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Laufberichte

Sammlung vervollständigt

 

Es ist vollbracht! Der letzte Lauf der „Big Six“ der WorldMarathonMajors ist beendet. Nachdem ich 2009 in New York City (NYC), 2013 in London und Berlin, 2014 in Tokyo und Chicago gelaufen bin, war der Marathon in Boston am 20. April 2015 der Schlusspunkt.

Schon im Vorfeld des Laufes war ich irgendwie traurig, dass ich mit diesem Lauf die Serie abschließen, im Sinne von beenden, würde. Auch meine Frau sprach mich (ungefragt) daraufhin an, ob ich nicht traurig sei, wenn ich dann alle „Big Six“ gelaufen sei. Das ist wie eine Briefmarkensammlung, die komplett ist – was will man dann noch sammeln? Aber ich kann ja meine persönlichen „Big Six“ noch erweitern, z. B. um Köln, Paris, Seoul oder Anchorage (zumindest diese Läufe könnte ich mir im Moment vorstellen).

Am Freitag, den 17. April 2015 ging es von Frankfurt am Main los. Die Lufthansa flog mich nonstop nach Boston. Vom Flughafen Logan wurden wir vom Reiseveranstalter mit einem Bus zum Hotel nach Boston downtown gebracht. Das riesige Sheraton-Hotel, bestehend aus zwei Türmen mit jeweils mehr als 25 Stockwerken, befindet sich in der Nähe des Prudential Towers. Diese Gebäude sind nicht weit von der Boylston Street, der Zielgeraden, entfernt. Das Hotel war schon vollumfänglich auf die Marathon-Läuferinnen und –Läufer eingestellt. Im Foyer wurde das Logo des Laufes auf den Boden gestrahlt, Puppen mit der offiziellen Kleidung des Hauptsponsors „Adidas“ schmückten die Rezeption und in den Aufzügen wurde darauf hingewiesen, dass das Sheraton-Hotel die Marathon-Läuferinnen und –Läufer begrüßt. In den folgenden Tagen sollte sich an der Kleidung der Gäste zeigen, dass das Hotel ein wahrer Schwerpunkt der Teilnehmer war.

Das Hotelzimmer war ausgesprochen groß. Ich hatte mir zum ersten Mal in meinem Leben ein Doppelzimmer zur Doppelbelegung aus Kostengründen gebucht. Zentral gelegene und einigermaßen gute Hotelzimmer sind in den Großstädten der USA sehr teuer! Mein Zimmerpartner, zwei Jahre jünger als ich, mehrfacher Familienvater aus Bayern, gebürtig von der Mosel, war ausgesprochen sympathisch. Wir beiden haben aufgrund der vielen (Lauf-) Klamotten und weitgehend fehlender Kleiderschränke das Zimmer schnell in einen chaotischen Zustand versetzt. Jedes Mal, wenn ich das Zimmer betrat, dachte ich: Typisch Männerwirtschaft – Frauen hätten in einer solchen Situation sicherlich für mehr Ordnung gesorgt!

Am nächsten Morgen, Samstag den 18. April, absolvierten die Mehrzahl der Reisegruppenteilnehmer um 7.00 Uhr einen ersten Orientierungslauf von 6,4 km Länge. Die Lauflänge weiß ich deshalb so genau, weil ich nach dem Lauf einen Mitläufer, der eine GPS-Uhr trug, nach der zurückgelegten Strecke frug. Meine eigene Laufuhr von Garmin wollte ich für den Marathonlauf schonen, da der Akku bereits nach gut vier Stunden leer ist (zumindest zeigt er dies so an), und ich keine Möglichkeit hatte, den Akku wieder aufzuladen. Wir querten die Boylsten Street, um auf dem sehr schönen parkähnlichen Grünstreifen auf der Commonwealth Avenue zum Public Garden mit den Schwanenbooten zu gelangen. Von dort liefen wir über eine Fußgängerbrücke über den Storrow Drive zum Charles River Basin, wo man schon morgens Ruderer beobachten konnte. Zu dieser frühen Uhrzeit waren neben uns auch viele andere Läufer unterwegs. Nicht nur die gruppenmäßig durchgeführten Läufe, sondern auch die Kleidung wiesen sie als Mitglieder von Reisegruppen aus. Nach einer dreiviertel Stunde waren wir zurück im Hotel.

