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Laufberichte

Marathon mit ''Hubbele''

 

Metzingen, die „Outlet City“ am Fuße der Schwäbischen Alb, Mekka für Schnäppchenjäger für modische Markenware aller Art. Vorbei die Zeiten, als lediglich die gut situierte Herrenwelt hierher pilgerte, um sich unter dem kritisch-wohlwollenden Blick der Ehefrau preisreduziert und standesgemäß mit bürotauglichen Anzügen der ortsansässigen Firma „Boss“ einzudecken. Heute ist der Lokalmatador samt Fabrikverkauf zwar immer noch sehr präsent, aber inzwischen prägt auch eine Vielzahl weiterer „Outlet Stores“ von Nike bis Pierre Cardin und von Michael Kors bis Calvin Klein das Bild der Großen Kreisstadt im Landkreis Reutlingen bei Stuttgart. Über drei Millionen Shopping-Fans aus der ganzen Welt verleihen Metzingen, in dem der Wein- und Obstanbau und die Textilindustrie zu Hause sind, ein gewisses internationales Flair.

Wir jedoch haben erst mal kein Auge für die Angebote von Boss, Joop, Lacoste, Escada & Co., sondern streben dem historisch geprägten Kelternplatz entgegen, wo wir die Startunterlagen für den Ermstal-Marathon abholen können. Dessen 11. Auflage samt Halbmarathon, 10-km-Lauf, Schülerläufen und Walking-Wettbewerben findet nämlich morgen statt. Bei der Anreise haben wir uns Zeit gelassen und dabei übersehen, dass die Startnummernausgabe am Samstag nur bis 17 Uhr geöffnet ist. Aber die Mitarbeiterinnen in der Festkelter drücken ein Auge zu, und so erhalten wir unseren Beutel, der auch Gutscheine für ein Iso-Getränk und einen 20prozentigen Rabatt bei einem Outdoor-Sportartikelhersteller enthält, auch noch eine Stunde später. Nur die Nudelparty haben wir verpasst.

Unter einer Kelter versteht man sowohl eine Presse zur Saftgewinnung als auch das Gebäude, in dem sich diese Presse befindet. Die Anlagen in Metzingen, die heute als markantestes historisches Wahrzeichen der 22.000-Einwohner-Stadt gelten, wurden im Auftrag des Klosters Zwiefalten errichtet. Bereits um das Jahr 1500 war die Anzahl der Hallen auf sieben angewachsen. Sie dienten als Schutz für die sogenannten Kelterbäume, hölzerne Hebelpressen, mit denen der Traubensaft erzeugt wurde. Heute sind dort ein Museum, eine Verkaufsstelle für Wein, eine Bibliothek sowie Räumlichkeiten für Veranstaltungen und Märkte untergebracht. Beeindruckend, dass die verwendeten Holzstämme schon seit mehr als fünfhundert Jahren die großen Dächer tragen.

Die wahre „action“ passiert am frühen Samstagabend aber nicht hier, sondern in der Fußgängerzone, wo Kundschaft aus nah und fern die Logo-geschmückten Tüten mit ihren Outlet-Errungenschaften spazieren führt. Hier gibt es auch jede Menge Lokale. In einem davon stimmen wir uns mit Henry aus Berlin – mit kleinem Gepäck angereist und bei Nike und Puma (noch) nicht fündig geworden – auf den morgigen Lauf ein.

 

 

Ausgeruht und auf kürzestem Wege geht es am nächsten Morgen zum Parkplatz an der Metzinger Öschhalle, wo wir nach dem Lauf auch duschen können. Bis in den Start-/Zielbereich sind es nur wenige Meter. Heute „brummt“ der Kelternplatz. Am Sonntagmorgen werden auch Kaffee und Kuchen angeboten. Trotz relativ vieler Teilnehmer/innen geht es um fünf vor Neun noch recht ungezwungen zu.

Pünktlich um 9 Uhr gehen Marathonis und Halbmarathonis locker und unspektakulär auf die Strecke, wobei schon bald mit „Gegenverkehr“ zu rechnen ist. Der Parcours verläuft von Metzingen über Dettingen/Erms nach Bad Urach und zurück und ist zweimal zu bewältigen. Wir starten Richtung Bahnhof und kurz darauf geht es durch eine lange und mit flachen Rampen ausgestattete Fußgänger- und Radfahrerunterführung. Auf der breiten Heerstraße sehen wir kurz einige Industriehallen und dann können wir schon die ins Freie verlegten Frühstückstische der Anwohner begutachten.

