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Laufberichte

So war es und so wird es wieder (13)

 

18. Auflage des METRO Marathon Düsseldorf am 26. April offiziell abgesagt. In Anbetracht der aktuellen Situation zum Coronavirus muss die 18. Auflage des METRO Marathon Düsseldorf am 26. April 2020 abgesagt werden.  „Aufgrund der aktuellen Situation können wir den METRO Marathon Düsseldorf nicht wie geplant am 26. April durchführen“, erklärt Renndirektorin Sonja Oberem von der rhein-marathon düsseldorf GmbH.

So heißt es in einer Mitteilung des Veranstalters. Statt durch die schöne Stadt am Rhein zu laufen, erinnern wir uns, wie es war:

 

2013: Party pur

 

Düsseldorf, Hauptstadt des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, 592.000 Einwohner, am Rhein gelegen. Warum ich das hier schreibe? Weil es mindestens zwei Marathonläufer aus dem Süden der Republik gibt, die Düsseldorf noch nicht kennen. Da der Marathon aber im In- und Ausland fleißig Werbung macht, weiß ich, dass mich ein toller Citykurs erwartet.

Start zum Marathon - Die Cheerleader sehen nur die Läufer in der ersten Reihe. Die Cecilienallee ist sehr breit, sodass wir zügig und ohne Gedränge loslaufen können. Die Bäume an der Straße sind in Düsseldorf schon frühsommerlich grün, die Kirschblüte ist in vollem Gange.

Wir stoßen auf Joe K. Ich hätte mich gerne ein wenig über seine Wüsten-,  Schnee- und sonstigen Läufe unterhalten. Aber da bin ich nicht der einzige und so lasse ich ihn lieber mit der Blonden allein. Die Rotterdamer Straße führt rheinabwärts in Richtung Flughafen. Am Messegelände geht es nach rechts in die Vorstadt. Am Nordpark kommen wir zum Aquazoo mit der ersten Verpflegungsstelle. Die ist wie alle anderen ausreichend groß und gut bestückt. Erst erhalten wir Wasser, später immer wieder auch Iso-Getränke und Bananen. Ab km 26 gibt es auch drei Stände mit Gel und Cola. Nette Helferinnen und Helfer versorgen uns bestens.

Kurze Zeit später laufen wir wieder am Rhein in Richtung Zentrum. Hier haben sich bereits früh am Morgen viele Zuschauer eingefunden. Am Hofgarten ist der grüne Teil vorbei. Jetzt wird’s wieder städtischer. Das ist typisch für Düsseldorf und hat folgenden Hintergrund:

Im Jahr 1924 gab es in Düsseldorf bereits einmal eine Marathon-Meisterschaft. Der vorerst letzte Lauf über 42 km fand dann 1961 statt. Anlässlich des New York Marathons und der Bewerbung des Ruhrgebietes für die Olympischen Spiele trafen sich Jahre später der 2008 verstorbene Oberbürgermeister Joachim Erwin und der Langlauf-Enthusiast Jan Winschermann, um Möglichkeiten zu besprechen, den Düsseldorfer Marathon wiederzubeleben.

Winschermann skizzierte eine Strecke am Rhein in Richtung Kaiserswerth, was Erwin aber überhaupt nicht gefiel und laut „Westdeutscher Zeitung“ sagte: „Wenn wir schon so etwas veranstalten, dann legen wir den Verkehr in der Stadt so richtig lahm, sonst merkt es überhaupt keiner, dass in Düsseldorf ein Marathon stattfindet.“ Erwin holte einen Straßenplan hervor und zeichnete den möglichen Streckenverlauf ein, der fast das gesamte Stadtgebiet umfasste. Gesagt, getan. So kam es 2003 zu r ersten Neuauflage des Marathons in Düsseldorf. Joachim Erwin war auch dabei.

Und heute freue ich mich über 42 Stadt-Kilometer und wünsche mir, dass andere Städte auch den Mut haben, noch mehr Sightseeing in die Laufstrecken zu integrieren.

