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Laufberichte

Mehr als nur ein Marathon

09.05.10

Start auf dem Altstädter Ring

Der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) ist der pulsierende Mittelpunkt der Prager Altstadt. Geradezu riesig wirkt der Platz, wenn man aus der Enge der umliegenden Gassen unvermittelt auf ihn heraus tritt. Ganzjährig finden hier Märkte aller Art statt. In dichten Trauben sammeln sich die Touristen zum Fotoshooting vor allem vor der berühmten Orloj, der astronomischen Uhr an der Südmauer des gotischen Altstädter Rathauses, und zu Füßen der Teynkirche mit ihren markanten, spitzhaubigen Türmen und Türmchen. Aber auch sonst bietet der weiträumige Platz mit seiner zumeist aus dem 14. und 15. Jh. datierenden Bebauung eine imposante mittelalterliche Kulisse – und für einen Marathon ein höchst attraktives Start- bzw. Zielgelände.

Das Getümmel auf dem Platz am frühen Sonntagmorgen ist groß. Kein Wunder: Neben den Marathonis gehen auch die Startläufer der 4-er-Marathonstaffeln und eine Viertelstunde nach dem Hauptfeld die Teilnehmer des “Family Minimarathon” über 4,2 km an den Start. 7.900 Läufer/innen aus 85 Ländern sollen es sein, die sich für diese drei Läufe angemeldet haben. Zudem zieht es aufgrund der zentralen Lage mehr als im üblichen Maße Begleitpersonen zum Startgelände.

Aber es ist ein fröhliches Getümmel, das mich erwartet, und aufgrund guter Vorabinformation und Wegweisung ist es keinerlei Problem sich zurecht zu finden. Von der Morgensonne angestrahlt erfüllt eine herrlich farbenfrohe Szenerie den ganzen Platz und auch die Seitengassen. Der gesamte Start-Zielbereich ist mit ultramarinblauem Teppich ausgelegt, zahlreiche Zelte und Pavillons sind feldlagerartig drum herum aufgebaut, Fahnen wehen und dazwischen wuseln als bunte Punkte die Läufer herum. Musik schallt aus den Lautsprechern, ein Moderator gibt multilingual Informationen und heizt die Stimmung an.

Die Startaufstellung der Marathonis erfolgt nicht auf dem Platz selbst, sondern in der Celetna (Zeltnergasse), einer der malerischsten Altstadtgassen, die allerdings so schmal ist, dass sich der Läuferlindwurm vom Startbogen etwa einen halben Kilometer bis zum Platz der Republik hinwindet. Dass das seine Vorteile hat, werde ich wenig später erleben. Mit Sperrgittern sind diverse Startblocks abgeteilt, in die wir uns unserer Startnummer nach einzuordnen haben. Konsequent kontrolliert wird aber trotz teilweise uniformierter Zugangswächter nicht.

Etwa im Mittelfeld stehend bekomme vom Treiben auf dem Altstädter Ring kurz vor dem Start gar nichts mehr mit. Aber als begleitet von einem Meer aufsteigender blauer und weißer Luftballons Smetanas berühmtestes Werk “Die Moldau” über die Lautsprecher durch die Gasse schallt, weiß ich, auch ohne den Startschuss zu hören, dass es soweit ist. Minutenlang gehe ich begleitet von dieser wundervollen Musik mit dem Pulk langsam dem Startbogen entgegen, wo sich die Trasse öffnet und von Anfang an ein unbedrängtes Loslaufen ermöglicht wird.

Einfach fantastisch ist die Kulisse und das Spektakel auf dem Platz um mich herum. Es sind (zumindest gefühlt) Tausende Zuschauer, die uns winkend und johlend verabschieden - ein Start, wie er schöner nicht sein kann.

Kultur pur – die Prager Altstadt

Ein nicht endend wollender Strom von Läufern ergießt sich vom Altstädter Ring aus direkt in den kühlen Schatten hoher Alleebäume entlang der Pařížská, der Pariser Straße. Nirgendwo in Prag findet man geballt dermaßen viele prachtvolle Jugendstilfassaden wie entlang dieses Boulevards. Nicht zufällig ist die Pařížská auch die edelste Shoppingmeile der Stadt, in der sich die Boutiquen der einschlägigen Edelmarken aus der Mode-, Schmuck- und Duftwelt nur so drängen.

Gleich die ersten Kilometer der Strecke bieten Kultursighseeing pur. Kaum gestartet erwartet uns linkerhand eine der zahlreichen Zeugen Jahrhunderte alter jüdischer Kultur in Prag. Die Altneu-Synagoge (13. Jh.) fällt äußerlich zwar nicht sonderlich auf, ist aber die älteste noch für Gottesdienste genutzte Synagoge Europas. Wer es als ahnungsloser Tourist wagt, sich hier in die schmalen Gassen der umgebenden Josefstadt zu begeben, sollte nicht klaustrophob veranlagt sein. Die menschlichen Pfröpfe, die sich vor den Eingängen zu weiteren Relikten jüdischer Kultur, etwa dem idyllischen Alten jüdischen Friedhof, bilden, sind beeindruckend.

Kurz vor Erreichen der Moldau schwenken wir nach links. Vorbei führt uns der Weg an großbürgerlichen Palazzi wie dem Rudolfinum, Herberge diverser Kunst- und Konzerthallen.

Eigentlich und normalerweise hätte die Laufstrecke am Rudolfinum vorbei noch ein Stück weiter geradeaus durch die Altstadt und dann über Prags wohl berühmteste Kulturreliquie, die Karlsbrücke (Karlův most), führen sollen. Aber recht kurzfristig mussten die Veranstalter aufgrund der laufenden Brückenrenovierungsarbeiten umdisponieren: Diese hätten für die Läufermassen derzeit nur einen zu schmalen Durchgang gelassen. Da die Arbeiten noch Jahre dauern dürften, wird man auch in Zukunft noch mit Überraschungen dieser Art rechnen müssen.

Aber über die Karlsbrücke zwängt sich der normale Pragtourist ohnehin mindestens einmal während seines Aufenthalts, sodass sich das Auslassen dieses Highlights läuferisch verschmerzen lässt. Und die Alternativlösung ist auch nicht schlecht: So zweigt die Strecke bereits beim Rudolfinum (km 1) ab und wir queren die Moldau über die der Karlsbrücke benachbarte Manesuv-Brücke. 

 
 

Informationen: Prague Marathon
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