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Laufberichte

Rock’n Run

28.03.10

Nur für kurze Momente sind uns ausschnittartige Blicke auf das architektonische Highlight Freiburgs, das prachtvolle Münster vergönnt. Über 300 Jahre lang wurde seit Anfang des 13. Jh. an diesem Meisterwerk der Gotik gewerkelt. So nah die Kirche auch ist: Dichte Häuserreihen versperren fast stets den Blick.

Umso präsenter beherrscht der 60 m hohe Torturm des Martinstors (13. Jh.) das Blickfeld. Mit seiner steilen Haube und den Dachtürmchen erinnert er mich an die Prager Altstadttürme. Jenseits des Tores ist die Hölle los. Der dritte Staffelübergabepunkt ist erreicht, aber mehr noch als an den anderen Stellen kocht hier die Stimmung. Hunderte von Kindern und sonstigen Zuschauern säumen die Strecke und begrüßen lautstark und euphorisch die Ankommenden. Nur ein schmaler Durchgang bleibt für die Läufer und lässt „Tour de France-Feeling“ aufkommen. Wow!

Für die Volksfeststimmung mitverantwortlich ist aber auch die Musik, die in der Altstadt nochmals deutlich präsenter ist als auf dem Rest der Strecke. Allein 13 der 42 Bands sind auf den gut drei Kilometern der Altstadtpassage postiert, davon 5 im Dunstkreis der „KaJo“. Musikalisch sind entlang der Strecke alle möglichen neuzeitlichen Stilrichtungen vertreten: von Ska, Rap, Reggae, HipHop zu Samba, Latin, Jazz – aber vor allem und immer wieder: Rock in allen Facetten und Härtegraden. Gemeinsam haben die Bands aber eines: „Leisetreter“ sind nicht dabei. Und das gilt in besonderer Weise für die KaJo. Harte Metal-Klänge werden nur noch durch wummernden Rap aus Megaboxen dezibelmäßig in den Schatten gestellt. Für manch älteren Freiburger mag dies eine Zumutung sein, aber die Jüngeren feiern Party. Und diese tolle Stimmung überträgt sich unübersehbar auch auf die Läufer.

Von der KaJo links abzweigend erreichen wir das trutzige Schwabentor, neben dem Martins-tor das zweite noch existierende Tor der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Auf seiner Fassade prangt der Stadtpatron St. Georg, wie immer mit dem Drachentöten beschäftigt. Die Strecke macht einen weiteren Schwenk durch die winkeligen, malerischen Altstadtgassen, sodass wir das Münster fast umrunden. Mehr als für Augenblicke bekommen wir es aber auch hier nicht zu sehen.

Bei Km 9 stoßen wir mit dem Schlossbergring wieder auf den Straßenring um die Altstadt. Jenseits des Rings erhebt sich dicht begrünt der 456 m hohe Schlossberg. Auch das gehört zu den besonderen Reizen der Stadt, dass die Natur bis weit ins Stadtzentrum hinein reicht. Wir folgen dem Schlossbergring gen Süden, und verlassen, nochmals vorbei am Schwabentor, schließlich den Altstadtbezirk.

Über Oberau nach Zähringen

Auf einer Distanz von einigen hundert Metern ist nun Begegnungsstrecke angesagt. Uns kommen auf diesem Abschnitt diejenigen Läufer entgegen, die die folgende Schleife durch den Stadtteil Oberau schon hinter sich gebracht haben und damit um bis zu 4 km weiter sind. Auf der Gegenspur finde ich statt Begegnung aber zunächst nur gähnende Leere. Dann geht ein aufgeregtes Raunen durch die Reihen: Und siehe da: Ein kleines, dunkelhäutiges Männlein flitzt einsam und allein vorbei, begleitet von einer Welle des Applauses der ihm entgegen kommenden Läufer. Mir schwant schon, dass ich den designierten Sieger gesehen habe. Und so ist es auch: Der Kenianer mit dem wohlklingenden Namen Serem Philemon Kipketer wird nicht nur siegen, sondern auch mit 2:25:17 Std. einen neuen Streckenrekord aufstellen. Danach setzt sich die Leere auf der Gegenspur fort und erst kurz, bevor die Begegnungsstrecke endet, erblicke ich - deutlich gestresster wirkend - den zweitplatzierten Läufer.

