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Laufberichte

Hitze am Rand der Wüste

27.01.13

08.00 Uhr Start. Unter mehreren Startbögen laufen wir durch, einer davon misst die Nettozeit. Einen PowerGel-Beutel und eine  Flasche Iso habe ich dabei, denn vom Veranstalter wird es zu trinken nur Wasser geben, dazu Mandarinen, Rosinen und Datteln. Nach wenigen hundert Metern biegen wir rechts in die Avenue Mohammed VI ein, benannt nach dem aktuellen König. Schon nach wenigen Minuten kommt uns auf Gehsteig humpelnd eine der schwarzen Gazellen entgegen. Muskelprobleme ob der niedrigen Temperatur? 

Platz ist hier genug. Einige Interessierte stehen am Straßenrand, darunter eine Trommlergruppe bestehend aus reiferen Herren in rosafarbenen Djellabas. Sie haben ihren Spaß. Alle laufen beim Bahnhof nach links. Auf einem Rohbau stehen Bauarbeiter und feuern uns vom 3. Stock herunter an. Rechts werden Moped- und Autofahrer von einem Polizisten in Zaum gehalten. Man hat den Eindruck, es braucht nicht viel und die stürmen los, während ein Rettungsauto mit Folgetonhorn genau da durchfahren will. Ulf aus Freiburg spricht mich an, wir wünschen uns gutes Gelingen. 

Eine Spitzkehre über die sehr hohen Randsteine und wir laufen stadtauswärts, links und rechts Mehrfamilienhäuser und gelangen schließlich in den Menara Garten, im 12. Jahrhundert als Olivengarten angelegt und nun öffentlicher Park mit künstlichem See zur Bewässerung. Den kann man aber von der Laufstrecke aus nicht erkennen. Das Wasser für diesen See kommt aus dem Hohen Atlas, dessen höchster Gipfel 4.167m hoch ist. Beiderseits des Weges Olivenbäume, weit sieht man nicht, wegen des Nebels.

Nach meiner Einschätzung müsste die 5km-Versorgungsstelle längst gewesen sein. Wir laufen um den hinter einer Mauer verborgenen See rum und da gibt es Wasser in 0,5-l-Flaschen.

Km5 nach 38min – das ist völlig unmöglich! Oder wie es ein Läufer neben mir ausdrückte: „Cette kilométrage est absurde!“ Wir haben die Laufrichtung gewechselt und hier zieht es richtiggehend. Hier in Flughafennähe warten unzählige Fahrzeuge aufs Weiterfahren. Die meisten der Wartenden nehmen es interessiert, einige machen Videoaufnahmen mit ihren Handys.

Wir laufen auf der stadteinwärts führenden Richtungsfahrbahn einer vierspurigen Straße. 

Km7,5 nach 47min, nicht mehr ganz so absurd. Hier gibt es eine Schwammstation – der Zuspruch hält sich ob der Temperatur in engen Grenzen. Kurz bevor es in rechtem Winkel nach Süden geht stehen da die heute nicht laufenden Fans von LaufkultTour, denen ich gleich von den wirren km-Angaben berichte. Die nächste Gerade ist 5km lang. Wegen des Nebels sieht man es nicht, die Sicht schwankt zwischen 100m – 300m, das reicht auch für mein Tempo. Kaum Zuseher hier im Süden der Stadt, nur an Kreuzungen stehen Leute die warten müssen, dass die Polizei die Sperre aufhebt. Bei km10 gibt es wieder Wasserflaschen, Mandarinen und Beutelchen mit Rosinen und Datteln.

Km12,5 nach 74min, Schwammstation. Wir sind am südlichsten Streckenpunkt und in einer Spitzkehre geht es stadteinwärts, an einem Motorsportgelände vorbei. Plötzlich geht das Laufen ganz leicht, hier hat es ein leichtes Gefälle, 3km lang. Rechts am Straßenrand blühende Rosensträucher, links Einkaufszentren. Nun kann man erstmals die Sonne durch den Nebel erkennen.

Km15 nach 1h26min und rechts in eine 90°-Kurve.  Als ich den Fotoapparat vom Handgelenk baumeln lasse, um an der Labestelle mit der Wasserflasche zu hantieren, wird es plötzlich laut: Ein Polizeiauto mit Blaulicht (das hier rot ist) gefolgt von einem Kombi in dessen offenem Laderaum ein filmender Kameramann sitzt. Sie werden von einer Handvoll Halbmarathonis gejagt. So sieht es aus. Schneller als ich die Kamera betriebsbereit machen kann, sind die wieder verschwunden.

Die Schnellen da vorne werden den Halbmarathon in etwas über 61min beenden, das heißt 20,7 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit! Der Halbmarathon mit knapp 4000 Teilnehmern ist eine Stunde nach dem Marathon gestartet worden. Die HM-Strecke berührt mehrmals die Marathonroute. Nach etwas 2km trennen sich die Wege.

Wir erreichen den Ostteil der Strecke. Hier sind wieder vereinzelt Zuseher. Riesige künstliche Palmen sind getarnte Handymasten, 5 Hunde haben es sich am Straßenrand unter Sträuchern bequem gemacht. Sie würdigen uns keines Blickes. Zeit für mein PowerGel, das ich mit Iso runter spüle. Damit wird meine linke Hand leichter. Km17 muss vorhin gewesen sein.

Wir kommen an eine Brache, hierher wird sich demnächst wohl die Stadt ausdehnen. Derzeit hat sie etwa 900.000 Einwohner. Hier stehen ein paar vereinzelte Pferde rum, zwei kleine Schafherden suchen zwischen dem Staub und den Steinen nach etwas zu fressen. Und die rechte Fahrspur wurde dem Verkehr frei gegeben.

Km20 nach 1h58min und wir nähern uns wieder der Stadt. Kinder stehen am Straßenrand und feuern uns an „Bon courage!“ und „Bravo“ hört man am häufigsten.

Mittlerweile ist die Sonne rausgekommen und treibt die Temperatur in die Höhe. Nun an der 19km langen Stadtmauer entlang laufen die Halbmarathonis wieder mit uns. Es sind 6x mehr als auf der Königsdistanz. Hier ist richtig viel Publikum und nicht alle wollen fotografiert werden. Ein kleines Mädchen ergreift die Flucht, als es meine Kamera sieht. Das Foto habe ich gelöscht. Links von uns die Stadtmauer, rechts ein trockenes Flussbett. Als sich die Wege wieder trennen, wird es ruhig an der Strecke.

Schnurgerade geht es weiter. Ich laufe eine Weile mit Karima und ihrer Freundin, die beide sehr einheimisch aussehen. Sie bekommen viel Aufmerksamkeit von den wenigen Zusehern.    

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Informationen: Marrakech Marathon
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