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Laufberichte

Auf den Spuren des Pacers

28.09.08

Einmal Pacemaker in Berlin

Am Freitag stehe ich mit Mario auf dem Rollfeld des Münchener Airport und schau mir so unseren braunen Flieger an. Aus der Entfernung sieht er fast aus, wie in Tarn-Lackierung, mir kommt’s fast so vor, als wenn wir zu einem Einsatz in eine Krisenregion geschickt würden. Aber gerade mal 55 Minuten dauert der Flug, das sollte doch mit Berlin schon passen. Erst auf dem Flugplatz Oberschönefeld, als ich noch einmal ein paar Fotos von dieser ungewöhnlichen Farbgebung mache, klärt mich ein Fluglotse auf – das ist der Berliner Bär. Ja, jetzt wo ich ihn mir genau ansehe kann ich ihn auch erkennen. BERLIN. BE PART OF IT, steht noch drauf, dem werden wir sicher in den nächsten Tagen nachkommen.

In der Gepäckausgabehalle fällt mir auf einem Tisch vor der Toilette schon ein Programmheft für den Berlin-Marathon auf. Nachdem ich mein Geschäft abgewickelt habe und wieder rauskomme, liegt es immer noch da. Ich sehe es mir mal genauer an und siehe da, da hat doch tatsächlich einer seine kompletten Startunterlagen hier abgelegt und liegen gelassen. Na, der wird weiche Knie bekommen, vor der Marathonmesse. Ich beschließe alles an mich zu nehmen und an der Startunterlagenausgabe abzugeben, wohin ja auch unser erster Weg führt.

Marathon Messe

Der Standort der Messe ist heuer auch ganz neu, von den Berliner ICC Messehallen ist man ins ehemalige Kabelwerk Siemensstadt umgezogen. Der Weg dorthin ist schon mal gar nicht so einfach per Öffentlicher Verkehrsmittel zu erreichen, von der U-Bahn-Haltestelle sind es noch locker 15 Minuten Fußweg. Heute ist schönes Wetter, da ist das kein Problem, aber wenn’s hier mal regnen sollte, werden einige ganz schön fluchen. Zwar soll es auch einen kostenlosen Shuttle-Service per Bus geben, davon ist aber nichts zu sehen und wie der diese Menschenmassen bewältigen will, kann ich mir auch schlecht vorstellen.

 
Der Berliner Bär als Flugzeuglackierung
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Vor den Toren und in der großen alten Fabrikhalle des ehemaligen Kabelwerk’s ist für einen Freitagsbesuch schon jede Menge los. Wo geht’s jetzt zu den Startunterlagen? Gar nicht so einfach, sich durch die dichtgedrängten Verkaufsstände und vielen Menschen zurechtzufinden. Erstmal müssen wir komplett durch die große Halle durch, die Beschilderung ist nicht optimal, dann werden wir noch durch die Cateringhalle gelotst, danach wieder ins Freie, bis wir endlich die Halle in der hintersten Ecke des Geländes erreichen, wo wir unsere Startnummern in Empfang nehmen können. Das geht aber sehr schnell vonstatten, meine gefunden Startunterlagen werde ich aber nicht los, ich soll es mal am Trouble Desk probieren, sagt mir die Dame von der Startnummernausgabe. Das ist unten am Eingang, mit einer 50 Meter langen Warteschlange. Darauf habe ich wirklich keinen großen Bock, unter einer Stunde anstehen ist da sicher nichts drin, ich will ja nur was Gutes tun. Ich frage mal jemand vom Personal, der schickt mich zurück in die Haupthalle wo die Sport- und Gesundheitsmesse Berlin Vital untergebracht ist, dort soll es eine Messeleitung geben.

Ich suche und suche, kann aber nichts entdecken, zwischendrin fallen aber dafür ein paar neue Laufschuhe für mich ab und Klaus Duwe treffe ich auch. Er erzählt uns, dass es für ihn mit einem läuferischen Einsatz heuer nichts mehr wird.

