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Laufberichte

Runtalya extrem - der 6. Antalya Marathon 2011

06.03.11

Riesige Pfützen versperren den Weg zum Start und lassen uns slalomlaufend unser Springvermögen austesten. Auch auf der Startgeraden herrscht partiell “Land unter”. Aber ein Plätzlein findet doch jeder, niemand drängelt, alle bleiben ganz relaxt. Die nächsten dunklen Wolken nahen und man merkt förmlich, dass die Meute nun aber loslaufen, dem Regen quasi davon rennen möchte. Aber nichts da: Weil die Startmatten „schwimmen“, wird der Start um eine Viertelstunde verschoben. So haben wir keine Chance, zumindest am Start dem feuchten Schicksal zu entrinnen. Monsunartig ergießt sich der nächste Guss über uns und wer keinen Regenschutz hat, ist binnen Sekunden komplett durchweicht. Das Warten fällt zunehmend schwerer, mir wird langsam kalt. 

Fast schon eine Erlösung ist es, als dann endlich der Startschuss fällt und wir unseren “Laufmotor” warmlaufen lassen dürfen.

Gleich die ersten Meter werden mir unvergesslich bleiben: Die Startmatten sind weiterhin wasserbedeckt, sodass ich mich frage, was die Startverschiebung gebracht hat. Die mit Gittern abgesperrte Straße dahinter ist über viele Meter in voller Breite mehrere Zentimeter hoch überflutet. Überspringen kann man dies nicht. Es gibt keine Alternative: Wir müssen alle mittendurch. Auf Hacken dahin stacksend versuche ich, das komplette Volllaufen meiner Schuhe zu verhindern, zunächst sogar mit Erfolg. Aber dieser Erfolg ist nur von kurzer Dauer: Den zahllosen folgenden Pfützen kann auch ich nicht entkommen. Und nur wenige hundert Meter weiter weiß ich: Hier darf ich mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, 42 km mit komplett durchnässten Schuhen zurück zu legen.       

 

Mitten durch Antalya

 

Ob Antalya eine schöne Stadt ist oder nicht, das ist sicher Ansichtssache. Die hübsch restaurierte  Altstadt mit allerlei historischen Monumenten und der amphitheaterartig in die Steilküste eingeschnittene alte Hafen sind auf alle Fälle lohnenswerte Ziele. Auch Freunde des Shoppings kommen auf ihre Kosten: wer gerne feilscht, im traditionellen Bazar, alle anderen in der Flanier- und Einkaufsmeile der Atatürk Caddesi rund um die Altstadt und in diversen neuzeitlichen Malls. Die andere Seite Antalyas sind jedoch: wild wuchernde, mit gesichtslosen Hochhäusern vollgepflasterte Vororte, Zeugnisse einer Boomtown einerseits, einer unkoordinierten Stadtplanung andererseits. Dass Antalya vom Touristenboom profitiert und relativ wohlhabend ist, ist jedoch auch hier nicht zu übersehen.

Wir Läufer jedenfalls dürfen zunächst einmal die Schokoladenseite der erst jüngst zur Millionenstadt aufgestiegenen Südküstenmetropole kennen lernen - soweit man einmal das Wetter ausblendet. Der Konyaalti Caddesi folgen wir am Meer entlang gen Osten, immer geradeaus, direkt in Richtung Innenstadt. Ich gebe ganz offen zu: Nachdem meine Schuhe ohnehin nicht mehr zu retten sind, gebe ich den Pfützenslalom auf und empfinde fast schon eine kindliche Freude daran, direttissima durch Wasserlachen und spontan entstandene Straßenbäche zu platschen.

Bei km 1,5 passieren wir die grüne Stadtoase des Tophane Parki und erreichen gleich dahinter bei km 2 den Cumhuriyet Meydani (Platz der Republik). Der weite Platz markiert das Zentrum der Innenstadt und ist einer der Zugänge zur angrenzenden Altstadt. Mittelpunkt des Platzes ist das Bronzeungetüm des Atatürk Monuments. 

