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Laufberichte

Ekstase und Kisses am Wellesley College

20.04.09

Powershopping – Marathonerlebnis – Sightseeing

Am 17.04. brachen Gerhard, Magic und ich von Team TOMJ, sowie Georg, ein Laufkumpel von Magic, von München aus zum legendären Marathon nach Boston auf, der seit 1897 am Patriot‘s Day ausgetragen wird (der Feiertag wird stets am 3. Montag mit Paraden und Feierlichkeiten begangen, das eigentliche Datum für diesen Feiertag ist aber der 19. April, im Jahre 1775 fielen an diesem Tag die ersten Schüsse im Unabhängigkeitskrieg mit England) und damit der älteste Stadtmarathon der Welt ist. Damit war es in 2009 die 113. Marathonauflage.
Die erste große Überraschung gab es am Flughafen München für Gerhard und mich. Unsere bestätigten Sitzplätze waren bereits vergeben, aber das hatte zur Folge, dass wir statt Economy ein Upgrade auf die Business Class bekamen, wir sagten nicht nein und fühlten uns in den bequemen Sesseln sowie dem frei wählbaren Mediaangebot sehr wohl.

Nach einem problemlosen Flug über den großen Teich kamen wir am Abend in Boston an, nahmen ein Taxi und fuhren in unsere gebuchten Hotels. Magic und Georg hatten eines in einem anderen Stadtteil gebucht. Wir trafen uns dann später noch zum Pastaessen sowie einem Starbucks Besuch, machten für den nächsten Tag unseren Messebesuch aus, danach ging es brav in die „Heia“, die nächsten Tage waren noch stressig genug.

Nach einer relativ kurzen Nacht, nahmen Gerhard und ich ein obligatorisches Frühstück bei Starbucks ein. Danach ging es ab auf die Marathonmesse, die um 9 Uhr öffnete. Der Weg von unserem Hotel dorthin war locker auf dem Fußweg zu erreichen, wir wohnten sehr zentral in Downtown, die Innenstadt von Boston ist sehr überschaubar. Dort trafen wir auch die anderen zwei wieder. Die Abholung der Startunterlagen war perfekt organisiert, auch das Anprobieren des dazugehörenden Finishershirts wegen der passenden Größe. Wir nahmen uns zwei Stunden Zeit und dann ging es rein ins Messegewusel. Jeder kaufte was er brauchte, das Bostoner Racejacket war natürlich Pflicht, Magic und Georg hatte es schon vorab per Internet bestellt und im Flugzeug an, wir kauften es dort. Hauptumsatzprodukt bei uns allen waren die Schuhe, es gab welche für 50 $, da schlugen wir alle zu. Ansonsten wurde noch so allerlei gekauft, wir standen aber für die nächsten Tage erst im Anfangsstadium des Powershoppings.

 
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Jetzt ging es aber erst los, nach einer kurzen Verschnaufpause und Verladung der Messekostbarkeiten ging es ab in die Stadt, zum nächsten Teil des Powershoppings. Wir alle gaben weiter fleißig Geld aus, die Kreditkarten gaben es her und schließlich sind wir ja in den USA, dort wird in der Regel alles auf Pump gekauft.  So ging das den ganzen Nachmittag, am Abend waren wir ziemlich fertig. Wir waren danach froh ins Bett zu kommen, denn für den Sonntag hatten wir uns den Freedom Trail vorgenommen.

Das ist bei einem relativen kurzen Boston Besuch Pflichtbestandteil, denn die 4 km lange Route ist ein höchst unterhaltsame Geschichtslektion. Sie verbindet 16 Sehenswürdigkeiten, die die frühe Geschichte Bostons sowie den Anfang der Vereinigten Staaten erzählen. Die Strecke führt mit roten Pflastersteinen markiert bzw. einer aufgemalten Linie durch Boston.

Davor sahen wir uns noch kurz die bekannte Trinity Church an, sie gilt auch heute noch als eines  der besten Bauwerke der Vereinigten Staaten.

