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Laufberichte

Laugavegur-Ultramarathon

15.07.06

Ich fürchte stark, zum Wallach zu werden

 

Island, 15.7.2006

 

Schon immer wollte ich mal nach Island reisen, in das Land, das geogeschichtlich sich noch in der embryonalen Entwicklungsstufe befindet, von ursprünglichen, unvergleichlichen und archaischen Naturlandschaften geprägt wird und dessen Bewohner vor über 1.000 Jahren und somit 500 Jahre früher als Columbus rudernder weise Amerika entdeckten. 

 

Mitte Juli 2006 war es dann so weit - gegen Mitternacht landeten wir auf dem Flughafen bei Keflavik. Wir, das sind die Viel-Weitläufer Karl-Heinz Jost und Pascal Hagenbach, Klaus Herres ein guter Bekannter und Nichtläufer aus meiner Wahlheimat an der Mosel, der als unser Fan mit reist, und ich. Wir alle waren vom Flugplatz  Hahn im Hunsrück gestartet.

 

Sogleich nach dem Verlassen des Terminals mache ich eine interessante Entdeckung: Trotz mitternächtlicher Stunde ist es nicht dunkel, ja es könnte auch 19.00 oder 6.00 Uhr sein.

 

Mit dem Bus werden wir zu unserer Herberge gebracht, wo Sigrid Eichner, die schon Stunden zuvor aus Berlin gekommen ist, uns erwartet.

 

Den nächsten Tag verbringen wir mit Streifzügen durch Rejkjavik, Islands Hauptstadt. Es regnet meistens und die Temperaturen bewegen sich so um 10 Grad bei mäßigem bis starkem Wind, und die nördlich des Hafens gelegenen Tafelberge, die nicht höher als 300 m sind, werden schon ab ca. 150 m von Wolken bedeckt.

 

Der Großteil der Bewohner ist ein gutes Stückchen kleiner als ich und von eher gedrungener Gestalt. Außer einer eigenwillig konstruierten Kirche auf einem Hügel mit dem Denkmal eines mit einer Streitaxt bewehrten Wikingerhelden davor kann ich nichts architektonisch Erwähnung würdiges erblicken. Die Häuser sind reine Zweckbauten, meist steril wirkend wie Krankenhäuser, und häufig mit Stahlblechdächern versehen. Zumindest bei den neuen Häusern fehlen die Schornsteine völlig, da grundsätzlich nur mit dem warmen Wasser, das aus der Erde kommt, geheizt wird.

 

Zum ersten Mal kann ich Busse bestaunen, die mit Wasserstoff betrieben werden. Nur für den Transport wird in Island noch Erdöl verbraucht; es ist geplant, in spätestens 30 Jahren vom Öl völlig unabhängig zu sein.

 

Gegen Abend begeben wir uns zu einer Halle nahe dem Olympia-Gelände, wo die Startnummernausgabe stattfindet. Die Menge der dort anwesenden Athleten ist überschaubar, nehmen doch an der ganzen Veranstaltung nicht mehr als 150 Läufer teil. Die überwiegende Mehrzahl der Teilnehmer kommt von der Insel, ansonsten gibt es einige Briten, Franzosen, Skandinavier und Deutschland stellt mit 13 Personen das größte nichteinheimische Kontingent.

 

Es werden Dias vom Rennen des vergangenen Jahres vorgeführt. Es scheint die Sonne, man sieht nur wenig Schnee und Eis, es geht steil bergan und bergab, durch seichte Flussläufe und die meisten Läufer laufen kurz… es wäre besser gewesen, ich hätte diese Bilder nie gesehen!

