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Laufberichte

Weitsicht im Siebengebirge

 

Einmal ausgefallen ist schlimm genug, zweimal darf nicht sein. Solche Gedanken müssen den Organisatoren des Tri Power Rhein-Sieg durch die Köpfe gegangen sein, als es um die Planung des diesjährigen Siebengebirgsmarathons ging. Wie bekommt man es hin, die eigene Traditionsveranstaltung nach dem Jahr der langen Gesichter 2020 am Leben zu erhalten und nicht wie einige andere den Kopf in den Sand zu stecken? Weitsicht bewies man zusätzlich zur vielerorts üblichen Fernsicht und entschied: Besser nur ein Halbmarathon unter 2G-Bedingung als gar keine Veranstaltung.

Ich hatte die Startnummer schon am Donnerstag beim Dealer meines Vertrauens, 7G-runergy in Bad Honnef, abholen können, danach wäre es auch in Aegidienberg noch möglich gewesen. Das aber jeweils nur gegen Impfnachweis, worauf man direkt ein gelbes Armbändchen umgebunden erhielt. Daher kann ich die gerade mal 21 km von meinem Zuhause aus ganz entspannt zurücklegen und auf den letzten Drücker anreisen, einen nahegelegenen Parkplatz findet man immer. Allerdings habe ich den Weg im strömenden Regen zurückgelegt und werfe daher vor dem Aussteigen in die zwei Grad kalte Realität einen unsicheren Blick aufs Regenradar. Das verheißt Entspannung, die dicke Wolke soll sich bald verzogen haben, schau'n mer mal. Die paarhundert Meter zum Startareal im Gangpferdezentrum sind fix zurückgelegt, gerade wird die siebte Gruppe losgeschossen. Teil des Hygienekonzepts war die Aufteilung in zehn Startgruppen nach gemeldeter, geschätzter Laufzeit gewesen, den Reporter hat's in die vorletzte verschlagen.

 

 

Thomas und Arne machen ein wenig Spökes am Start, und schon geht’s los. Nach dem Startfoto muss ich ein paar Meter zurück, denn erstmals ist Nettozeitnahme angesagt, man hat uns Chips für den Laufschuh ausgehändigt. Auch der Eventfotograf ist froh, endlich mal wieder arbeiten zu können.

Sollte jemand auf saubere Laufschuhe spekuliert haben, wird ihm direkt der Zahn gezogen: Es geht gleich mitten durch den Matsch, aber dafür kommt man ja her. Eine erste stramme Steigung zwingt die Ersten zum Gehen, mir fällt das Bergauf leicht, und das sollte sich heute erfreulicherweise auch nicht mehr ändern. Schnell zeigt der Wald, bzw. das, was von ihm übriggeblieben ist, sein trauriges Gesicht: Viele Lücken bis größere Freiflächen zeugen vom trockenheitsbedingten Absterben v.a. der Fichten und Tannen.

Im munteren Auf und Ab, die Steigungen sind nach meinem Geschmack nie zu lang und belohnen den Aufstieg in der Regel durch ein sofortiges Bergab, kommen wir gut voran. Natürlich war es in den vergangenen Tagen ordentlich nass gewesen, trotzdem sind alle Untergründe gut zu belaufen. Die ersten fünf km sind schnell absolviert, da lockt schon die erste Verpflegungsstelle mit Wasser, Tee, Iso und Cola, wenn ich richtig aufgepasst habe. Seien wir ehrlich: Für 21 km reicht eigentlich Wasser, aber die Geschmacksvariationen sind doch immer willkommen.

 

 

Die Freunde und Helfer stehen an den Straßenüberquerungen parat und sichern unser Überleben, wie immer kommt mein Dank gut bei ihnen an. Anlässlich der Umrundung des Broderkonsbergs tangieren wir an der Schmelztalstraße kurz die Zivilisation und erhaschen einen Blick auf die St. Servatiuskapelle von 1755. Der Sage nach wurde sie von den Herren von Löwenburg erbaut, weil sich dort eine Edelfrau im Walde verirrt und auf wunderbare Weise ihren Heimweg wiedergefunden habe. Ein Verlaufen ist heute nicht zu befürchten, denn der Weg ist mit Flatterband, Sägespänenpfeilen und netten Streckenposten (idiotensicher, hätte ich fast gesagt) perfekt markiert.

Auf den langen Geraden verliert sich natürlich die über einen Startzeitraum von 45 Minuten entzerrte Konkurrenz und lässt sie dadurch noch länger erscheinen. Aber mein Tempo ist vergleichsweise hoch, die ersten zehn km sind trotz zahlreicher Höhenmeter nach einer knappen Stunde abgearbeitet. Schön ist es wie immer, unterwegs auf zahlreiche Bekannte zu treffen, die man aufgrund der viel zu vielen abgesagten Laufveranstaltungen teilweise schon lange nicht mehr gesehen hat. Leider habe ich am Start unseren Altmeister Eberhard Ostertag (mittlerweile in der M75) verpasst, der sich gerade am Einlaufen war, aber wenigstens mit seiner langjährigen Lauffreundin Angelika war ein kurzes Gespräch möglich gewesen.

