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Laufberichte

Wo der Dreck vom Himmel fällt

05.05.13


Der Marathon

 

Um 5 Uhr werden wir das erste Mal geweckt, denn neben uns auf dem Parkplatz kommen Angler an, die im Uferbereich ihre Fanggeräte auswerfen. Um 7 Uhr ist dann das große Wecken.

Die Kleidungsfrage ist schnell geklärt, kurzes Tight und Laufshirt. Der Wetterbericht spricht von Sonne und 22 Grad, aber es wird noch wärmer. Und die Laufstrecke wird von der Sonne verwöhnt.

Gleich neben dem Parkplatz ist der Start- und Zielbereich. Ich mache noch einen Spaziergang rund um die schöne Villa. Die ehemalige Fabrikantenvilla Biermann wurde 1896 erbaut und ist ein Stilmix. Sie gehört zu den repräsentativsten Gebäuden in dieser Region. Die Villa am Bernsteinsee oder einfach Bernsteinvilla hat viele Schmuckgiebel. Sie war schon ziemlich verfallen, als sie die Sparkasse komplett sanierte. Jetzt ist sie  als Hotel und Restaurant ein echter Hingucker.

Um 9 Uhr erfolgt der erste Start gemeinsam mit den 10km Läufern. Die Strecke der 10km Läufer verläuft am Ufer entlang mit einer Schleife auf der Halbinsel Pouch und wieder zurück. 2 Minuten nach uns starten die 10km Walker auf dem gleichen Kurs. Um 9:05 Uhr starten die HM-Staffeln auf ihre Strecke entlang der Wasserfront und rund um die Bernsteinvilla. Um 11 Uhr sind die Bernsteinläufer an der Reihe, die 24,5km einmal um den Großen Goitzsche See laufen. Der Marathon ist auf den ersten 13km und teilweise auf den letzten 6km mit dieser Strecke identisch.

Es geht runter Richtung Bootsanleger und schon sind wir direkt am See. Ein langer farbenfroher Läuferwurm zieht sich entlang dem Uferweg. Vor uns rechts liegt das Strandbad, von dem aus eine Pontonbrücke zum Pegelturm führt. Der 26m hohe Pegelturm kann über diese Seebrücke bestiegen werden. Die frei in die Höhe führenden Wendeltreppen sind nur was für Schwindelfreie, also nichts für mich. Zur Sicherheit sind die Treppen durch ein feines, massives Stahlnetz umhüllt.

Es geht über ein kleines Brückchen über die Alte Mulde, einem Zufluss zum See, und schon ist der erste Kilometer geschafft.  Parallel zur B100/183 laufen wir am Ufer entlang nach Mühlbeck. Dort am Strandbad vorbei und am Ortsende rechts ab, dann beginnt die Halbinsel Pouch. Der Kunstbanause sieht hier ein paar rostige Pfähle, der Kenner entdeckt ein Kunstwerk von Hartmut Renner mit viel Symbolcharakter.

Beim Blick über den See sehen wir noch ganz klein die Villa und den Pegelturm. Wir kommen zur 1. Wasserstation, danach zur Streckenteilung. Die 10km Läufer biegen nach links ab, während wir Marathonis geradeaus noch ein Stück in Ufernähe bleiben. Ab hier beginnt die Einsamkeit des Langstreckenläufers. Einsamkeit ist in diesem Fall positiv, denn wir sind von der schönster Natur umgeben.

Hier sind die Schwimmenden Steine von Nadia Schmidt zu bewundern, ein weiteres Kunstwerk mit ebenfalls viel Symbolik. Die großen Erdhügel sehen aus wie Abraumhalden, sind aber eines der nächsten Kunstobjekte in bergbautypischen Farben.  An der Südspitze befindet sich, von der Strecke aus nicht zu sehen,  das Labyrinth von Zenon Polus. 2.400 Betonquader bilden auf einer Fläche von 15x15m ein Labyrinth, in dem einem durch Richtungswechsel auf Wasser, Wald und Himmel die neu entstandene Landschaft gezeigt wird.

Wir umlaufen die Hügel um die Südspitze und kommen in die Nähe des neuen Agora-Platzes. Hier auf der Halbinsel wurde ein komplett neues Parkkonzept entwickelt mit einer Bühne als Mittelpunkt. Die Arena erinnert an ein Amphitheater und hat 3.800 Sitzplätze. Hier kommen die 10km Läufer und Walker wieder auf ein kurzes Stück auf unserer Laufstrecke.

Bei km 8 sind wir wieder auf dem Seerundweg. Die nächsten 3km sind wir permanent am Wasser. Hier gab es früher den Fluss Mulde, der für den Bergbau aber umgeleitet wurde. Der Herman Priganns erinnert mit seinem Kunstwerk an den ehemaligen Flusslauf, in dem er Sträucher, Stauden, Erde, Sand, Steine, Straßenplatten und alte Fundamentteile auf 1800 m wellenförmig angelegt hat.

Pouch ist schon über 1000 Jahre alt. Es geht eine kurze Schleife durch den Ort und dann wieder runter an den See. Von links grüßt uns der 30m hohe „Rote Turm“. Wer die 105 Stufen hochsteigt, wird mit einem  sensationellen Rundumblick über Goitzsche, Muldestausee und Dübener Heide belohnt. Das Schloss, der „Rote Turm“ und die im 13. Jahrhundert aus Feldsteinen erbaute Kirche sind echt sehenswert. Das Altargemälde der Kirche wird der Werkstatt des Wittenberger Malers und Reformators Lucas Cranach zugeschrieben.