 

Am nächsten Morgen erreichen wir nach dreistündiger Busfahrt so gegen 8.00 Landsmannlaugar, den Startplatz des Ultramarathons. Der Platz befindet sich unmittelbar hinter einer aus Bims bestehenden dunkelgrauen Bergwand. Es gibt hier einige Wanderhütten, einen Campingplatz und heiße Quellen, die zum Baden einladen. Der Wind wird vom Berg gebremst und dennoch, es ist kalt, es regnet und ich trage eine Fliesjacke ohne Handschuhe, im Rucksack habe ich noch eine wasserdichte Jacke und habe kurze Hosen an, getreu den Vorbildern aus der Diashow des vergangenen Jahres…

 

Ich treffe auf Norbert Fasel aus Münster, der schon eine Woche hier ist, und auf meine Frage, wie Ihm Island so gefällt, muß ich hören: „Ja so richtig nicht wirklich, das Wetter… und man muss schon ein ganz großer Freund von Moosen und Flechten sein…“

 

Ca. 150 Läufer sind zum Start bereit und es gibt mit Sicherheit weniger als 10, die kurz laufen, so wie ich, was mich jetzt doch nachdenklich stimmt…

 

Pünktlich fällt der Startschuss und wie immer setzt sich die Läuferschar enthusiastisch und frohgemut in Bewegung. Es geht nun auf einem schmalen Pfad einen steilen Berghang mindestens 150 Höhenmeter nach oben. Ganz weit hinten habe ich mich aufgestellt und laufe langsam los, in der Erwartung, dass es ja doch bald wieder zu Rückstaus kommt, was auch tatsächlich so sein wird. Im Moment ist es nahezu windstill, über mir kann ich aber Wolkenfetzen jagen sehen, womit mir klar wird, dass nach Überwindung des Bergkamms, wir den Wind spüren werden.

 

Nach wenigen Minuten Berglauf rinnt mir schon der Schweiß von meinem bekopftuchten Angesicht und ich denke, dass meine Bekleidung gar nicht so schlecht diesem Rennen angepasst ist, ja ich plane sogar, meine Fliesjacke auszuziehen…

 

Nach einer gewissen Zeit, ich laufe mal wieder ohne Uhr, erreiche ich den Bergkamm und ein unangenehmer eiskalter Wind bläst mir mit voller Wucht entgegen. Innerhalb Sekunden vollzieht sich die gefühlte Wandlung; es ist wie in einer Sauna, vom Schwitzraum zum Eiswasserbecken! Und … vor mir tut sich eine weite Eis- und Schneelandschaft auf, wo bei der Diavorführung nur vereinzelte Schneefelder zu sehen waren…

 

Es regnet gegenwärtig nicht und ich beginne mich mit der niedrigen Temperatur und dem Wind zu arrangieren. Ab und an sieht man sogar kleine wolkenfreie Inseln am Firmament, durch die die Sonne strahlt. Um uns herum erkenne ich tief eingeschnittene Täler mit reißenden Bächen und Flüssen in der Bims- und Lavawüste, die von bizarren, meist Schnee bedeckten Bergen umgrenzt werden. Die Bodenfarbe wird von dunkelgrau bis schwarz dominiert und ist fast 100 %ig kahl. Nur an wenigen Stellen kann ich einzelne Sträucher und auch ab und zu Blütenpflanzen erkennen.

 

Jetzt, so nach 3 – 4 Kilometern hat sich das Läuferfeld schon ganz stark auseinander gezogen, ich habe Sigrid Eichner zwischenzeitlich überholt und Dr. Wolfram Benoist, einen Freund aus meiner Heimatstadt Bexbach, hinter mir gelassen und laufe mit oder in der Nähe von Maria und Rainer Satzinger, einem mir gut bekannten Ehepaar aus dem Frankenland.

 

Immer größere Schnee- und Eisfelder, die im Tauen begriffen sind, werden überquert. Manche Eiswächten sind nur wenige cm dick, darunter sind teilweise mehrere Meter tiefe Hohlräume und man kann darauf Fußspuren von vor mir vorbei gekommenen Läufern ersehen…

 

Sofort erkenne ich die reale Lebensgefahr und laufe kleine Umwege, Maria und Rainer tun das Gleiche. Einige Kilometer geht es weiter so, viel im nassen, tiefen Schnee, der ein schnelles Laufen nicht gestattet, in frischer, wahrscheinlich völlig keimfreier Luft.