Ich hatte ursprünglich keine große Lust diesen Lauf mitzumachen. Welchen sportiven Wert soll es haben, zwei Tage vor einem Marathon noch einen „Frühstückslauf“ zu machen, wo doch allgemein postuliert „Tapering“, also ein gezieltes Schonen vor der großen Anstrengung, angesagt ist? Aber den Sonderling spielen, wenn (fast) alle anderen den „Aktivierungslauf“ mitmachen? Also nur zu, mal was Neues machen, sich überraschen lassen und mitlaufen, sagte ich mir. Ich wurde positiv überrascht! Nach dem langen Flug war der kurzweilige und wirklich attraktive Lauf ein schönes und für die kommenden Taten motivierendes Erlebnis. Gut, dass ich mitgelaufen bin! Weil es so schön war, bin ich am darauffolgenden Sonntag den auf circa fünf km etwas verkürzten Morgenlauf auch wieder mitgelaufen.

Um 10.00 Uhr gab es eine einstündige Informationsveranstaltung vom Reiseveranstalter InterAir, durchgeführt von Achim und Kerstin. Als prominente „Reisebegleiterin“ wurde zuerst Irina Mikitenko vorgestellt, die mit einer im Jahr 2008 erzielten Zeit von 2:19:19 deutsche Marathon-Rekordhalterin ist. Achim, der sich selber als „Zahlen-Freak“ bezeichnete, präsentierte in seinem Power Point-Vortrag viele interessante Informationen.

So ist der Frauenanteil in Boston (45% der Finisher waren 2015 Frauen) ähnlich hoch wie in Chicago und deutlich höher als in den Ländern außerhalb den USA. Auch ist die Zeit, in der 50% aller Läufer-/innen das Ziel erreichen, deutlich besser als bei anderen Marathon-Veranstaltungen. Ursächlich hierfür ist die Tatsache, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für den Start in Boston qualifizieren müssen. Hier handelt es sich um den berühmten „Boston Qualifier – BQ“. Für meine Altersklasse (55 bis 60 – maximal 3:40h) wäre bei meinen Leistungsdaten keine reguläre Teilnahme möglich. Deshalb musste ich den Weg über einen Reiseveranstalter gehen.

Achim informierte in seinem Vortrag, dass nur 540 Startnummern über Reiseveranstalter (ins Ausland) vergeben werden. Diese Zahl ist in Relation zu den 30.251 gemeldeten Startern sehr gering.

Nach der Informationsveranstaltung gingen wir gemeinsam zum Hynes Convention Center, unweit an der Boylston Street und circa 500 Meter vor dem Zieleinlauf gelegen. Dort gab es die Startnummern und es fand die Marathonmesse statt. Die Startnummernausgabe erfolgte in ausgesprochen netter Weise durch die unterschriebene Abgabe des „Läuferausweises“ und dem Vorzeigen des Reisepasses. Die Identitätskontrolle der Marathon-Teilnehmer wurde nicht zuletzt im Hinblick auf den mörderischen Anschlag beim Zieleinlauf des Boston-Marathons 2013 sehr genau vorgenommen. Trotz zahlreicher Hinweise auf dieses Verbrechen war die Stimmung rund um den Lauf aber positiv: Wir lassen uns den Sport und die Lebensfreude nicht beeinträchtigen – Boston strong!

Die Messe hatte viele der auch bei den anderen großen Stadtmarathons üblichen Stände. Der Hauptsponsor „Adidas“ präsentierte den mit Abstand größten Stand. Auf dem Stand der Zeitschrift „Runners World“ ließ ich mir kostenlos ein fingiertes Titelfoto schießen. Ich auf dem Titelbild einer Boston-Sonderausgabe der Runners World! Auf der Messe habe ich mich wieder, wie auf den anderen Messen auch, gut mit Andenken eingedeckt. Der Boston-Marathon hat in den USA ein sehr hohes Ansehen. Das hängt mit der langen Tradition zusammen und dürfte nicht zuletzt mit der Tatsache zu tun haben, dass man sich normalerweise für den Lauf zu qualifizieren hat.

Am Starttag, Montag den 20. April 2015, dem „Patriots Day“, wurden wir – insgesamt 49 Starterinnen und Starter der Reisegruppe - vom Hotel zum Sammelpunkt am Boston Common, ein großer innerstädtischer Park neben dem oben erwähnten Public Garden, geführt.

Der Boston-Marathon wird grundsätzlich am Patriots Day, der immer auf den dritten Montag im April fällt und Feiertag in Massachusetts ist, durchgeführt. Patriots Day geht auf den Jahrestag der Gefechte von Lexington und Concord am 19. April 1775, die zu den ersten Schlachten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges zählen, zurück.