Weiter über einem Radweg entlang der eingleisigen Strecke der Ermstalbahn,  links neue Wohngebiete. Schnell sind wir am Bahnhof Neuhausen/Erms. Eine kurze Pendelstrecke und dann weiter im Ermstal bergauf. Martin aus Pforzheim outet sich als treuer Leser von M4Y und überschüttet die Autoren mit viel Lob. Das hört man gern.

Wir laufen ein kurzes Stück über die Felder, links am Rand die Weinberge. Schön ist es hier. Zwei Radler kommen entgegen und kündigen die Spitzengruppe des 10-km-Laufs an, der von Bad Urach nach Metzingen führt. Sich rechts halten, ist das Gebot. Inzwischen sind wir auch soweit verteilt, dass viel Überholen nicht mehr notwendig ist. Lediglich an einigen scharfen Linkskurven kann man nicht die Ideallinie laufen. Vorn bei den „Zehnern“ mit dabei ist die heute wohl prominenteste Teilnehmerin Sabrina Mockenhaupt, Olympionikin und Inhaberin unzähliger nationaler Titel im Langstreckenlauf. Nach einer Laufpause und der Teilnahme an der TV-Show „Let`s Dance“ will sie es noch mal wissen und wird am Ende in 35:09 Minuten Rang 2 hinter Katja Fischer von den Stadtwerken Tübingen (35:08) belegen.

 

 

Die Nürtinger Straße unterqueren wir durch eine neue Radwegunterführung, was mich zu der Aussage verleitet, dass wir uns wohl in einer sehr reichen Gegend befinden. Hier gibt es Unterführungen, wo im armen Bayern noch nicht mal Ampeln sind. Von den Mitläufern kommt kein Widerspruch.

Oben queren die vielen 10-km-Läufer die Straße. Wir kommen nach Dettingen. Mit „B“ am Anfang würde es für meine Ohren noch etwas vertrauter klingen. Aber dann halt nicht. Den Ortsnamen „Dettingen“ gibt es übrigens noch öfters als „Bettingen“, allein achtmal in Baden-Württemberg und ganz in der Nähe als Dettingen unter Teck, was häufiger mal zu Verwechslungen führen dürfte.

Die Kappishäuser Straße säumen wieder viele schöne Eigenheime. Rechts spenden einige Bäume ein wenig Schatten. Ja, auf den Wetterbericht war wieder einmal kein Verlass. Hatte man für lange Zeit Gewitter und Regen in Aussicht gestellt, so sollte es gemäß der aktuellsten Vorhersage am Vormittag zumindest wolkenverhangen bleiben. Aber Petrus hat wohl ein Einsehen und möchte uns auch dieses Jahr wieder zu einem sonnigen „Vergnügen“ verhelfen. Ein Läufer kündigt spaßeshalber an, sich beim Veranstalter beschweren zu wollen, da er auf das Einreiben mit Sonnencreme verzichtet habe. Ich freue mich schon auf einen frischen Sonnenbrand und Judith vermisst ihre dunkle Brille.

Die Erms ist ein 32,7 km langer Fluss, der im Bad Uracher Stadtteil Seeburg entspringt und im nicht weit hinter uns liegenden Neckartenzlingen in den Neckar fließt. Zweimal werden wir das Flüsschen heute queren. Hier erstmalig recht unscheinbar, versteckt hinter viel grüner Blätterpracht.

Etwa bei Kilometer sechs erreichen wir den Marktplatz von Dettingen, angekündigt von einem großen gelben Startbogen für spätere Wettbewerbe. Viele Fachwerkhäuser säumen die schöne, neu gestaltete Straße. Es geht angenehm bergab. Irgendwie geht es ja immer bergab, stelle ich fest. Aber da kommt auf Schwäbisch Widerspruch; es würden noch zwei „Hubbele“ folgen. So was wie Hügelchen, aber vielleicht doch nicht so hoch, wird mir erklärt. Na, dann warte ich mal ab. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass auf und ab 200 Höhenmeter zu bewältigen sind.

Die zweite Ermsbrücke kündigt das Ende des historischen Dorfkerns an. Durch eine Regendusche kommen wir auf den Sportplatz von Dettingen. Kritisch beäugen die Herren Sanitäter unsere Fitness. Eine Zweidrittel-Stadionrunde samt VP-Punkt steht an. Dort gibt es Wasser, Iso, Energiegetränk, Bananen und Riegel, immer von vielen jungen Leuten angeboten. Man ruft nur, was man möchte, und bekommt es in die Hand gedrückt. Schwämme sind auch erhältlich. Ich zähle  mindestens 27 Versorgungsstellen auf dem Marathonkurs.