Informationen: Berlin-Marathon
Veranstalter-WebsiteErgebnislisteHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Soviel laufen macht hungrig, daher besuchen wir auch noch die Pasta Lounge. Hier läuft auch nicht alles ganz rund. Ausgerechnet als wir an der Reihe sind, gehen die Nudeln aus. Einige Minuten dauert es schon, bis wieder Nachschub da ist. Mittlerweile ist es schon 20 Uhr, mir reicht’s, aber leider bin ich das gefundene Starterpaket immer noch nicht los geworden. Ich drücke es jetzt am Ausgang einfach einem Ordner in die Hände, erkläre ihm alles und beauftrage ihn, es an die richtige Stelle weiterzuleiten. So g’scheit hätt‘ ich ja gleich sein können.

Frühstückslauf

Gerade richtig zum Einlaufen ist der Frühstückslauf mit rund 11.000 Teilnehmern am Samstagvormittag um 9.30 Uhr. Nach dem Vorbild des Freundschaftslaufes beim New York City Marathon wurde diese Veranstaltung 1983 in Berlin eingeführt und ist seither fester Bestandteil des Marathon-Programms und auch schon zur Tradition geworden. Ich habe mir extra eine bayerische Lederhose und diverse Accessoires mitgebracht, um noch mehr Spaß zu haben, getreu dem amerikanischen Vorbild. Magic läuft im Schottenoutfit, inklusive Schottenrock und auch Maddinsche hat seine Lederhose dabei. Bald sind wir umringt von Japanern, Koreanern und vielen anderen, die sind ganz scharf auf uns. Mehrere Minuten stehen wir für diverse Fototermine bereit, jeder will sich mal mit uns ablichten lassen. Wir haben einen Riesen Spaß dabei. Viele andere haben sich auch eine originelle Maskerade angelegt und alle sind gut gelaunt. Nebenbei kann ich mir auch den Sightseeingausflug ins Stadion sparen.

 
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Für den Lauf vom Schloss Charlottenburg bis ins Berliner Olympiastadion gibt uns Race-Direktor Mark Milde den Startschuss. „Janz langsam“ ist das Motto, darum werden die folgenden fünf Kilometer ohne Wettkampfcharakter im gemütlichen Tempo gelaufen. Meine Uhr zeigt einen Schnitt zwischen 6:30 – 7:30 Minuten auf den Kilometer an. Auf der blauen Laufbahn des Olympiastadions endet der Lauf, danach erhalten wir noch ein Frühstück, das Titelsponsor real,- bereitgestellt hat. Neben jeweils 10.000 Äpfeln, Bananen und Joghurtdrinks gab es unter anderem 7.000 Quark-Rosinen-Brötchen sowie 8.000 Becher Kaffee und noch einige andere Leckereien. Natürlich gibt’s auch „Berliner“ oder wie wir Bayern sagen würden, „an Krapfen“.

Inline-Skating Marathon

Am Nachmittag will mir auch noch die Skater anschauen. Mario und ich suchen einen Platz in der Nähe des KaDeWe bei km 36 aus. Den gleichen Standort hat sich auch die Schwedische Sambagruppe „Samba St. Olof“ ausgesucht. In Schweden treten sie bei mehreren Marathonveranstaltungen auf und einmal im Jahr reisen sie zu einem Auslandsmarathon und ziehen dort ihre Show ab. Heuer war mal Berlin dran.

Die Straße ist abgesperrt, aber es tut sich auf der Laufstrecke noch nichts. So haben wir Zeit, uns mit den Mädels von der Sambaband zu beschäftigen. Mit ihren Trommlern fangen sie auch schon vor dem Eintreffen der ersten Inliner an, Ramba Zamba zu machen. Immer mehr Leute versammeln sich auf dem Platz. Bald ist die eigentlich von der Polizei abgesperrte Straße zur Hälfte von Zuschauern belegt. Alle haben ihre Aufmerksamkeit auf die Showband gerichtet. Man hat fast den Eindruck, keiner interessiert sich mehr für die eigentliche Hauptattraktion, den Skating-Wettbewerb.