Vom Boston Common aus ging es mit den bekannten gelben, etwas archaisch aussehenden Schulbussen nach Hopkinton. Die Fahrzeit betrug – nicht zuletzt dank polizeilich gesperrter Straßen – knapp eine Stunde. Nicht nur mir ging bei dieser Fahrt durch den Kopf, dass diese Strecke (teilweise parallel zum Highway nach NYC) wieder zurückzulaufen sei!

Das große Thema am Lauftag und auch die Tage vorher war das Wetter. Sowohl der Samstag als auch der Sonntag waren sehr schön: sonnig und windstill mit Temperaturen um 11 Grad. Doch die Wettervorhersagen, die natürlich von allen Reiseteilnehmern sehr beachtet wurden, versprachen nichts Gutes. Und so sollte es auch kommen! Um es vorweg zu nehmen: Der Lauftag war der schlechteste aller fünf Tage, in denen ich mich in Boston aufhielt.

Auf der Fahrt nach Hopkinton fing der Regen an. Das Startgelände erinnerte mich an das Gelände in London. Zwei sehr große Zelte, teilweise mit seitlichen Planen, gaben etwas Schutz vor dem einsetzenden Regen und der Kälte. Bis eben war es im Bus noch angenehm warm und die Fahrzeit verging sehr unterhaltsam mit meinem Zimmernachbarn und einem deutschen Arzt, der in Boston seinen 52. Marathon lief. In dem Startareal war es wetterbedingt sehr ungemütlich. Zahlreiche Dixie-Häuschen standen zur Verfügung. Erwischten Wildpinklern droht übrigens die Höchststrafe: Die Ordnungskräfte sind in solchen Fällen berechtigt, die Startnummer abzunehmen! Auch gibt es reichlich Wasser, Gatorade und Energieriegel etc. zur Vorbereitung auf den Lauf.

Der Start erfolgt in vier Wellen (waves): Nach den Elite-Frauen um 09.32 Uhr erfolgt der Start der Handicapt-Drivers und um 10.00 Uhr der Elite-Männer mit dem anschließenden Start der ersten Welle. Aufgrund der Tatsache, dass ich über einen Reiseveranstalter mit einer selbst veranschlagten Zielzeit von 4:15 und damit ohne BQ angemeldet war, wurde ich vom Veranstalter in den vierten Block – und da auch noch in den letzten (8.) Choral – einsortiert. Nach mir kamen augenscheinlich wenig mehr als 300 Personen.

Und was soll ich sagen: Auch in der Startaufstellung regnete es. Das Wasser tropfte nicht nur von oben, sondern auch von den vielen Regencapes auf mich und insbesondere meine Schuhe. Da ich über meinem speziellen Marathon-T-Shirt (mit meinem Vornamen, dem Schriftzug Cologne, deutscher Flagge und der Silhouette von Köln) einen Pullover und einen Regenponcho des Reiseveranstalters trug, hob ich diese bei der Überquerung der Startlinie. Der Chip zur Zeitmessung war auf der Rückseite der Startnummern angebracht. Ich war mir unsicher, ob die Zeiterfassung auch durch den Pullover hindurch funktionierte, was sie aber auf der ganzen Strecke tat.

Wie das Streckenprofil, welches ich mir vor dem Lauf vielfach angesehen und eingeprägt hatte, erwarten ließ, waren die ersten Kilometer „easy going“ – immer leicht abwärts! Trotzdem empfand ich die ersten zehn Kilometer als recht nervend, da das Läuferfeld ausgesprochen dicht war und es viel Konzentration erforderte, keinem in die Fersen zu treten und auch nicht selber schlimmstenfalls zu Fall zu kommen. Meine 10k-Zeit mit 1:01 spricht Bände, denn der Streckenverlauf ermöglicht wirklich gute Zeiten, ohne groß „Gas zu geben“. Bis zur Halbmarathonmarke ist die Laufstrecke für einen Amateurläufer rekordzeittauglich (im Sinne einer persönlichen Bestzeit). Die Zuschauer waren nicht zuletzt aufgrund des miesen Wetters überschaubar. Auch die viel erwähnten Mädchen vom Wellesley-College waren nicht so zahlreich erschienen, wie dies in anderen Laufberichten zu lesen ist. Ganz anders war die Situation am Boston-College bei der 21 Meilen-Marke. Das war Begeisterung pur! Hier war auch gerade der Heartbreak-Hill absolviert.

