und kulturpolitischen Gründungen gehören die Nordostbahn, das Eidgenössische Polytechnikum - heute ETH Zürich – und die Schweizerische Kreditanstalt - heute Credit Suisse. Er trug auch wesentlichen zur verkehrstechnischen Erschließung des Landes und dessen Anschluss an die Welt bei. Höhepunkt dieses Wirkens war zweifellos die erfolgreiche Realisierung des Gotthardbahnprojekts.

Ob so viel Geschichte die beiden Engländer interessieren würde, mit denen ich ins Gespräch komme, erfahre ich nicht. Paul und Martin laufen als Spendensammler für "Round Table Children’s Wish", eine Organisation, die Kindern mit lebensbedrohlichen Krankheiten Wünsche erfüllt. Sie sind ziemliche Marathon-Neulinge, was sie aber nicht daran hindert, innerhalb von zwei Wochen drei Marathons zu laufen. Auch wenn sie es mit Freude machen und Zürich eine gute Stadt finden, ist es für beide ein hartes Stück Arbeit, die £ 5000.- zu erlaufen.

Nach einer weiteren Spitzkehre bin ich wieder auf dem Mythen-Quai und überquere erneut die Startlinie. Wieder beim Bürkliplatz angelangt, habe ich bereits einen Viertel des Marathons hinter mir und darf, von den dort zahlreich anwesenden Zuschauern angefeuert, mich weiter um das Seebecken herum auf die Begegnungsstrecke nach Meilen begeben.

Wieder geht es am Chinagarten und am Zürichhorn vorbei, vorher nochmals an einer Wasserstelle, an welcher zusätzlich Bananen gereicht werden. Ich für meinen Teil hätte gerne jetzt schon eine isotonische Stärkung, ich muss mich aber noch drei weitere Kilometer gedulden. Dafür wird das Wasser in kleinen PET-Flaschen abgegeben, was ich wiederum sehr schätze. Ich trage nicht schwer daran und habe jederzeit Zugriff.

 
 

Informationen: Zürich Marathon
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