 

 

Immer wieder erschüttert das, was vom ehemaligen Nadelwald übriggeblieben ist. Vielfach hat man tabula rasa und alles plattgemacht. Jetzt streitet man sich darum, ob es wirklich notwendig gewesen ist, alles zu entfernen und in der warmen Jahreszeit den Boden somit dem Austrocknen auszuliefern. Tatsächlich liegen bereits einige Strafanzeigen gegen die Verantwortlichen vor. Ich kann es nicht beurteilen, allein der Anblick macht traurig, auch wenn die ersten Aufforstungen bereits zu sehen sind. An einigen Stellen hat der Wind sein Werk verrichtet und die stehengebliebenen Flachwurzler umgeblasen.

Am 366 m hohen Himmerich vorbei geht’s weiter, teilweise auf dem Rheinsteig, den ich im Rahmen des ehem. Rheinsteig-Erlebnislaufs bereits mehrfach absolviert habe. Vertrautes Gelände also für mich. Dritte Verpflegung nach 15 km, es wird schon absehbar, obwohl ich das Ende nicht herbeisehne. Offensichtlich bin ich im perfekten Tempo unterwegs.

 

 

Den 358 m hohen Leyberg umrundend sehe ich den Hinweis aufs Auge Gottes, eine kleine Kapelle, an der es traditionell vorbeigeht. Heute biegen wir leider kurz davor ab, für ein Bild müsstet Ihr also einen der älteren Laufberichte bemühen. Ebenso geht’s mit den nahegelegenen Resten der V1-Stellung, von wo aus im zweiten Weltkrieg Marschflugkörper abgeschossen wurden. Am Asberg geht’s wieder auf den bereits eingangs belaufenen, sehr langen Stellweg, der uns nach Himberg auf die letzten drei km führt. Den Himberger See zeigt man uns nicht. Dessen Umrundung einzubauen wäre doch mal eine gute Idee, oder? Schon sind wir wieder in der Zivilisation auf der langen Zielgeraden. Nie vergessen werde ich meine hiesigen Qualen am Ende meines ersten Marathons im Jahre des Heils 2002, ich weiß nicht, wie oft ich da bis ins Ziel gestorben bin.

 

 

Heute ein diametral anderes Bild. Kein Kunststück, wenn man gerade mal zwanzig anstatt einundvierzig km in den Beinen hat. Trotzdem ist es schön, hier maximal entspannt und beschwerdefrei laufen zu können. Etliche schöne, mehr oder weniger geschmackvoll weihnachtlich dekorierte Häuser säumen unseren Weg. So ist der Aegidiusplatz letztlich schnell erreicht, und der Lauf endet, wie er begann: Arne gibt auf den letzten Metern wieder den Kasper und versüßt die finalen Meter ins Dorfgemeinschaftshaus, das ich nach 2:03 Std. und 427 Höhenmetern deutlich früher als erwartet erreiche.

Hier steppt leider nicht der übliche Bär, denn coronabedingt komplimentiert man uns nach dem Abschneiden des Transponders sowie der Übergabe der Medaille und der Zielverpflegung wieder nach draußen. So entfällt der Grund für ein längeres Verweilen, zudem lockt der Gedanke an die heimische Badewanne.

Ich sage: Gut gemacht! Die Weitsicht der Ausrichter hat diese schöne Veranstaltung in schwieriger Zeit ermöglicht. Ärgerlich ist nur ein Punkt: Die ausgeschriebenen 500 Startplätze waren restlos vergeben, eine Nachmeldung daher nicht möglich. Lediglich 367 Finisher verzeichnet die Ergebnisliste. Das verstehe, wer will.

 

Streckenbeschreibung:

Überwiegend im Wald auf trotz der Witterung durchweg gut zu belaufenden Wegen, einige Asphaltkilometer. insgesamt 427 Höhenmeter.

 

Startgebühr:

25 oder 30 € je nach Anmeldezeitpunkt.

 

Weitere Veranstaltungen:

Keine

 

Leistungen/Auszeichnung:

Medaille, Urkunde zum Herunterladen.

 

Logistik:

Diesjährig wegen Corona stark eingeschränkt.

 

Verpflegung:

Alle 5 km Wasser, Tee, Iso und Cola. Im Ziel neben Getränken einige Knabbereien.

 

Zuschauer:

Veranstaltungstypbedingt überschaubar.

 

Informationen: Siebengebirgsmarathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

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