 
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Dann kommen aber doch die ersten vorausfahrenden Fahrzeuge des Veranstalters und die Polizei und Ordner verscheuchen uns von der Straße. Wenig später brettern schon die ersten Inline-Skater im Affentempo durch. Genau eine Stunde benötigen die schnellsten für die 42 Kilometer, da kann man sich leicht ausrechnen, was die für einen „Zahn“ drauf haben.

Pacer Magic

Zum Marathon ist unser Team TOMJ aus Augsburg mit 10 Mann am Start. Mario und Gerhard werden sich jagen bis zum Umfallen, denn Gerhard benötigt noch die Boston-Quali, die Mario schon seit dem Frühjahr mit 3:14 im Sack hat. Der Ehrgeiz bei beiden ist groß und Gerhard wird bestimmt versuchen, auch diese Zeit zu unterbieten. Mario könnte es eigentlich lockerer angehen, aber er mag es nicht so gerne, wenn sein „Chef“ schneller ist wie er. Maddinsche will versuchen, die 3:30 zu unterbieten. Dann haben wir mit Petra auch noch eine Debütantin dabei. Sie möchte einmal erleben, wie sich die letzten Kilometer auf der Marathonstrecke anfühlen. Leider muss sie mit Leistenbruch antreten, aber ihr Arzt sagt: was kaputt ist, kann man nicht mehr kaputt machen. Klingt logisch, sie darf laufen. Der Rest vom Team wird mal schauen, was geht.

Zum sechsten Mal in Folge ist Magic als Sub 4:00 Pacer hier in Berlin dabei und zuvor führte er schon einmal die 5-Stunden Läufer ins Ziel. Ich will mich heute mal an seine Fersen heften und schauen, wie sich ein Marathon so aus seiner Sicht entwickelt und wem man so alles dabei begegnet.

Ein bisschen was gibt’s noch von ihm zu erzählen. Im Frühjahr 1999 zeigte die Waage bei ihm 104 kg an. Irgendwas musste geschehen, als Abnehm-Motivation schloss er darum mit Freunden eine Wette ab. Auf radikale Weise schaffte er es, u.a. mit Laufen, innerhalb eines halben Jahres auf 68 kg abzunehmen. Ziemlich bescheuert und bestimmt nicht ganz gesund, wie er heute meint. Seine ersten Laufeinheiten bestanden aus abwechselnd 1 km Laufen und 1 km Gehen, so kamen 6 Kilometer in einer Stunde zusammen.

Sein erstes Rennen war der Silvesterlauf 1999 über 10 km. Der erste Marathon folgte dann im Jahr 2000 in Berlin, seitdem ist er jedes Jahr hier. Heute steht er zum 53. Mal an einem Marathonstart, inklusive Supermarathon am Rennsteig und den 100 km von Biel. Seine Marathonbestzeit steht seit Februar 2008 auf 2:58. Zusätzlich zu Berlin ist er noch in Freiburg – auch bereits seit mehreren Jahren – als Pacer im Einsatz. Alle die sich ihm bisher angeschlossen haben, sind auch – sofern sie ihm folgen konnten – genau in der anvisierten Zeit ins Ziel gekommen. Gelegentlich macht er auch für uns mal den Privat Pacer. Bei uns in Augsburg leitet er zudem Marathonseminare für Einsteiger, zuerst mit Theoriestunden, danach betreut und begleitet er über mehrere Wochen seine Teilnehmer auch bei den „langen Läufen“ in der Praxis. Dank seiner guten Betreuung, haben so schon viele ihren Marathon-Einstand erfolgreich hinter sich gebracht.

