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Laufberichte

Schwarzwälder können mehr als Kirsch und Torte

 

Bräunlingen liegt ungefähr 5 Kilometer von Donaueschingen entfernt, wo „Brigach und Breg die Donau zu Weg bringen“. Wenn jemand mit dem Schwarzwald hohe Berge, dunkle Wälder und tiefe Schluchten in Verbindung bringt, liegt er damit richtig. Allerdings ist die Gegend um Bräunlingen eine ganz andere. Auf einer Höhe von 700 bis knapp 1000  ist der Tannenwald zwar so dunkel, dass einem gleich klar wird, woher der Schwarzwald seinen Namen hat.  Aber er wechselt sich ab mit vielen Wiesen- und Ackerflächen und statt steiler Berge gibt es sanfte Hügel.

Badische Gastlichkeit und Schwarzwälder Spezialitäten darf jeder Besucher in Bräunlingen erwarten und wird nicht enttäuscht. Auch zu sehen gibt es einiges in dem 6.000 Einwohner zählenden Städtchen. Einen kleinen Rundgang sollte niemand versäumen.

Das 1590 erbaute Rathaus fällt als erstes auf. Schon in Sichtweite rechts davon das Mühlentor, das letzte von ehemals vier Stadttoren, vermutlich 1203 erbaut. Geht man links die Straße runter, kommt man direkt zum Kelnhof, dem frühmittelalterlichen  kaiserlichen  Kammeralgut. Vom 9. Jahrhundert an war es im Besitz des Klosters Reichenau und Sitz des Kellers (Verwalters) der Klosterbesitzungen. Seit 1988 ist es ein Museum.  Rechts davon geht es ein schmale gepflasterte Gasse hoch. Dort steht das ehemalige Wächterhäuschen zur Ortsburg von Bräunlingen aus dem 13. Jahrhundert.

Von der jüngeren Geschichte zeugt das ehemalige Elektrizitätswerk (erbaut 1905 – 1907) gleich gegenüber. Heute ist dort die Narrenzunft untergebracht. Bräunlingen ist eine Hochburg der alemannischen Fasnet. Vor dem Gebäude wurde im letzten Jahr der Narrenbrunnen in Form eines Narrenschiffes errichtet.

Auch vom Marathon selbst kann man fast schon historisches berichten. Während zur damaligen Zeit ein Marathonlauf reine Männersache und ein leistungssportlicher Wettbewerb war, ging man in Bräunlingen 1968, als der Schwarzwald Marathon zum ersten Mal ausgetragen wurde, ganz andere Wege. Zwar ging es auch um Minuten und Sekunden, um Sieg und um Niederlage, aber der Marathon war auch für sogenannte Volksläufer offen und vor allem aber für – Frauen. Ja, es stimmt, es ist noch keine 50 Jahre her, da fand in Bräunlingen weltweit der erste Marathon statt, bei dem offiziell auch Läuferinnen zugelassen waren.

Allerdings musste Roland Mall, Organisator des Laufes, eine kleinen Trick anwenden, um sich abzusichern. Er setzte die Zielschlusszeit mit zehn Stunden extrem hoch an „vergaß“ beim Genehmigungsantrag an den DLV den Teil der Ausschreibung, der die Läuferinnen betraf. Übrigens,  unter den  ca. 600 Startern waren dann schließlich 51 Frauen,  48 von ihnen erreichten das Ziel.

Vermutlich ist aber die Griechin Stamata Revithi die erste Frau, die einen Marathon gelaufen ist. Am 30. März 1896, zehn Tag vor dem ersten olympischen Marathonlauf (bei dem selbstverständlich nur für Männer zugelassen waren)  soll sie in 5:30 Stunden alleine von Marathon nach Athen gelaufen sein. Der Zieleinlauf wurde ihr allerdings verwehrt. Erst 1984 waren bei Olympischen Spielen Frauen zugelassen. Joan Benoit heißt die erste Olympiasiegerin. Mit ihrer damals gelaufenen  Zeit von 2.24:52 Stunden könnte sie auch heute noch etliche große Marathonläufe gewinnen.

Legendär ist auch die Geschichte von Kathrine Switzer. 1967, also ein Jahr vor dem ersten Schwarzwald-Marathon, „schmuggelte“ sie sich in das Läuferfeld beim Boston Marathon. Nach einigen Kilometern wurde sie als Frau erkannt und der Renndirektor versuchte, ihr die Startnummer zu entreißen und sie von der Strecke zu drängen. Ihre Begleiter konnten den „Angriff“ jedoch abwehren. Weil sich das Ganze unmittelbar vor dem Pressebus abspielte, ist der Vorgang bis heute dokumentiert. Kathrine Switzer konnte übrigens nach 4:20 Stunden finishen.

Die Geschichte geht noch etwas weiter. Kathrine Switzer initiierte den ersten Frauenlauf in New York, und erreichte beim Boston Marathon, nachdem seit 1972 offiziell Frauen zugelassen sind,  hervorragende Platzierungen und gewann 1974 den New York Marathon.  