 

 

Bei km 9 kommen wir am schönen Schloss Jägerhof vorbei. Wir laufen an tempelartigen Gebäuden vorbei, bei denen es sich um das klassizistische „Ratinger Tor“ handelt. Jetzt geht es auf die Oberkasseler Rheinbrücke. Hier an der Tonhalle feuern uns natürlich besonders viele Zuschauer an. Kein Wunder, liegen doch Start und Ziel gleich in der Nähe. Es geht zum linksrheinischen Stadtteil Oberkassel. Auf der Brücke kommt uns die Spitzengruppe der Männer entgegen, kurze Zeit später auch die führende Läuferin.

Wir haben einen wunderschönen Blick von der Brücke auf die lange Luegallee mit der bunten Läuferschar und den interessant zugeschnittenen Platanen. Ich hoffe, dass die auch noch Blätter bekommen, wie die Kastanien auf dem Barbarossaplatz. Das muss auf jeden Fall eine lokale Spezialität zu sein, denn woanders habe ich das noch nie gesehen. Am Ende der Straße geht’s nach rechts. Wir machen jetzt quasi eine Runde am Rheinbogen entlang, um danach wieder hierher zurückzukehren.

Viele asiatische Familien schauen dem Treiben zu. In Düsseldorf leben ja besonders viele Japaner, das habe ich schon in der Schule gelernt. Die Stadt ist für japanische Firmen eine gute Adresse. Entsprechend zahlreich findet man japanische Restaurants.

Wir kommen am Ernst-und-Berta-Grimmke-Haus der AWO vorbei. Die Bewohner sitzen am Straßenrand und freuen sich über die Läuferinnen und Läufer. Eine gelungene Abwechslung für die Seniorinnen und Senioren.  Ich erzähle ihnen, dass meine Mutter in München auch im AWO-Heim wohnt und dass sie mich auch immer beim München-Marathon anfeuert. Meistens weiß sie allerdings nicht so recht, was ein Marathon ist und warum ich so schnell wieder weiter muss. Auch jetzt muss ich Kaffee und Kuchen ablehnen.

Am Rhein sehen wir wunderschöne Häuser und wieder frage ich Judith, was wir falsch gemacht haben und wir nicht so wohnen. Na ja, für ein paar schöne Marathonreisen reicht es aber. Scheint eine teure Wohngegend in Düsseldorf zu sein. Von den Balkonen werden wir angefeuert. Eine Dame malträtiert ihr gutes Kochgeschirr.

Links von uns eine Staffelwechselstelle mit einer Schafherde auf den Rheinwiesen. Bei der schönen  Jugendherberge, in der ich vor 28 Jahren einmal übernachtet habe, geht’s wieder in die Stadt und dann über die Luegallee Richtung Rheinbrücke. In den Kneipen und Cafés sind viele Partys, besonders angesagt ist das Café Muggel mit Hightech-Mamis beim Latte Macchiato. Hier trifft mal also die Düsseldorfer Schickeria, sofern sie nicht gerade Marathon läuft.

Auf der Oberkasseler Brücke haben wir einen schönen Blick auf die Silhouette der Altstadt. Im Mai gibt es hier ein japanisches Fest mit tollem Feuerwerk und  im Sommer eine Kirmes auf den Rheinwiesen.

Nun also Teil drei der Stadtbesichtigung: Kreuz und quer durch Pempelfort und Derendorf mit gemütlichen Einkaufsstraßen (Haltestelle Dreieck) und vielen netten Lokalen. Wir laufen an einem idyllischen Flüsschen vorbei, der nördlichen Düssel. Sonst würde die Stadt ja Rheindorf heißen – denke ich mir. Ein römisch anmutender Turm gehört zu einer Feuerwache. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle bleiben, dass etliche Männer der Feuerwehr in voller Montur.

Wir kommen an vielen Kirchen vorbei. Gibt es davon in Düsseldorf mehr als in anderen Städten? Am kleinen Zoopark, den das Informationsheft mutig mit dem Central Park in New York vergleicht, kommen wir in den Stadtteil Flingern, ein Zentrum des kreativen Düsseldorf mit Galerien, Designern und Künstlern. Um das zu sehen, muss man natürlich nach dem Marathon noch mal herkommen.

Wir machen einen Schlenker, wahrscheinlich nur um bei der nächsten großen Party vorbeizuschauen. Wahnsinn, was da los ist.  Die Bewohner haben eigens ein Transparent zur Begrüßung über die Straße gespannt und sorgen für Stimmung, dazu viele Samba-Trommler und Bands. Am Brehmplatz fällt mir eine Familie auf, die eine kleine Verpflegungsstelle betreibt. Die Töchter sind voll bei der Sache. Leider komme ich nicht dazu, mir eine Haselnussschnitte zu greifen. Bin in Eile und auch irgendwie gerührt.

