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03.10.13

Orte, an welchen sportliche Geschichte geschrieben wird, beginnen mit dem Buchstaben „W“. Wembley, Wimbledon und Waldbreitbach.

„Das ist nicht dein Ernst“, sagte der Wolfgang, als ich ihm meine Absicht kundtat. Als Laufreporter unseres Portals und Vorsitzender des veranstaltenden VfL Waldbreitbach, dem mitgliederstärksten Verein der Kommune, müsste er doch jubeln. „ Warum, weshalb und wozu um alles in der Welt willst du dir das antun?“ Damit war natürlich nur die lange Anreise aus der Schweiz gemeint. „Weil wir wollen“, entgegnete ich. Wir? Pluralis majestatis oder was? Nein, wir, die einzelnen Teile, die aus mir zusammen mehr als nur einen Läufer machen. Bauchgefühl statt Ratio hat das Sagen. Statt einer Antwort auf seine Frage kommt mir zuerst der Film „Les petites fugues“ (kleine Fluchten) von Yves Yersin in den Sinn. Ich hoffe einfach, dass ich durch diese kleine Flucht nicht wie der Knecht Pipe im Film die Arbeitsdisziplin verliere, sondern wieder gestärkt zur Arbeit zurückkehre.

Die Anreise an diesem Feiertag ist absolut entspannt. Trotzdem staune ich, wie viele LKW mit (oder ohne?) Sondergenehmigungen unterwegs sind. Die transportieren vermutlich so lebenswichtige Dinge wie Klopapier und Katzenstreu. Wenn ich mir dann überlege, welche Hürden Veranstaltern von Laufveranstaltungen in den Weg gestellt werden, bevor sie die unzähligen notwendigen Genehmigungen erhalten….

In Waldbreitbach dürfte das relativ einfach vonstattengegangen sein. Das Dorf ist überschaubar, man kennt sich und zieht so manches Ding gemeinsam durch. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich jemand daran stört, dass am Feiertag schon morgens mehr Geräusche durch die Straßen ziehen – zumindest entlang der Laufstrecke und im Start- und Zielbereich bei Schule, Sporthalle und Feuerwehmagazin.

 
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Ein schöner Herbsttag kündigt sich an, doch morgens um 09.00 Uhr ist es noch sehr kühl und ein frischer Wind verstärkt diesen Eindruck. Umso wärmer ist der Empfang von Wolfgang. Das ist das Los von uns Reportern: Wir lesen regelmäßig  unsere Bericht und haben selten die Gelegenheit, die Läufe miteinander zu genießen. Auch Klaus Klein taucht auf und ist erleichtert, dass er nach den kurzfristigen Absagen nicht als Einzelläufer starten muss, sondern von Norbert und Karl-Heinz auf Staffelgröße gehalten wird.

Bei der Startnummernausgabe sieht es aus wie am Bahnhofskiosk. Statt Zeitschriften liegen Broschüren und Flugblätter zahlloser Laufveranstaltungen auf – es ist ja gut möglich, dass der eine oder andere nach dem heutigen Tag Appetit auf mehr hat. Mit freudigem Erstaunen nehme ich zur Kenntnis, dass neben der Terminliste von M4Y die Werbung für den Zermatt Marathon ausliegt und wünsche jedem, der im kommenden Jahr dort startet, das gleiche Wetterglück. Die Bilder des diesjährigen Ultras haben sich tief eingeprägt und sorgen für ein Hochgefühl, wenn ich daran denke.

Im Gebäude der Feuerwehr ist schon ein großes Kuchenbuffet angerichtet, dem ich nicht widerstehen kann, und der heiße Kaffee hilft mir in zweierlei Hinsicht auf Betriebstemperatur zu kommen, dann kann es losgehen.  Als Moderator ist „Vanman“ Jochen Heringhaus im Einsatz. Seinen Ohren entgeht nicht, dass ich von weit her angereist bin, seinen Augen auch nicht, dass ich einen funkelnagelneuen Schuh in knalligem Orange an den Füßen haben. Da ich Ende Monat in Luzern im Team der Pacemaker eines bekannten  Ausrüsters mittue, mit einem solchen Paar seiner, meinem Gangwerk unbekannten Tretern. Wenn ich mich damit selbst überliste, ist niemand anders dafür verantwortlich. Schließlich bläut jeder Ratgeber dem Marathon-Neuling ein, dass man nur mit gut eingelaufenen Schuhen einen Marathon laufen soll.  Notfalls hole ich mir einfach das zweite Paar aus der Tasche, die bei der Wechselzone unter einem Baum liegt.

Der Bürgermeister schickt die 55 Teams und 12 Einzelstarter mit einem Ohren schonenden Knallerchen aus der Startpistole auf die knapp zwei Kilometer lange Strecke. Damit alles seine Richtigkeit hat, wird auf der ersten Runde gleich eine Zusatzschlaufe gelaufen, somit ist nach der einundzwanzigsten Runde das Soll offiziell erfüllt. Klaus und ich lassen uns gleich mitreißen, nicht ohne uns aber die ganze Zeit über zu unterhalten. Im Bewusstsein, dass die Staffelläufer einen durchschnittlichen Marathonläufer und Ultraschlurfer wie mich zu einem viel zu hohen Tempo verleiten, betrachte ich meine Teilnahme auch als erste richtige Trainingseinheit in diesem Jahr. Mal wieder aufs Tempo drücken und schauen, wie lange ich das durchhalte, und danach durchbeißen, so ungefähr lässt sich mein Plan umschreiben.