Vom Boston Common Park aus, vorbei am New State House (goldene Kuppel), Sitz der Regierung von Massachusetts, geht es der Freedom Trail über berühmte Gräber (Grabstätten von Patrioten) zum Marktplatz (Faneuil Hall und Quincy Market). In der Faneuil Hall wurden Versammlungen im Rahmen der Unabhängigkeitsbestrebungen abgehalten.

Nicht weit davon entfernt, steht das Old State House (früherer Sitz der Regierung von Massachusetts), direkt neben Wolkenkratzern. Es ist das älteste öffentliche Gebäude der Stadt, am 18. Juli 1776 wurde vom Balkon die Unabhängigkeitserklärung verlesen.

Letzter Besuch war das Bunker Hill Monument mit einem hohen 67 m hohen Turm, der Obelisk aus Granit steht als Denkmal für die berühmte Schlacht am 17. Juni 1775, die zwar von den Briten gewonnen, aufgrund der hohen Verluste aber ein moralischer Sieg für die Amerikaner war. Es war die erste Schlacht des Unabhängigkeitskrieges. Zwei Wochen später formierte dann George Washington unter seinem Oberkommando die Kolonisten zu einer richtigen Armee um. Die Turmbesteigung (über 370 Treppen) spürten wir dafür am nächsten Tag, alles andere als ideal für einen Marathonlauf.

 
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Der Marathontag begann bald, da bereits ab 6 Uhr die Verladung der ersten Teilnehmer nach Hopkinton erfolgte, standen wir bereits um 5 Uhr früh auf. Es war beeindruckend zu erleben, wie über 23.000 Teilnehmer in Schulbusse verladen wurden, man kann sich die Anzahl der Busse vorstellen.

Es ging dann über Highways hinaus nach Hopkinton, dem Startplatz für den Marathon zurück nach Boston. Der Boston Marathon Lauf ist quasi ein reiner Landschaftslauf ohne nennenswerte Sehenswürdigkeiten, das Besondere sind die Zuschauer, dazu später noch mehr.  Wir kamen aber erst um ca. 7.30 Uhr dort in einem großen Athletendorf mit großen Zelten an, es gab ausreichend WC´s, Getränke, Powerriegels, aber auch Handschuhe für die Kälte. Es war wirklich verdammt kalt, gefühlte 5 Grad vielleicht, ich hatte aber nur oben was Warmes an, was sich jetzt rächte. Da ich meinem Germany Hut auf hatte (ich wollte auch mal etwas Besonderes zum Lauf haben), wurde ich von diversen Fotografen abgelichtet.

Ohne direkte Absprache trafen wir dann unsere zwei Laufkollegen wieder, da diese in einem Wahnsinnskostüm als Hootersgirls den Marathon bestritten, kann man sich den Presseauflauf sowie den Kult kaum vorstellen, wir kamen kaum mal 10 m weit, schon hatten sie den nächsten Fototermin. So konnten wir aber wenigstens die Wartezeit bis zum Start überbrücken, der in unserem Corral um 9.15 Uhr war.

Vom Athletencamp bis zur eigentlichen Startaufstellung sind es dann noch ca. 1 km Fußweg. Wir machten uns pünktlich auf (die Hootergirls kamen aber nicht so schnell vorwärts). Die Startcorrals füllten sich nach und nach, wir kamen so mit einigen anderen Teilnehmern ins Gespräch und endlich war es dann soweit.

 
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Die Nationalhymne erklang, über uns rauschten zur Feier des Tages (Patriot‘s Day) zwei Kampfjets hinweg, danach konnte es losgehen. Vom Start war eigentlich wenig zu merken, es gab nur die Zeitmatten auf dem Boden, ansonsten eher unspektakulär. Es ging in einem großen Pulk, viel Platz zum Laufen gab es nicht, da die „Landstraße“ doch eher eng war, Richtung Ashland.