 

Hinter einer Senke ändert sich das schlagartig. Ein unangenehmer, beißender und Schwindel erregender Geruch; ein Deja-vue-Erlebnis, in meiner Kindheit machte ich damit Bekanntschaft in unmittelbarer Nähe eines Hochofens des Neunkirchener Eisenwerkes. Es ist der Schwefel, der im Stahlwerk künstlich erzeugt wurde, hier aber mit kochend heißem Wasser aus Erdspalten zischend herausspritzt. Die Farbe Gelb gewinnt um diese heißen Quellen und an den von ihnen gespeisten Wasserläufen die Oberhand.

 

Nach ca. 10 km kommen wir in der halben Höhe eines runter zulaufenden Berges an einer Wanderhütte an. Davor befindet sich eine Verpflegungsstelle, mit einem sehr, sehr bescheidenem Angebot. Es gibt kaltes Wasser, kalte azurblaue Iso-Getränke und Bananen. Kein warmer Tee und von heißen Suppen hat die Rennorganisation trotz eines Startgeldes von 200 € auch noch nichts gehört. Es ist enttäuschend. Vor mir sehe ich in ein oder zwei Kilometer Entfernung eine tiefschwarze Wolkenwand auf mich zurasen….

 

Die Familie Satzinger sehe ich noch in der Ferne vor mir, da ich doch länger an dem Verpflegungsplatz verweilt habe. Wolfram, erkenntlich an seiner gelben Windjacke, kann ich so einen bis zwei Kilometer hinter mir ausmachen.

 

Es geht wieder eine steile Anhöhe rauf und es beginnt zu hageln, und die Windintensität hat sich erheblich verschärft…

 

Wie tausend Nadelstiche spüre ich die Eiskörnchen im Gesicht und an meinen mittlerweile von der Kälte tief geröteten Beinen. Meine nicht behandschuhten Hände sind gefühllos und unter meiner Gürtellinie scheint der Ofen aus zu sein. Ich fürchte stark, zum Wallach zu werden.

 

Der Wind faucht wie zornige Wildkatzen, die Sichtweite beträgt nur wenige Meter und ich versuche mit Tagträumen, dem Inferno zu entkommen. Ich denke intensiv an mein Hitzelauferlebnis vom vergangenen Jahr im Death Valley, und tatsächlich geht es mir besser.

 

Da immer wieder Anhöhen vor mir auftauchen und ich somit in einen gewissen Windschatten hineinlaufe, verringert sich die Windgeschwindigkeit wieder, um dann nach Erreichen des Bergkamms wieder brutal zu werden und mich zu ohrfeigen.

 

Ein Masochist wäre bei diesem Rennen sicherlich in seinem El Dorado. Für mich als Elebnis-Genußläufer stellt sich jedoch die Sinnfrage jetzt ganz intensiv. Warum nur, warum mach ich das?

 

Vom Über-Ich bekomme ich sofort die Antwort: „Das Ganze ist für Dich nur für eine kurze Zeit unangenehm, später wirst Du gerne daran zurückdenken, und Du wirst stolz sein, standhaft gewesen zu sein und es geschafft haben…“

 

Es hört jetzt wieder auf zu hageln und auch der Wind ist weniger kratzbürstig und auch die Wegeverhältnisse werden besser. Es gibt keinen Schnee mehr und ich kann jetzt gut joggen. Eine weitere Versorgungsstelle kommt, die allerdings genauso spartanisch wie die erste bestückt ist.

 

Es ist ein weites Hochtal und in der Ferne sehe ich Rainer und Maria. Ihnen laufe ich nach und habe dabei Glück, denn wenige Kilometer danach werde ich von schnelleren Läufern, die sich verirrt hatten, überholt.

