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Laufberichte

Marathon mit Würze

 

Bisher habe ich den Main nur in seinem weiten Tal im oberen Verlauf bei Bad Staffelstein erkundet. Die Gegend ist dort so schön, dass sie Lust macht auf den weiteren Lauf am Main und ich nutze die Gelegenheit, meinen Horizont anlässlich des iWelt Marathon in Würzburg entsprechend zu erweitern.

Geboten werden neben der traditionellen Strecke Läufe für die ganze Familie. Am Samstag bin ich schon frühzeitig im Congress-Centrum-Würzburg, dem Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung. Hier startet um 10.00 Uhr das Marathonwochenende traditionell mit dem familienfreundlichen Hörnchenlauf. Ohne jeden Zeitdruck können joggend erste Eindrücke der Altstadt gewonnen werden. Organisationsleiter Günter Herrmann persönlich leitet uns vorbei am Weltkulturerbe Residenz und dem Kiliansdom in Richtung Main. Höhepunkt und Abschluß des Aufwärmprogramms ist die alte Mainbrücke, die nur heute und nicht beim Marathon überlaufen wird. Auf der anderen Mainseite werden den Teilnehmern frische Hörnchen gereicht. So gestärkt hole ich anschließend die Startunterlagen. Danach kann ich den den sonnigen Tag genießen, um relaxed den Start am Sonntag zu erwarten.

Auch wenn so ein Marathon eigentlich schon Routine ist, stellt sich ein erwartungsvolles Kribbeln ein. Trotzdem wird es eine erholsame Nacht. Die Fahrt zum Start ist stressfrei, denn in unmittelbarer Nähe des Startes stehen genügend Parkplätze zur Verfügung. Es bleibt sogar noch Zeit, im Congresscentrum einen Plan der Laufstrecke für meine Liebsten zu besorgen, damit sie sich während des Laufes orientieren können.

Die Läuferschar versammelt sich, um vor dem Start erste Erinnerungsfotos zu schießen oder Erfahrungen auszutauschen. Ich begegne Michel, der heute mal wieder angereist ist, um für die deutsch-französische Freundschaft und das friedliche Miteinander zu werben. Nebenbei wird er nach Kräften versuchen, allen Teilnehmer und Zuschauer anzufeuern und zu motivieren. Es wird  ihm wie immer gelingen. Dann wird es Zeit, den Startbereich in Augenschein zu nehmen. Aufgeteilt ist er in drei Blöcke. Gekennzeichnet sind sie nicht und auch auf meiner Startnummer finde ich keine Markierung dazu. Unter den Buchstaben A, B und C sind lediglich die geplanten Zielzeiten angegeben. Realistische Selbsteinschätzung ist also gefragt. Gestartet werden die Blöcke dann in Abständen von 5 Minuten. Auch wenn es bei mir heute sicher nicht für sub 3.30 Stunden reichen wird, entscheide ich mich für den ersten Block, schließlich habe ich heute einen Fotoauftrag zu erfüllen und möchte möglichst viel vom Lauf mitbekommen.

Oberbürgermeister Schuchardt begrüßt uns und erinnert daran, daß Würzburg vor 70 Jahren in den letzten Kriegsmonaten Opfer alliierter Bomber wurde. Wie gut der Wiederaufbau gelungen ist, werde ich auf der Strecke erfahren.

 
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Der Countdown läuft, der Startschuß fällt und schon beginnt ein neues Marathonabenteuer. Der Sinn, das Feld aufzusplitten, erschließt sich sofort. Von Anfang an kann ich mein Tempo laufen. Bereits nach wenigen hundert Metern biegt das Feld nach links ab. Ich überquere erstmals den Main über die Brücke der Deutschen Einheit. Auch dieses Ereignis feiert heuer Jubiläum, wie auch der Würzburg Marathon mit seiner 15. Ausgabe. Abgelenkt werde ich schon jetzt von den Ausblicken nach Süden. Der Main fließt mir entgegen und bietet Orientierung beim Ausblick. Rechts trohnt die Festung Marienberg und wird durch der Friedensbrücke geradeaus optisch mit der Silhouette der Altstadt verbunden. Schon habe ich die linke Mainseite erreicht. Auch wenn man hier nach rechts abbiegend dem Main folgt, ist der Fluss die nächsten 6 Kilometer nicht mehr einsehbar. Dafür hält dieser Teil der Strecke zahlreiche Kurven für uns bereit. An mehreren Knotenpunkten und auf einem kurzen Begegnungsstück kann ich sehen, wo im Feld ich mich aufhalte. Naja, viel Sinn macht es jetzt noch nicht, weil im Pulk auch zahlreiche Staffelläufer und Halbmarathonis unterwegs sind. Bei über 3.000 Startern insgesamt fallen die etwa 500 Marathonis kaum auf.