Marathon

Genau zwischen Startbereich F und G an der zweiten Startwelle ist Magic platziert, mit seinem großen orangefarbigen Ballon ist er nicht zu verfehlen. Das Gedränge hinter ihm ist groß, bereits 30 Minuten vor dem Start werden wohl viele dabei sein, die sich ihm anschließen wollen. Einer davon ist Friedhelm, bereits vor zwei Jahren hat er sich Magic angeschlossen und konnte dadurch zum ersten Mal die 4 Stunden knacken, heute will er es wieder versuchen.

 
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Dann werden unzählige gelbe Luftballons losgelassen. „Goldelse“ auf der 50 Meter hohen Siegessäule ist fast nicht mehr zu erkennen. Um Punkt 9 Uhr schickt uns Fußball-Bundestrainer Jogi Löw gemeinsam mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit auf die Reise. Bis zur Startlinie benötigen wir genau 15 Minuten, dann geht es auch für uns richtig los. Dicht gedrängt werden die ersten Kilometer absolviert, immer wieder laufen wir auf deutlich langsamerer Läufer auf. Bei der Dichte des Feldes ist wirklich schwierig auszuweichen, aber Unverbesserliche gibt es leider immer wieder.

Nach 5,5 km erreichen wir die JVA Moabit. Ich schau mir mal so an, wie es hinter Magic aussieht. Eine dichte Läufertraube folgt ihm, wie viele hundert das sein werden, die hier dem Ballon folgen, kann man bei der unglaublichen Menge überhaupt nicht abschätzen. Ich habe es schon aufgeben, laufe lieber einige Meter vor der Gruppe, das ist wesentlich angenehmer. Heidrun, die auch mit Martin angelaufen ist, ist es genauso zu anstrengend geworden, sie macht’s wie ich.

Einen Kilometer weiter passieren wir Bundeskanzleramt, Reichstag und Spree – mitten durch’s Regierungsviertel führt der Weg. Der Abschnitt ist von Zuschauern natürlich gut besucht, das gibt auch schöne Fotomotive. An der Konrad-Adenauer-Brücke geht es auch mal spürbar etwas berauf, zu dem Zeitpunkt meistern wir das natürlich alle locker.

 
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Die nächsten Kilometer sind die Zuschauer dann doch wieder deutlich ruhiger. Aber bei km 12 geht’s unter einer Brücke durch, hier ist wieder richtig was los und eine tolle Trommlergruppe gibt ihr Bestes. Ich bin doch jetzt ein paar hundert Meter vor Magic’s Gruppe, aber ein paar Fotostopps lassen den Vorsprung schnell wieder schmelzen. Meistens laufe ich die ersten Kilometer mit Peter aus unserem Team, er möchte auch 4 Stunden unterbieten. Als wir wieder mal auflaufen fragt ihn Magic, wie es läuft. Da meint er, dass die Wade schon etwas zwickt. Ob das was wird?

Immer noch ist das ganze Feld hinter dem Zugläufer total dicht zusammen, aber auch nach vorne gibt es wenige Lücken. Zwischendrin laufe ich auch mal Seite an Seite oder genau hinter Magic. Aber das kann ich nicht lange machen, man verliert wahnsinnig schnell den Anschluss, wenn man sich nicht gleich wieder ranhängt. Ich bevorzuge lieber die Außenbahn am Gehwegrand. Aber das ist auch nicht das Gelbe vom Ei, weil sich da auch die langsameren Läufer bewegen. Bei jedem Fotostopp verliere ich ca. 50 – 80 Meter, um dann zur Gruppe wieder aufzuschließen, gibt es oft nur einen Weg um nach vorne zu kommen und der ist auf den Gehweg hinter den Zuschauern vorbei.