 

 

Weitere Bildgalerie (von Joe Kelbel)

 

 

Von Judith komme ich das Okay, ein wenig schneller zu laufen. Sie selbst möchte die Stimmung anscheinend noch ausgiebiger genießen. Beim Humboldt-Gymnasium dann Musikanten in Aktion. Die Big-Band macht super Stimmung. Toll, dass mich viele Zuschauer beim Namen kennen (steht groß auf der Startnummer). Aber warum nur gratuliert mir keiner zum Geburtstag? Bis zum 50. Marathon am 50. bleiben mir noch 24 Monate und 13 Marathons. Ist doch machbar.

Am bekannten Hofgarten beginnt nun der vierte Abschnitt des Laufs. Durch die City geht es nach Bilk, ein bei Studierenden beliebtes Wohnviertel mit entsprechenden Szeneläden. Dann geht’s zum Medienhafen. Dort am Düsseldorfer Rheinhafen sind viele interessante neue Bauten entstanden. Bekannt sind die Bilder mit den „tanzenden Häusern“ nach Plänen des Architekten Frank O. Gehry.

Wir sind dem Fernsehturm ganz nah. Aussichtsplattform und Café befinden sich in168 m Höhe. Gleich nebenan ist der NRW-Landtag mit Blick auf den Rhein. Hier beginnt auch irgendwo der Autotunnel, dem man die schöne Fußgängerzone an der Rheinpromenade verdankt.

Bei km 38 gibt es eine Begegnungsstrecke. Mir geht langsam die Luft aus. Meine sub 4 scheint gesichert. Die entgegenkommenden Läufer sind kurz vor km 42. Irgendwie möchte ich sie aber jetzt nicht sehen. Wir laufen über die Königsallee, kurz Kö, mit den vielen schönen und teuren Geschäften. Am Corneliusplatz vor den majestätischen Gebäuden des Hotels „Breidenbacher Hof“, der „Galeria Kaufhof“ aus dem Jahr 1901 und dem „Kö-Bogen“ von Daniel Libeskind, Wende und auf der anderen Seite der Kö, zurück.

Der Moderator kündigt an, dass jetzt bereits die Vier-Stunden-Läufer auftauchen. Für mich heißt das noch mal Gas geben. Unter der Rheinkniebrücke das Apollo-Varieté. Eine Läuferin im rosa Hemdchen, mit der Judith und ich schon von Anfang an liefen, unterhält sich mit einem Mitläufer und fällt zurück.

Dann geht es runter zum Rhein. Die Läuferin hat sich auf ihr Ziel besonnen und zieht trotz Protest an mir vorbei, nicht ohne mir anzubieten, doch etwas schneller mitzulaufen. Können vor Lachen...

Toller Zieleinlauf vor der Rheinuferpromenade. Knapp nach den Vier-Stunden-Läufern kommt Judith ins Ziel. Sie hatte sich zwischenzeitlich wieder erholt, aber zum Aufholen war die Zeit zu knapp. Viele Zuschauer und hinter dem Zielbereich viele Sonntags-Bruncher in den Kasematten.

Wir müssen noch einige Meter weiter zum Burgplatz mit dem Schlossturm. Dort gibt es alkoholfreies Weißbier aus der Heimat, eine gut gefüllte Verpflegungstüte der Metro Group mit Mini-Salami, Salzbrezeln und Erdnüssen. Getränke und Krapfen gibt es bis zum Abwinken. Krapfen heißen hier eigentlich Berliner, aber das ist eine andere Geschichte. Super. Wer mich kennt, weiß, dass ich viel Süßes essen kann. 13.000 Krapfen stehen bereit  in einem großen Zelt, wo man auch bei Regen Unterschlupf finden könnte.

Ich gerate über diesen phänomenalen Stadtmarathon mit der fantastischen Stimmung so richtig ins ins Schwärmen. Wir sitzen in der warmen Sonne. Das Läuferpärchen, mit dem wir uns unterhalten, kommt aus Düsseldorf und freut sich sehr über unser Lob.

 

Informationen: Metro Marathon Düsseldorf
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