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Laufberichte

Trotz Börsencrash und Bankenkrise: Der Marathon lebt

26.10.08
Autor: Klaus Duwe

Kalt ist es in Frankfurt. Gemeint ist das Wetter, nicht die Finanzkrise. Obwohl man hier, wo die Glaspaläste der Banken in den Himmel ragen, näher an der Krise dran ist, die jetzt nach und nach alle Wirtschafts- und Lebensbereiche der Menschen erfasst. Ist sie auch beim Marathon angekommen? Die Frage steht im Raum und ist berechtigt, denn Haupt- und Namenssponsor des Frankfurter Marathons ist die Dresdner Kleinwort, eine Investmentbank, für die Katalin Wimhoff, Leiterin Events und Sponsoring, auf der Pressekonferenz am Freitag Rede und Antwort steht. Man stehe zum Marathon und auch zu den Verträgen, die bis 2011 laufen. Und man entwickle gemeinsam mit dem Veranstalter das Produkt weiter, weil man sich von Anfang an nicht alleine als Geldgeber, sondern als aktiven Partner des Frankfurter Marathons gesehen habe.

 
Jo Schindler
© marathon4you.de 2 Bilder

Und der entwickelt sich prächtig, weiß Race-Direktor Jo Schindler zu berichten. Bis Freitag haben sich 18.689 Sportlerinnen und Sportler angemeldet. Mit mindestens 1.500 Nachmeldungen rechnet man am Samstag, sodass man endlich die 20.000er Marke knacken kann.

„Der Marathon steht bei uns eindeutig im Mittelpunkt“, führt Jo Schindler aus, und fügt sofort hinzu, dass Qualität vor Quantität komme. Auch die Aussicht auf neue Teilnehmerrekorde können den Veranstalter nicht  dazu verleiten, Unterdistanzen anzubieten, oder die schon frühzeitig ausgebuchte Marathonstaffel aufzustocken.

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
Veranstalter-WebsiteE-MailErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Noch einmal wird über Geld gesprochen. 15.000 € bekommen Siegerin und Siegerin. Für eine Zeit unter 2:07 Stunden bei den Männern beziehungsweise 2:22:30 Stunden bei den Frauen gibt es 75.000 € als Maximum für eine Zeitprämie. Der Streckenrekord bringt dann noch einmal 5.000 Euro. Das ist das höchste Preisgeld in Deutschland, es sei denn, man läuft in Berlin Weltrekord.

Dann werden endlich diejenigen vorgestellt, die sich dieses Geld verdienen wollen. Leider musste Rogers Rop (Kenia, Boston- und New York-Sieger, Bestzeit 2:07:32) verletzungsbedingt absagen. Mit Benjamin Maiyo steht aber ein weiterer Kenianer an der Startlinie, der eine noch bessere Zeit aufweisen kann: 2:07:11, gelaufen vor drei Jahren in Chicago, wo er Zweiter wurde. Sein Landsmann Benson Barus hat eine Bestzeit von 2:08:34, fühlt sich aber stark genug, diese am Sonntag deutlich zu verbessern.

 
Benson Barus
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André Pollmächer (LAC Chemnitz) ist, was Marathon angeht, ein unbeschriebenes Blatt. Im Juni letzten Jahres lief er allerdings die 10.000 Meter in 27:56:66 – so schnell war seit Dieter Baumann kein anderer Deutscher. Man darf also gespannt sein.