 

Ich muß nun toilettieren und ich glaube, dafür mindestens 15 Minuten zu benötigen, denn durch meine gefühllosen Hände bekomme ich fast die Hose nicht runter und fast auch nicht mehr hoch. Auch ziehe ich mir jetzt noch im Zeitlupentempo meine wasserdichte Windjacke aus meinem Rucksack an, eine Tätigkeit, die mir ebenfalls endlos lange erscheint.

 

Noch immer werde ich von schnelleren, sich vorher verlaufenden Konkurrenten überholt. Ich habe zwar etwas von einem Zeitlimit an einer Cut-Off-Stelle gehört, wiege mich aber gefühlsmäßig in Sicherheit….

 

Wieder geht es über einen steilen Pass hoch und runter. Unten befindet sich ein einsames großes Anwesen mit einer Naturstraße. Die ganze Zeit hatte ich mich größtenteils an den Spuren der vor mir sich befindlichen Läufen orientiert. Jetzt auf dem festen Autoweg sind keine Spuren mehr erkennbar. Hinter einer Kurve sind Stäbe angebracht und ich sehe wieder Fußspuren, die einen steilen Berg hoch führen.

 

Es sind allerdings nur relativ wenige. Erste Zweifel keimen auf, ich mache mich jedoch auf den Weg zum Gipfel. Nach ca. 300 m Emporsteigen macht eine junge Frau in einem Geländewagen mit lautem Hupen auf sich aufmerksam und bedeutet mir mit Handzeichen eine andere Himmelsrichtung, auf der Autostraße entlang.

 

Gott sei Dank, die liebe Frau kam gerade noch rechtzeitig. Nun laufe ich ca. 1 km auf der Straße und gelange dann wieder auf einen Pfad, der mit einem Pfahl gekennzeichnet ist und Spuren starker Läuferfrequentierung aufweist.

 

Die Gegend ist relativ eben und gut zu laufen und führt nun über eine stark schwankende Holzbrücke, die über ein tief in Felsen eingeschnittenes Flussbett, gut gefüllt mit schäumenden und brodelnden Wassermassen, führt. Die Episode auf der Hängebrücke im Film von Indiana Jones und dem Tempel des Todes kommt mir in den Sinn. Nur werde ich nicht von fanatischen Sektenmitgliedern gejagt…

 

Im Moment geht es mir wieder gut, keine großen Anhöhen sind zu überwinden, die Windjacke, die ich jetzt trage, lässt mich den Wind ertragen und ich komme gut voran. Bald erreiche ich einen Fluss mit schnell fließendem Wasser, das mir über die Knie reicht. Ein Helfer steht davor und bietet mir solche Ganzbeinstiefel an, wie sie oft Angler tragen.


Die Enden der Stiefel muss man jedoch mit beiden Händen festhalten. Der freundliche Flußüberquerungshelfer hält mich am Oberkörper fest, denn ohne ihn wäre ich von der Strömung mitgerissen worden…

 

Am anderen Ufer lagern eine ganze Menge Gepäckstücke, von Läufern, die sich hier umgezogen haben oder, wie ich meine, noch umziehen werden. Ich wechsele in Rennen nie die Kleider und habe also keine Gepäckstücke deponieren lassen.

 

Wenig später sehe ich an der Straße ein Geländefahrzeug, indem auch mein Freund Wolfram sitzt. Eijeijei, er hat also aufgegeben.

 

Es ist nun vollkommen flach und ein gut zu laufender Weg zieht sich mehrere Kilometer in die Ferne, wieder einer größeren Anhöhe entgegen. Jetzt bemerke ich kurz hinter mir einen Läufer ohne Startnummer. Ich frage ihn auf englisch, ob ich nun der Letzte sei. Ja, er wäre der Besenläufer, alle hinter mir wären mittlerweile ausgestiegen….

