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Laufberichte

Gruß von der Wildkatze

13.03.11
Autor: Olaf Ulmer

Fotos: Klaus und Margot Duwe

Die europäische Wildkatze oder Waldkatze gehört zu den gefährdeten Tierarten. Die Rückzugsgebiete der Urform der Hauskatze werden durch steigende Flächennutzung von Verkehr, Besiedlung und Ackerbau immer kleiner. Umso wichtiger ist es, auch für diese bedrohte Tierart  gesonderte Naturschutzgebiete und –projekte ins Leben zu rufen.

Eines dieser Naturschutzgroßprojekte ist der Bienwald im Landkreis Germersheim im Süden von Rheinland-Pfalz. In der Nähe von Landau und westlich von Gevatter Rhein auf der Höhe von Karlsruhe liegt dieses 12.000 Hektar große Rückzugsgebiet für hunderte Tier- und Pflanzenarten. Und die Wildkatze ist sozusagen das Wappentier und Aushängeschild dieses Naturschutzprojektes.

Seit 1975 wird in Kandel, das an den Bienwald grenzt, der Bienwald-Marathon ausgetragen. Unter dem Motto: „Laufen im Bienwald… hier fühlt sich auch die Wildkatze wohl“ unterstreicht man die Verbundenheit mit dem Naturschutzprojekt und der Region und nutzt die Wildkatze als Maskottchen.

Am zweiten Märzsonntag lud der  TSV Kandel zum 36. Bienwald-Marathon auf der bekannt flachen Strecke Wakdstrecke ein. Neben der Marathon-Distanz wird hier auch die Halbdistanz angeboten. Dass diese Veranstaltung eine Veranstaltung von Läufern für Läufer ist, merkt man unter anderem auch an den moderaten Startgebühren. Bei Voranmeldung sind 16 Euro für den Halbmarathon zu berappen, der Marathon ist für 29 Euro zu haben. Dafür erhalten die Läufer ein Funktions-Shirt, alle 5-6 Kilometer eine Streckenverpflegung und die Zielverpflegung, die keine Wünsche offen lassen. Zugläufer waren für die Zielzeiten 3 h, 3:15 h, 3:30 h, 4:00 h und 4:30 h unterwegs.

Da der TSV Kandel dieses Jahr auch sein 175-jähriges Jubiläum feiert, bekommt außerdem jeder Läufer auch eine Flasche Marathon-Wein. Diesen gab es allerdings erst nach dem Rennen.

Veranstaltungszentrum, oder neudeutsch Eventarena, war die großzügige Bienwaldhalle. Ein reichhaltiges Kuchenbüffet und ein großes Essensangebot sorgten für die entsprechende Nährstoffzufuhr vor und nach dem Rennen. Als Spezialität wurden die pfälzischen Fleeschknepp, oder Fleischklöße, angeboten. Damit jeder weiß, worauf er sich einlässt, gibt es auf der Internetseite des Veranstalters auch ein Rezept dieser pfälzischen Spezialität. Klingt schon beim Durchlesen lecker.

Die Anfahrt über die gut ausgebaute B10 erfolgte problemlos. Allerdings ist im Stadtgebiet von Karlsruhe Vorsicht geboten. Trotz baulich getrennter 2 Fahrspuren in jeder Richtung ist hier das Tempo auf 80 km/h limitiert. Da dieses Tempolimit auch kontrolliert wird, musste ich leidvoll erfahren und so bereichern nun 15 Euro den Karlsruher Stadtsäckel.

Bei rechtzeitiger Anreise bekommt man auch einen Parkplatz in der Nähe der Halle.

Die Strecke verläuft durchweg flach durch den Bienwald. Zwei Wendepunktstrecken sorgen dafür, dass man sich mindestens zweimal sieht. Von der ISS aus betracht, bildet der Streckenverlauf ein etwas verformtes Y.

Nach dem Erhalt der Startnummer gönnte ich mir noch einen Spaziergang durch die Marathon-Messe. Hier konnte man sich mit neuen Schuhen, Klamotten und Läuferernährung eindecken. Auch andere Marathons waren mit Infoständen vertreten. Ein Infostand informierte über das Naturschutzgebiet Bienwald, wo eine präparierte  Wildkatze zu sehen war.

Ein Schnack mit Klaus, Eberhardt und Angelika verkürzte die Zeit bis zum Start.
Ich begab mich mit meiner Tasche zur nahegelegenen Realschule zum Umziehen. Die Tasche, allerdings ohne Wertsachen, ließ ich in der Umkleidekabine zurück. Dies sollte sich noch als Fehler erweisen, später dazu aber mehr.

 
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Der Start erfolgte vor dem Bienwald-Stadion in der Jahnstraße. Neben den Organisatoren des Marathons bevölkerte Politprominenz das Podest an der Startlinie. Kurt Beck, der hiesige Landesvater, von seinen „Untertanen“ auch liebevoll König Kurt genannt, ließ es sich nicht nehmen, ein paar aufmunternde und lobende Worte zu sprechen. Beim organisierenden Verein bedankte er sich zusätzlich mit einem kleinen Präsent. Ja, ja, Läufer sind auch Wähler, gell.