Bei den Frauen stehen Melanie Kraus als Titelverteidigerin und Sabrina Mockenhaupt im Mittelpunkt. „Ich freue mich auf Sonntag, denn mit der Startnummer F 1 starten zu dürfen, ist etwas ganz besonderes für einen Sportler“, sagt Melanie Kraus, die heute Geburtstag feiert und sich am Sonntag mit einem Sieg selbst beschenken will. Darauf angesprochen, ob sie „Mocki“ eventuell ein gemeinsames Rennen laufen wolle, meinte sie: „Sabrina und ich sind ganz unterschiedliche Lauf-Typen – was man auch im Rennen am Sonntag sehen wird. Ich bin ein absoluter Ausdauertyp. Mocki ist besser auf den kurzen Distanzen. Den Marathon kann man auf ganz unterschiedliche Weise laufen.“

 
Geburtstagskind Melanie Kraus und Renndirektor Jo Schindler
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„Ich bin schon aufgeregt. Es ist erst mein zweiter Marathon,“ sagte dann Sabrina Mockenhaupt. „In Köln bin ich letztes Jahr echt ,gestorben’ bei meinem Marathon-Debüt. Der Halbmarathon in Köln vor einigen Wochen (Siegerin in 68:51) sowie auch die anschließende Leistungsdiagnostik lassen gutes hoffen. Meine Werte sind super. Ich habe eine gute Form. Ich denke, ich werde schneller angehen als Melanie Kraus und werde sehen, ob sie am Ende dann doch noch angeflogen kommt und mich überholt.“

Mehr als andernorts lohnt sich beim Frankfurt Marathon eine frühe Anreise. Und eine Übernachtung in einem komfortablen Hotel muss auch nicht teuer sein. Mein Tipp: Hotel Beethoven in der gleichnamigen Straße, keine 10 Gehminuten vom Start. Passt zum Frankfurter Laufevent, das man auch den Marathon der kurzen Wege nennt. Denn alles ist in der Messehalle 1, nur einen Steinwurf von Start und Ziel, konzentriert: die Messe, Pasta-Party, Kleiderdepot, Umkleiden und Duschen.

 
© marathon4you.de 30 Bilder

Und wenn ich zum 10. Mal über Frankfurt Marathon berichte, muss ich die Pasta-Party in der Festhalle erwähnen. Was der Veranstalter dort aufzieht, unterstreicht die Aussagen der Verantwortlichen, den Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine qualitativ hochwertige Veranstaltung anbieten zu wollen. Da werden die Marathonis nicht einfach mit einem Schlag Nudeln abgespeist, sondern in einem ansprechenden Ambiente ein anspruchsvolles Unterhaltungsprogramm mit Interviews, Informationen und Showeinlagen geboten.

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
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Auch die Messe gehört zu denen, die diesen Begriff wirklich verdienen.  Ich treffe etliche Bekannte, die zwar nicht mitlaufen, aber auf diese Informations- und Einkaufsquelle nicht verzichten. Schade, von den Verantwortlichen des Berlin-Marathon entdecke ich keinen. Dabei könnten sich gerade die nach ihrem diesjährigen Desaster hier einiges für ihr Rahmenprogramm abgucken. 

Das Wetter am Marathontag ist hervorragend. Am Morgen ist es zwar noch etwas kalt, aber im Laufe des Tages steigen die Temperaturen auf 13 Grad und hin und wieder lässt sich die Sonne blicken. Höchstens der Wind könnte die Pläne der Veranstalter durchkreuzen, einen neuen Streckenrekord zu feiern. Der dafür ausersehene Kenianer Rogers Rop hat ja leider abgesagt. Ob die als Favoriten präsentierten es schaffen, Wilfred Kigens Bestzeit (2:07:58) zu übertreffen? Die Aussagen: „Ich will mein Bestes geben“ sind nicht so überzeugend.  Und mit dem 20jährigen Robert Kiprono Cheruiyot, der sich, auf eigene Kosten angereist, kurzfristig in die Starterlisten einträgt, kann keiner der Experten etwas anfangen.

Der Deutsche Meister Martin Beckmann will endlich beweisen, dass er’s drauf hat und neue Bestzeit laufen. Und André Pollmächer, der Marathon-Neuling, will sich für die WM qualifizieren. Eine Prognose gibt er nicht ab.

