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Laufberichte

Der Berg groovt

07.10.12

Kurz darauf wird es wieder ruhig, ich kann sogar das Pfeifen der Murmeltiere erkennen. Außer ihren breiten Fladen, haben uns die Kühe hier oben nichts hinterlassen. „Aufgeboscht“ und mit einer "zünftige  Musi"  wurden sie vor vierzehn Tagen von den Almen ins Tal gebracht. Einst alte Bauernhöfe, heute „Event-Almen“ liegen direkt auf unserer Strecke. Auf einem Skiziehweg laufen wir leicht bergab unser Ziel, die Hohe Salve, im Blick.

Wir erreichen die Filzalm mit einer Labestation und den Filzalmsee. Wir sind etwa bei Kilometer 34 angelangt. Nach einer erneuten letzten kurzen Steigung führt die Strecke nun über knapp acht Kilometer und 600 Höhenmeter (!) im Abstieg weiter zum Hexenwasser in Hochsöll auf 1.120 Meter. Steil geht es bergab, nicht wirklich ein Jubelfest für Oberschenkel und Fußnägel.

Hier in der Almenregion vor der Kulisse des Wilden Kaisers und am Knotenpunkt eines Wanderwegenetzes gelegen ist die Mittelstation der Bergbahnen. Wir laufen am 450 Meter langen „Wasserweg“, dem längsten Barfußpfad Österreichs, entlang nach oben. Wie gerne würde ich mit nackten Füßen in das eiskalte Wasser, wären da nur nicht die spitzen Bachkiesel. Ein Wanderer liegt erschöpft in einer der breiten Sonnenliegen und raucht eine Zigarette. Sicherlich ruht er sich aus von seiner Suche nach einem anständigen Bier und einem nicht minder anständigen Jausen-Teller.

Stunde um Stunde vergeht. Doch wenn die Vorbereitung, und sei es auch nur durch fehlende Mineralien, nicht stimmt, leidet auch die Ästhetik, der ganz persönliche Genuss an der Natur. Dann sieht sich so mancher Läufer gezwungen, vor der Entscheidung zum Aufgeben zu stehen. Ich werde wütend. Kay „beißt“ sich weiter durch. Es ist Nachmittag. Wir haben keine Ahnung, in wie viele Gruppen sich die Teilnehmer mittlerweile aufgelöst haben und wie weit zurückgefallen die letzten wohl sind.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die roten Dinger auf den Laufschuhen schon. Jeder Läufer trägt diese Zeitmess-Chip-Streifen an beiden Schuhen zu seiner Startnummer. Jeder führt seinen eigenen Kampf, muss sich selbst überwinden. Wütend darüber, dass Kay nicht aufhört, zerre ich mir diese Dinger von den Schuhen und ziehe meine Startnummer aus. Mein Versuch, ihn damit zum Aufgeben zu motivieren, spornt ihn nur noch mehr an, das Ziel zu erreichen. Nur die Berge sind dabei stumme Zeugen. Kilometer 39 KM. Der Blick auf den steilen Bergrücken lässt nun auch Frohnaturen ernst blicken. 30 Prozent beträgt die Steigung der drei Kilometer langen schwarzen Skipiste. Stetig klettern wir den zeitweise matschigen und rutschigen Grashang hinauf. Nur das leise Surren der Gondel ist zu hören. Manchmal, wenn eine Gondel über unseren Kopf hinweg schwebt, blicken wir leicht neidisch nach oben und die Finisher mitleidig zu uns nach unten.

Die Kilometermarken folgen nun im Abstand von 500 Metern, so manchen Läufer vor uns haben sie schon den letzten Nerv gekostet. Vom Berglauf erwartet man einfach, dass er uns über Gebühr strapaziert und leiden lässt.

Und wirklich, dieser Teil des Weges zermürbt. Mit unzähligen kleinen Schritten bewegen wir uns Stück für Stück vor im „Krötengang“. Langsam und behäbig wagte auch sie sich aus ihrem Quartier im Wald. Die arme Kröte kam nur langsam vorwärts und oftmals hatte sie sich vor den Grausamkeiten unverständiger Menschen zu verbergen, auch mein Schwiegervater erzählt von „Jungbubenstreichen“ wie Kröten aufblasen. Vielleicht ist das ja auch der Grund, dass beim Kaiser Marathon keine Stöcke erlaubt sind?

 
 

Informationen: Kaisermarathon / Tour de Tirol
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