Ich lichtete neben der Politprominenz auch noch die Läuferprominenz ab und begab mich kurz vor dem Start in den hinteren Startblock, der eine Zielzeit von über 3:51 h vorgab. Punkt 10 durfte dann König Kurt den Abzug der Starterpistole betätigen und die Meute von rund 1700 Läufern, Halbmarathonis und Marathonis gemeinsam, wurden auf die Hatz durch den Bienwald gelassen.

Nach kurzer Zeit erreichten wir den Stadtrand von Kandel. Das weiträumige Terrain erlaubte einen weiten Ausblick nach vorne. Schon jetzt, nach nicht einmal einem Kilometer, hatte sich das Läuferfeld schon sehr weit auseinander gezogen. Die schnellen Hasen des Halbmarathons machten ordentlich Pace.

Auf einer breiten Landstraße verließen wir Kandel und näherten uns Minfeld.
Kurz vor Minfeld lief ich auf drei Bekannte vom Lauftreff Asbach im typischen leuchtend-gelben Laufshirt auf. Der Name rührt nicht vom alkoholischen Getränk aus Rüdesheim her, vielmehr handelt es sich bei Asbach um eine kleine Gemeinde im badischen Neckar-Odenwald-Kreis, unweit der Kreisstadt Mosbach. Marina, Elisabeth und Sonja waren gemeinsam als Halbmarathonis unterwegs. Nach einem kurzen Plausch machte ich mich wieder auf die Socken, im Feld weiter nach vorne zu kommen.

Schließlich lief Jürgen Lange, Präsident des Rennsteiglaufvereins zu mir auf, mit dem ich etwas fachsimpeln konnte. Bei Klaus machte er einen kurzen Stopp - ich glaube, die hatten was zu besprechen.

 
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Ich zog weiter und entdeckte vor mir wieder das leuchtend gelbe Lauftrikot des Lauftreffs Asbach. Diesmal war es Martin, der ebenfalls die Marathon-Distanz anging. Wir unterhielten uns unentwegt, als hinter uns vielfaches Gestampfe eine größere Gruppe ankündigte. Es war die Gruppe um den Zugläufer für 4:00 Stunden.
Bevor wir Minfeld in Richtung Bienwald verließen, kam bei Kilometer 6 die erste Verpflegungsstelle. Über die Felder kamen wir zum Streckenabschnitt, den wir nun in beiden Richtungen kennenlernen durften. Ein entgegenkommendes Polizeimotorrad kündigte bei unserem achten Kilometer bereits lautstark den Führenden der Halbmarathonis an, der in einem Affenzahn und mit einem beträchtlichen Vorsprung uns entgegen flog und in Richtung Ziel entschwand.

Uns kamen nun immer mehr Halbmarathonis entgegen, die den Wendepunkt bei Kilometer 13 bereits passiert hatten. Kurz vor dem Halbmarathon-Wendepunkt konnten wir ein weiteres Mal verpflegen. Die Halben machten einen U-Turn und wir Marathonis liefen weiter geradeaus in Richtung Schaidt zu unserem ersten Wendepunkt.

 
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Doch bis dahin sollten es noch einige Kilometer sein. Heiko ließ mich ziehen, diente ihm der Marathon als lange Trainingseinheit. Kurze Zeit später entdeckte ich erneut ein leuchten-gelbes Shirt. Diesmal war es Johannes, der ebenfalls eine lange Trainingseinheit bestritt. Dann kamen uns auch schon die schnellen Marathonis entgegen, die nach rechts in den Wald abbogen.

Eine weitgezogene Rechtskurve führte uns nach Schaidt, wo wir von einer Musikkapelle und frenetisch anfeuernden Zuschauern empfangen wurden. Weiter ging es am Ortsrand von Schaidt, wo bei Kilometer 18 der erste Wendepunkt auf uns wartete. Gerd, ein weiterer Laufkollege aus Asbach kam mir kurz vorher entgegen. Ein kurzes Hallo und Abklatschen und weiter gings.

Ich umrundete den Pylonen beim Wendepunkt, jeder Läufer wurde dabei gefilmt, (Abkürzversuche also zwecklos) und lief wieder in Richtung Kandel. Auf einmal kam mir ein Läufer mit einem Kinderwagen samt Besatzung entgegen. Respekt für diese Leistung, den ganzen Marathon über dieses Zusatzgewicht vor sich her zu schieben.

Ich hatte nun den Blick auf die Läufer die mir nachfolgten, wie auch Heiko und Johannes, die nun einträchtig nebeneinander her liefen. Ich hatte gerade die Musikkappelle von Schaidt passiert, als mir Angelika und Eberhardt entgegenkamen. Zum Beweis unserer Leistung bannten wir uns gegenseitig auf die Speicherkarte. Wenig später traf ich dann auch noch Cornelia, die am Tag zuvor den 6-Stunden-Lauf von Nürnberg erfolgreich absolviert hatte. Ein waschechter Doppeldecker.