Nach der trubeligen Altstadt ist auf den nun folgenden Kilometern „Chill out“ angesagt. Unter hohen Bäumen folgen wir zunächst noch auf Straßen, dann über den Fritz-Horch-Weg dem Lauf der Dreisam durch die Natur in Richtung Osten. Die umgebenden Hügel rücken immer näher. Fast schon meditativ ist das Laufen in dieser ruhigen, entspannenden Umgebung. Ab und an preschen dynamische Jungspunde aus dem Staffelwettbewerb an mir vorbei, aber das ist auch die einzige Form von Unruhe entlang der Strecke.

Die Sandfangbrücke kurz vor Km 12 bildet den Wendepunkt unseres Abstechers nach Oberau. Zum vierten Mal queren wir die Dreisam. Die Samba-Percussion-Truppe „Pulsando“ trommelt auf der anderen Uferseite zum Rückweg in Richtung Stadtzentrum. Wir folgen der langen Geraden der Kartäuserstraße, ehe wir etwa bei km 13,5 wieder die nun deutlich belebtere Begegnungsstrecke erreichen. Nun darf ich diese Passage aus der Perspektive desjenigen erleben, der schon ein paar Kilometer mehr in den Beinen hat. Und ich gebe ganz offen zu: diese Perspektive fühlt sich deutlich besser an!

Mit dem Schlossbergring und abermals dem Schwabentor kommen wir wieder auf Tuchfühlung zur Altstadt, nur geht es nun nicht mehr hindurch, sondern über den Ring in Richtung Norden an ihr vorbei.

Vom Schlossbergring abzweigend führt uns die Mozartstraße ab km 14 in Richtung Herdern. Herrschaftliche Villen säumen die wundervolle Allee. Die Bäume stehen kurz vor der Blüte, einige Sträucher sind schon soweit. Es ist ruhig an der Strecke.

Lebhaft ist es insbesondere an den Verpflegungsstationen. Diese sind etwa alle 2,5 km beid-seitig der Strecke aufgebaut und bieten alternierend Wasser pur oder das volle Programm aus Wasser, Iso, bisweilen Tee, Bananen- und Energieriegelstücken, stets großzügig verteilt und nach gleichem Schema aufgebaut. Ein großes Lob an die vielen Helfer, die sehr aktiv und zuvorkommend die Läuferschaft umsorgen.

Im Zentrum des Ortsteils Herdern, gleichzeitig fünfte Staffelübergabestation, ist einmal mehr Jubelstimmung und ein großartiger Empfang angesagt. Wieder verengt sich die Trasse auf keine zwei Meter Breite, wieder tost eine unglaubliche Geräuschkulisse um unsere Ohren. Keine 200 Meter weiter ist der Spuk vorbei und wir tauchen ein in die unaufgeregte Atmo-sphäre einer beschaulichen, gutbürgerlichen Vorstadt.

Abgesehen von einzelnen Schlenkern geht immer weiter gen Norden. Zähringen ist unser nächstes Zwischenziel. Auf der gleichnamigen Hauptstraße dieses Stadtteils ist die Laufstrecke zwischen km 18 und 19 noch einmal gegenläufig zu absolvieren, wird am Wendepunkt noch ein letztes Mal in großem Stil gefeiert, ehe wir über die Waldkircher und Kaiserstuhlstraße, vorbei am parkähnlichen städtischen Friedhof, zum (Zwischen)Endspurt in Richtung Messegelände ansetzen. Aber eben nur in Richtung .... nicht dorthin. Denn kurz vor dem fast schon vor Augen stehenden Ziel werden die Marathonis über die Emmy-Noether-Straße wieder auf Madison-Allee umgeleitet.

 
 

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