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Laufberichte

Jetzt geht die Party erst richtig los

25.04.10

Landungsbrücken - Speicherstadt

Den ersten Zuschauerhöhepunkt erreichen wir nach 10 km. Bergab geht es rein in den Hamburger Hafen, vorbei an Fischmarkt – der traditionell am Marathontag immer länger geöffnet hat – und Landungsbrücken. Rechts und links und über uns auf den Brücken stehen dichtgedrängt die Menschen und johlen, feiern und schreien. Auf unserer Straße ist es schon voll, was aber entlang und über uns abgeht, ist einmalig und braucht den Vergleich mit einem tobenden Fußballstadion nicht zu scheuen. Vor uns im Wasser liegt mit der Color Fantasy ein Riesen Luxusliner zum Anfassen nahe und bietet uns dazu noch eine herrliche Hintergrund-Kulisse.

Zwischen Baumwall und Deichtorhallen passieren wir die hundertjährige Speicherstadt, sie ist der weltgrößte auf Eichenpfählen gebaute, zusammenhängende Lagerhauskomplex. Wilhelminische Backsteingotik der Gründerzeit, bizarre Giebel, Türmchen und herrliche alte Fachwerkbrücken mit den Statuen von Columbus, Vasco da Gama u. a. schmücken unseren Weg. Hinter den dicken Mauern der Backsteingebäude lagern wohltemperiert Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Tabak, Computer und das größte Orientteppichlager der Welt. Auch echte maritime Kostbarkeiten wären zu besichtigen: Im Internationalen Maritimen Museum warten über 3000 Jahre Schifffahrts- und Marinegeschichte auf Ihre Erforschung.

Neben dem Hauptbahnhof geht es rein in einen Tunnel. Wer jetzt denkt: bloß schnell durch, wird in Hamburg eines anderen belehrt. Hier wird richtig Stimmung gemacht. Dazu braucht es ausnahmsweise mal keine Zuschauer, das machen wir Läufer selbst. Von 5 wird runtergezählt und ab geht die Post, in unserem Fall die La-Ola-Welle. Insgesamt fünf Mal wiederholt sich das bei meinem Durchlauf, dazu kommen noch zwei Klatschtiraden.

An de Alster

Weiter mit Stimmung geht’s am Herzstück der Innenstadt, dem Jungfernstieg. 15 km haben wir hier hinter uns. Früher gingen hier die Familien am Sonntag spazieren und führten ihre unverheirateten Töchter ("Jungfern") aus – daher der Name. Heute drücken sich die Familien am Straßenrand dicht an dicht. Einige der besonders hübschen Jungfern mit auffälligen Schildern sehe ich hier auch schon zum zweiten Mal. Sie ziehen mit dem Lindwurm mit.

Die komplette Umrundung der Binnenalster beschließen wir mit dem Überqueren der Kennedybrücke, von der wir jetzt eine wunderbare Aussicht über die große Fläche der Außenalster haben. Teilweise bläst uns schon spürbar ein Lüftchen entgegen. Den vielen Seglern auf dem Wasser wird das besser gefallen als uns, da die Temperaturen aber mittlerweile schon langsam Richtung 20 Grad marschieren, können wir das auch locker verkraften. Ich lasse mich heute einfach nur durchtreiben und genieße den Lauf. Meine Bestzeit steht in Hamburg, ich muss nichts mehr beweisen.

Alsterdorf - Ohlsdorf

Einige Kilometer laufen wir jetzt bis „Schöne Aussicht“ immer an der Außenalster an herrlichen Villen entlang, dann verlassen wir das Ufer nach fast 20 Kilometern. Über die Beethovenstraße durchlaufen wir die Stadtteile Barmbeck, Ohlsdorf, Alsterdorf und Eppendorf. Was sich hier abspielt, habe ich bisher noch nicht erlebt. Jetzt geht die Party erst richtig los. Alle, ich glaube wirklich alle sind an der Laufstrecke und machen Picknick, feiern Partys oder feuern uns einfach nur an. Manche haben gar ihr Wohnzimmer ausgeräumt und die Polstergarnitur samt Tisch an den Straßenrand gestellt. Andere machen ein Grillfest oder veranstalten ein Picknick am Straßenrand. Überall riecht es lecker und die Menschen sind gut drauf. Die Congas stehen jetzt auf dem Balkon und der Besitzer gibt uns den Rhythmus vor. Einfach sensationell.

Was ist hier heute los? Wahnsinn. Du kannst alles haben, die meisten haben was zu Essen und Trinken dabei. Bei einer älteren Dame halte ich kurz an und frage was sie denn in ihrem edlen Weinkühler hat, da kommt mir schon ihr Begleiter zuvor: „Möchtest Du ein Bier?“ Ja, klar will ich. Ein paar Kilometer weiter mache ich halt am privaten Colastand, dazu gibt es diverse Kuchen oder Schokolade serviert. Die Jungs am Grill würden mir auch ein Stück abgeben, aber das habe ich mir noch nicht verdient, bis zum Ziel sind es noch 10 Kilometer. Die Hamburger sind nicht ins Grüne gefahren, sondern haben sich alle hier zu einem riesigen Volksfest versammelt. Außer vielleicht in New York bin ich noch nie so angefeuert worden wie hier.

 
 

Informationen: Haspa Marathon Hamburg
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