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Laufberichte

Sonntags-Brunch

22.05.11
Autor: Klaus Duwe

Viele Leute sind an der Straße, machen Musik oder Lärm mit verschiedenen Küchenutensilien, Hauptsache sie sind dabei. Aber wann gibt’s Frühstück?  Ich habe meiner Frau versprochen, dass ich wohl genährt von der Strecke zurückkomme, ohne die offizielle  Verpflegung anzutasten – außer Wasser.  Bis jetzt sieht es schlecht aus. Und auf  der vornehmen Elbchaussee kann man in der Richtung auch nichts erwarten. Wenn überhaupt sitzen die Leute hinter hohen Mauern in ihren Gärten. Und das Landhaus Scherrer hat geschlossen. Ein geröstetes Vollkornbrot mit Lachs Tatar und Senfdillsauce wäre doch was und würde laut Anschlag auch nur 11,50 Euro kosten.

Ich bleibe also vorerst beim Wasser. Glocken läuten. Um 10.00 Uhr ist Messe  in der Christianskirche, eine der wenigen Barockkirchen in Hamburg. Waren die blaugekleideten  Musikanten eben nicht noch vor dem Bezirksamt? Egal, irgendwie riecht’s nach Kaffee. Richtig, auf dem Grünstreifen haben es sich ein paar Familien gemütlich gemacht. Tatsächlich kann ich ein Croissant schnorren. Einen Tisch weiter, beim Italiener, hätte ich Ciabatta mit Prosciutto haben können. Zu spät.

Trommler treiben uns vorwärts. Gleich kommt eine meiner liebsten Stellen bei m  Hamburg Marathon. Jedes Mal, wenn ich von der Breiten Straße hinunter zum Fischmarkt laufe und über die jubelnde Menschenmenge  auf die Schiffe und Kräne im Hafen schaue, bekomme ich Gänsehaut. Die Atmosphäre ist hier einmalig, fast wie in einem Stadion. Auf den Brücken, entlang der Straße, überall Menschen. Bis zu den Landungsbrücken geht das so. Hamburg pur, einfach phantastisch. Wenn Marathonis anderswo durch ein Industriegebiet oder einen Hafen müssen, rümpfen sie die Nase. In Hamburg ist es ein Höhepunkt.

Nirgendwo sind in den Himmel ragende Kräne schöner.  Aus einer fast unüberschaubaren Menschenmenge  ragen bei den  St. Pauli-Landungsbrücken der Pegelturm und die Kuppeln des Bahnhofs empor. Sagt man den Hamburgern nicht nach, sie gingen zum Feiern in den Keller? Ja, wo bin ich dann?

Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen in Deutschland, in Europa sind nur Rotterdam und Antwerpen noch größer. Sein offizieller Geburtstag, der jedes Jahr angemessen gefeiert wird, ist der 7. Mai 1189. An diesem Tag stellte Kaiser Friedrich Barbarossa den Hamburg einen Freibrief aus, der ihnen Zollfreiheit bis an die Nordsee garantierte. Heute bestehen Schifffahrtslinien zu über 900 Häfen in 170 Ländern weltweit. Bis zu 140 Mio. Tonnen Güter werden jährlich umgeschlagen, davon mittlerweile 2/3 in Containern.

Rechts die rote Gebäudereihe ist die 1888 fertiggestellte Speicherstadt, komplett auf Eichenpfählen gegründete Lagerhallen und seit 1991 unter Denkmalschutz.   Weil sich das Lager- und Umschlaggeschäft immer mehr auf Container verlagert,  wurden herkömmliche Lagerkapazitäten abgebaut und die Freihafengrenzen verändert. Die Speicherstadt beherbergt heute viele Museen und ist wesentlicher Bestandteil der HafenCity, Hamburgs derzeit größtem Stadtentwicklungsprojekt. In zehn Jahren sollen hier 12.000 Menschen wohnen und 40.000 arbeiten.

Das wegen hoher Kosten umstrittenste Projekt innerhalb der HafenCity ist die Elbphilharmonie. Alleine der Stadt soll der Musentempel weit über 300 Mio. Euro kosten. Man muss sich einmal vorstellen:  Auf den sogenannten Kaispeicher A, ein schmuckloser Zweckbau,  wird ein gläserner, 26geschossiger Aufbau errichtet und so eine Gesamthöhe von 110 m erreicht. 2013 soll der architektonische Wunderbau fertig und dann Hamburgs höchstes bewohntes Gebäude sein. Man kann die Baustelle von der Strecke aus gut sehen.

Wir passieren die Baustelle, wegen der man sich für die Blockstarts entschieden hat. Es ist eng, aber Behinderungen gibt es nicht. Nur Jubel, denn Zuschauer sind überall, auf Balkons und an der Straße. Dann tauchen wir in den dunklen und kühlen Tunnel beim Hauptbahnhof ab, um am anderen Ende (km 14) gleich wieder gefeiert zu werden wie die Weltmeister.

An der Alster  geht die Party weiter. Zuerst Ballindamm mit dem Blick auf den Rathausturm, dann Jungfernstieg. Mit Alster meint der Hamburger nicht den 53 km langen Elbezufluss, sondern den Alstersee. 1190 staute man die Alster, um eine Kornmühle zu betreiben. Für eine zweite Mühle wurde 1235 ein weiterer Damm errichtet. Durch eine falsche Berechnung wurde die Alster überschwemmt und der See entstand.

Der Jungfernstieg ist nach seiner Umgestaltung mehr denn je Mittelpunkt und Treffpunkt für Jung und Alt, Einheimische und Gäste. Heute gehört er den Marathonis und ihren Fans, wie der Rest der Stadt um die 42 km lange Laufstrecke. 

 
 

Informationen: Haspa Marathon Hamburg
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