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Laufberichte

Matsch im Wald

 

Vergangenes Jahr wollte ich im November unbedingt noch einen Marathon laufen, musste aber feststellen, dass das Angebot in den heimatlichen Gefilden äußerst übersichtlich ist. Der Zeiler Waldmarathon sprach mich an und war von der Anreise her an einem Tag machbar. Natürlich bin ich ihn gelaufen und bin in diesem Jahr nicht umsonst wieder mit dabei. Der Zeiler Waldmarathon ist eine tolle Veranstaltung und wird in diesem Jahr bereits zum 14. Mal ausgetragen.

So mache ich mich am Samstagmorgen zusammen mit meinem Laufkumpel Jan auf den Weg nach Unterfranken, genauer gesagt nach Zeil am Main. Zeil findet man auf der Landkarte zentral gelegen zwischen Schweinfurt und Bamberg am Rande des Naturparks Haßberge. Nach rund zweieinhalb Stunden Fahrt sind wir da und mein Navi führt mich wieder durch die wunderschöne Altstadt von Zeil am Main. Tolle Fachwerkhäuser umgeben den Marktplatz und die Stadtkirche St. Michael wird toll in Szene gesetzt. Ich sollte das nächste Mal vielleicht doch einen Tag vorher anreisen, um mir Zeil am Main mal in Ruhe anzuschauen.

Vor dem Rudolf-Winkler-Haus auf dem Zeiler Schulgelände parke ich ein. Im Eingang der Veranstaltungshalle gibt es eine kleine Marathonmesse und meine Startnummer habe ich schon nach wenigen Minute in Händen. Dazu gibt es noch eine Flasche alkoholfreies Weißbier der örtlichen Brauerei Göller. Da noch reichlich Zeit ist, gönnen wir uns im Saal noch eine Tasse Kaffee und können wieder einige Lauffreunde begrüßen. Besonders freue ich mich, als Mario den Saal betritt. Nach einer langen Verletzungspause will er nach zwei Jahren endlich wieder einen Marathon unter die Füße nehmen. So ist die Wartezeit recht kurzweilig. Schließlich machen wir uns aber dann doch auf den Weg zum Start.

 

 
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Es ist mit drei Grad noch lausig kalt und ich bin froh, dass ich neben einer Regenjacke auch Handschuhe und Mütze im Gepäck habe. Obwohl Shuttlebusse angeboten werden, mache ich mich zusammen meinen Lauffreunden zu Fuß auf den Weg in den Wald. Nach etwa 15 Minuten Fußmarsch sind wir auch schon da. Rund 160 Marathonis haben sich eingefunden.  Es sind noch etwa 10 Minuten bis zum Start. Während wir auf den letzten Shuttlebus warten, werden wir noch über die Streckenverhältnisse informiert. Aufgrund des Regens der letzten Tage ist der Untergrund teilweise recht matschig und vor allem die letzten Meter vor dem Ziel sollen äußerst rutschig sein.

Mit ein paar Minuten Verspätung geht es dann aber endlich los. Ich gehe es, wie die meisten anderen auch, sehr verhalten an. Schließlich weiß ich, was gleich zu Beginn vor uns liegt. Auf den ersten beiden Kilometern gilt es bereits 150 Höhenmeter zu überwinden. So ist es kaum verwunderlich, dass sich das Starterfeld nicht wirklich auseinanderzieht. Der Laubwald um mich herum hat das herbstlich gefärbte Laub schon größtenteils abgeworfen, dennoch bietet er noch genügend für`s Auge. Ich bin schon wieder so sehr angetan vom Zeiler Waldmarathon, dass ich mich auf die kommenden Stunden freue.

 

 
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Nach den zwei Steigungskilometern bin ich gut warmgelaufen und als uns der Wald am Ende des Anstiegs wieder ausspuckt, kann mir auch der kalte Wind nichts anhaben. Laut Wettervorhersage soll heute übrigens ein kräftiger Wind wehen, doch dem sehe ich gelassen entgegen. Die meiste Zeit werden wir im Wald laufen und da sind wir gut geschützt.

Auf einem Teerstück geht es nun wieder leicht wellig bergab, das Feld zieht sich nun deutlich auseinander. Ich finde mich mit Sophie und Janosch zusammen, zumindest die erste Runde wollen wir gemeinsam in Angriff nehmen. Am Ende des kurzen Teerstücks biegen wir nach rechts ab und nähern uns wieder dem Wald. Ein paar Meter laufen wir am Waldrand noch über eine Wiese. Hier ist etwas Vorsicht angesagt. Es ist glitschig und die Läufer vor mir haben schon erste Spuren hinterlassen.

 

 
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Zunächst haben wir nun auch keine großen Anstiege mehr vor uns. Minimale Steigungen lassen sich gut laufen und bergab kann man etwas Gas geben. Dennoch bremse ich nach den ersten vier gelaufen Kilometern erst mal ein. Die erste Verpflegung wartet mitten im Wald auf uns. Hier gibt es alles, was das Läuferherz begehrt. Kleine Snacks, Iso, Wasser und warmen Tee. Ich greife zum Tee, an den ich mich auch bis zum Ende halten werde.

 

 
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Bis Kilometer sechs geht es nun wieder stetig leicht nach oben und bei einem kurzen Anstieg gönne ich mir meine erste Gehpause, ich will ja Körner für die zweite Runde sparen. Eine Gruppe jüngerer Läufer nimmt diesen noch im Laufschritt und zieht an uns vorbei. Ich lobe sie für ihren Ehrgeiz mit einem nicht ganz ernst gemeinten „Ihr Streber!“. Sie nehmen es lachend zur Kenntnis und machen kurz darauf gleich wieder Platz, da wir sie auf dem anschließenden Bergabstück wieder überholen.  

Wir erreichen bei Kilometer 10 das Lengenbachtal. An einem kleinen Weiher ist eine Verpflegungsstation aufgebaut. Zum Tee gibt`s nun ein paar salzige Cracker. Auf den nächsten drei Kilometern sind wieder ein paar Höhenmeter zu machen, da kann man etwas Energie gebrauchen. Auf der ersten Runde nehme ich die leichten Anstiege noch im Laufschritt, auf der zweiten wird das etwas anders aussehen, das ist mir jetzt schon klar. Aber ich fühle mich heute gut und habe richtig Spaß am Laufen. Den kann mir auch der leichte Nieselregen nicht nehmen, der sporadisch einsetzt.

 

 
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Bei Kilometer 13 verlassen wir den Wald mal wieder für ein paar Minuten. Vor uns liegt Bischofsheim, links erkenne ich den gleichnamigen See und davor die Verpflegungsstelle bei Kilometer 14. Bis dahin kann man es richtig laufen lassen. Es geht ordentlich, aber nicht zu steil bergab. Dann erreiche ich meine persönliche Lieblingsverpflegungsstelle. Hier gibt es neben der üblichen Kost auch Mohrenköpfe (ups, darf man das noch sagen?). Ich wähle einen dunkel- und einen hellbraunen und reserviere mir gleich zwei weiße für die zweite Runde. Es ist aber auch Hunde gedacht,  es gibt Futter und frisches Wasser für die zwei Vierbeiner, die mit am Start sind. Die Stimmung ist wirklich entspannt und die Helfer amüsieren sich über meine Laufkleidung. Ok, eine weiße Laufhose hätte es bei dem Matschwetter heute nicht sein müssen.

Wir umrunden nun kurz den Bischofsheimer See und die letzten sieben Kilometer der ersten Runde liegen vor uns. Es geht wieder bergauf und -ab, ich wundere mich noch über einen Mähdrescher, der um diese Jahreszeit noch auf dem Feld steht. Beim Näherkommen stelle ich fest, dass er gänzlich ausgebrannt ist. Er hat die Erntearbeit wohl nicht überstanden und wartet nun auf seine Abholung.

Auf den letzten Kilometern kommt es zu gelegentlichen Begegnungsstrecken, auf denen uns die schnelleren Marathonis und auch schon die ersten Halbmarathonis, die eine Stunde nach uns gestartet sind, entgegenkommen. Ein paar hundert Meter geht es nun tatsächlich mal auf einer Straße entlang, bevor wir wieder nach links in den Wald abbiegen. Bald haben wir nur noch zwei Kilometer vor uns und die erste Runde ist geschafft. Es geht nun größtenteils nur bergab und tatsächlich nehme ich die letzte Kurve im weiten Bogen, da sie äußerst schlammig und rutschig ist und ich keinen Sturz riskieren will. Kurz darauf kommt eine Streckenteilung. Links geht es auf die zweite Runde, rechts in Ziel. Ich wähle natürlich den linken Kanal.

 

 
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Im Zielbereich wird kurz meine Startnummer kontrolliert, danach stärke ich mich mit einem großen Becher Tee und es geht auf die zweite Runde. Jetzt wird es richtig einsam, auch Jan macht sich vom Acker. Ich werde ihm nicht folgen können und auch Sophie entwischt mir. So nehme ich den langen Anstieg am Beginn diesmal nicht mehr im Laufschritt. Oben angekommen, habe ich etwas mehr Überblick und stelle fest: Ich bin allein.  Macht nichts, ich bin mir sicher, dass noch der ein oder andere Läufer hinter mir ist.

Die zweite Runde verläuft gut. Ab und zu nieselt es etwas stärker, die Gehpausen an den Anstiegen werden länger und hier und da kann ich doch noch ein paar Mitläufer überholen. An der letzten Verpflegungsstation kann ich sogar wieder auf Sophie auflaufen, die Probleme hat, mir aber zusichert, dass sie alleine klarkommt. Und so laufe ich ein paar Minuten später ins Ziel ein. Jan und Axel warten bereits auf mich. Aufgrund der Nässe und der Kälte ist ein längeres Verweilen im Zielbereich nicht unbedingt anzuraten, dennoch will ich noch auf Sophie warten, die ein paar Minuten später ins Ziel kommt.

 

 

Er war wieder mal schön, der Zeiler Waldmarathon, da sind wir uns einig. Auf dem Rückweg  gabelt uns ein Shuttlebus auf und bringt uns zurück nach Zeil. Nach einer ausgiebigen warmen Dusche stärken wir uns in der Veranstaltungshalle noch für den Heimweg und können auch die letzten Siegerehrungen noch mitverfolgen. Mario treffen wir auch noch. Sein Comeback ist geglückt und nach zwei Jahren hat er endlich wieder einen Marathon finishen können. Schließlich tausche ich meine aufgeweichte Startnummer noch gegen eine gute Flasche Wein aus dem örtlichen Anbaugebiet ein und mache mich mit Jan zufrieden auf den Weg nach Hause.

Für mich ist der Zeiler Waldmarathon mehr als nur ein Lückenfüller im marathonarmen November. Es ist ein wunderschöner Naturlauf, mit anspruchsvoller Strecke, perfekter Organisation und vor allem einem tollen Helferteam. Meine zweite Teilnahme in Unterfranken war sicherlich nicht meine letzte.

 

Orga-Chef beim Zeiler Waldmarathon ist übrigens Hubert Karl, ein sehr bekannter Ultraläufer und Buchautor.  Er läuft seit 35 Jahren und war nie ernsthaft verletzt. Allerdings erwischte es ihn ausgerechnet dieses Jahr beim Spartathlon, seinem „Lieblingslauf“. Bei km 160 musste er aussteigen. Seine 20 erfolgreichen Teilnahmen sind dennoch Rekord.

Sein Buch „lebens prinzip bewegung: Wege und Umwege eines Läufers“ gibt es im Buchhandel oder bei Amazon

 

 

 

Informationen: Zeiler Waldmarathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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