 

Es kommt wieder eine schwarze Wolkenwand auf uns zu und es gibt Hagel und Sturm. Karl-Heinz Jost aus Kiel, der in seiner Jugend zur See gefahren ist, wird später behaupten, dass wir Windstärke 9 – 10 gehabt hatten. Mit voller Kraft werfe ich mich dem Wind entgegen und trotzdem komme ich nur ganz langsam voran. An einer Kurve queren wir wieder die Autostraße und dahinter befindet sich wieder ein Mini-verpflegungsplatz, wo jetzt nur kaltes Wasser angeboten wird.

 

Ein Sanitätsgeländewagen fährt heran, zwei Leute springen heraus und erklären mir, dass ich jetzt mit ihnen fahren kann. Verdutzt nehme ich das zur Kenntnis und erkläre ihnen, dass es mir gut ginge und ich überhaupt nicht daran denken würde, das Rennen abzubrechen.

 

Nun muss ich hören, dass es keinen Sinn mehr machen würde, da die Cut-Off-Stelle in einer halben Stunden schließen würde und bis dahin wären es noch 7 km. Ich atme tief durch und glaube, soeben eine Ohrfeige erhalten zu haben, fange mich aber sofort wieder und erkläre sehr lautstark, dass ich weit von Deutschland angereist wäre, ein fitter und ausdauernder Ultraläufer sei, finishen will und finishen werde. Ja, ich würde am Schluss erfahrungsgemäß wieder Zeit gut machen.

 

Kopfschüttelnd lassen mich nun die beiden weiterlaufen. Von den widrigen Witterungsereignissen bekomme ich nun mental überhaupt nichts mehr mit. Gegenwärtig gibt es für mich nur ein Ziel, nämlich Finishen, auf Teufel komm raus…

 

Ich laufe schneller und habe nach wenigen 100 m den Besenläufer tatsächlich abgehängt. Nach ca. 2 Kilometern kommt wieder der besagte Jeep in meine Nähe und mir wird ein neuer Besenläufer auf die Fährte gesetzt.

 

Und … ich kann den Kerl nicht abhängen, er klebt an mir wie eine Klette. Noch immer tobt infernalisch der Wind und schwerer, eiskalter Regen fällt. Es kümmert mich nicht. An einer Anhöhe sehe ich plötzlich einen Läufer vor mir, und sofort bemerke ich sein Schwächeln. Hurra, ich werde also gleich den Besenläufer los sein…

 

Ich beschließe, an der Cut-Off-Stelle einen Haken zu schlagen und einfach daran vorbei zu laufen. Auf die Getränke bin ich nicht angewiesen, denn ich kann aus jedem der zahlreichen Fliessgewässer trinken.

 

Es geht einen Berg hinab und von weitem sehe ich eine einsame Hütte mit Geländewagen davor. Aha, das muss also der entscheidende Ort sein, und ich versuche auszuweichen. Aber ein Mann mit Funkgerät läuft mir entgegen und reißt mir ohne Worte die Startnummer vom Rucksackgürtel. Ich schreie ihn an und habe das dringende Bedürfnis, ihm einen Kinnhaken zu verpassen, doch die Vernunft kehrt augenblicklich ein. Er wurde per Funk vorgewarnt und handelte auf Anweisung.

 

Er klopft mir auf die Schulter und führt mich in die Hütte, wo augenblicklich nach Betreten von bekannter Stimme mein Name gerufen wird. Es sind Rainer Satzinger mit Maria. Die Hütte ist mit DNF-lern voll besetzt und wird von einem Ofen beheizt. So langsam kommen die Lebensgeister wieder zu sich, de Hände werden wieder beweglich, die kalten Beine erwärmen sich, und auch die Angst, ein Wallach geworden zu sein, verflüchtigt sich….