Vor dem Start saß ich heute auf einer Bank in der Kelter und bemerkte eine Werbetafel, auf der ein bebrillter kleiner Junge mit Fliege um den Hals recht neunmalklug dreinschaute. Und nun trinke ich dauernd aus Bechern, auf denen ebendieses Gesicht prangt. Kein Wunder, denn der Hersteller Uniplast hat hier in Dettingen seinen Hauptsitz und ist damit natürlich Sponsor.

Das Stadion verlassen wir auf schmalem Pfad und stehen unvermittelt vor dem Freibad von Dettingen. Noch lockt mich das kühle Nass nicht und ich kann mich klar für das Weiterlaufen entscheiden. Das Haus der „Skizunft Dettingen-Erms“ sorgt bei den gegenwärtigen Temperaturen für Heiterkeit.

Wir queren unter polizeilicher Hilfe eine größere Verbindungsstraße und sind kurz darauf wieder in der Natur mit Obstbäumen auf  beiden Seiten.  Es ist wunderschön, aber man spürt nun die „Hubbele“. Die schnellen Halbmarathonis kommen uns entgegen. Vor uns der Blick auf die Burgruine Hohenurach, 250 Meter oberhalb der Erms, erbaut von den Grafen von Urach zwischen 1030 und 1050 und mit langer wechselvoller Geschichte. War wohl eine wichtige Burg auf dem Weg der Albquerung.

 

 

Wir verlassen die Obstbäume und kommen nach Bad Urach. 1970 wurde hier die mit 61 Grad C heißeste Thermalquelle Baden-Württembergs erschlossen und ein Kurbetrieb aufgebaut. Die terrassenförmigen Wohnanlagen am linken Berghang stammen sicher auch aus dieser Zeit.

Jetzt müsste die Wendestelle auftauchen. Thermalbad und Aquadrom zur Rechten, dann  wieder ein Sportplatz. Eine große und 200 Meter weiter eine kleinere VP-Stelle warten auf uns. Durch den Schulhof kommen wir auf den bekannten Weg zurück.

Die sicher hübsche Altstadt von Urach bleibt leider ausgespart. Dafür können wir nun die Gegend mal aus einer anderen Perspektive besichtigen. Mir fallen einige schöne Karstfelsen auf der linken Talseite auf. Die Erms entspringt ja einer Karstquelle. Und wie Judith und ich nun wissen, ist auch der sagenumwobene und in den Erzählungen von Eduard Mörike verewigte „Blautopf“ eine solche. Bei der Anreise nach Metzingen haben wir gestern die A8 bei dem seit vielen Jahren ignorierten Hinweisschild zum Blautopf verlassen und auch das Kloster Blaubeuren gleich nebenan besucht. Weiter ging es dann über die Landstraße, um mal einen anderen Eindruck von der Alb zu gewinnen. Den Lämmerbuckeltunnel auf der Autobahn kennen wir ja schon länger. Übrigens ist die Gegend von teilweise erst kürzlich entdeckten und vielfach noch unerforschten Höhlen durchzogen.

Marko, den ältesten Marathonteilnehmer, lichte ich vor einer großen Blüte ab. Für Erschöpfte gibt es auf dem ersten „Hubbele“ noch eine kleine Notfallerfrischungsstelle. Und die wird von den Halbmarathonis auch gerne genutzt. Wir düsen weiter und freuen uns darüber, das erste Drittel geschafft zu haben. Viele nette Dinge gibt es zu entdecken: Ein einsamer Baum auf einem spitzen Hügel, eine Modellauto-Cross-Bahn, die vielen Zuschauer muss ich nicht erwähnen. Man sieht sie ja auf den Bildern. Und sie sind nach wie vor fleißig mit Anfeuern beschäftigt. Die Positionskämpfe werden auffälliger. Viele Halbmarathonis geben nun ihr Letztes, während die Marathonis versuchen, ihr Tempo zu halten.

Bei Kilometer 15 kommt uns dann auch schon die Spitze des Marathons auf ihrer zweiten Runde entgegen. Ganz vorne im Feld scheint sich nicht viel verändert zu haben. Hinter Dettingen ein Obstbaumbereich mit langen Holzscheitreihen. Für mich ein ungewohntes Bild. Hinter den Weizenfeldern stehen viele farbige Sonnenschirme im Hang. Keine Ahnung, was das soll, aber es sieht lustig aus.