Bei KM 3 erreiche ich die erste Verpflegungsstelle. Noch ist es recht frisch, trotzdem vergesse ich nicht das erste kühlende Nass zu genießen. Vor mir erhebt sich das Kloster Himmelspforten. Die hier angebotenen Exerzitien sollen zu  Abstand vom Alltag verhelfen. Das schaffe ich auch mit Laufen. Kurz vor KM 4 erreiche ich den weslichsten Punkt der heutigen Strecke und das erste Begegnungsstück. Der Blick zurück verrät mir, daß Block B schon fast zu mir aufgeschlossen hat. Eine große Gruppe Läufer kommt mir entgegen. Ich komme an der Kletterhalle des Deutschen Alpenvereins vorbei. Auch eine schöne Freizeitbeschäftigung, aber ich bleibe doch lieber wie der Schuster bei seinem Leisten.

Langsam zieht sich das Feld um mich herum auseinander. Größere Läuferansammlungen begegnen mir derzeit nur an den Knotenpunkten. Ich bin mit Kilometerzeiten von etwa 5:30 unterwegs, allerdings schwant mir, dass ich das nicht werde halten können. Noch bereitet mir dies wenig Sorgen. Schon biege ich nach rechts ab, um erstmal dem Main flußaufwärts zu folgen. Hier sieht man den Fluss wieder – manchmal wenigstens, denn die Zuschauer stehen unter der Friedensbrücke Spalier. „Markus Renn!!!“ steht auf einem Schild. Ich bin zwar nicht gemeint, komme dieser Aufforderung aber gerne nach, zumal mich heiße Trommelrhythmen auch noch anspornen.

 
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Bis KM 11 brauche ich mir zudem über die Strecke keine Gedanken zu machen, denn der Weg führt einfach geradeaus am Fluß entlang. Die Kilometer fliegen nur so dahin. Schon geht es an der alten Mainbrücke, die vermutlich Deutschlands älteste Steinbrücke ist, vorbei. Silke und Nikita feuern mich hier an. Nur nicht überdrehen, sondern weiter gleichmäßigen Schrittes voran. Die Festung Marienberg grüßt. Direkt vom Fuß des Berges wirkt sie noch imposanter. Über Jahrhunderte war sie Sitz der Würzburger Fürstbischöfe, ehe es ihnen dort wohl zu zugig und ungemüdlich wurde. Schließlich gaben sie im frühen 18. Jahrhundert die Residenz in der Altstadt in Auftrag und zogen um.

KM 8,5 ist erreicht. Ich unterlaufe die Ludwigsbrücke. Rechts am Berg erfreut das Kapzuzienerkloster Käppele mein Auge. Wie viele andere historische Gebäude in Würzburg wurde auch sie nach Plänen von Balthasar Neumann errichtet. Die älteren Leser werden sich erinnern: Das ist der Mann, der einmal den 50 DM-Schein zierte. Auch Teile der Würzburger Residenz waren darauf zu erkennen. Doch zu diesem Höhepunkt komme ich ja erst noch. Um mich von diesen ersten gewaltigen Eindrücken zu erholen, folge ich den nächsten 2 Kilometern entlang einer lauschigen Allee. Bei KM 12 kommt das zweite Begegnungsstück. Es wird für mich eng, denn die 3:30er Pacemaker holen mich ein. Die Gruppe ist noch beachtlich groß. Ich bin heute nicht so vermessen, mich ihnen anzuschließen und laufe weiter mein Tempo und spare mir ein paar Körner, zumal es jetzt leicht ansteigend über die Konrad-Adenauer-Brücke zurück auf die rechte Mainseite geht.

Von Süden her grüßen lauschige Auen. Ein Anblick, den ich nur kurz genießen kann, denn direkt im Anschluß an die Brücke laufe ich Richtung Norden unaufhaltsam dem abwechslungsreichsten Streckenabschnitt durch die Altstadt entgegen. Vor mir läuft „Curro ergo sum“. Einem alten Lateiner ist der Ausspruch geläufig und ich kann ihr nur aus vollem Herzen zustimmen: Ich laufe, also bin ich.

