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Laufberichte

Auf nach Florenz

25.11.12

Auf und ab durch den Parco delle Cascine

 

Der sich am Arno westlich der Innenstadt entlang ziehende Park ist die größte der Florentiner Parkanlagen, ein Freizeitparadies mit viel Grün, zahlreichen Sportstätten und laaaangen Alleen, über die wir 10 km weit auf und ab gescheucht werden. Der Name des Parks leitet sich von "Cascio" ab, einem alten florentinischen Begriff für "Käse". Käsepark? Erklären lässt sich dies aus der Historie des Parks. Denn Mitte des 16. Jahrhunderts hatten die Medici hier, außerhalb der Stadt, ihre agrarischen Nutzflächen angelegt, Molkerei inklusive. 200 Jahre später wurde das Gelände in einen 160 Hektar messenden englischen Park umgewandelt und mit den Alleen die Infrastruktur für ausgiebige Kutschfahrten der fürstlichen Herrschaften geschaffen, von der heute primär Jogger und einmal im Jahr die Marathonläufer profitieren. 

Entspannend ist es unter den dichten Baumreihen hindurch zu laufen. Da der Park zwar  langgezogen, aber schmal ist, können wir auf den kilometerlangen Geraden immer wieder andere Läufer auf parallel verlaufenden Wegen beobachten. Nach 10 km praller Natur bin ich aber dann doch ganz froh, wieder in die städtische Zivilisation zurück geholt zu werden.

Von der Ponte della Vittoria bei km 15,5 haben wir erstmals die Gelegenheit, einen weiten Blick über die sich bis zum Horizont hinziehenden dichtbebauten Uferpromenaden und die Arnobrücken zu werfen, unter denen der Fluss träge in seinem breiten gemauerten Bett mitten durch die Stadt dahin fließt.

Die Brücke bringt uns hinüber nach Oltrarno, was übersetzt schlicht heißt "jenseits des Arno", quasi der ruhigere innerstädtische Gegenpart zur quirligen Altstadt auf der anderen Flussseite.  

 

Oltrarno - südlich des Arno

 

Der Fluss ist nun eine Weile unser Begleiter. Wunderbar ist der Blick über den Arno auf die jenseitige Uferseite. Hinter den so vielfältig gestalteten, herrschaftlich schmucken Fassaden tauchen mehr und mehr die Türme der Altstadt ins Blickfeld, daraus besonders markant heraus stechend der zinnengekrönte Uhrturm des Palazzo Vecchio.

Ein plötzlicher Rechtsschwenk lässt uns von der luftigen Uferpromenade in eine schmale mittelalterliche Gasse mit breitem holprigem Pflaster eintauchen. Fast schlagartig wird es düsterer, nur wenig Licht lässt die dichte Bebauung in die Gassenschlucht eindringen. Und doch: Der Weg durch die Via de Serragli  mit ihren authentischen Kulisse ist ein Genuss. Die pastellfarbenen Fassaden mit ihren hohen, ladengerahmten Fenstern lassen ein spezielles Italia-Feeling aufkommen. Überraschend lang zieht sich die Gasse schnurgerade dahin, bis an deren Ende ein Klotz von einem Bauwerk langsam näher rückt. Der Klotz entpuppt sich als ein besonderes Prachtexemplar jener wuchtigen Stadttore, mit denen Florenz so reichlich gesegnet ist: die Porta Romana. Wie der Name unschwer erkennen lässt, markierte dieses Tor mit seinen noch heute erhaltenen gigantischen hölzernen Flügeltüren den Zugang zum einstigen Pilgerweg nach und von Rom. Mit ihm erreichen wir bei km 18,5 gleichzeitig den südlichsten Punkt unseres Kurses. 

Musik und tolle Stimmung erwarten uns vor dem Tor und beschwingt schwenken wir in einer scharfen Linkskurve auf die nicht minder lauschige Via Romana geradewegs zurück in Richtung Arno ein. Kurz darauf öffnet sich auf einmal die Enge der Gasse zu einem weiten Platz, der beherrscht wird von einem Palast von zyklopischen Ausmaßen, dem Palazzo Pitti. Die Großkaufmannsfamilie Pitti ließ den gewaltigen Renaissancebau in klassischer Großmannssucht seit 1457 errichten, die Medici machten 100 Jahre später weiter und vollendeten den größten florentinischen Palast - 205 m lang, mit 32.000 m2 Grundfläche, Vorbild vieler anderer Palazzi im In- und selbst im Ausland, etwa der königlichen Residenz in München. Von 1864 bis 1871 war der Palast kurzzeitig gar Residenz des italienischen Königshauses. Heute beherbergt er  zahlreiche Kunstmuseen. Besucher kommen vor allem aber auch wegen der angrenzenden Boboli-Gärten, einem Meisterwerk italienischer Gartenbaukunst, die uns Läufern allerdings verborgen bleiben.

Für uns geht es weiter durch die architektonisch immer schmucker gestaltete Gasse. Mehr und   mehr Zuschauer verengen unseren Laufkurs. Sie kulminieren schließlich in dichten Menschentrauben, die klatschend und lauthals ein weithin schallendes Anfeuerungsspektakel veranstalten. Ja, was geht denn hier ab!, denke ich nur und lasse mich gerne von dieser Emotion anstecken. Des Rätsels Lösung: direkt vor unserer Nase führt einer der Touristenmagneten, die berühmte Ponte  Vecchio, über den Arno. Nur: Sehen können wir den Fluss nicht und auch die Brücke allenfalls erahnen, so dicht umschließen die verwinkelten mittelalterlichen Gemäuer die Gassen - einschließlich der Brücke.

Queren dürfen wir die Brücke jedoch (noch) nicht. Dies müssen uns erst noch weitere 20 km läuferisch erarbeiten. Direkt vor dem Aufgang schwenken wir nach rechts ab, werden aber schon kurz darauf wieder mit einem Panoramablick über die Altstadt entlang der nun wieder unverbauten Arno-Promenade belohnt. Es lohnt sich auch, einen Blick zurück zu riskieren. Denn nur und erst aus dieser Perspektive wird die Ponte Vecchio in Gänze sichtbar und entfaltet ihre eigentümliche Schönheit. Gleich neben der Brücke verharren am gegenüber liegenden Ufer Menschenmassen in Reglosigkeit. Kein Wunder: Hier ist der Zugang zur weltberühmten Gemäldesammlung in den Uffizien. Fast schon zum Greifen nahe - zumindest aus läuferischer Sicht - sind die die Altstadt überragende mächtige Domkuppel und der Uhrturm des Palazzo Vecchio. Aber auch dies sind Streckenziele, bei denen wir uns noch gedulden müssen.

Über die Ponte San Niccolo kurz vor dem Halbmarathonpunkt wechseln wir wieder die Flussseite und verabschieden uns aus Oltrarno. Fast am Startpunkt sind wir hier wieder angelangt und ein neues Streckenkapitel wird eingeläutet. Campo di Marte heißt das im Nordosten der Stadt gelegene Viertel, in und durch das wir nun gelotst werden.

 
 

Informationen: Firenze Marathon
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