Ich laufe die ganze Zeit schon mit Günter zusammen. Wir haben uns angefreundet, seit wir beim Kyffhäuser ein Stück und in Leipzig sind wir die 2. Runde zusammengelaufen sind. Heute treffen wir  uns zufällig hier. Er erzählt mir, dass hier einmal die größte Zeltfabrik der DDR stand. Er hat noch heute so ein Zelt, das mittlerweile schon Lateinamerika-Erfahrung hat.

Wir bleiben am Wasser und sehen die Insel Bärenhof, die der BUND als Naturschutzgebiet für seltene Vögel, Sträucher und Gräser vor den Menschen schützt.

Am 13-km Schild endet für uns vorerst der Große Goitzschesee. Während hier die Bernsteinläufer weiter dem See folgen, gilt es für uns jetzt, zusätzlich den Seelhausener See zu umrunden. Wir müssen ein Stück an der Bundesstraße entlang, wo eigens auf 200m Länge die halbe Straße gesperrt ist. Noch vor dem nächsten Km-Schild werden wir die Grenze von Sachsen-Anhalt zu Sachsen überschreiten.

Zwischen Km 16 und 17 streifen wir den Ort Löbnitz und den Weinberg Sausedlitz, dann wechselt die Landschaft. Wir durchlaufen auf den nächsten 3 km die sogenannte Goitzsche-Wildnis (Naturschutzgebiet der Kulturlandschaft Goitzsche). Hier geht es durch Heidelandschaft und kleine Waldflächen.

Auf dem nächsten Kilometer blicken wir rüber zum Paupitzscher See. Dieser ca. 100 ha große Tagebau-Restesee wurde auch im Rahmen der Goitzschseenlandschaft geflutet. Der Ort, an den heute ein eisernes Kreuz und ein Findling am ehemaligen Standort der Kirche erinnern, wurde 1975 für den Tagebau umgesiedelt, wie es mit vielen Orten gemacht wurde.

Es folgen der Neuhäuser und der Ludwigsee, dem wir ca. 1km folgen und dabei zurück nach Sachsen-Anhalt kommen.

Sachsen-Anhalt ist entstanden aus der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt. Das Bundesland Sachsen geht auf das Königreich Sachsen, das aus dem Kurfürstentum Sachsen entstanden ist, zurück.

Eine Welle führt uns erst runter über eine Brücke und über eine Rampe zur nächsten Wasserstelle. Kurz danach kommt ein Läufer von hinten angeflogen. Es ist ein Bernsteinläufer, die wieder auf unsere Strecke stoßen. Ich erkenne Falk Cierpinski, der den 24,5 km langen Lauf gewinnen wird.

Dagegen laufen Günter und ich heute im Genuss-Modus: Laufen, gehen, sehen und Schwätzchen halten.

Zu Beginn der letzten 10km sind wir am Holzweißiger See mit dem „Bitterfelder Bogen“, wieder ein Kunstwerk. Die schwungvolle stählerne Bogenkonstruktion sieht von weitem wie eine riesige Brücke aus. Über verschiedene Rampen kommt man zu einem Aussichtspunkt. Wir genießen den Anblick von unten und freuen uns auf die letzten Kilometer.

An der Kreismülldeponie wären es nur noch 5 Kilometer, würden wir geradeaus laufen. Aber der Marathon hat 42,2km und da würden dann 4 km fehlen.  Also geht rechts  durch ein Wäldchen und erst als wir zurück sind am Goitzsche See kommt das für uns richtige Km-Schild 37. Vor uns liegt die Halbinsel Pouch und ein Stück weiter sehen wir bereits die Bernsteinvilla.

Hinter Km 39 erreichen wir Die Blaue Bank, das Werk des Berliner Künstlers Roland Fuhrmann. Die 60m lange Bank hat die Form eines Sandsack-Walles und soll an die Flutkatastrophe von 2002 erinnern. Auf der Rückenlehne sind auf Metallschildern die Namen der Fluthelfer. Kurz danach kommt das Strandbad Niemegker See.

Wir erreichen die ersten Häuser am Ufer und die Pier. Hier steht das 40km Schild. Neben uns auf dem Wasser Segelschiffe und die MS Vineta. Nur noch 2km. Der Seerundweg ist gut frequentiert, wir laufen deshalb im Zickzack um die Spaziergänger.  Die  Uferpromenade um die Villa bringt uns dann ins Ziel. Geschafft.

Mein Lauffreund Dieter hat seine AK70 gewonnen. Mit seiner Laufzeit wäre er sogar noch bei der M60 aufs Treppchen gekommen.

Ergebnisse: Marathon
Männer:
1. Andy Neubert   LAV Hallensia e.V.  2:58:26
2. Ulf Biermann   VS Leipzig   3:00:20
3. Thomas Spengler  USV Halle e.V.   3:00:54

Frauen:
1. Ines Melzer   Heideläufer Jessen  3:48:57
2. Jana Volland   CJT Laufnerds   3:51:43
3. Ulrike Stiller   LWV Potsdam   3:53:54

 

 

 

 

132 Finisher

12
 
 

Informationen: Goitzsche Marathon
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