Apropos Heartbreak-Hill: Nicht dieser war für mich die große Überraschung (und Herausforderung), sondern die zwei Hügel zuvor. Besonders den ersten Anstieg zwischen der 16. und 17. Meile fand ich sehr anstrengend. War ich vielleicht aufgrund der zahlreichen Gefällestrecken zu verwöhnt? Der Heartbreak-Hill ist in seiner vollen Steigung von vornherein sichtbar. Auch die legendären Berichte und nicht zuletzt sein Name sorgen dafür, dass hier keine Überraschung kommt. Aber die zwei Anstiege zuvor (Newton Hills)? Die waren neu für mich!

Gut erinnern kann ich mich an ein Gebäude, welches wie eine mittelalterliche Burg aussieht und über dem „Eingang“ die (römischen?) Buchstaben „MVM“ zeigen. Soll dies ein Hinweis auf das Errichtungsdatum 1995 sein? Ich sah das Gebäude auf meiner Fahrt von Boston nach NYC zwei Tage später wieder vom Highway aus. Die Ortschaften an der Strecke von Hopkinton nach Boston machten auf mich einen sehr verträumten, dörflichen Eindruck. Auch die etwas größeren Orte Framingham und Wellesley vermitteln den Eindruck von schöner, heiler Welt. Auf jeden Fall kann dieser Lauf durch seine ländliche Streckenführung auf fast 35 km nicht eine zwingende Zugehörigkeit zu den „Big Six“ beanspruchen. Deshalb kann hierfür nur die Tradition sprechen. Ein Großstadtlauf wie die anderen fünf großen Läufe ist es nicht!

Ich hatte mir die Laufstrecke mehrfach in Zeitraffer-Aufzeichnungen z. B. auf YouTube angesehen. So war die Streckenführung keine wahre Überraschung für mich. Beim Laufen musste ich öfters die Bilder aus dem Internet mit der „echten“ Strecke abgleichen: Ja, die Internet-Filme vermitteln ein realistisches Bild! Die gesamte Laufstrecke ist von Hopkinton bis Boston mit zwei gelben Mittelstreifen dauerhaft und nicht nur für den Lauftag gekennzeichnet. Jede Meile ist auf diesen Streifen markiert. Wer also einen Marathon-Lauf auf dieser Strecke absolvieren möchte, kann sich gut an dieser Mittellinie orientieren. Schwierig (und unter Umständen gefährlich) kann ein solcher privater Marathonlauf aber dadurch sein, da er fast die gesamte Strecke an unbefestigten Straßenrändern ohne Fahrradweg oder Bürgersteig zurückgelegt werden müsste (nicht zu empfehlen!).

Die markanteste Aussicht ist die riesige CITGO-Reklame circa eine Meile vor dem Ziel. Schon früh hielt ich danach Ausschau. Gegen Ende der Laufstrecke bin ich öfters gegangen – aus Erschöpfung und weil der (kalte) Regen mich ziemlich nervte. Das Ende der Laufstrecke führt direkt auf das Hynes Convention Center zu, in dem auch die Ausgabe der Startnummern und die Marathonmesse stattfand. Vor dem Center schwenkt die Strecke links auf die Boylston Street. Zuvor zog ich mir noch den Pullover aus, den ich über meinem Laufshirt und der Startnummer während des gesamten Laufes getragen hatte. Ich wollte mit „meinem“ Shirt und der BIB-Number auf die Fotos im nur wenige hundert Meter entfernten Zieleinlauf ankommen.

Das Ziel im Blick motivierte mich für einen Zielsprint. Natürlich gehört zum Zieleinlauf ein Lachen und das Hochreißen der Arme! Mit meiner Zeit von 4:28:38 war ich nur mäßig zufrieden, aber immerhin unter 4:30! Nach der Zielüberquerung geht man ein gehöriges Stück auf der Boylston Street entlang, bevor es endlich die wohl verdiente Medaille gibt. Darauf freut sich sicherlich jede Läuferin und jeder Läufer am meisten! Anschließend wird ein aufwendig gestaltetes Warmhalte-Cape (nicht nur eine einfache Folie) überreicht bzw. es wird einem sogar hineingeholfen. Später folgen Wasser und Energiedrinks bzw. –riegel sowie Verpflegungsbeutel mit diversen Inhalten zur Stärkung des geschwächten Körpers.

Das Immunsystem ist nach einem Marathonlauf circa 72 Stunden geschwächt – auch das sollte beim Verhalten in den nächsten Tagen beachtet werden. Humpelnd versuchte ich eine Möglichkeit zu finden, die durchgängig abgesperrte Auslaufzone zu verlassen, um mich zügig von da aus rückwärts zu meinem Hotel zu begeben. Eine Erkältung oder Schlimmeres wie z. B. eine Lungenentzündung wollte ich mir nicht noch einfangen.