Ein Läufer mit einem Shirt voller Sprüche kommt mir entgegen. Ziemlich schnell ist er, ich kann gerade noch entziffern: „.. bei de Leit sai, isch Zwoierlei“ Die Heerstraße in Metzingen ist ein wahrr Hotspot. Da geht die Post ab. Im Radtunnel kommt mir Henry entgegen. Seinen Vorsprung erkläre ich mir damit, dass er in seinem Ganzkörperanzug halt windschnittiger gekleidet ist als ich.

 

 

Auf den letzten hundert Metern vor dem Ziel ist natürlich viel los. Die „Halben“ haben es geschafft, während wir 42-km-Läufer ganz knapp vor der Zeitnahme wenden. Es folgt des Vergnügens zweiter Teil. Ich höre den Sprecher sagen: „Noch kommen die Halbmarathonis unter 2:10 h ins Ziel“ sagen und schaue erstmals auf die Uhr. So langsam? Das liegt sicher nicht am Wetter, eher an der recht großen Zahl der Wettkämpfe, die wir in den letzten Wochen absolviert haben. Genießen steht also im Vordergrund. Helene, Vielstarterin wie wir, kommt mir entgegen. Heute hat sie die kürzere Distanz gewählt und ist gleich im Ziel. Viele Halbmarathonis sind noch unterwegs.

Ich beglückwünsche den Zuschauer vor dem Fitnessstudio zu seinen beeindruckenden Oberarmen. Er macht mir im Gegenzug ein Kompliment wegen meiner Ausdauer.

Ein Läuferpaar kommt mir entgegen. Auf den Hemden entziffere ich „Islas Canarias“. Wie sich in der kurzen Begegnungszeit herausstellt,  gehören die beiden zu einer Gruppe aus Spanien, die heute am Start ist.

Ich eile jetzt zwei Läuferinnen hinterher, es sind Silke im rosa Frauenlauf-Shirt und die grün gekleidete Anita. Beide – oder meine müden Beine - machen mir die Verfolgung schwer. Gut, dass es wenigstens nicht brütend heiß ist. Nur ein bisschen sommerlich halt.

Und schon wieder kommt uns der Führende entgegen. Der ist jetzt schon bei km 39. Die Zuschauer sind immer noch aktiv. Perfekt. In Dettingen vereint das Bürgerhaus am Marktplatz einen interessanten Stilmix, die Kirche dahinter bleibt bis auf die Turmspitze verborgen. Am Freibad wage ich einen genaueren Blick durch das Gitter. Eine ansprechende Anlage, ich laufe aber weiter.

Kilometer 29, der wunderschöne Abschnitt durch die Kirschbäume beginnt. Die beiden Damen liegen immer noch weit vor mir. Dann, auf dem „Hubbele“, muss die rosa Silke kurz gehen und wird überholt, ebenso ein gut gelauntes Läuferpaar.

In einem ausgedörrten Grünstreifen steht ein Schild: „Nominiert für die schönste Blumeninsel“. Ich lese laut vor, zur Belustigung der Zuschauer. Und gleich darauf heißt es wieder „Vorsicht Kinder!“ Es gibt kein Entrinnen, sie laufen mit Bechern in der Hand direkt auf mich zu. Cola, Wasser, Iso - ich will niemanden enttäuschen und nehme alles. Das Wasser kippe ich mir über den Körper,  Cola und Iso in mich hinein. Ein Kind radelt neben mir her, preist den Schwamm an. Ich nehme ihn dankend in Empfang. Hoffentlich kann ich der Kinder-Gefahrenzone schnell entkommen. Vor dem nächsten Hubbele gebe ich den Schwamm wieder ab und der kleine Rennradler kann zurück, den nächsten Marathoni betreuen.

Ich versuche die Landschaft zu genießen, die Karstfelsen, den Baum auf der Spitze des Hügels. Aber vor allem sehe ich Zöpfe! Auffallend viele Helferinnen tragen Zöpfe. Gerhard aus Österreich hingegen trägt Bart. So lange, bis er den Marathon wieder unter vier Stunden schafft. Beim Halbmarathon würde es jetzt schon passen. Aber als führender Marathonsammler der Alpenrepublik interessieren ihn halbe Sachen ja nicht.