 
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Die erste verlängerte und auch die zweite Runde sind im Nu um und auf der dritten begleitet mich Wolfgang. Für die Einzelläufer und Zweierstaffeln ist unmittelbar nach dem Zieleinlauf, also zu Beginn der Runde auf der rechten Seite ein Verpflegungstisch aufgebaut. Salziges, Süßes, Wasser, Cola; für das körperliche Wohl ist bestens gesorgt.

Die ersten zwölf Runden gehen flott und schnell vorbei, zumindest sind mir zwei Stunden auch schon deutlich länger vorgekommen. Die Samba-Trommler, das Duo Doubleplay und  - etwas später dazugestoßen – die Guggenmusik sorgen für Stimmung und Antrieb und zeigen ungeheure Ausdauer. Würden die so nachlassen wie ich nach diesen 24 Kilometern, dann hätten wir eine ordentliche Kakophonie. Spätestens ab jetzt ist es hartes Training. Schönes auch, geht doch die Hälfte der Runde der Wied entlang, auf einem Weg, der sich für Spaziergänge jeder Art einfach anbietet. Die Staffelläufer sorgen für Abwechslung und Ablenkung und nach jedem Zieldurchlauf kann ich am Verpflegungsstand einen Stopp einlegen.

Von Mal zu Mal fällt mir das Loslaufen allerdings schwerer und der Führende überrundet mich schon zum dritten Mal. Dazu kommt ein ungebetener Gast ins Spiel. Ich bin fasziniert von Wölfen und befürworte ihre Wiederansiedlung bei uns. Wenn sich der Wolf aber an den Oberschenkeln breitmacht, ist es mit der Freundschaft aus. Das passiert doch sonst nur den Laufanfängern… Ich muss feststellen, dass sich auch bewährte Kleidungskombinationen plötzlich anders verhalten. Ist das Material ausgeleiert oder haben meine Oberschenkel an Umfang zugelegt? Wenn es Muskeln sind, wäre das gut, doch so viel Mühe kann ich mir gar nicht geben, mir diese einzureden. Ich weiß, dass das Gegenteil der Fall ist.

Gegen  das Ende hin lichten sich die Reihen der staffellaufenden Zuschauer im Wechselbereich, denn die sind schon unter der Dusche. Die verbleibenden wissen dafür umso mehr, dass ich auf den letzten Kilometern Unterstützung gebrauchen kann. Die bekomme ich auf der zweitletzten Runde auch von Klaus. Er läuft die Schlussrunde seiner Staffel und passt sich mir an. Ich muss eine Gehpause einlegen, was ihn nicht stört. Gemeinsam spazieren wir weiter und werden von seinen Staffelkameraden ungeduldig erwartet. Sorry, Freunde, dass ich euren Schnitt auf der letzten Runde versaut habe.

Die letzte Runde laufe ich wieder durch und habe nichts dagegen, dass mein heutiges Training beendet ist. Ich bin im Ziel und habe damit mein Ziel erreicht. Die sub-4 Stunden-Zielzeit und das erstaunlich lange Halten des Fünferschnitts sind noch erfreuliche Zugaben. Ich gebe zu, ich habe mich heute auch wieder einmal gequält und es ist ein gutes Gefühl, dass ich es getan habe. Ohne den Rahmen des Staffelmarathons mit seiner guten sportlichen, kompetitiven und doch entspannten Atmosphäre hätte ich mich davor gedrückt.

Das schöne Herbstwetter ist nicht das Verdienst des VfL, ich gönne all den engagierten Organisatoren und Helfern aber von Herzen, dass ihr Einsatz für uns Läufer damit gekrönt wurde. Am liebsten würde ich in dieser schönen Gegend im Westerwald noch ein paar Tage Urlaub anhängen und die Trails der Umgebung auskundschaften, denn anfangs April wird es mir ziemlich sicher nicht möglich sein, dies im Rahmen des WUT (http://www.mut-zum-wut.de) zu tun. Aber die Pflicht ruft und heißt mich heute wieder zurückzufahren. Im Gepäck habe ich nicht nur schöne Erinnerungen, sondern auch eine Angeber-Urkunde: 4. Gesamtrang, 1. Rang AK. War ja auch nicht so schwierig bei der Größe des Feldes bei den Einzelläufern. Und ein schönes, handgearbeitetes Andenken gibt es für uns Einzelkämpfern auch noch. Den ersten 20 gemeldeten wurde ein Präsent des Keramikers aus dem Ort versprochen und bei der Rückgabe der Startnummer ausgehändigt. Dieser exklusive Becher wird einen Ehrenplatz erhalten.

WWW: Waldbreitbach, Wolfgang und – da war doch noch was? Richtig. Die Supermärkte haben bereits begonnen, Weihnachten zu vermarkten. Da darf ich es nicht unterlassen, auf eine Sehenswürdigkeit in Waldbreitbach hinzuweisen. Statt eines Besuchs auf einem von Glühweinfuseldampf  vernebelten Weihnachtsmarkt bietet sich hier die Besichtigung des Krippenmuseums an.

In diesem Jahr war die Resonanz auf die Ausschreibung des Staffelmarathons kleiner als erwartet; so, dass der VfL über die Bücher gehen wird. Da hilft nur eines: www. Weitersagen, werben, wieder kommen!

 

Informationen: Staffelmarathon Waldbreitbach
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

 

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