Dirk freut sich, daß er endlich mal einen M4Y-Reporter bei der Arbeit erwischt. Unsere Berichte kennt er angeblich fast alle und lobt uns über den grünen Klee. Danke dafür. Das ist Ansporn, weiter zu laufen zu schauen und zu berichtgen. Und davon gibt es heute noch einiges. Gerade biege ich bei KM 15,5 rechts in die Wiesberger Straße ab. Geradeaus beherrscht die alte Universität in ihrem leuchtenden rot die Szenerie. Der Renaissancebau wurde für die von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn 1582 wiedergegründete Universität errichtet. Er wollte durch Bildung die Gegenreformation vorantreiben.

 
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Jetzt aber schnell auf dem nächsten Kilometer die südliche Altstadt umrunden, zunächst vorbei an der Julius-Maximilians-Universität. Ein Ordner verweist uns auf die Straße. Über den Bürgersteig abzukürzen, ist nicht erlaubt. Ordnung muss halt sein. Kurz vor KM 17 erreiche ich den Höhepunkt des heutigen Tages. Rechts erhebt sich das Weltkulturerbe Würzburger Residenz. Gleich kommen mir die Worte des Oberbürgers wieder in den Sinn, denn auch dieses schöne Gebäude wurde vor 70 Jahren ein Opfer des alliierten Bombenangriffs. Die Holzdecken brannten vollständig aus, nur die von Balthasar Neumann entworfenen Steindecken hielten stand. Wunder oder Genialität des Architekten? Jedenfalls blieb so die größte freitragende Decke im Treppenhaus erhalten. 600 Quadratmeter nimmt sie ein, die Größe eines Grundstückes für ein Einfamilienhaus. An der Decke hat Giovanni Battista Tiepolo die im 18. Jahrhundert weitgehend bekannten Erdteile Amerika, Afrika, Asien und Europa verewigt.

Jetzt nur nicht in Ehrfurcht erstarren, ich habe noch einiges vor mir. Nach links biege ich in die Theaterstraße ab. Erstmals bläst mir der Wind ins Gesicht, was mir jetzt aber angenehmer ist als die drückende Wärme der letzten Tage. Zudem hat er nicht lange Gelegenheit mich zu bremsen, denn schon biege ich nach rechts in die Semmelstraße ab. Die kraftvollen Rhythmen von „Rollin on a river“ schallen mir entgegen. Ich rolle weiter zunächst Richtung Bahnhof, dann am Kaiserplatz in Richtung Innenstadt.

18 km sind geschafft. Direkt vor mir liegt die Flaniermeile Würzburgs. Zahlreiche prachtvolle Kirchenbauten reihen sich aneinander. Die Augustinerkirche wirkt ja noch sehr bescheiden. Rechts über dem Marktplatz sieht man zur Marienkapelle, links ragt die Kuppel des Neumünsters empor. Hier fand der Heilige Kilian den Märtyrertod. Direkt dahinter folgt der Dom, der heute seinen Namen trägt. Überwältigt davon laufe ich kurz darauf die Altstadtrunde, vorbei an der alten Universität. Es geht Richtung Main, den ich bis zur alten Mainbrücke begleiten darf.

 
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Am alten Rathaus schaut man in einiger Entfernung auf den Dom. So ist der Anblick noch viel imposanter. Nur wenige Schritte weiter folge ich der engen Schustergasse wieder Richtung Norden. Nach und nach gibt die Gasse den Blick auf den Marktplatz mit der Marienkapelle frei. An der Spitze ihres Turmes leuchtet die goldene Marienfigur in der Sonne.

Nach dem Marktplatz geht es auf die Karmelitenstraße und schon ist man praktisch auf der Zielgerade. Die Marathonis werden  nach links auf die zweite Runde geleitet. Sofort habe ich das Gefühl, die Straße gehört mir ganz allein. Die Masse der Läufer ist ins Ziel abgebogen.

Ich packe meine Kamera ein, denn die Halbdistanz in 1:55 Stunden macht eine Endzeit unter  4:00 Stunden möglich. Das kann ich ohne viele Fotostopps schaffen. Ich wechsle erneut die Mainseite über die Brücke der Deutschen Einheit. Es gibt immer noch Zuschauer und auch aus den Fenstern der Wohnblöcke werden wir engagiert angefeuert. Das ist gut, wenn die Schritte langsam schwerer fallen. Bis KM 28 halte ich meinen Kilometerschnitt. Das Zuschauerspalier hat sich hier schon stark gelichtet. Bestimmt sind viele im Ziel, um die Sieger zu feiern.

