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Laufberichte

Schnell wie die Feuerwehr 'nauf auf’s Stockerl!

18.10.09

Als ich etwa 30 Minuten vor dem Start die warme Halle verlasse, hat sich das Wetter noch nicht gebessert. Bedeckt ist es und etwa sechs, sieben Grad wird das Thermometer anzeigen. Nach der Kleiderabgabe im Keller der Kellerei laufe ich mich kurz ein und suche noch ein Gebüsch für ein Geschäft. Zurück am Startplatz bemerke ich, dass es pressiert, denn der Moderator kündigt den Start in drei Minuten an. Mit Drängelei komme ich dann noch in den Block der Roten. Das sind die Schnelleren. Es gibt noch Blaue und Grüne. Gab’s am Abend auch Blaue, die Ärger mit den Grünen bekamen? Nun, die Blocks starten dann im Fünf-Minuten-Abstand. So gibt es keine Drängelei auf den später engeren Rad- und Wanderwegen.

Am Lauftag

Mit einem Böllerschuss heißt es Rennen, Rennen und nochmals Rennen. Nach wenigen Sekunden überquere ich die roten Matten. Es geht auf einer breiten Straße nach Süden. Eigentlich verkehrt, da die erste Hälfte des Marathons auf der Nordschleife gelaufen wird. Doch nach einem kurzen Aufgalopp drehen wir nach links ein und laufen dann nordwärts.

Kilometer eins, ich schaue auf die Uhr und sehe gerade vier Minuten Laufzeit. Eindeutig zu schnell. Also defensiver. Nach wenigen weiteren Minuten laufen wir in den Ort Hof hinein. Nicht nur hier, sondern in allen Ortschaften stehen viele Zuschauer am Rand und feuern uns an. Mit Händeklatschen, mit kleinen und großen Ratschen, mit Kochtöpfen, Blecheimern und was sonst noch dazu taugt, damit werden mir weitergetrieben.

Auf dem weiteren Weg sieht man rechterhand die Burg Lichtenberg, das Wahrzeichen im Bottwartal. Die Staufer haben die Burg im Mittelalter als Befestigung erbaut. Weiter geht’s nach Oberstenfeld, wo wir durch Wohngebiete mehrere Kilometer absolvieren. Bei Kilometer fünf kontrolliere ich die Zeit und merke, dass ich immer noch schneller als die avisierten 4.15 Minuten pro Kilometer bin. Also noch einen Tick defensiver. Schuld am hohen Tempo sind die Halbmarathonis. Die können dann am Ende der Nordschleife für heute Feierabend machen.

Nordschleife - Bildgalerie von Olaf Ulmer

In Gronau führt uns der weitere Weg in einer Schleife durch den Ort und durch angrenzende Felder, dann geht es nordwärts nach Schmidhausen. Bei Kilometer 10 checke ich wieder die Zeit, jetzt passt es genau für drei Stunden Laufzeit. Das ist aber ein Ziel, dass mir auf dieser nicht einfachen Strecke fast unerreichbar erscheint. Die Nordschleife hat rund 120 Höhenmeter, die im Süden etwa 90 Höhenmeter. Zusätzlich gibt es sehr viele Richtungswechsel, wo Konzentration aufgrund des feuchten Untergrundes, evtl. Laub oder Dreck auf der Piste erforderlich ist. Ein Ausrutschen kann ja unter Umständen sogar ein Aus bedeuten.

Als Ziel habe ich Bekannten eine Zeit in Richtung 3.15 Stunden genannt. Nachdem es bisher gut läuft, will ich nicht unnötigerweise langsam machen, nur ein wenig zurückhaltender auf der ersten Hälfte angehen. Dass ich später Druck machen kann, das weiß ich und das habe ich bereits auf vielen Läufer mit der Kamera in der Hand bewiesen. Aber funktioniert das bei einem schnellen Marathon auch so einfach, diese Frage kann ich jetzt nicht schlüssig lösen.

Es geht wieder zurück nach Oberstenfeld, aber sogleich führt dann der Weg Richtung Beilstein. Dort laufen wir direkt auf die hoch oben liegende Burg Hohenbeilstein zu. Diese wurde im 12. Jahrhundert von den Hohenstaufern errichtet. Der Anblick ist wunderbar. Ein paar Meter weiter in der Ortsmitte ist wieder die Stimmung der Zuschauer auf dem Siedepunkt. Mit La-Ola-Wellen wird jeder Läufer weitergetrieben. Mir gefällt besonders, dass immer wieder Musikkapellen aufspielen und die Moderation in einigen Orten. Immer wieder werden die Läufer namentlich angesprochen.

Wir verlassen Beilstein und es geht in die Natur. Auf dem geteerten Radweg neben einer Landesstraße mache ich Tempo, da die Tendenz für einen Kilometer leicht fallend ist. Es geht wieder hinein nach Oberstenfeld. Gute Stimmung. Eine Hauptstraße wird auf einer Brücke überquert. Um die Höhe zu erreichen, laufen wir mehr als einen Kreis nach oben und auf der anderen Seite nach unten. Da bekomme ich fast einen Drehwurm.

Kilometer 20, hier sind wir auf einem Stück, dass uns schon vom Hinweg bekannt ist. Es gibt viele Motive links und rechts zu sehen. Auch stehen immer wieder Kinder am Rande und wollen abgeklatscht werden. Ich darf mich leider nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. Meine Zeitkontrolle deutet auf eine Ergebnis von knapp über drei Stunden hin.

Es geht schnurstracks zum Ziel der Halbmarathonis an der Bottwartal-Kellerei. Die Halbmarathonis haben ihr Tempo mithin gesteigert. Wir laufen auf die Kellerei zu, biegen am Betriebsgelände rechts ab, die Halbmarathonis durchlaufen kurz danach das Zielbanner links, während wir uns rechts einordnen müssen. Die roten Zeitmessmatten nehmen auch meine Zeit. Beim Blick auf die Uhr sehe ich etwas mehr als 1.30 Stunden. Einen Schub verschafft mir der Moderator mit den Worten: „Der läuft in der Meisterschaft ganz vorne mit.“

Die Meisterschaftsteilnehmer sind anhand der Startnummer erkennbar. So tragen die Marathonis die Nummer ab 100. Der weitaus größere Teil des Läuferfeldes hat hier „Flasche leer“, denn sie sind am Ende. Natürlich mit dem Rennen! Der Trend ist hier wie anderswo genau der gleiche. Die Motivation durch den Marathon wirkt bei mir wie Adrenalin, denn ich kann fast mühelos auf zwei vor mir Platzierte auflaufen und mich auch von denen leicht lösen.

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Informationen: Bottwartal-Marathon
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