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Laufberichte

10 Jahre gute Laune

 

Die nächsten Kilometer laufen wir an neuen Wohngebieten auf der linken Seite und schönen Parkanlagen auf der rechten Seite vorbei. Man bevorzugt anscheinend kleinere, freistehende Hochhäuser. In den Parks gibt es etliche  Spielplätze und Fitnessgeräte für Groß und Klein. Auch Angler sieht man einige. Die müssen eine ziemlich lange “Leitung” haben: Es sind immerhin  40 Meter bis hinunter zu den Fischen. Die Einwohner hier sind ziemlich risikofreudig. Geländer und Warnschilder an der Steilküste fordern sie geradezu heraus, die Beine über dem Abgrund baumeln zu lassen. Ich kriege feuchte Hände.

Über uns die Urlaubsflieger im Landeanflug, der Wendepunkt für die Halbmarathonis ist erreicht und das Läuferfeld somit schlagartig dezimiert. Für Judith und mich beginnt ein Wettkampf mit einem türkischen Läufer. Auf seinem Hemd ist zu lesen: “Gireson Marathon Kulübü”. Judith macht mich darauf aufmerksam, dass man durch geschicktes Weglassen von Punkten und “u” zur Bezeichnung “Klub” kommt. So einfach kann Türkisch sein und abgehängt haben wir den Mitstreiter dann auch noch. Der Stadteilbürgermeister Ümit Uysal lächelt uns von großen Bannern am Wegesrand an. Es scheint um den Marathon zu gehen: “Tüm Runatolia katılımcılar ve Sporculara basarilar dilerim” -  was so viel heißt wie: “Ich wünsche den Teilnehmern viel Erfolg beim Runatolia”.

Es geht nun in den Düden-Park, bekannt für seinen Wasserfall. Um einen schönen Blick auf dieses Naturschauspiel zu haben, kann man entweder mit den erwähnten Piratenbooten hierher fahren oder auf eine Aussichtskanzel gehen. Da wir jetzt dafür keine Zeit haben, waren Judith und ich gestern schon mal hier. Auf der Holzbrücke ist man als Läufer dem Wasserfall schon sehr nah, man sieht ihn aber nicht. Dank der starken Regenfälle der letzten Tage rauscht das Wasser dafür recht bedrohlich.

Vor uns liegt eine unverschämt schön aussehende Landzunge mit Sandstrand und Palmen. Das Gelände wird anscheinend vom türkischen Militär zur Erholung genutzt. Also besser keine Fotos machen. Damit haben wir das Ende der Steilküste erreicht. Der schnellste Kilometer steht an, es geht zügig bergab und schon sind wir am Sandstrand. Rechts der blaue Ozean und links eine recht naturnahe Dünenlandschaft, davor unzählige Grillplätze. Für Jogger sind auch Entfernungsangaben angebracht. Wahnsinn, wie lange man für 250 Meter benötigt.

Die Führenden kommen uns entgegen. Bei den Damen fallen sofort die russischen Zwillinge Nurgalieva auf, die den Marathon gewinnen werden.

Kurz danach geht es wieder auf eine Straße und wir laufen hinter Strandbädern vorbei. Der Lara Beach wird angekündigt: Vor uns sieht man die riesigen Komplexe der nagelneuen Themenhotels (Kremlin Palace, Karavansaray, Concorde...). Ein Blick auf die Satellitenbilder im Internet offenbart, was dort in Pool-Landschaften investiert wurde. Vor uns jetzt die Ferienanlage des staatlichen türkischen Fernsehens TRT. Ich hatte ja gedacht, wir würden jetzt noch ein Stück in Richtung der neuen Hotelanlagen laufen. Pustekuchen. Kaum sind wir auf der Hauptzufahrtsstraße, drehen wir um. Davor der Tross der Pressefotografen, alle namhaften deutschen Laufmedien sind vertreten, natürlich ist auch M4YOU-Chef Klaus Duwe dabei.  

Anders als bei unserem “Jubiläumslauf” kürzlich in Bad Füssing ist es hier sehr warm. Dementsprechend läuft es für mich nicht so rund. Nur gut, dass es sehr viele Getränkestellen gibt. Oft werden auch Orangenscheiben und Äpfel verteilt, seltener kleine Bananen. Eine geschmackliche Abwechslung zu den 0,33l-Wasserflaschen bietet Eistee in Dosen. Alles wird von immer freundlich lächelnden Helfern zugereicht. Toilettenhäuschen gibt es auch recht häufig. Ähnlich wie beim Istanbul-Marathon erwartet man unbedingt die Benutzung dieser Anlagen. Beim Start übrigens streng nach Bayan (Damen) und Bay (Herren) getrennt.

Viele Streckenposten sind im Einsatz, erkennbar an Anzug, Krawatte oder dunklem Kostüm und weißen und roten Fähnchen. Gerade als ich einen von ihnen fotografieren will, wehrt der mit den Fähnchen einen Insektenangriff ab – herrlich.