Die ersten 3 Meilen fühlten sich sehr leicht zum Laufen an, da es von wenigen kleinen „Wellen“ abgesehen doch stetig bergab ging. Bemerkenswert war, dass es von Anfang an jede Meile etwas zu trinken gab, man konnte so sicher sein, nichts zu verpassen bzw. selbst zu wählen, wann man etwas wollte. Bei in Deutschland teilweise üblichen 5 km Abständen, kann sich das bitter rächen, wenn man da eine Getränkestation auslässt. Georg und Magic starteten 5 Minuten früher als Gerhard und ich, Georg wollte eine gute Zeit laufen, wir sahen ihn während des Laufs nicht mehr, Magic ging es gemütlicher an, auf den traf ich später wieder. Ich selbst wollte Fotos machen, darum lief ich schneller als Gerhard, um die Zeit wieder einzuholen. Aber wie so oft, durchkreuzte ich meinen selbst aufgestellten Plan mit 5:30 min/km, mir war das viel zu langsam bzw. ich kann einfach nicht langsam laufen ;-). So kam ich am Anfang auf unter 4:45, trotz diverser Fotostopps.

 
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Die Zuschauer an der Strecke feuerten mich mit „nice hat“ sowie Deutschland und Germany Rufen an, sobald sie meine Kopfbedeckung sahen. Das machte Spaß und ich grüßte oft zurück. Die Strecke war voll von Menschen, es wurde teilweise typisch amerikanisch Barbecue an der Strecke gemacht, jung wie alt saßen vor ihren Häusern an der Strecke, es war eine super Stimmung. So ging das fort bis zu km 20, denn da wartete etwas Besonderes auf die Läufer, das bekannte Wellesley College, ein Mädchencollege, das für seine Ekstase und Anfeuerungsrufe für die Läufer bekannt ist.

Ich spitzte meine Ohren, denn es sollte laut früheren Berichten schon von weitem hörbar sein. So war es auch, ich konnte es kaum glauben, da standen lauter Mädels zwischen 14 und 18 Jahren und streckten ihre „Kisses-Schilder“ in die Höhe. Das ließ ich mir dann doch nicht entgehen, ich verzichtete zugunsten des Spaßes auf eine bessere Zeit und genoss das einmalige Feeling oder anders gesagt, wann kommt schon mal als „alter Mann“ wieder in diesen Genuss.

 
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Beeindruckend waren für mich die Kids wie sie wie an Perlen aufgereiht den Läufern etwas zur Erfrischung hinreichten. Bei km 25 nahm ich an der dortigen Powerbarstation 2 Powergels mit, denn zwischen km 30 und 33 kommen drei Hills, der bekannteste ist der Heartbreak Hill. Vom Streckenprofil her gesehen dachte ich mir das sind nur kleine Steigungen, aber ich täuschte mich gewaltig. Durch die vielen Stopps und das immer wieder schnelle Anlaufen, ging mir beim Heartbreak Hill ziemlich die Puste aus. Ich dachte nur, fange ja nicht zu gehen an, sonst wird das peinlich. Aber mit Hilfe der Gels kam ich darüber hinweg, denn ab jetzt ging es über Newton nur noch bergab zurück nach Boston. Nach dem Boston College sieht man schon von weitem die Wolkenkratzer von Boston Downtown und ich fühlte mich hier ganz schön ausgepowert.

Die wellige Strecke wird sicher oft unterschätzt, ich hätte sie mir wirklich auch leichter vorgestellt.  Das im Internet vorhandene Streckenprofil sieht völlig easy aus, aber die vielen „Wellen“ haben es in sich.

Kurz vor Schluss traf ich wieder auf Magic und wir vereinbarten gemeinsam ins Ziel zu laufen. Das Finish befand sich im Zentrum der Back Bay, der Boylston Street, kaum hatten wir es überquert, fühlte ich erst so richtig den eiskalten Wind, der dort herrschte. Ich nahm kurz was zum Trinken und Essen, schlottere aber vor Kälte schon gewaltig und wollte nur noch zurück ins Hotel. Die Wärmefolien kamen leider etwas zu spät, ich sehnte mich dringend danach und ging so schnell als möglich zu den Gepäckbussen, wie die anderen auch, sodass es direkt im Zielbereich kein Treffen mehr gab.

 
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Das verschoben wir auf das Abendessen mit leckerem und vorzüglichem Seafood, exakt Austern und Fischsuppe. Danach ging es noch in eine exklusive Bar in die Liberty Hall, laut Georg ein früheres Gefängnis. So ging ein erfolgreicher Tag zu Ende, denn die Amerikaner bezeichnen einen Marathonlauf als „good work“.

 


 

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