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Laufberichte

Barcelona grandiosa

06.03.11


Start

 

Die Topläufer dürfen zwei Minuten vor dem Hauptfeld starten, dann ist es auch für uns soweit. Pünktlich werden wir unter den Klängen von Freddie Mercurys „Barcelooona“ losgelassen. Etwas mehr als 13.000 Teilnehmer überqueren letztendlich heute die Startlinie. Nur wenige Meter sind es bis zum gutbesuchten Plaça de Espanya, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, was niemanden daran hindert, ihn heute für den Verkehr zu sperren.

Wir biegen scharf nach links ab und folgen einige Kilometer der kerzengeraden Carrer de Sants. Die Temperaturen liegen noch im einstelligen Bereich, aber frösteln wird’s wohl keinen mehr, obwohl wir uns noch meist im Schatten der Wohnhäuser bewegen. Ohne größeres Gedränge kann ich mir mein gewünschtes Lauftempo suchen.

Nach knapp drei Kilometern erreichen wir Camp Nou, das größte Fußballstadion Europas. Knapp 100.000 Zuschauer können hier die Heimatspiele des FC Barcelona bewundern. Es wird vom renommierten Architekturbüro Norman Foster in den nächsten Jahren sogar auf ein Fassungsvermögen von 116.000 erweitert und sich damit sogar mit an die Weltspitze setzen. Ein bisschen enttäuscht bin ich schon, zumindest jetzt bei Tageslicht macht es relativ wenig her. Wer dennoch mal dabei sein möchte, die Aufführungen auf dem Rasen sollen ja wesentlich eindrucksvoller sein. Auf der Flaniermeile La Rambla gibt es eigene Stände, wo Tickets ab € 40,- angeboten werden.

Nicht zu unterschätzen ist der erste Abschnitt bis KM 4, er beinhaltet mit 50 Höhenmetern 1/3 der gesamten Anstiege der Strecke. Die erste von 10 Getränke- und Verpflegungstationen erreichen wir nach 5 km. Hier gibt es für’s erste nur Wasser, gereicht in praktischen wiederverschließbaren Plastikflaschen. So kann ich mein Getränk für eine Weile mitnehmen und muss es nicht auf einmal hinunterkippen. Leider denken nur die wenigsten so wie ich, die meisten Plastikbottles werden meist noch gut gefüllt am Straßenrand entsorgt. Ich erinnere mich an den Hinweis im Hotel: „Water is a scarce resource, please help us to save it“.

Eine Schleife führt uns bei KM 7 erneut an Camp Nou vorbei, aber diesmal genau auf der gegenüberliegenden Seite. Der Aufstieg beim Herweg ist mir in der Anfangseuphorie gar nicht so richtig bewusst geworden, wesentlich mehr bemerke ich jetzt das Gefälle auf dem Weg wieder zurück Richtung Plaça d'Espanya.

Auf der hinteren, dem Platz abgeneigten Seite, passieren wir nach 11 km die wunderschöne, im arabischen Stil gebaute, frühere Stierkampfarena „Arenas de Barcelona“. Sie wurde bereits 1900 eröffnet, ist aber schon seit 1977 nicht mehr in Betrieb und wird derzeit zum Einkaufszentrum umgebaut. Ab 2012 werden die Toreros im Übrigen in der gesamten autonomen Region Katalonien keine roten Tücher mehr schwenken und die Stiere am Leben bleiben. Das Stierkampfverbot für die ersten Festland-Spanier wurde vom katalanischen Parlament im letzten Jahr beschlossen.

 

Gaudí


Nach 13 km biegen wir ein in die Passeig de Gràcia im Stadtteil Eixample. Sie ist eine der Hauptalleen in Barcelona und auch eine seiner wichtigsten Einkaufs- und Geschäftsstraßen. Viele große Designer-Labels sind in den zahlreichen, prächtigen Gebäuden untergebracht. Wer die Augen offen hält, kann einige der schönsten und berühmtesten Häuser der Stadt bewundern. Dazu gehören natürlich in erster Linie die Werke von Antoni Gaudí, dem bedeutendsten Architekten der Modernisme. Er verhalf der katalanischen Architektur mit seinen kreativen und plastischen Bauausschmückungen zu weltweiten Ruhm und Ansehen.

Als erstes seiner Werke können wir auf der linken Seite Casa Batlló bewundern, hier wollte Gaudí den Drachen der Sankt-Georg-Legende darstellen. Das Dach ist wie der Rücken eines Untiers geformt und mit großen, glänzenden Schuppen versehen. Diese phantastische Kombination von Farben und Formen ist ungefähr bei KM 14,5 zu bewundern.

Kaum 500 Meter weiter, diesmal zu unserer Rechten, passieren wir schon sein nächstes Kunstwerk. Casa Mila, oder auch „La Pedrera“ genannt. Zunächst hielt man in Barcelona nicht allzu viel von dem Haus, daher wurde es unter diesem Spottnamen, übersetzt „Der Steinbruch“ bekannt. Die Front des Hauses wirkt wie ein massiver Felsen, der nur durch Wellenlinien und aus Eisen geschlagenen Ornamenten aufgelockert wird. Der helle Stein und die ansonsten farblose Fassade unterscheidet es deutlich von seinen anderen Bauten. 1984 wurde es von der UNESCO als erstes Gebäude des 20. Jahrhunderts zum Weltkulturerbe erklärt. Mir haben es besonders die wunderschön verspielten Eisenbeschläge angetan, ein Anblick zum Genießen.

Vor einem Obelisken, am Jardin de Salvador Espriu endet für uns der Ausflug auf der Prachtallee, hier biegen wir nach rechts ab, auf direkten Weg zur Hauptattraktion von Barca. Aber auch auf dem Weg dorthin wird uns noch einiges geboten. Das dreieckige Casa de les Punxes – ausnahmsweise mal nicht von Gaudi – mit seinen Spitztürmen und Wetterfahnen im europäisch-gotischen Stil liegt fast wie eine mittelalterliche Burg inmitten der Stadt und unterscheidet sich so deutlich vom bisher Gebotenen.

Bei KM 17 ist es erreicht, das wohl berühmteste Wahrzeichen von Barcelona, das Lebenswerk von Antoni Gaudí, die Sagrada Familia. Seit 1882 wird an der Kirche gebaut. 1883 bis zu seinem Tod 1926 übernahm der Meister selbst die Bauleitung. Viel Zeit sollte man sich bei der Besichtigung der Details der Fassaden nehmen, was unsere Gruppe natürlich schon am Vortag gemacht hat. Beim Vorbeilaufen, oder auch kurzem Verweilen ist das natürlich nicht möglich.

 
 

 

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