Wir sind gerade bei km 19, als von einem Zuschauern der Schrei durchdringt: „Haile ist durch“. Ich sehe auf meine Uhr und die zeigt gerade 11.04 Uhr an, das bedeutet, er könnte einen neuen Weltrekord geschafft haben, ist ja auch kein Wunder, so wie wir ihn vor uns hertreiben. Die Halbmarathonmatten passieren wir in genau 1:59:30. Ja, der Magic läuft schon wie ein Schweizer Uhrwerk. Das Ganze ist hier beileibe keine leichte Aufgabe. Immer wieder muss er sich den überfüllten Weg durch langsam zurückfallende Läufer kämpfen und sich auch mal verbal sich den Weg frei machen. Sein beliebtester Spruch ist: „Lassen sie mich durch, ich bin der Arzt!“.

Was tut sich sonst noch im Verfolgerfeld? Ich kann überhaupt keine Veränderungen feststellen, weder im Feld vor der Gruppe noch dahinter, es ist einfach proppenvoll, aber vielleicht tut sich ja noch was, wir haben ja erst die Hälfte.

 
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Und dann tut sich wirklich was bei km 23, Magic verliert Luft aus seinem Luftpolster im Schuh. Es geht nicht mehr weiter, er kann das Tempo einfach nicht mehr halten. Es geht nix mehr! Ich muss jetzt die Ballons übernehmen und die Läufer weiterführen, …“Nein, nur a Schmarrn von mir“, aber ich übernehme wirklich die Ballons und ich bin so zum ersten Mal Pacemaker und das gleich in Berlin.

Schon bei km 15 hat er mir gesagt, dass er bei km 24 einen Treffpunkt mit einigen Forums-Mitgliedern hat und ob ich mal einige Meter übernehmen kann. Mich hat das ab dem Zeitpunkt richtig motiviert und hab mich auch sehr darauf gefreut. Jetzt kann ich diesem verantwortungsvollen Job mal selbst nachgehen.

Gleich am Anfang reißt mir ein Ballon – es sind nämlich zwei – fast die Brille vom Kopf, da muss ich wirklich aufpassen. Ich glaube alle 20 – 30 Sekunden schaue ich auf meine Laufuhr, die mir das Lauftempo anzeigt. Ich will ja schließlich nicht die Zeit versauen. Dass das nicht so einfach ist, kann ich am eigenen Leib erfahren. Man muss sich den Weg durch diese unglaubliche Menschenmenge auch mal freikämpfen. Gut 2 Kilometer dauert mein Einsatz, dann kann ich die Luftballons wieder abgeben. Das hat mir jetzt schon Spaß gemacht, aber über eine komplette Distanz wäre mir das in Berlin viel zu anstrengend.

 
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Eine ganz andere Art um in der Gruppe mithalten zu können, verbringt Helmut. Er läuft hier seinen ersten Marathon und um bis ins Ziel locker zu bleiben, macht er immer wieder mal diverse Einlagen, wie einen Hopser- oder Rückwärtslauf.

Bis zum Wilden Eber bei km 28 geht es ganz leicht bergauf. Aber dafür lassen die Leute dort auch wirklich die Sau raus. Hier ist mit die beste  Stimmung der gesamten Strecke. Ein weiterer Mitläufer spricht Magic bei km 30 an. „Wie machst du das und welche Hilfsmittel benutzt du denn?“. Von Anfang an hat er jeden Kilometer kontrolliert und mitgestoppt. Die Abweichungen sind so minimal, dass er es kaum glauben kann. Bei km 35 hört er dann doch auf mit der Kontrolle und glaubt endgültig an ihn.

Was kann ich noch Interessantes berichten? Nichts! Das Feld ist noch immer genauso voll, an den Getränkestationen ist jedes Mal durchkämpfen angesagt, es werden einfach nicht weniger und das Gedränge im Feld wird kaum lockerer.

Mir persönlich läuft es jetzt auch nicht mehr so locker von den Beinen. Mehrere Wochen Trainingsausfall wegen einer Wadenverhärtung machen sich schwer bemerkbar. Aber ich muss ja durchhalten, sonst fehlt mir der Abschluss des Berichtes. Also geht’s immer weiter. Aber das Fotografieren habe ich aus Kräftemangel ab dem Wilden Eber eingestellt. So fällt es mir auch nicht mehr so leicht, die tolle Stimmung am Kurfürstendamm und Potsdamer Platz aufzunehmen.

