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Laufberichte

Rock’n Run

28.03.10

Dann ist es erst einmal ruhig. Die ersten beiden Kilometer sind optisch wie akustisch eher „reizarm“. Aber die Verhältnisse sind optimal, um den eigenen Rhythmus zu finden. Der kalte Gegenwind motiviert zu einer etwas schnelleren Gangart, um den Körper auf ideale Betriebstemperatur zu bringen. Aber wenigstens regnet es nicht.

Jenseits der Dreisam markiert eine langgezogene 300-Grad-Schleife das Ende der Einlauf-passage und den westlichsten Punkt der Strecke. Der Straßenschwenk führt uns in die Haslacher Straße, auf der es durch den gleichnamigen Vorort nun weiter Richtung Stadtzentrum geht.

Durch Haslach und Stühlingen

Gleich hinter der Straßenschleife erwarten uns auf einmal dichte Zuschauerreihen, vor allem Kinder, denen man förmlich anmerkt, dass sie gespannt und erwartungsfroh nach etwas Ausschau halten, was nichts mit uns Marathonis zu tun hat. Des Rätsels Lösung: Hier ist der erste Staffelübergabepunkt des sogenannten „S’COOL-RUN“. Bei diesem speziellen Laufwettbewerb bilden Schüler und Lehrer 7er-Staffeln auf der Halbmarathondistanz. Gewertet wird nach Klassenstufen. Gestartet wurde dieser Lauf 10 Minuten nach dem Marathonstart. Mit dem Eintreffen der schnellsten Läufer an der ersten Übergabestelle war also in Kürze zu rechnen. Welche Magnetkraft dieser Wettbewerb besitzt, belegen später auch die Statistiken: 268 Staffeln mit 2002 Teilnehmern wird die Ergebnisliste ausweisen.

In Haslach erwartet uns ansonsten eine typische Vorstadtszenerie: Kleine, einfache Einfamilienhäuser, ältere Reihen- und Mehrfamilienhäuser, nichts wirklich Aufregendes. Aber über-raschend viele Anwohner erwarten uns und feuern uns an, stehen im Familienverbund an der Straße, feiern kleine Vorgarten- oder Balkonparties. So ergeben sich viele nette kleine Begegnungen.

Über die Eschholzstraße erreichen wir, erneut die rauschende Dreisam querend, den Stadtteil Stühlinger und kurz darauf die 5 km-Marke. An der geschlossenen Bebauung merkt man, dass wir uns nun schon deutlich zentrumsnäher befinden. Auch die Dichte der Musikgruppen nimmt auffällig zu. Um die anschließende Wahl der besten Band zu erleichtern, ist jede Gruppe mit einer großen Nummer gekennzeichnet.

Als Nr. 7 empfängt uns bei km 5 „Bitter-süß“ mit eigenkomponiertem, dynamisch-melodiösen Deutschrock, dazu einer Frontfrau mit toller Stimme. In die Top 3 ist „Bittersüß“ zwar nicht gewählt worden. Doch in meiner höchstpersönlichen Wertung hat diese Band, auch wenn ich im vorbeilaufen letztlich nur einen Musikschnipsel mitbekommen habe, den „Top-Act“ auf der Strecke geboten.

Bei km 5,5 erwartet uns eines der Strecken-„Highlights“: die Wiwilibrücke. Die nach der nicaraguanischen Partnerstadt Freiburgs benannte Brücke überspannt die zum nahen Hauptbahnhof führenden Gleisanlagen. Die markant blau lackierte Stahlkonstruktion der Brücke mit den Türmen der Stühlinger Herz-Jesu-Kirche im Hintergrund und dem darüber ziehenden Läuferstrom bildet eine beeindruckende Kulisse und ist eines der prägenden Bilder des Freiburg Marathon.

So war es dem Veranstalter auch eine Sondermeldung im Newsticker wert, dass nach Renovierung der 2010er-Kurs wieder über die Wiwilibrücke führt. Jenseits der Brücke erhebt sich in scharfem Kontrast zur Umgebung in schlicht-moderner Eleganz der luftig geschwungene Körper des 1996 eröffneten Konzerthauses, versetzt dahinter der ver-gleichsweise kantige Klotz des neuen Novotel.

Altstadtrunde

Die Wiwilibrücke bildet gleichsam das Tor zur Altstadt. In deren Herz kommen wir allerdings noch nicht so schnell – das müssen wir uns erst erlaufen. Auf der Wilhelmstraße, gesäumt von herrschaftlichen schmucken Fassaden, erwartet uns Hochstimmung am zweiten Staffelübergabepunkt des S’COOL RUN. Weiter werden wir auf die den Kern der Altstadt umschließenden Ringstraßen gelotst. Entlang der Werthmannstraße passieren wir den Campus der Albert-Ludwigs-Universität. Beeindruckend ist die mächtige Fassade aus rotem Sandstein. In der Verlängerung geht es weiter über den Rotteck- und Friedrichring.

Bei km 7 ist es dann soweit: Die Kaiser-Joseph-Straße ist erreicht, die Einkaufs- und Flaniermeile Freiburgs schlechthin. Als zentrale Achse durchschneidet die „Große Gass“ bzw. „KaJo“ – wie sie je nach Einstellung badisch provinziell oder “weltstädtisch“ auch genannt wird – den historischen Stadtkern. Dichte Menschentrauben erwarten uns vor der mittelalterlichen Stadtkulisse, dazu stilistisch passend bewegen wir uns über holpriges Kopfsteinpflaster.

Links und rechts fließen die für die Freiburger Altstadt charakteristischen „Bächle“. Man muss schon aufpassen, dass man nicht aus Versehen in eine der ungesicherten Wasserrinnen hinein stolpert. Aber die Freiburger „Bächle“ haben den Status eines Wahrzeichens erlangt und sind dementsprechend unumstritten. Vom Wasser der Dreisam gespeist wurden sie bereits im Mittelalter (Anfang des 13. Jh.) in den meisten Straßen und Gassen der Altstadt angelegt. Einst dienten die Kanälchen zur Versorgung der Stadt mit Brauchwasser und zur Regenwasserableitung, in der Praxis also insbesondere zu Kanalisationszwecken „aller Art“, ebenso wie als Viehtränke und Löschwasserreservoir. Heute werden sie nur noch als Markenzeichen kultiviert und gepflegt. Es gibt sogar hauptamtliche „Bächleputzer“ zur Reinigung des weitverzweigten Kanalnetzes.

 
 

Informationen: Mein Freiburg Marathon
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