 
An der Startkanone: Die Schützen, Weltklasse-Hochspringerin Ariane Friedrich, Prof. Dr. Daniela Birkenfeld und Jo Schindler
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Klar wie immer drückt sich Sabrina Mockenhaupt aus. Eine neue Bestzeit soll es werden, am besten im Bereich 2:26. Sie fühlt sich stärker und besser vorbereitet, als bei ihrem Kölner Debüt vor einem Jahr. Melanie Kraus will wie immer defensiv ins Rennen gehen und auf der zweiten Hälfte ihre Stärken ausspielen. Ob’s wieder zum Sieg reicht?

Die Spassläuferelite führt Pumuckl Dietmar Mücke an. Stilecht sind sein Kostüm, die rote Perücke und die nackten Füße. Seine Taktik? „Gas geben und Zeit herauslaufen für einen ausgiebigen Stopp in der Mainzer Straße beim Salvator – wie jedes Jahr“.

Den Start kriege ich noch mit, dann gehe ich ein paar Meter zur U-Bahn-Station und fahre zum Römer, von dort ist es nur ein kurzes Stück zur Alten Brücke. Das Motiv mit den Läufern und derr Skyline gehört zusammen mit dem Hammering Man zu den Wahrzeichen des Frankfurt-Marathons. Es dauert auch nicht lange, und die Ersten kommen angeschossen. Schon deutlich dahinter die Deutschen Pollmächer und Beckmann, später die ersten Frauen,  Mockenhaupt, Nurgalieva und Kraus.

 
Der Kenia-Express auf der Alten Brücke
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Rechts geht es zum herbstlich bunten Schaumainkai. Ich gehe den Läuferinnen und Läufern entgegen Richtung Eschenheimer Turm und bekomme so das ganze Läuferfeld zu sehen: die Zeitenjäger, den Blick geradeaus oder auf die Uhr, die Entspannten mit einem Wink in die Kamera und dann die nach Meinung der Experten „Untrainierten“ mit einem strahlenden Lächeln, den Daumen hoch und Spaß an der Freud’.

 
Polizeifreunde auf ihrem ersten gemeinsamen Marathon: Zoltán Valgut aus Ungarn und David Weiser aus Roßdorf
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Zwei fallen mir besonders auf: Zoltán Valgut und David Weiser, der eine kommt aus Ungarn, der andere aus dem hessischen Roßdorf. Beide sind Polizisten. Zufall? Na, ja …

2006 haben sie sich kennengelernt, als Zoltán im Rahmen eines Deutsch-Ungarischen Austauschprogramms der IPA (International Police Association = unabhängiger Zusammenschluss von Angehörigen des Polizeidienstes, ohne Unterschied von Rang, Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache oder Religion) in Deutschland anreiste und bei David einquartiert wurde. Skeptisch war dieser, weil man sich nicht kannte und David nicht wusste, wie er mit seinem Ungarischen Kollegen kommunizieren sollte. Wie so oft im Leben war alles viel einfacher und die Zusammenführung der beiden stellte sich als Glücksfall heraus. Zoltán spricht fließend deutsch und ist wie David leidenschaftlicher Läufer. David ist heute bereits zum 5. Mal beim Frankfurter Marathon dabei (1 x war er auch in Hamburg), Zoltán hat sein Marathondebüt in Budapest absolviert. Für nächstes Jahr ist man bereits in Berlin verabredet. 

Kaum bin ich am Eschenheimer Turm (ca. km 11), sind die Letzten durch. Wenig später kommen bereits wieder die Ersten (ca. km 38/km) angerauscht. Die Sensation ist perfekt. Nicht die Favoriten liegen vorne, sondern der junge Nobody Robert Kiprono Cheruiyot. Das Beste zu geben reicht heute nicht, ihn zu schlagen. Nach 2:07:21 Stunden läuft er als Sieger in die Festhalle ein – der Streckenrekord und insgesamt 50.000 Euro Prämien gehören ihm. Und Platz 18 in der Weltrangliste.