 
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Seit einigen Kilometern ist Magic auf „die Unglaublichen“ aufgelaufen. Das ist eine Gruppe von Mädels in rot-schwarzen Kostümen mit einer Augenbinde wie Zorro. Am Start waren sie noch ein Stück weit hinter uns, darum haben sie zeitlich genügend Luft. Jetzt hängen sie sich aber lieber doch an den Tempomacher dran, um unter vier Stunden zu bleiben.

Und dann erreichen wir „Unter den Linden“. In der Ferne kann man schon das Brandenburger Tor ansatzweise sehen. Magic schickt jetzt alle, die noch gut aussehen nach vorne, damit sie das Erlebnis eines Zieleinlaufes für sich alleine genießen können. Der Weg vom Brandenburger Tor ist dann aber doch noch weiter als man glaubt. Aber alle, die es bis hierher geschafft haben, kommen punktgenau nach 3:59 ins Ziel. Magic hat es wie immer mit einer halben Minute Puffer geschafft. Für mich gilt das gleiche.

Hinter der Ziellinie wird er gleich von Heidrun empfangen, der es hinter Magic schon von Anfang an zu anstrengend war und sich nach vorne etwas abgesetzt hat. Sie hat es trotz eines Sturzes rechtzeitig unter Sub 4 geschafft und bedankt sich bei Magic. In den letzten Jahren war nach Aussage von Magic doch deutlich mehr Bewegung in der Pacertruppe und zum Ende des Marathons auch wesentlich weniger Läufer mit ihm auf der Strecke.

Nach der Ziellinie gibt es erstmal einen Stau. Bis man seine Beine ins Gras legen kann, vergehen so noch mal viele Minuten. Hat man erstmal die Kleiderabgabe erreicht, kann man sich endlich der Erholung und Regeneration widmen.

 
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Mario hat es auch geschafft, er konnte mit 3:11 wieder eine neue Bestzeit aufstellen und Gerhard mit 3:13 in Schach halten. Der war aber auch mehr als zufrieden, seine alte Bestmarke lag über 10 Minuten schlechter und er ist jetzt sicher für Boston qualifiziert. Maddinsche schrammte mit 3:32 knapp an seiner Zielvorgabe vorbei, aber die neue Bestzeit entschädigte dafür locker. Peter hat noch ein paar Minuten auf Magic verloren, aber das ist auch kein Problem. Die Leiste unserer Ersttäterin Petra hielt auch problemlos durch und sie erreichte wie alle anderen aus unserem Team das Ziel.

Zu den ganz „verrückten Hunden“ gehört Mario. Nach dem Marathon hatte er um 17 Uhr noch einen Termin beim „House Running“. Vom zweithöchsten Gebäude Berlins, dem 150 Meter Hohen Park Inn am Alexanderplatz, hat er noch einen Lauf senkrecht hinab in die Tiefe zu absolvieren. „Face Down“ nennt sich das. An der Außenseite der Spiegelflächenfassade seilt er sich nach unten, natürlich im Finisher-Shirt. Kein Problem für ihn, meint er nur lapidar.

Von Haile gibt es auch noch was zu erzählen. Ein Freund von Magic war zufällig im selben Hotel wie er untergebracht, darum wollte Magic unbedingt ein Autogramm haben. Am Nachmittag nach dem Marathon hat er ihn abgepasst. Alles kein Problem für Haile. Der ist nicht nur im Fernsehen total locker. Aber was jetzt alle Normalos wie mich freut, auch er lief nach dem Marathon nicht mehr rund, beim Gehen unterschied er sich auch kaum noch vom leidgeprüften Hobbyläufer.

 
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