Der Rückweg zum Hotel war kürzer als der Weg zum Boston Common, wo die offizielle Kleiderbeutelabgabe war. Von der Reiseleitung war deshalb empfohlen worden, vor dem Lauf keinen Kleiderbeutel abzugeben. Diese Empfehlung war sehr richtig! Wie oben gesagt, erfolgt kein Kleiderbeuteltransport vom Startpunkt zum Ziel wie z. B. in NYC, so dass nichts, was nach Hopkinton in den Bussen mittransportiert und nicht während des Laufes mit sich geführt wird, auch wieder nach Boston gelangt. Auch dies ist eine beachtenswerte Besonderheit des Boston-Marathons.

In mein Hotel zurückgekehrt, meldete ich mich zuerst bei der Reiseleitung zurück. Diese hatte eine Liste aller Starter/-innen vorbereitet und wollte fürsorglich auch von der Rückkehr erfahren. Noch immer völlig durchgefroren begab ich mich auf mein Zimmer. Mein Zimmernachbar, der deutlich vor mir gestartet war und eine Zielzeit von 3:35 verbuchen konnte, hatte bereits gebadet. Wir unterhielten uns über unsere Lauferlebnisse, bevor ich fast schmerzfrei duschte. Frisch gekleidet – natürlich mit Finisher-T-Shirt und Medaille – trafen sich alle TeilnehmerInnen um 18.00 Uhr an der Hotelbar zu einem „Siegerbier“. 49 TeilnehmerInnen unserer Reisegruppe hatten an dem Lauf teilgenommen.

Vom Hotel aus gingen wir (die Reisegruppe) – was soll ich sagen – bei Regen zu der trotz der vorangegangenen läuferischen Anstrengung gut fußläufig erreichbaren Baseball-Arena der Bostoner „Red Sox“. Ich hatte mich auf die dort stattfindende After-Race-Party richtig gefreut. Aber das Ergebnis, oder soll ich besser sagen - Erlebnis, war sehr enttäuschend. Es war kalt, regnerisch, ungemütlich und lud nicht zu einem längeren Verweilen ein. Das Freibier des Laufsponsors Samuel Adams war schnell getrunken und ich ging zurück Richtung Hotel.

Nach einer leckeren Pizza in einem Lokal, in dem sich auch zwei Marathon-Finisher befanden, ging ich in die Bar „Bukowski“, die sich in unmittelbarer Nähe des Sheraton Hotels befindet. Früher war ich ein Fan des in Andernach am Rhein – auch das wurde im Lokal erwähnt – geborenen amerikanischen „Underground“-Schriftstellers. Das Lokal war mit zahlreichen Bildern und Sprüchen des Autors geschmückt, bot aber ansonsten keine Hinweise darauf, warum dieses nach Charles Bukowski benannt war.

Die anschließende Nacht war – im Gegensatz zu der voran gegangenen Nacht, in der es um 0.20 Uhr einen Feueralarm aufgrund eines Rauchers in einem Hotelzimmer gab – komplikationsfrei. Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von meinem ausgesprochen angenehmen Zimmernachbarn und fuhr mit einem Greyhound-Bus nach NYC. Nach der Rückkehr nach Deutschland beantragte ich auf der homepage der WorldMarathonMajors das „Six Stars Certificate“.

12.022 Läuferinnen und 14.588 Läufer (= 26.610 Finisher) erreichten das Ziel. Den mit Abstand größten Ausländeranteil stellte Kanada mit 2.231 Finishern, gefolgt von Mexiko (270 Finisher),Großbritannien (348 Finisher) und Japan (233 Finisher). Deutschland war mit 205 Finishern die am fünftstärksten vertretene ausländische Nation. Der US-amerikanische Top-Favorit und Vorjahressieger Meb Keflezighi kam mit einer Zeit von 2:12:42 nur auf Platz 8.

Mein persönliches Fazit: Kein typischer Citymaraton, sondern eher ein Landschaftslauf von A nach B. Die erste Hälfte ist eindeutig ein downhill-race, während die zweite Hälfte über den allseits bekannten Heartbreak-Hill noch weitere, überraschende Anstiege bietet. Der Lauf lebt zu einem guten Teil von der hohen emotionalen Wertschätzung der US-Amerikaner.

Männer
1. Desisa, Lelisa (ETH)  2:09:17
2. Tseqay, Yemane (ETH)  2:09:48
3. Chebet, Wilson (KEN)  2:10:22
Frauen
1. Rotich, Caroline (KEN)  2:24:55
2. Dibaba, Mare (ETH)  2:24:59
3. Deba, Buzunesh (ETH)  2:24:09    

26.610 Finisher

 


 

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