 

Wir werden jetzt mit Bussen über große Umwege zum Ziel gefahren,  sind viele Stunden unterwegs und können jetzt die erhabene herbe Schönheit der Natur voll in uns aufnehmen. An großen gigantisch anmutenden Wasserfällen geht es vorbei, an kalbenden Gletschern, bizarren Bergen, in der Ferne sehen wir einmal eine Anhöhe die dem Monolith Eyers Rock in Australien zum Verwechseln ähnlich sieht.

 

Wir queren mit dem Bus Flüsse und haben oft das Gefühl, nicht im Bus zu fahren, sondern Fahrgast auf einem Schiff zu sein. Wir sind schon in einer „anderen“ Welt. Es gibt Gehöfte mit Schafzucht und solche mit kleinen Pferden, den weltbekannten, genügsamen, wetterharten Islandponys.

 

Wald, der hauptsächlich aus Moorbirken und Weiden besteht, sieht man im Windschatten von Bergen nur ganz selten. Als die ersten Siedler im 9.Jahrhundert auf die Insel kamen, waren 40 % der Oberfläche bewaldet. Durch Abholzung und Überweidung wurde er größtenteils vernichtet. Doch es ist Besserung in Sicht; die Zahl der Schafe wurde innerhalb von 20 Jahren um 300.000 auf 450.000 reduziert mit weiter fortschreitender Progression. Die Haupterwerbsquelle der Bevölkerung ist gegenwärtig der Fischfang, der in der hart umkämpften 200-Meilenzone erfolgt.

 

Ich kann mich noch gut erinnern, wie in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts isländische Kanonenboote Warnschüsse auf vornehmlich britische Trawler abfeuerten. Der Fischfang wird auf so genannten Fabrikschiffen verarbeitet und nach USA, Japan und Westeuropa exportiert.

 

An Landsäugetieren gab es vor Ankunft des Menschen nur den Polarfuchs. Neben den erwähnten Haustieren wie Schafe und Pferde werden auch noch Rinder und Ziegen gehalten. Im Osten der Insel gibt es ca. 3.000 wild lebende Rentiere, deren Vorfahren vor Jahrhunderten von Norwegen nach Island gebracht wurden.

 

Es floriert der Gemüseanbau in Gewächshäusern, da diese vom unbegrenzt verfügbaren und sauberen Erdwärmevorkommen geheizt werden.

 

Und die einzigartige Natur… Vergleiche ich Island mit einer Frau, so ist es in keiner Weise Liebe auf den ersten Blick, sitze ich dann mit ihr am Mittagstisch , so lässt mich ihre charmante Redensweise aufhorchen und schaue ihr schließlich in ihre tiefblauen Augen, so wird es mir warm um’s Herz. Später gehe ich mit ihr in die Sauna und betrachte ihren makellosen Körper…. und es kommt ein „ich liebe Dich“ von meinen Lippen.

 

Aber es kann doch keine dauerhafte Verbindung zustande kommen, denn im Sommer will diese Dame nur tanzen, sie geht nie schlafen. Im September wird sie übel launig und im Winter ist sie zu gar nichts zu gebrauchen, denn sie schläft nur….

 

Um noch mal zu guter Letzt auf das Rennen zurückzukommen: Der Landschaftslauf an für sich ist großartig. Das Zeitlimit, besonders bei diesem Witterungsunbill, ist zu knapp bemessen, denn von 13 gestarteten deutschen Läufern kamen nur 6 ins Ziel. Die Verpflegung ist ausgesprochen schlecht und wird dem hohen Startgeld in keiner Weise gerecht. Die Wegemarkierung ist ebenfalls, gelinde gesagt, verbesserungswürdig.

 

Die Übernachtungskosten sind hoch, und das Essen ist ebenfalls nicht billig. Preisgünstig kommt man mit der Fluglinie Iceland Air hin, wenn man frühzeitig bucht. Flüge gehen vom Flughafen Hahn im Hunsrück aber auch von Berlin aus.

 


 

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