1972 war der Schwarzwald Marathon erneut Vorreiter in einer Sache, ohne die man sich heute keinen Marathon mehr vorstellen kann.  Man ging nämlich dazu  über, die Daten der Teilnehmer elektronisch zu erfassen. Man muss wissen, dass zu diesem Zeitpunkt mehr als 1500 Läufer am  Start waren und der  Schwarzwald Marathon (es gab ja noch keine City-Marathons),  weltweit der teilnehmerstärkste war.

Diese Zeiten sind natürlich längst vorbei. Trotzdem hat der Schwarzwald Marathon überlebt und zählt neben dem Essener Marathon Rund um den Baldeneysee, dem Göltzschtal-Marathon, dem Leipzig Marathon (1897 erster Marathon in Deutschland) und dem Frankfurt Marathon (ältester, ununterbrochen durchgeführter  Stadtmarathon), zu den Dinos der Marathonszene in Deutschland.

Warum ich das so ausführlich erzähle? Ich finde, in Bräunlingen sollte man die den Schwarzwäldern zugeschriebene Bescheidenheit etwas ablegen und mit ihrer ruhmreichen Geschichte nicht so zurückhaltend umgehen.  

Ein anderer Grund ist, dass ich mich als Marathonläufer a. D.  lieber zu solchen Themen äußere und bezüglich der Laufstrecke mit allem Drumherum  auf die zahlreichen Laufberichte verweise, die es zwischenzeitlich auf Marathon4you vom Schwarzwald Marathon gibt.

 

 

Zur Aktualität


Insgesamt 2300 Läuferinnen und Läufer sind für die verschiedensten Disziplinen an beiden Lauftagen angemeldet. Das Wetter ist ideal, trocken, aber einstellige Temperaturen. Persönliche Bestzeiten wird es trotzdem kaum geben. Das gibt der Kurs nicht her, auch wenn es sich um keine Bergstrecke handelt. 

Pit Jenniches ist am Mikrofon und gibt Tipps und Informationen. Mit seiner Kompetenz und humorvollen Art würde er auch bei viel größeren Veranstaltungen eine gute Figur machen.

 

 
Marathonsieger Kay-Uwe Müller
© marathon4you.de

 

Die Nase vorn beim Marathon der Männer hat Vorjahressieger Kay-Uwe Müller. Es ist das erste Mal, dass beim Schwarzwald Marathon ein Läufer dreimal gewinnt.  Seine Zeit:  2:34,46 Stunden. Sein Kommentar: "Obwohl es in diesem Jahr bereits mein achter Marathon war, war ich überrascht, dass meine Beine auf dieser anspruchsvollen Strecke noch so gut mitmachten".

Auch Manfred Kinle ist mit seinem zweiten Platz zufrieden. Schließlich arbeite er auf dem Bau und habe nicht immer Zeit zum Laufen. Oft müsse die Arbeit eben auch das Training sein.

 

 
Steffi Doll gewinnt gleich ihren ersten Marathon
© marathon4you.de

 

Seit Jahren schon gibt es beim Schwarzwald nichts zu „verdienen“, was den Lauf für internationale Preisgeldjäger uninteressant macht. Der Veranstaltung tut das gut. Die Stimmung ist einfach super, wenn die „local Heroes“ ins Ziel laufen und das Interesse der regionalen Medien ist groß.

So auch bei Steffi Doll, die ihre Marathon-Premiere gleich mit einem Sieg und einer Zeit unter 3 Stunden (2:58,27) krönt. Für sie war es ein einsames Rennen. Sie musste sich an den Männern orientieren, wie sie sagte, denn die Frauen ließ sie weit hinter sich.

 

 
OK-Chef Frank Kliche
© marathon4you.de


Große Ereignisse ….


… werfen ihre Schatten voraus. Und das 50. Jubiläum des Schwarzwald Marathon im nächsten Jahr (08. Oktober 2017) soll ein solches werden, versicherte OK-Chef  Frank Kliche. Verraten wird noch nichts, aber die Vorbereitungen laufen, meinte er.

Es gibt Marathonis, die sammeln Länder, Inseln und was weiß ich. Viele sammeln aber auch Jubiläumsveranstaltungen oder kehren anlässlich eines Jubiläums gerne zu Veranstaltungen zurück, die sie eigentlich schon „abgehakt“ haben. Wieder andere sparen sich eine erste Teilnahme für ein Jubiläum auf. Egal wie,  aus Erfahrung darf man sich in Bräunlingen auf größeres Interesse seitens der Marathon-Community einstellen.

Auch, weil sich herumgesprochen haben dürfte, dass man im Schwarzwald mehr kann als Kirsch und Torte.

 

 
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Sieger Marathon

 

Männer

1  Müller, Kay-Uwe (GER) TSG Schwäbisch Hall     02:34:46
2  Kiene, Manfred (GER) LT Unterkirnach     02:44:58
3  Sprich, Rainer (GER) Lauftreff Pfohren     02:47:06

Frauen

1  Doll, Stefanie (GER) SV Kirchzarten     01:49:34     02:58:27
2  Gallasch, Katja (GER) 03:29:42
3  Egle, Annette (GER)     Lauftreff Pfohren 03:33:56

297 Finisher

 

 

Informationen: Schwarzwald-Marathon
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