Am Erfrischungspunkt kurz vor der alten Mainbrücke haben die Helfer schon Zeit,  Becher einzusammeln. Frei Fahrt für mich. Die Sonne strahlt mittlerweile vom Himmel. Da ist es gut, dass bis KM 32 die Allee am Main entlang reichlich Schatten spendet. Auf dem folgenden Kilometer bekommt man sie aber volle Kanne ab. Der Schweiß läuft in Strömen.

Die letzte Mainquerung bringt mich unaufhaltsam dem Ziel entgegen. Ich schaue zurück und sehe auf dem südlichen Begegnungsstück jede Menge Läuferinnen und Läufer. Ob mich noch viele von denen überholen werden? Ich muss einzelne Gehpausen einlegen. Aber nur nicht verrückt machen lassen, weiter dem eigenen Trott folgen. Die Sonne habe ich jetzt im Nacken, da kann sie mich nicht mehr so arg quälen, oder doch? Meine Kilometerzeit ist derweil bei etwa 6 Minuten angekommen. Auch wenn es mir im Vergleich zur ersten Runde unendlich lang erscheint, biege ich endlich wieder auf die Altstadtrunde ein.

KM 38 ist erreicht. Rechts wieder die Residenz. Ich habe Zweifel, ob ich mein Tempo noch halten kann, die Gehpausen werden häufiger. Die schattigen Passagen werden rar. Die Sehenswürdigkeiten bieten immer noch Abwechslung und Ablenkung. Einige junge Staffelläufer überholen mich. Bis zu 8 Teilnehmer können sich die Gesamtstrecke teilen und die Länge der Abschnitte frei wählen. Dranghängen ist nicht mehr.

 
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Kurz vor KM 41 erreiche ich zum letzten Mal für heute die alte Mainbrücke. Den letzten Kilometer werde ich wohl wieder laufend bewältigen können. Nach dem Schwenk um das alte Rathaus und den Marktplatz ist das Ziel fast erreicht. Jetzt darf auch ich mich rechts einordnen. An der letzten Kurve erwartet mich bereits Nikita, um mit mir ins Ziel zu laufen. Mittlerweile ein mir liebgewordenes Ritual. Erschöpft aber glücklich habe ich es wieder geschafft.

Jetzt kann auch ich die Sonne genießen. Holger bedankt sich, er hat sich auf den letzten Kilometern an mir orientiert, um noch die 4 Stunden zu unterbieten. Schön, dass es für ihn dazu noch gereicht hat. Bei mir ging das mit 4:00:46 Stunden leider schief, da ich 5 Minuten vor ihm auf die Piste gegangen bin. Dann halt beim nächsten Mal wieder. Ich tröste mich erst einmal an der reichhaltigen Zielverpflegung. Neben der wohltuenden Gerstenkaltschale wird viel frisches Obst (z. B. Bananen, Melonen, Trauben) angeboten. Dazu wird noch Kuchen gereicht. Anstehen brauche ich nicht, das Gros der Läuferschar ist lange im Ziel und wohl auch schon geduscht. Auf die freue ich mich nach 42 km jetzt auch. Nur noch schnell meine Urkunde abholen. Der Ausdruck kann bereits wenige Minuten nach dem Einlauf erfolgen. Schneller geht nicht.

Bleibt das Fazit, dass dieser Lauf bis zum Schluss perfekt durchorganisiert ist.

 

Bonus: Streckenfotos von Peter Ickert

 

 
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Marathonsieger

 

Männer

1 Gebresilassie, Belachew (ETH) 02:20:44
2 Arens, Johannes (GER) TG Kitzingen 02:37:23
3 Siegler, Markus-Kristan (GER) TB Erlangen 02:41:21

Frauen

1 Deme, Abiyot (ETH)  02:34:07
2 Roth, Julia (GER) TV Schweinheim 03:03:55
3 Danner, Michaela (GER) SV Kasing 03:08:55

424 Finisher


Zeitnahme:
Championchip

Weitere Veranstaltungen:
Halbmarathon, 10 KM, Kinder- und Schülerläufe bis ca. 2000 m und Staffelmarathon für bis zu 8 Läufer/innen bei freier Streckeneinteilung.

Startgeld:
Marathon: 48 – 53 -58 – 63 €, je nach Anmeldezeitpunkt

Auszeichnungen:
Medaille im Ziel. Urkunde im vor Ort oder im Internet.

Verpflegung:
Verpflegungspunkte an der Strecke und Verpflegung im Ziel. Gereicht werden Elektrolyte, Cola und Wasser. Dazu Bananen. Im Ziel alkoholfreies Bier, Melonen, Weintrauben und Kuchen.

 

Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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