Hinter den Strandbädern verebbt der Strom der entgegenkommenden Marathonis. Liegen wir so weit hinten? Wobei ich (schon jetzt) erkenne, dass ich heute nahezu alle Mitläuferinnen und -läufer einmal gesehen habe, da die Strecke zurück  exakt die gleiche ist. Deshalb müssen wir nun leider auch hinauf auf die Steilküste, das wird unser langsamster Kilometer. Wobei zusätzlich zu diesem Anstieg noch einige wellige Höhenmeter hinzukommen. Mein GPS ermittelt über 200 Höhenmeter.

Dafür ist zuschauermäßig jetzt mehr los. Viele Antalyaner sind nun in den Parks unterwegs, nutzen Spiel- und Fitnessgeräte. Auch in den schicken Restaurants geht es rund. Nur uns beachtet kaum jemand. Gut, dass es die Touristen und einige türkische Ausnahmen gibt, die machen Stimmung. Es ist ein bisschen windiger geworden. Die riesige türkische Fahne am Meer gibt ein schönes Bild ab.

In meiner heiter-frühsommerlichen Stimmung ist mir völlig entgangen, dass Judith mich abhängt. Kurz danach überholt mich Gert aus Karlsruhe, an seinem Trinkrucksack als Ultraläufer zu erkennen. Er hat mir auf dem Hinweg einige Tipps für die langen Strecken gegeben, jetzt muss ich ihn ziehen lassen.

Gerne hätte ich Bilder vom schneebedeckten Taurus-Gebirge auf der Westseite von Antalya gemacht.  Leider scheint dort das Wetter nicht so gut zu sein, sodass die Gipfel im Dunst verschwunden sind. In dieser Gegend kommt der Wandertourismus (Lykischer Weg) langsam in Schwung und einen Traillauf gab es auch schon mal. Ebenfalls weiter westlich liegt Myra, ein Anziehungspunkt vor allem für russische Touristen, weil dort deren Nationalheiliger St. Nikolaus wirkte.

Sechs Kilometer vor dem Ziel kann man die Pyramide beim Blick quer über die Bucht schon erkennen. Im Zentrum Antalyas ist jetzt viel los. Sinnlos zu erwähnen, dass die Flaneure nicht wegen der Läufer da sind und oft die Laufstrecke gedankenlos queren. Hinter der Innenstadt noch ein schöner Blick auf das große Atatürk-Denkmal. Hier wird auch mal richtig Stimmung gemacht. Viele Halbmarathonis auf dem Weg nach Hause feuern uns an. Rechts ein Fan-Shop des Fußballvereins Galatasaray Istanbul.

Bei Kilometer 40 noch ein schöner Blick auf die Strände westlich der Steilküste, die Wellen brechen glitzernd in der Sonne. Dann auf dem letzten Kilometer leicht bergab, ideal. Vor dem Zieleinlauf super Stimmung. Hinter der Linie hängt man mir eine schwere Medaille aus drei Metallsorten mit schickem schwarzem Band und Goldeinlage um. Judith und Klaus erwarten mich schon. Ein junges türkisches Pärchen, das uns über weite Teile des Laufs begleitet hat, beglückwünscht uns und wir natürlich sie.

In der Pyramide erwartet mich schon ein Helfer mit meinem Kleiderbeutel. Warmwasser-Duschcontainer sind vorhanden. Hinter dem Gebäude befindet sich der Chill-Out-Bereich mit Verpflegung  wie den Türkischen Sesamkringeln (Simit), Wasser, Obst und Red Bull) und Unterhaltungsprogramm. Vorsichtshalber fragen wir mal nach den Altersklassen-Prämien. Judith hat eine gewonnen und ich sonne mich in ihrem Ruhm. Auch viele andere deutsche Teilnehmerinnen schafften den Sprung auf das AK-Treppchen. Bei den jüngeren Herren sind hingegen eher die Türken vorne zu finden.

Auch dieses Jahr gibt es wieder eine Steigerung der Anmeldungen  (18%). Fast 40 Nationen sind dabei. 373 Marathon-Finisher. Viele Wiederholungstäter. Der Frauenanteil bei den Marathonis lag bei nur ca. 8%.

Auf dem Weg zum Bus ist die Straße schon wieder für den Verkehr geöffnet, Zielschluss ist  schon nach 5 Stunden. Ein Läufer kommt uns entgegen und wird wie 25 weitere noch in der Ergebnisliste aufgeführt. Anscheinend liegt die Zielmatte jetzt auf dem Bürgersteig.

Wir genießen noch ein spätes türkisches Mittagsessen auf einer Dachterrasse im Zentrum beim Konakturm, um uns dann leider schon wieder auf den Heimweg zu machen. Auf dem Flughafen sieht man noch viele türkische Läufer mit ihren Starterbeuteln auf dem Weg nach Istanbul und deutsche Fußballer nach einer Trainingswoche in wärmeren Gefilden – aber das ist eine andere Geschichte.

 

Bilder von Klaus Duwe

 

High Heels Run

 

 

Marathon

 

 

 

Sieger Männer

 

Shaban MUSTAFA  2:32:28 BUL

Ramazan İŞMEL 2:36:47 TUR

Murat KAYA 2:37:55 TUR 

 

Sieger Frauen

 

Olesya NURGALİEVA 2:46:34 RUS

Elena NURGALİEVA 2:50:31 RUS

Anna GAVRİUK 2:52:32 RUS

12
 
 

Informationen: RUNATOLIA Antalya Marathon
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