Dass beim UTMB und anderen Trailrunning-Events trotz verkürzter Strecken von „Rekordzeiten“ gesprochen wird, liegt an den Besonderheiten dieser Sportart. Im Gegensatz zum flachen Straßenmarathon gelten bei Trails ganz eigene Gesetze.
Es gibt keine standardisierten Rekorde: Da ein Trail in der freien Natur verläuft, verändern Schlamm, Wetter, Geröll oder minimale Pfadanpassungen die Strecke ohnehin jedes Jahr. Daher kennt die ITRA (International Trail Running Association) keine offiziellen „Weltrekorde“, sondern führt ausschließlich „Streckenrekorde“ (Course Records) für das jeweilige Event.
Die Jagd nach der historisch schnellsten Zeit: Wenn ein Athlet, wie zuletzt beim UTMB, Ben Dhiman das Ziel in Chamonix nach der absoluten Fabelzeit von 18 Stunden, 16 Minuten und 29 Sekunden erreicht, ist dies die schnellste jemals beim UTMB registrierte Zeit. Medien, Sponsoren und die UTMB Mont-Blanc Organisation nutzen den Begriff „Rekord“, um diese sportliche Ausnahmeleistung greifbar zu machen.
Der Rekord bekommt ein „Sternchen“: In den offiziellen Statistiken der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung (DUV) und der Fachpresse werden solche Zeiten stets im Kontext des jeweiligen Jahres bewertet. Jedem Experten ist bewusst, dass die Strecken von 2025 und 2026 wegen der Unwetter-Anpassungen (Auslassen der extrem steilen Pyramides Calcaires) spürbar schneller zu laufen waren als die Originalroute.
Zusammenfassend: Man spricht von einem Rekord, weil es die schnellste Zeit auf der offiziell freigegebenen Rennstrecke dieses Jahres war. Es ist ein Event-Rekord unter den spezifischen Bedingungen von 2026, kein mathematisch exakt vergleichbarer Rekord zu den Vorjahren.
Als absoluter Referenz-Rekord auf der vollständigen und unveränderten Originalstrecke gilt die Leistung des Amerikaners Jim Walmsley aus dem Jahr 2023. Er bewältigte die vollen 175 Kilometer und fast 10.000 Höhenmeter in einer historischen Zeit von 19 Stunden, 37 Minuten und 43 Sekunden.
Bei den Frauen hält Katie Schide seit 2024 den echten Streckenrekord mit einer Fabelzeit von 22 Stunden, 09 Minuten und 31 Sekunden.
Die Zeiten von Ben Dhiman (18:16:29 im Jahr 2026) und Tom Evans (19:18:58 im Jahr 2025) werden zwar offiziell als Rekorde gefeiert, sind jedoch nicht mit Zeiten der Vorjahren vergleichbar.
In den großen Trail-Communitys fielen die Reaktionen auf diese „Verkürzungs-Rekorde“ sehr gemischt aus und lösten hitzige Diskussionen aus:
Respekt vor der reinen Laufleistung: Die meisten Läufer und Experten betonten, dass eine Zeit unter 19 Stunden – egal auf welcher Route um den Mont-Blanc – eine unfassbare, athletische Meisterleistung ist. Dhiman ist das Rennen extrem aggressiv angegangen und hat die perfekten Bedingungen im flacheren Terrain voll ausgenutzt.
Kritik an der Bezeichnung „Streckenrekord“: Viele Puristen in den Foren ärgerten sich über die mediale Berichterstattung. Es wurde kritisiert, dass das Streichen der Pyramides Calcaires (ein extrem zähes Blockgletscherfeld, das die Oberschenkel zerstört und extrem viel Zeit kostet) den Charakter des UTMB komplett verändert. Der Tenor: "Man kann nicht den härtesten Berg streichen und es danach einen Allzeitchronik-Rekord nennen."
Vergleiche mit 2025: Einige User (wahrscheinlich solche, die noch nie an einem Rennen wie dem UTMB teilgenommen haben) merkten scherzhaft an, dass der UTMB langsam zu einem schnellen „Straßenlauf“ mutiert, wenn die Pyramides Calcaires aufgrund von Schlechtwetter nun schon das zweite Jahr in Folge gestrichen werden mussten.
Verständnis für die Sicherheit: Trotz der sportlichen Enttäuschung über die veränderten Zeiten gab es in der Community einhelliges Lob für die UTMB-Rennleitung. Bei vorhergesagten schweren Gewittern und Sturmböen im Hochgebirge auf über 2.500 Metern hat die Sicherheit der über 2.000 Amateurläufer oberste Priorität.
Meinung: Als Hobbyläufer kann man mit den Siegerzeiten, egal ob 19, 20, oder 22 Stunden, Rekord oder nicht Rekord, nicht viel anfangen. Das ist eine andere Welt für Läufer, die mit sich und den Cut-off-Zeiten kämpfen und "ankommen" das Ziel ist.