Wieder säumen wunderschöne Kirschbäume die Strecke. Im Vergleich zu den Apfelbaumkulturen in Südtirol, maschinenoptimiert in Reih und Glied, wirken die richtig malerisch. Die Polizistin hilft mir sicher über die Straße. Sie begnügt sich mit nur einem Zopf. Wahrscheinlich sieht das formeller aus.

In Dettingen hat sich der Marktplatz gut gefüllt. Es herrscht eine Atmosphäre gespannten Wartens. Auf mich? Nein, auf den Start des Nordic-Walking-Wettbewerbs. Der Sprecher fleht eine nordische Brigade an, doch eine Gasse für die Marathonis freizuhalten. Durch ein Spalier von Stöcken geht es für mich auf die letzten Kilometer. Auf einem Balkon im ersten Stock versucht der Papi immer noch, einer Vuvuzela überzeugende Töne zu entlocken. Der junge Nichtraucher vom Hof nebenan zeigt ihm, wie es geht. Ich meinerseits pfeife aus dem vorletzten Loch.

 

 

Noch drei Kilometer, die grüne Anita ist wohl uneinholbar. Das Tolle an dieser Strecke ist die Abwechslung. Es wird nie monoton. Die Szenerie ändert sich alle zwei Kilometer. Nur die Zuschauer bleiben eine Konstante. In Neuhausen sehe ich nun auch die Keltern. Drei Stück gibt es hier, samt Kelternverein, der sich um die historischen Gebäude kümmert.

Eine Finisherin kommt mir samt Medaille entgegen, sie geht barfuß durch das frisch gemähte Kornfeld. Jetzt wird mir klar, was mit dem auf Plakaten angekündigten traditionellen „Schäferlauf“ gemeint war: Außer Party gibt es da noch einen Brauch, den der Chronist Jakob Frischlin anno 1599 wohl so beschrieben hat:  „[…] darnach wann dieser Dantz vergangen, die Schäffer zu lauffen anfangen, ziehen sich bis auffs Hemmet aus, es würdt offt ein groß Lachen draus […], durch Stupflen Feld mit blosem Fueß, ein ieder Schäffer lauffen mueß.“ Oder eben eine Schäferin.

Als „Schmankerl“ für den Eisenbahn-Fan in mir taucht jetzt ein kleiner Dieseltriebwagen auf. Putzig. Geplant ist aber eine Elektrifizierung samt Taktverdoppelung. Die aufkommenden dunklen Wolken werden sich bald wieder verziehen. Ich genieße die kühle Unterführung. Die beiden Bewacherinnen des Tunnelschlunds erkennen mich wieder. Meine kurze Gehpause wird von einem Zuschauer nicht akzeptiert. Er tut alles, um mich zum Laufen zu bewegen. Natürlich nur verbal.

 

 

 

Ich freue mich darüber, dass ich mit unlockeren 6:30 min/km eine halbwegs glatte Zeit geschafft habe und laufe unter der Begrüßung des Zielsprechers über den Messteppich und gleich weiter zum Bierstand unter einer der Keltern.

Nach mehreren alkoholfreien Bierchen finden mich auch Judith und Henry. Wahrscheinlich erübrigt es sich zu erwähnen, dass Judith wieder mal ihre Altersklasse dominierte und dass der Wettkampf der 1965er Herren wieder zugunsten des Teilnehmers aus der ehemaligen Hauptstadt der DDR ausgegangen ist. Nun könnte man noch länger feiern oder sich von einem Physiotherapeutenteam massieren lassen. Aber nachdem auch Gerhard das Ziel erreicht hat, brechen wir zu den Duschen in der Öschhalle und anschließend zu etwas Sightseeing auf der Alb auf. Nürtingen mit einer sehenswerten Altstadt ist auch einen Stopp wert.

 

Fazit:

Ein schöner, trotz der zwei Runden abwechslungsreicher Marathon, bei dem es an nichts fehlt.

 

Siegerinnen Marathon:

1. Gallasch, Katja     3:23:58
2. Fätsch, Sandra     3:35:10
3. Kay, Ramona     3:46:37

Sieger Marathon

1. Thumm, Andreas    2:48:58
2. Gatti, Stefano ITA    3:04:17
3. Geiger, Fabio    3:11:44

Finisher

Marathon        97
Halbmarathon        502
10 k            1.137

plus Walker 7,5 km; Kinder- und Jugendläufe

 

Informationen: Ermstal-Marathon
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