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Laufberichte

Die beste Medizin

03.07.11

Mandarfen. Schon mal gehört? Vom Klang her könnte das durchaus der Name eines Medikaments sein. Ist es aber nicht, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne, doch anfangs Juli steht der Name auch für eine besondere Arznei. Eine gegen etwas und gleichzeitig für etwas. Gegen Laufentzugserscheinungen und für das Lauffieber.

Mandarfen ist der Ort zuhinterst im Pitztal, wo mich am Sonntagmorgen einer der Shuttlebusse ausspuckt, die einen Teil der 288 Marathonis vom Schwimmbad in Imst hierher zum Start des Gletschermarathons gebracht haben. Die Fahrt ist zugleich die Streckenbesichtigung, denn dieser Marathon führt zwar vom Fuß des Pitztaler Gletschers hinunter in die Stadt, aber nicht auf Bergpfaden, wie man das spontan erwarten würde, sondern auf der Straße und somit auf Asphalt.

Mein letzter Marathon liegt noch keine 24 Stunden zurück, unter Entzugserscheinungen leide ich also nicht wirklich. Dass das Lauffieber schon seit langem von mir Besitz genommen hat, bestreite ich aber keineswegs, und so genehmige ich mir diese Dosis Mandarfen. Zu Risiken und Nebenwirkungen habe ich mich informiert. Statt einer Packungsbeilage gibt es die Berichte aus den Vorjahren auf dieser Website und statt den Arzt oder Apotheker habe ich die Berichterstatter mit Selbsterfahrung gefragt.

Mit diesem Wissen im Kopf und dem Montafon Arlberg Marathon in den Muskeln stelle ich mich an den Schluss des Feldes und überquere die Startlinie als Zweitletzter, lange nachdem sich Pulverdampf verzogen hat.

Bevor es in Richtung Imst geht, wird erst eine Schlaufe talaufwärts eingelegt. Dieser Abschnitt ist der erste und zugleich letzte Abschnitt auf unbefestigter Straße und führ an der Talstation der Gletscherbahn vorbei und gibt die einzige Gelegenheit zur Aussicht auf die schneebedeckten Berge, ohne sich umdrehen zu müssen. Obwohl der Himmel bedeckt ist, will ich es mir nicht nehmen lassen, diesen Ausblick immer wieder vor Augen zu haben. Die Fotos in Blickrichtung entgegen der Laufrichtung, welche Klaus seinerzeit als Fahrradbegleiter mitgebracht hat, haben mich diesen Vorsatz fassen lassen. Dadurch werde ich als stop-and-go-Läufer und damit gemächlicher unterwegs sein. Macht nichts, ich laufe ohne Uhr und bin nach dem gestrigen Marathon nicht in der Verfassung, einen schnellen Lauf abliefern zu können, zudem bin ich vor den Risiken und Nebenwirkungen gewarnt.

Während es mit stetigem Gefälle durchs Pitztal geht, gebe ich mich dem ausgiebigen Betrachten der Landschaft vor, neben und hinter mir hin und bin überzeugt, dass ich bei einem Lauf auf Zeit nur einen Bruchteil der Perlen wahrnehmen würde, die sich entlang der Strecke verstecken. Ich nehme mir vor, in meinem Bericht vor allem die Bilder sprechen zu lassen. Wie die einzelnen Ortschaften im Pitztal heißen, kann auf jeder Landkarte gelesen werden. Dass wir sie, eine nach der anderen, der Straße entlang durchlaufen ist (chrono)logisch. Sie sind auch die Stellen, an welchen die Labstationen aufgebaut sind und kleinere Zuschauergruppen für Anfeuerung sorgen.

Wie schon am Vortag, habe ich nicht das Gefühl, an einem Familientreffen zu sein. Für einmal habe ich den Beweis, dass es noch andere Marathonläufer gibt als die üblichen Verdächtigen. Darunter sind aber auch akut Infizierte. In einem der Straßentunnels fotografiere ich Klaus aus Dänemark, der vor einer Woche in Graubünden seinen hundertsten Marathon lief und dabei von Anton portraitiert wurde.

Die Hälfte der Strecke ist schon vorbei und noch immer geht es abwärts. Bis jetzt habe ich das Gefühl, mich dem Risiko entzogen zu haben, auf dem ersten Teil zu viel Gas gegeben zu haben. Die Schilderungen der Gegenanstiege mahnten zu gutem Einteilen.  Den ersten nehme ich entsprechend locker, was nicht allen vor und hinter mir gleichermaßen zu gelingen scheint. „Schön“, sage ich mir und sagt mir am Ende dieser ersten Strecke die Ortstafel. Ich kann deshalb bei der folgenden Verpflegungsstelle einen gemütlichen Halt einschalten.

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Informationen: Gletschermarathon Pitztal
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