Atatürk – dieser Name begegnet einem in der Türkei immerfort und überall. Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938), Gründer der türkischen Republik, war und ist so etwas wie der Übervater der Nation. Er ist derjenige, dem die Türkei es primär verdankt, dass sie heute so ist wie sie ist: das vielleicht fortschrittlichste aller muslimisch geprägten Länder. Er ist es, der die Grundlage für den Wandel der Türkei von einem wirtschaftlich rückständigen Provinzland zu einem modernen Staat und die  Annäherung an den Westen vorangetrieben hat, der den Laizismus, also die Trennung von Staat und Kirche, zur Staatsgrundlage gemacht hat. Auf ihn zurück zu führen ist aber auch, warum sich die Türkei bis heute beim Spagat zwischen weiterhin verwurzelter Tradition und westlich geprägtem  Lebensstil schwer tut. 

Nur für einen Augenblick ist das Yivli Minare, das Wahrzeichen Antalyas zu sehen. Das runde, markant gefurchte, Minarett aus dem 13. Jh. ist ein Überbleibsel aus der Seldschukenzeit. Dekorativ wird der monolithische Turm von hohen Zypressen umringt – vor allem in der Dämmerung ein tolles Fotomotiv.
Auch das Kale Kapısı (“Burgtor”), der wuchtige, zinnengekrönte Uhrturm, einst Bestandteil der aus der Römerzeit stammenden Stadtbefestigung, liegt nicht direkt an unserem winkelig durch die Geschäftsstraßen der Innenstadt führenden Kurs. Nur einmal blinkt es durch eine Häuserschlucht hindurch.

Auf den für den sonstigen Verkehr gesperrten Straßen sind wir Läufer primär unter uns. Aber wer hat schon Lust, an einem frühen Sonntagmorgen bei diesem “Sauwetter” einem Haufen Laufverrückter bei ihrem sonderlichen Tun zuzuschauen? Daran ändert sich auch nicht viel, als wir die die Altstadt umschließende Ringstraße, die (wie auch sonst?...) Atatürk Caddesi, erreichen. Mitten auf der Straße reihen sich mächtige Palmen wie Perlen an einer Kette auf und verleihen diesem Boulevard mit seinen zahlreichen Boutiquen, Lokalen und Cafes ganz besonderen Flair. Rechterhand passieren wir das Hadrianstor, einen der Zugänge zur Altstadt. Das als Triumphbogen mit drei Durchgängen gestaltete Tor ist gleichfalls ein Relikt aus der Römerzeit (130 n.Chr.) und Teil der Altstadtmauer. Jenseits des Tores liegt der wohl attraktivste Teil der Altstadt, den man erst in den letzten Jahren authentisch restauriert und den gepflasterten, winkeligen Gassen damit wieder viel Flair eingehaucht hat. Für Marathonis ist dort allerdings kein Platz – wir traben auf der Ringstraße weiter.

Vor dem Tor harrt stoisch eine pseudohistorisch opulent in Rot und Gold gewandete Truppe - ich beneide sie nicht. Der Regen hat zwar nachgelassen, doch ist das Wetter weiterhin alles andere als gemütlich, zumal uns auch ein kräftiger Wind ins Gesicht bläst.   

Schließlich verlassen wir den Altstadtring in südöstlicher Richtung und passieren kurz darauf bei km 4 das sich nahtlos in die Stadt fügende Atatürk Stadion, die Heimat von Antalyaspor, Antalyas Vertreter in der Süperliga, der ersten türkischen Fußballliga. Hier wird nach einem 38 km-Umweg unser Ziel sein, während für die eine Stunde nach uns startenden Fun Runner der Lauf am Stadion bereits beendet ist.

 
 

Informationen: RUNATOLIA Antalya Marathon
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