marathon4you.de

 

Laufberichte

Der Berg groovt

07.10.12


Queen und AC/DC statt Volksmusi‘


Überrascht sind wir auch, als der Moderator und die Beats aus den Boxen den Ort zum Beben bringen. An der Startlinie herrscht Konzentration, die Gesichter wirken angespannt. Entspannte Gesichter dagegen bei den Läufern am Ende des Starterfeldes. Der zehn Kilometer  lange Rundkurs dient besonders dazu, die Läufer bereits am Freitagabend einem möglichst großen Publikum zu präsentieren, was jeder Läufer sichtlich genießt. Der ganze Ort ist auf den Beinen, keiner, so scheint es, sitzt vor dem Fernseher. Die Laufstrecke ist schnell erklärt. Vor uns liegen drei kupierte Runden à 3,25 km und auf jeder Runde müssen immerhin 74 Höhenmeter überwunden werden.

Schnell sieht man, wer in den Bergen aufgewachsen ist oder viel in den Bergen trainieren kann. Alle anderen werden gnadenlos abgehängt. Noch bevor wir den ersten Kilometer erreicht haben, zählt das GPS der Uhr schon die ersten Höhenmeter. Vielleicht, so denke ich mir, wäre ein vorheriges Warmlaufen doch keine schlechte Idee gewesen? Von Anfang an ist das Tempo hoch, zu hoch? Wir benötigen mehr als eine Laufrunde um uns wohlzufühlen, dann aber rollt es einfach nur gut, ganz besonders bergab. Am Anstieg der zweiten Runde überholt uns schon eine Handvoll Spitzenläufer, wer darunter ist kann ich nicht erkennen, dafür waren sie einfach zu schnell. In der dritten Runde begleitet uns ein Spalier von Fackeln den Weg aufwärts bis zum Waldrand.

Das Kaisergebirge glüht im Abendrot vor tiefblauem Himmel und auch die Hohe Salve, unser Ziel beim morgigen Marathon, liegt in der untergehenden Abendsonne und scheint bereits zum Greifen nahe. Im Wald blitzt es hell. Bitte lächeln - für den Fotograf! Müde Kühe blicken in die Kamera. Noch ein letztes Mal hinein in den Ort, einmal um die überdimensionale Erdinger Plastikflasche, noch eine letzte Linkskurve, ein letzter Schlussspurt, eine letzte scharfe Rechtkurve.

Begeisterter Applaus trägt uns über den roten Teppich und den um einen Meter erhöhten Zieleinlauf durch den blauen Zielbogen. 

Direkt im Zielbereich befindet sich auch für drei Tage das Sportlerdorf der Tour. Hier liegt alles beieinander: Sportmesse, Taschendepot, Umkleiden und die Zielverpflegung. Nichts, was es hier nicht gibt, vom Erdinger bis zur Banane, aber das Beste: die Kids haben uns noch Apfelstrudel übriggelassen. An der Ausgabe des Finisher-Präsentes herrscht großer Andrang. Schnell werde ich unsanft zur Seite gedrängt. Ich habe Verständnis für den eiligen Läufer, sicherlich hatte er nur einfach Furcht, ich könnte ihm das letzte Paar 46er JOL-Laufsocken wegschnappen.

Der junge Ungar, Adam Kovács, ist auf der ersten Etappe mit 32:47 Minuten der schnellste Läufer und sicherte sich damit das „virtuelle“ Gelbe Trikot des Gesamtführenden. Zweiter wurde der Schweizer Patrick Wieser, er war nur 15 Sekunden langsamer als Kovács. Jonathan Wyatt folgt ihm mit knappen 4 Sekunden Abstand ins Ziel. Ein spannender Auftakt.


Liveübertragung des Kaisermarathons zur besten Sendezeit


Samstag, 7:00 Uhr das Leben erwacht langsam in den umliegenden Hotels, Pensionen und Wohnmobilen. Anziehen, cremen, jeder hat die immer gleichen Rituale, alles braucht seine Zeit. Es riecht nach frischen Brötchen, dazu etwas Nutella, Kaffee und Saft, nicht mehr. Die nächsten fünf, sechs Stunden werden wir heute unterwegs sein.

Für manche mag es danach genug sein, die meisten jedoch werden weitermachen. Heute jedoch ist unser Ziel die Hohe Salve. Auf dem Marktplatz versammeln sich die ersten Läufer. Überall in dem Ort kommen immer mehr zusammen, man hat den Eindruck, das ganze Dorf sei auf den Beinen. Genau so müssen es sich die 50 Läufer und Fans erträumt haben, welche Jahr für Jahr aus Florida anreisen.

Überall sieht man Häuser mit überbordender Geranienpracht. Nicht umsonst brachte es dem Ort die Auszeichnung „Schönstes Blumendorf Österreichs“. Bei der Entente Floral 2013, hofft Söll nun auf eine weitere Auszeichnung. Mädchen in einheimischer Tracht spazieren durch gepflegte Gassen. Erst 1217 wurde Söll urkundlich erwähnt. In den 50er Jahren begann dann der Touristische Aufstieg. Bereits 1953 zählte man 250 Sommerfrischler, denen die Sommerfrische bald nicht mehr genügte. So wurde 1959 die Lift AG gegründet und der erste Lift auf die Hohe Salve gebaut.

Die Gesamtwertung der Tour entscheidet sich in jedem Jahr auf der längsten und schwierigsten Etappe dem Kaisermarathon in der Radfahrersprache auch Königsetappe genannt, denn die meisten Höhenmeter werden hierbei auf den letzten 3,8 Kilometern gelaufen.

 
 

Informationen: Kaisermarathon / Tour de Tirol
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteFotodienst HotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner
 

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin