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Laufberichte

Da wird der Marathon zum Ultra

14.09.08

Heute bin ich wieder unterwegs. Für mich eine neue Strecke, die es in sich hat. "De is fei schee bucklig“, im O-Ton Süd. Was es mit der Überschrift auf sich hat, dieses und anderes in meinen Bericht über den Weidatalmarathon.

Heute geht es nach Thüringen, genauer gesagt in den Ostzipfel nach Weißendorf unweit der Stadt Zeulenroda. Zu erreichen ist der Ort einfach über die Autobahn 9 zwischen Hof und Leipzig. Über die Anschlussstelle Schleiz oder etwas kürzer über die Anschlussstelle Dittersdorf. Da sind zwar die Straßen etwas schmäler, aber die Beschreibung für die Anfahrt per Pkw hat der Veranstalter akribisch vorgenommen. Verfahren unmöglich!

Wie kommt denn der Autor an diese Adresse? Nun, ich mag immer wieder mal kleinere Veranstaltungen, die sehr häufig familiär und doch routiniert ablaufen. Da ich am Vortag noch in Schwarzenbach an der Saale bei den dortigen Ausdauertagen einen schnellen „Halben“ gelaufen bin, kommt mir heute der Weidatalmarathon zum Auslaufen gerade recht.

Ich übernachte in der an einem See idyllisch gelegenen Jugendherberge Plothen und erhalte sogar noch für 22 EUR ein Einzelzimmer. Geschlafen habe ich wie ein Murmeltier und das Frühstück ist reichlich. Es ist fast schon wie immer, dass ich mir vor meinen Marathonfototouren den Ranzen vollhaue. Da kann man dann nicht so schnell laufen, braucht länger und sieht dafür mehr.

Am Ortsrand von Weißendorf ist das Start- und Zielgelände schon leicht zu erkennen. Ein Feuerwehrmann schickt mich noch auf der Straße eine Ausfahrt weiter, damit die Anfahrt zu dem großen Parkplatz, ein großer abgeerntetes Rapsfeld, nicht verstopft wird. So habe ich lediglich ein paar Meter zu gehen und stehe dann vor dem Startgelände, wo schon alles fix und fertig hergerichtet ist.

 
© marathon4you.de 4 Bilder

Gerade ist Warm-Up für die NordicWalker. Eine Vorturnerin erklärt die Übungen und eine große Masse an Sportlern macht mit. In der Halle ist schon reger Betrieb. Überall stehen die Walker und Läufer an. Hoffentlich dauert es nicht zu lange, bis ich meine Siebensachen zusammenhabe. Aber die Helfer sind fix und routiniert, so erhalte ich nach etwa fünf Minuten eine Tasche mit den ganzen Unterlagen. Für die Chipkarte nimmt man zehn EUR Kaution, sieben Silberlinge gibt es nach dem Rennen wieder zurück. Die Chipkarte ist nicht am Schuh anzubringen, sondern soll an der Startnummer angebracht oder an einem Band um den Hals getragen werden. Da einige Zwischenzeiten genommen werden, müssen die Helfer mit ihren Lesegeräten an das Ding heran.

Was kann denn alles hier unternommen werden? Nun, zum 5. Weidatalmarathon, eigentlich ein kleines Jubiläum, sind fast alle Strecken ausgeschrieben. Von der 6 Kilometer langen Schnupperstrecke über 11 Kilometer, einen Halbmarathon, über 32 Kilometer bis hin zum Marathon, alles ist möglich. Und diese Strecken können gelaufen, gewandert oder ge-nordic-walkt werden. So werden sich die vielen Teilnehmer in die verschiedenen Klassen aufteilen. Ja, und für den Nachwuchs gibt es noch einen KidsRun und einen BambiniLauf. Die Startgebühren sind äußerst moderat. Sie beginnen bei 1 EUR für den Nachwuchs und bei der 6-Kilometer-Wanderung und enden bei 19 EUR beim Marathon.

Dafür erhalten alle Teilnehmer schöne rote oder blaue Funktionsshirts eines namhaften schwedischen Sportartikelherstellers und auch Medaillen. Urkunden werden nach der Teilnahme zeitnah ausgegeben. Nach dem Sporteln sind Massagen möglich. Neben der üblichen Veranstaltungsinfrastruktur gibt es noch eine Stärkung bei der Kartoffelparty mit drei verschiedenen Gerichten. Wer will, kann noch am Veranstaltungstag in die benachbarte Badewelt Waikiki zum Duschen und Schwimmen gehen.

Die Zeit bis zum Start verläuft sehr schnell. Nicht nur ich kann es erwarten, jeder will hinaus auf die unbekannte Strecke. Es ist ja heute sehr windig, zwar mit etwas Sonnenschein, aber dafür ist es mit deutlich weniger als zehn Grad sehr kühl. Es herbschtelt gscheit, sagt der Bayer zum heutigen Wetter.

Ich nehme Kontakt auf zu Danny Winkelmann, der sehr erfreut ist über die starke Resonanz. Nicht nur aus der Region, sondern auch aus dem ganzen Bundesgebiet, aus Tschechien und der Schweiz sind Teilnehmer gekommen. Rund 700 Voranmeldungen haben sich bis zum Vortag eingeschrieben, doch die zahlreichen Nachmelder sorgen für einen neuen Teilnehmerrekord von 903 Nennungen.

 
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Aus dem Teilnehmerfeld fallen mir der Olaf Schmalfuß und seine Andrea auf. Ja, der Olaf war gestern beim IVV-Wandern in Nürnberg über 50 Kilometer. Da hat er einen Wanderer kennengelernt, der an jeder Kontrolle eine Halbe Bier abgepumpt hat und dann am Ziel nach der Stempelei wohl fertig und nicht mehr zu sehen war. Für den Olaf kommt in zwei Wochen eine schwere Prüfung. Er möchte den Spartathlon bestehen. Da wünsche ich ihm heute schon alles Gute.

Start. Wohl an die 200 bis 300 Läufer für die Strecken über 11, 21, 32 und 42 Kilometer machen sich auf die Socken. Ich habe mit das Streckenprofil im Vorfeld schon angeschaut. Die Marathonis müssen die 21 Kilometer-Schleife zwei Mal zurücklegen. Und diese Schleife ist wohl nur auf den ersten sechs Kilometer gefällig. Dafür werden die Ausschläge der Anstiege und Gefällstrecken im letzten Drittel umso heftiger. Eine gute Krafteinteilung ist sicher keine schlechte Planung.

Wir laufen ein kleines Stück Asphaltstraße und dann geht es schon ins Gelände mit ruppigem, grasigem Untergrund. Hinterhalb des Sportgeländes des TV Weißendorf laufen wir dann in die Gemeinde Weißendorf hinein. Wenn man bedenkt, dass der Ort lediglich 350 Einwohner hat und die Veranstaltung an die 100 Helfer braucht, dann hat der Danny bereits im Vorfeld schon fast die halbe Dorfbevölkerung verpflichten müssen.

Ich bleibe mehrmals stehen, um möglichst viele Bilder zu bekommen. Da ich wieder einmal die Schuhbänder schlampig gebunden habe, geht eines davon auf. Der Olaf lacht: „Soll ich Dir die Schuh zubinden?“ Die ersten Kilometer verlaufen über Felder am Weidenberg oberhalb der Stadt Triebes, die seit 2006 mit Zeulenroda kommunalrechtlich fusioniert hat. Nur wenig wellig ist unser Weg bis jetzt.

Das ändert sich aber, als wir in den Wald eintauchen. Nach einer Linkskurve verlieren innerhalb weniger Minuten 100 Höhenmeter. Wir sehen dann linkerhand die Weidatalsperre, die als Trinkwassertalsperre 1956 in Betrieb genommen wurde. Das Staubecken hat eine Länge von 4,6 Kilometer Länge und das werden wir auf unserer Reise immer wieder sehen.

 
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Ich sehe die Staumauer des Ausgleichsbeckens, es geht noch weiter hinunter und dann nach einer scharfen Linkskurve ist die erste Kontrolle erreicht. Eine Frau hebt das Lesegerät an die Chipkarte. Und zum Trinken gibt es auch schon etwas. So sechs Kilometer dürften wir schon hinter uns haben. Ja, Kilometerschilder sind hier nicht angebracht. Back to the roots, zurück zu den Wurzeln, so ist mein erster Eindruck und nehmt das auch wörtlich. Der Lauf dürfte besonders Trailrunner und Genussläufer erfreuen. Da brauche ich keine Hinweise, wie viel Laufweg ich schon hinter mir habe oder wie weit ich noch muss.

Auf der anderen Seite des Ausgleichsbeckens geht es wieder hinauf. Und gar so steil, dass der eine oder andere zum fröhlichen Wanderer wird. Auch wenn dann mal die Lunge pfeifen sollte.

Die nächsten zwei, drei Kilometer sind auf einem schmalen Trail konzentriert zu laufen. Wurzeln und Steine könnten Dir den Fuß legen. Mittlerweile hat sich doch das Feld auseinandergezogen. Es macht nicht nur mir Spaß.

Bei einem Beton-Kolonnenweg, einer so wie früher am Eisernen Vorhang, überhole ich Katja Burkhardt aus Bucha. Für sie reicht heute der „Halbe“. Da sie einen Knopf im Ohr hat, wahrscheinlich hört sie „Highway To Hell“, muss ich mehrmals nachfragen, wie es ihr geht.

Es bleibt crossig. Andreas Menge kommt aus der Gegend, kennt seine Heimat und mag auch die Natur. In zwei Wochen geht er wie ich nach Berlin und läuft da Marathon. „Da kannst Du leicht Bestzeit laufen“, gebe ich noch als Rat auf den Weg. Für ihn ist heute das eine Generalprobe für den Lauf in unserer Bundeshauptstadt.

Wir bleiben weiterhin auf schmalen Wegen im Bereich der Talsperre. Es bleibt leicht wellig. Nach einer guten Stunde Laufzeit, vielleicht Kilometer 12, erreiche ich die nächste V-Stelle bei Piesigitz. Neben Wasser gibt es Iso-Getränke in mehreren Sorten Bananen, Äpfel, mitunter auch Brambacher Cola, Gel und schwarze Masse, die erst beim näheren Betrachten keine Blockschokolade ist, sondern sich als Schokoriegel herausstellt. Weiter.

Hinter den Leitplanken einer schmalen Straße geht es hart aufwärts. Für einige heißt es wieder Gehen. Es geht wieder kurz hinunter zum See. Dann nach dem Überlaufen einer längeren Holzbrücke geht es rechts hinauf. Die Stelle, wo man mit der Holzabfuhr nicht fertig wurde. Es geht so steil bergauf, man hat die Laufstrecke direkt an den Hang gelegt. Allradantrieb wäre nützlich. Auf allen Vieren hochkrabbeln ginge auch.

Oben bleibe ich stehen und fotografiere. Mirko Haucke aus Weißendorf, also ein Einheimischer, sieht mich und spurtet noch die letzten Meter hoch. „Mach Dich nicht hin“, sage ich. „Mir reicht eine Runde“, entgegnet er. Dafür bekommt er ein „dann quäl Dich Du Sau!“

Es folgt der erste längere Anstieg nach Merkendorf. Rechts beobachten einige Pferde unser Treiben. Am Ortsausgang haben sich einige Zuschauer versammelt. „Euch ist bestimmt kalt“, so sage ich zu ihnen und diese klatschen.

 
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Dann kommt wieder ein interessantes Wegstück. Eine Ortsverbindungsstraße nach Triebes, schlechte Wegstrecke, besagt ein Verkehrsschild, dann nach 15 Metern könnte eine Radarfalle für die Spitze Punkte in Flensburg bringen. 10 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Genauso „gut“ ausgebaut ist der Streckenteil. Na servus. Als ich einen Moment nicht aufpasse, komme ich fast zum Stolpern. Nur nichts anmerken lassen.

Es geht wieder hinunter zur Sperre und auf einer Brücke überqueren wir das Gewässer. Wieder hinan. Eine Landsfrau kann ich ansprechen. Steffi Zapf aus Gefrees erkundigt sich nach dem restlichen Weg des Halbmarathons. Ein paar Kilometer sind es schon noch, zumal an der folgenden Trinkstelle die 11er-Strecke einmündet.

Wir laufen jetzt in das hintere Ende der Walker hinein. Die Strecke fällt wieder. Im Wald sehe ich die Weida als mäandrierendes Gewässer rauschen. Ein Wegweiser besagt, 2,5 Kilometer zum Waikiki-Bad. Ja und die Sportanlage ist gleich nebendran. Aber bis wir auf der Hochfläche angelangt sind, sind noch zwei zarte Anstiege von je 50 Höhenmeter zu bewältigen.

Dann ist die erste Runde fast geschafft. Ich biege auf die Asphaltstraße vor dem Startgelände ein, laufe 200 Meter entlang und biege dann auf dem Sportgelände in die eigene Durchlaufspur. Und bin dann fast alleine!

Ich verpflege ausgiebig und mache mich dann auf die zweite Runde. „Auch ein Genussläufer“, so schätzen mich Jürgen Klöpfel aus Rudolstadt und Bernd Vogelmann aus Cursdorf-Meuselbach ein. Für beide ist nach 32 Kilometer Feierabend.

Nun sehe ich auf lange Strecken keine Menschenseele mehr. Also muss ich verstärkt auf die Markierungen achten. Die sind aber schon gut und reichlich angebracht. An der ersten V-Stelle muss ich die Frau Kontrolleur schier aus dem Auto locken, damit ich auch erfasst werde.

Da ich schon viele Bilder gemacht habe, lasse ich die Kamera in der Tasche und hole sie erst wieder in Merkendorf heraus, als ich mit Fabian Horn aus Jena ins Reden komme. Er hat sich keine leichte Strecke als Erstlingsmarathon herausgesucht und muss sich jetzt mit Muskelkrämpfen herumplagen. Ich wünsche ihm viel Glück auf den letzten Kilometern und „Kämpfe Dich durch!“

Die letzten Wanderer und Walker werden überholt. Ich grüße auch noch Sportler aus dem oberbayerischen Mettenheim. Dann auf den letzten Kilometern kann ich noch auf eine Frau auflaufen. Frauke Reuter aus Erfurt ist jetzt auch froh, dass das Rennen zu Ende geht. Wir laufen dann gemeinsam ins Ziel, wo dann ihre zwei Kinder und die Oma schon sehnsüchtig warten.

 
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Am Ziel erhalten wir dann ein Zielprotokoll. Die Frauke wird Gesamtzweite in 4.14.22 Stunden. Bei mir sind es sieben Sekunden mehr. Ich habe mich nur kurz unterhalten und auch erst wenige Schlucke eines oberbayerischen Weizenbieres abgepumpt, da steht auch schon der Olaf im Zielraum. Ja, der hat heute Dampf gemacht. Er zeigt mir seine GPS-Uhr. „Wir werden heute fast 44 Kilometer gelaufen sein.“ 43,55 Kilometer erkenne ich auf dem Display. Und knappe 900 Höhenmeter waren es wohl auch.

So wird der Marathon zum Ultra. Ein echter Geheimtipp für Naturliebhaber und Trail-Läufer.

Strecken:
21-Kilometer-Runde um die Talsperre, sehr hügelig, viele Trailwege.

Logistik:
Massagemöglichkeit., Eintritt in die Badewelt Waikiki, Kartoffelparty nach dem Rennen (mehrere schmackhafte Gerichte). Fast unbegrenzte Parkmöglichkeiten.

Auszeichnung:
Medaille, Urkunde vor Ort, Sachpreise für die Gesamtsieger, Funktionsshirts.

Verpflegung:
Wasser, Elektrolyt, Bananen, Äpfel, auch Cola, Gel und Riegel, im Ziel Bier.

Marathonsieger
Männer
1. Christoph Winkler, Torgau, 3.20.49.
2. Matthias Schmitt, LG Würzburg, 3.25.40.
3. Ronald Matthesius, Eisenach, 3.35.45.

Frauen
1. Renate Warnstedt, TSV 1880 Gera-Zwötzen, 4.00.31.
2. Frauke Reuter, Erfurt, 4.14.22.
3. Christel Kunze, Hamburg, 4.23.29

 

Informationen: Weidatal Marathon
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