 
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Bernhard Sesterheim, dem der Besenwagen folgte, machte schließlich den Abschluss der Läuferschar.

Bei der Halbdistanz war es nun an uns, nach rechts über die Zeitmeßmatte in den Wald zum zweiten Wendepunkt abzubiegen,  während die Vorderen des Marathon-Feldes den Wald bereits wieder verließen und in Richtung Ziel eilten. Hier sieht man sich wirklich mindestens zweimal.

Bei der Verpflegungsstelle am Kilometer 24 traf ich dann eine alte Bekannte. Die Wildkatze vom Infostand der Marathonmesse begrüßte hier, auf einem Tisch thronend, alle Neuankömmlinge. „Endlich jemand, der das zu würdigen weiß“ meinte der Helfer an der Getränkestelle, als ich meine Kamera zückte und das Pelztier ablichtete.

Gerd kam mir entgegen und so war ich guter Dinge, auch bald den zweiten Wendepunkt zu erreichen. Kilometer 26 und es ging wieder zurück. Mittlerweile spürte ich die Anstrengungen der vergangen Kilometer und Stunden in meiner Muskulatur. Es ist eine alte Weisheit, dass man für das letzte Drittel der Marathondistanz ebenso viel Kraft benötigt, wie für die zwei Drittel zuvor. Na das kann noch heiter werden.

Der Läufer mit dem Kinderwagen spulte unentwegt sein Sonderpensum ab. Auch Heiko und Johannes waren noch einträchtig beisammen. Mit Cornelia hatte ich dann sogar einen kurzen Plausch. Wir kamen an den ehemaligen Verpflegungspunkt von Kilometer 24. Und was war das? Die Wildkatze hatte sich gedreht und schaute uns wie auf dem Hinweg direkt in die Augen. Lebte die noch?

Nach kurzer Zeit verließen wir den Wald und konnten auf der breiten Landstraße unserem heutigen Ziel in Kandel entgegenlaufen.

Was nun folgte, war der wohl schwierigste Teil der Strecke. Nämlich ein Streckenabschnitt, der rund zwei Kilometer kerzengerade aus verlief. Am Horizont konnte man die Läufer hinter der Biegung entschwinden sehen und man kam vom Gefühl her einfach nicht näher.

Kilometer 36 und der Kurs vollzog endlich einen Richtungswechsel. Von nun an war die Voraussicht nicht mehr so demotivierend wie zuvor. Am Stadtrand von Kandel konnten wir bereits den Stadionsprecher im Bienwaldstadion hören, der jeden ankommenden Läufer namentlich begrüßte.

 
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Auch ich erreichte kurze Zeit später das Stadion. Bruno, der den Halbmarathon absolviert hatte, rannte mit einem alkoholfreien Weißbier vor mir her und davon. Ich hatte schon Bedenken, er wollte mir das Getränk so kurz vor dem Ziel nicht gönnen. Aber weit gefehlt. Er hatte sich nur so beeilt, um sich weiter vorne zu platzieren und mich ablichten zu können.

Nach einer Dreiviertel-Stadionrunde war auch für mich Ende und das Ziel erreicht. Ein kühles Erdinger Alkoholfrei entlohnte für die Mühen. Nach einer kurzen Verschnaufpause machte ich mich auf in die Umkleidekabine in der Realschule, wo mich eine böse Überraschung erwartete. Während meiner Abwesenheit hat ein Unhold doch tatsächlich meine Sporttasche nach Wertsachen durchwühlt und ausgeräumt. Mein Täschchen mit den Sicherheitsnadel war komplett entleert und er Inhalt in meiner Tasche verteilt. Die Klamotten lagen auf dem Boden im Nassen. Fluchend packte ich alles wieder zusammen. Wenigstens konnte der Lump nichts Wertvolles finden. Weil ich keine frischen Klamotten hatten, beließ ich es bei einer Wildkatzenwäsche und verzichtete auf die erfrischende Dusche.

Jetzt verstaute ich meine Tasche im Auto -  hätte ich das mal vor dem Lauf auch getan. Nach einem Schnitzelweck und einem Bier ging es für mich dann wieder in Richtung Heimat.

Einzige Wehrmutstropfen an dem Tag waren das Speeding Ticket, an dem ich selber schuld bin, und die durchwühlte und ausgeräumte Tasche, wofür ich dem Veranstalter aber keine Vorwürfe mache.

Marathonsieger

Männer

1  Neuschwander, Florian (GER)  PST Trier 02:28:17
2  Mages, Dominik (GER)  LAC Quelle Fürth 02:34:24
3  Dörr, Hans-Jörg (GER)  TV Hatzenbühl 02:37:03

 
Florian Neuschwander
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Frauen

1  Rauschenberg, Eve (DEU)  LC Haßloch 02:49:43
2  Steg, Kerstin (DEU)  LAC Quelle Fürth 02:51:01
3  Bittel, Silke (GER)  LAC Quelle Fürth 03:03:39

575 Finisher

 

 

Informationen: Bienwald-Marathon
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