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Laufberichte

Ultra-Trail: Wo ist Joe?

22.08.10

Auf dem letzten Kilometer vor dem Weiherkopf darf noch mal richtig geschnauft werden, steil geht’s rauf auf’s Gipfelkreuz. Ein Drittel unserer heutigen Höhenmeter sind geschafft und ca. 13 km, dafür hab ich fast genau 2 Stunden benötigt. Das sind 15 Minuten mehr als im Vorjahr auf der Marathonstrecke, meine Tempoeinteilung müsste also ganz gut passen auf der längeren Strecke.

Fast alle haben um mich herum nehmen sich am Gipfelkreuz Zeit, um erstmal ein kleines Päuschen einzulegen und die traumhafte Aussicht zu genießen und natürlich sind auch einige Gipfelfotos fällig. Ich von m4y-Kollege Olaf, er von mir und noch ein paar andere, so macht’s Spaß. Ja, herrlich ist’s hier oben. Genau gegenüber auf der anderen Seite des Illertals, noch etwas im Dunst liegt der Sonnenkopf, er wird unsere größte Herausforderung bei km 60 heute noch sein.

Nach dem Gipfelsturm kommt folgerichtig immer der Abstieg und der hat es in sich. Auf einem Schotterweg kommen auf 500 Metern und 150 hm die Oberschenkelmuskeln voll zum Einsatz. Auf dem nachfolgenden leicht ansteigenden Abschnitt spricht mich Thomas Steinicke aus Berlin an: „Wo ist denn Ente Cross?“ „Wer?“ „Ja, euer ausgeflipptester Autor!!!“ „Joe?“ „Ja, der. Wo ist Joe?“ Und schon ein paar Meter weiter kommt noch Gerhard Bracht hinzu und schon geht’s wieder los: „Wo ist Joe?“. Jeder kennt ihn und weiß von seiner schwierigen OP und will sich nach seinem Gesundheitsbefinden erkundigen.  

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Etwas unterhalb vom Berghaus Schwaben haben wir plötzlich jede Menge Gegenverkehr. Eine ganze Horde Rindviecher bevölkert unsere Laufstrecke. Nein, nein, ich meine jetzt nicht uns damit, schon die Vierbeinigen! Fast hätte ich den Überblick verloren und wäre geradeaus weiter abwärts gelaufen, aber unser Kurs führt wieder aufwärts. Eine ganze Gruppe, in der sich Jan befand hat hier irgendwo tatsächlich die Orientierung verloren und ist auf einen falschen Anstieg hinauf. Erst nachdem nach 19 km immer noch keine Verpflegungsstelle in Sicht war, bemerkten sie ihren Irrtum und kehrten um. So haben sie sich ein paar Zusatzkilometer eingehandelt.

Vom Riedberger Horn, genauer gesagt etwas unterhalb, verlieren wir auf einem 1 km langen Schussstück bis zur ersten Vollverpflegungsstelle bei den Grasgehren-Liften fast 200 Höhenmeter. Hier ist auch zur Kontrolle und Zwischenzeitmessung eine Zeitmessmatte ausgelegt. Im Internet gibt es eine Seite der Zeitmessfirma, wo sich Fans und Angehörige die Live-Durchgangszeiten ansehen können. Wirklich ein tolle Sache.

Für mich und die meisten anderen ist jetzt nach 19 km Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Das Angebot ist wirklich umfangreich, ein Stück Zwetschgendatschi lacht mich als erstes an, danach Butterbrote mit Salz. Die Auswahl ist allererste Sahne, es gibt noch Melonen, Äpfel, Bananen, Nüsse, Feigen, Früchteriegel, Energie-Gels. Und auch Salzschüsselchen stehen da, um unseren Getränken oder auch Speisen das wichtige Mineral zukommen zu lassen. Die meisten lassen sich viel Zeit, alle sind noch gut drauf, einige reißen Witze, aber schon bald gibt es wieder nur ein Gesprächsthema: „Wo ist Joe?“ Ich weiß es und geb es natürlich weiter: „Joe arbeitet an seinem Comeback", kann ich alle beruhigen. “Aber nicht vergessen, bei uns heißt er „Ente Cross“ erklärt mir noch einer ausdrücklich. Dann lasse ich mich aber schon noch aufklären woher der Nickname kommt. Ihr wollt es auch wissen? Am besten, ihr fragt ihn selber wenn er demnächst hoffentlich wieder wöchentlich auf den Laufstrecken der Welt zu finden ist. Auf irgendeinem Marathon/Ultra trifft man ihn garantiert!

Nach 5 Minuten ausgiebiger Stärkung kann ich mich lösen und meinen Weg fortsetzen. Tendenziell führen die nächsten Kilometer nach Rohrmoos immer abwärts. Bis zu km 21 werden die später startenden Marathonis die gleiche Streckenführung haben wie wir, dann geht es für uns rechts ab. Kurz vor der nächsten Wasserstelle bei km 25 im Weiler Rohrmoos geht es auf einem schmierigen Pfad, steil über eine Wiese den Hang hinab. Gutes Profil auf den Sohlen ist hier Gold wert. Ein Läufer vor mir ist fast am verzweifeln weil es so rutschig ist und kommt kaum vom Fleck.

Dann wird wieder aufgetankt, zuerst die Gurgel danach die Wasserflasche. Die nächsten zweieinhalb Kilometer auf einer Teerstraße vermitteln ein Gefühl das wir heute auch noch nicht oft hatten: Laufen auf fast ebener Strecke. Nachfolgend ein 3 km Anstieg durch den Wald zur Passhöhe. Die Kraft der Sonne bekommen wir hier und heute erstmals so richtig vermittelt. Die Schattenseiten am Wegesrand werden von allen bevorzugt genützt.

 
 

Informationen: Allgäu Panorama Marathon
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