Die Presse stürzt über ihn her. Woher er komme, wie er trainiere, welche Zeiten ist er bisher wo und auf welchen Strecken gelaufen, wollen sie wissen. Der schüchterne junge Mann gibt Auskunft und erntet pures Erstauen. Aus einem kleinen Dorf stamme er (Nähe Kericho, Kenner wissen bescheid), er habe noch zwei Brüder und Schwestern, sein Vater sei Farmer. Sein Beruf? Laufen, sagt er. In Edoret sei er einmal einen Halbmarathon gelaufen, so um die 64 Minuten. Seine längste Distanz seien 38 Kilometer im Training gewesen,  und jetzt das.

In Zeiten wie diesen kommen da schon einmal Zweifel auf. Ob er schon einmal eine Dopingkontrolle gemacht habe? Fast ist an seinem Gesicht abzulesen: Was ist das? Nein, hat er nicht. In Frankfurt muss er das nachholen, erst bei negativem Befund sind die Prämien fällig. Er sei sauber, sagt sein Umfeld. Ein Talent aus den Bergen, da sei alles in Ordnung.

Alles in Ordnung auch bei Sabrina Mockenhaupt. Sie liegt bei km 38 immer noch vor der Russin und gewinnt schließlich in angesagten 2:26:22, Melanie Kraus wird Dritte in 2:28:20 und ist happy. „Ein toller Tag“, sagt sie.

Und dann ist da ja noch unser Debütant André Pollmächer. „Grenzwertig“ nennt er seinen ersten Lauf über 42,195 Kilometer, für den er 2:14:18 Stunden unterwegs war - eine respektable Zeit. Bis km 30 halten ihn seine Pacemaker  auf Plan, dann ist er auf sich alleine gestellt. Bei km 38 macht er dann ausgiebig Bekanntschaft mit dem Hammermann. „Alles hat sich gedreht, mir war schwindelig, mir war schlecht“, fasst er zusammen. Froh sei er, überhaupt ins Ziel gekommen zu sein. Trotzdem, er hat Reserven ausgemacht und hält beim nächsten Mal eine noch bessere Zeit für möglich.

 
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Ich ziehe mit meiner Kamera mit der Läuferkarawane zur Alten Oper und erlebe die phantastische Stimmung in der Innenstadt. Vom Platz der Republik geht’s Richtung Messeturm und Festhalle. Ich bin hin und her gerissen. Mein Trost ist, wenn’s im Frühjahr wieder los geht, bin ich dabei. Auf der Strecke. Zusammen mit den 4-Stunden-Läufern komme ich in die Festhalle. Roter Teppich, orkanartiger Applaus, bunte Scheinwerferlichter und glitzerndes Konfetti. Sagenhaft, ein Erlebnis für jeden Läufer und jede Läuferin. 

 
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Auch als Reporter vom Streckenrand gebe ich dem Frankfurt-Marathon Bestnoten und das Prädikat „Kurze Wege“. Nur von den Außenbezirken Schwanheim, Höchst und Nied habe ich nichts mitbekommen. Man kann nicht alles haben. Dafür gibt es ja die Laufberichte von Bernhard und Magic.

Weitere Marathon-Impressionen

 
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Ergebnisse

Männer
  1. Cheruiyot Robert Kiprono (KEN) 2:07:21
  2. Kigen Wilson (KEN) 2:08:16
  3. Kiogora Stephen (KEN) 2:08:24

.........

18. Pollmächer Andre (GER) 2:14:18
20. Beckmann Martin (GER) 2:14:30

Frauen
  1. Mockenhaupt Sabrina (GER) 2:26:22
  2. Nurgalieva Olesya (RUS) 2:27:37
  3. Kraus Melanie (GER) 2:28:20

 

Informationen: Mainova Frankfurt Marathon
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