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Laufberichte

Music miles and more - Linz feiert Marathon

10.04.11

Die Aufstellung erfolgt am südlichen Ende der die Donau querenden Voest-Brücke, und zwar über alle vier Spuren der Autobahn hinweg. Rechts die Viertelmarathonläufer, links der Rest, also die Halb-, Voll- und Staffelmarathonläufer. Benannt ist die 410 m lange Donaubrücke, deren Fahrbahnen über Stahlseile von einem einzigen gigantischen, 70 Meter in die Höhe ragenden Pylonen gehalten wird, nach dem Linzer Stahlkonzern Voestalpine.

Ein ganz besonderes  “Warm up”-Special hält der Veranstalter für die Läufer bereit. Angeleitet von erhöht auf kleinen Plattformen stehenden Vortänzern sollen die Läufer zu Michael Jacksons “Beat it” zu einem Flash Mob, also zum massenhaften, bewegungsidentischen Mittanzen animiert werden. Eine nette Idee - nur entpuppt sich der Flash Mob eher als Flash Flop. Den Läufern ist offensichtlich nicht nach Mitmachen zumute. Nichtsdestotrotz: Die Stimmung ist bestens. Hubschrauber kreisen über uns und fangen die Szenerie aus der Vogelperspektive für die Medien ein. Die Top-Athleten werden vorgestellt, allen voran der “local hero” Martin Pröll. Die österreichische Nationalhymne ertönt, die letzten zehn Sekunden werden kollektiv herunter gezählt, Hunderte Ballons steigen in den Himmel. Dann der erlösende Böllerschuss. Einer Riesenwelle gleich überspülen viele Tausend Läuferbeine den Asphalt der Autobahnbrücke. Nach New York im letzten November empfinde ich den Start in Linz fast wie ein Deja Vu – ein Einstieg in das Marathonabenteuer, den man nicht vergisst 

 

Ab in den Norden

 

Auch wenn Linz keine Riesenstadt ist: Einen Einrundenkurs bringt man für den Marathon dennoch zustande. Der durchzieht die Stadt und das angrenzende Umland in mehreren – konkret: drei –  Schleifen (Nord, Mitte, Süd) und ermöglicht so, Linz in vielerlei Facetten kennen zu lernen. Gegenüber dem Vorjahr wurde der Streckenverlauf geändert und das Zentrum noch stärker einbezogen. Das bedeutet: Das Stadtzentrum steht nach 10 km, nach 20 km und dann wieder nach 40 km auf dem Laufplan. Die Streckenmodifikation ändert allerdings nichts daran, dass der Linzer Kurs ein extrem schneller ist. Gerade einmal 18 Meter beträgt die Differenz zwischen dem niedrigsten und höchsten Punkt der Strecke. Da wundert es nicht, dass der Streckenrekord bei 2:07:33, der schnellsten je in Österreich gelaufenden Zeit, liegt, im Jahre 2007 ausnahmsweise nicht von einem Kenianer, sondern dem Ukrainer Alexander Kusin aufgestellt.

Für uns heißt es zunächst einmal: Ab in den Norden. Jenseits der Voest-Brücke folgen wir dem weiteren Verlauf der Autobahn in die Peripherie. Auch nach dem Start bleibt uns damit die volle Breite der Startgeraden erhalten, was dem Läuferfeld ausreichend Gelegenheit bietet, sich zu entzerren.  

Viel Grün umgibt uns auf den ersten Kilometern. Obwohl Linz “die” Schwerindustriemetropole Österreichs ist, fällt immer wieder auf, wie weit die Natur und die sanfte Hügellandschaft in die Stadt hinein reichen, was so gar nicht dem gängigen Klischee eines Industriestandorts entspricht. 

Bei der Ausfahrt Dornach nach 2,5 km verlassen wir die Autobahn. Und sogleich heißt es für uns, auf dem enger werdenden Laufkurs zusammen zu rücken. In Dornach werden wir bereits erwartet und von einem Streckensprecher und zahlreichen Anwohnern herzlich begrüßt. Während der Lauf in früheren Jahren über Plesching weiter in die Peripherie in Richtung Steyregg führte, dreht der Streckenverlauf nunmehr bereits hier und führt in  einem Bogen auf langen Geraden in Richtung Innenstadt.

Bei km 5 erreichen wir in der den nördlichsten Punkt unseres Kurses und damit die erste Labestelle, wie die Österreicher die Verpflegungsstationen nennen. Etwa alle 5 km sind sie an der Strecke positioniert. Wasser, praktischerweise wahlweise im Becher oder in der Flasche, isotonische Getränke, später auch Cola, sowie Bananen werden von engagierten Helfern beidseits der Wegstrecke bereit gehalten.

Etwa ab km 7 durchqueren wir den an die Donau grenzenden Stadtteil Urfahr. Die Zentrumsnähe ist nun deutlich zu spüren: Repräsentative Bauten und Geschäfte lösen das Vorstadteinerlei ab. Ins Auge stechen der verspiegelte Glaspalast einer Bank und das riesige Neue Rathaus im 80er-Jahre-Betonchic. Die markanteste Wegmarke ist allerdings das gegenüber dem Rathaus hoch über der Donau thronende, von türkis satiniertem Glas umhüllte Ars Electronica Center. Dessen Innenleben widmet sich durchaus unterhaltsam den Wechselwirkungen von Kunst,.Technologie und Gesellschaft in der digitalen Welt. Sensationell ist vor allem das, was sich hier nächtens abspielt: Wie ein Chamäleon wechselt die “leuchtende” Fassade dann immer wieder die Farbe, bisweilen zu elektronischen Klängen in wahre Licht- und Farborgien mündend. Von all dem bekommen wir als Läufer allerdings im Moment nichts mit. Unser Blick richtet sich primär auf das, was sich nun vor uns auftut: Und das ist viel freier Raum, ein kühles Lüftlein und darunter: die Donau.


Volksfeststimmung in der City

 

Die Nibelungenbrücke, die wir bei km 8,5 erreichen, ist die zentralste der Linzer Donaubrücken. Sie verbindet Urfahr mit der Altstadt. Von der Brücke haben wir einen wunderschönen, weiten Blick über den Fluss, auf die am jenseitigen Ufer aus der Altstadtsilhouette ragenden barocken Türme diverser Kirchen. Etwas erhöht auf einem Fels thront seitlich das eher schmucklose Schloss, gleich dahinter demonstrieren grüne Hügel die Naturnähe der Stadt. 

Inmitten des Uferparks an der Donau sticht zu unserer Linken der gläserne, schlicht-modern gestaltete Riegel des Lentos Kunstmuseum ins Auge. Lentos steht dabei für den keltischen Namen der Stadt. Es beherbergt eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst in Österreich. Wie das Ars Electronica Center ist auch das Museum selbst ein Kunstobjekt, vor allem, wenn es dunkel wird und die Glasfassade in einem unwirklichen sphärischen Blau erstrahlt.

 
 

Informationen: Oberbank Linz Donau Marathon
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