Mit der gelungenen Premiere des 1K Vertical am Freitagabend, dem ersten Hattrick der Geschichte und einem einheimischen Sieg auf der Königsdistanz am Samstag schrieben die fünften Davos X-Trails mehrere Geschichten. Internationale Spitzenläuferinnen und -läufer sorgten zusätzlich für ein hochklassiges Teilnehmerfeld.
Das Fazit war eindeutig. Sowohl bei den Teilnehmenden als auch bei den Ausrichtern. «Der 1K Vertical ist eine ideale Ergänzung zu den bewährten Distanzen der Davos X-Trails», meinte beispielsweise Stephan Wenk. Der 34-Jährige aus dem zürcherischen Bertschikon zählt zu den treuesten Startern an der Veranstaltung im Landwassertal. Bei deren fünften Austragung gehörte er zu den 18 Gemeldeten, die sowohl einen Start an der Premiere des 1K Vertical als auch an einem der fünf gewohnten Läufe ins Auge gefasst hatte.
Für den Gold Run musste Stephan Wenk dann aber Forfait geben. In der Nacht auf Samstag sass er oft auf der Toilette. Der Grund: starker Durchfall. An den Start über 42.93 Kilometer, die mit je 1711 Steigungs- und Gefällemetern gespickt sind, war nicht zu denken. Positiv präsentierte sich die Situation für Dorian Marchal. Die 6.94 Kilometer und insbesondere die 1080 Höhenmeter vom Sportzentrum hoch aufs Jakobshorn (2590 m ü.M.) des K1 Vertical, welchen er am Freitagabend als Fünftbester meisterte, hinterliessen jedoch auch an seinem Körper Spuren.
Der Sieger des Gold Run von 2024 und 2025 liess sich davon aber nicht beirren, lief von Beginn weg das eigene Tempo und erreichte das Ziel nach 3:22:29 Stunden. Erneut lief der 31-Jährige aus dem waadtländischen Ollon die schnellste Zeit. Der anvisierte Hattrick, den er notabene als erster Läufer in der Geschichte der Davos X-Trails realisierte, war Tatsache. Der jüngste Triumph verdient insofern besondere Anerkennung, als Dorian Marchal zwei Kilometer vor dem Ziel stürzte und eine Schulterluxation erlitt.
Gar einen Doppeltriumph feierte bei den Davos X-Trails Laura Hottenrott. Drei Wochen vor ihrem Marathon-Start an den Leichtathletik-Europameisterschaften im britischen Birmingham zierte die 34-jährige Deutsche mit 54:32 Minuten sowohl nach dem 1K Vertical, dessen Erstaustragung 133 Läuferinnen und Läufer anlockte, als auch nach dem 23.76 Kilometer langen Silver Run (+870.40 m/-524.60 m) mit 1:46:39,2 die Ranglistenspitze. «Die Strecke des 1K Vertical ist fantastisch, ja sogar meisterschaftswürdig», meinte die international erfahrene Laura Hottenrott.
Begeistert zeigte sich auch der 1K Vertical-Männersieger Petter Engdahl aus Schweden. Die anspruchsvolle Strecke, welche über die Chügalibahn respektive den Bolgen Bike Trail führte, legte er in bemerkenswerten 43:50 Minuten zurück. «Je länger das Rennen dauerte und je höher ich kam, desto besser fühlte ich mich», sagte der vielfältige Athlet, der sowohl im Langlaufen als auch im Trailrunning und Berglauf auf Weltklasse-Niveau unterwegs ist, einen Tag nach seinem 32. Geburtstag.
Zugegen war Petter Engdahl auch am Tag nach seinem Triumph. Er betreute seine norwegische Verlobte Nora Serres, welche den von ihrer Landsfrau Mari Wetterhus in 3:54:28 Stunden gewonnenen Gold Run absolvierte und ihn an fünfter Stelle beendete. Im September heiraten die beiden, eine Woche später steht das schwedisch-norwegische Paar gemeinsam an einer Startlinie: in Südkorea am Ultra Run in Seoul.
Über internationales Renommee verfügte von den Gestarteten an den Davos X-Trails unter anderen auch Jerome Furer. Der amtierende Schweizermeister im Trailrunning und Angehörige der Schweizer Trailrunning-Nationalmannschaft beendete den Silver Run als Einziger unter eineinhalb Stunden (1:29:42). Nahezu viereinhalb Stunden, aber auch 45 Kilometer länger unterwegs war Manuele Polli. Der Club-Kollege von Stephan Wenk beim TV Oerlikon lief beim Diamond Run zu einem Start-Ziel-Sieg.
Für die 68.37 Kilometer, auf denen es je 3309 Meter auf- und abwärts ging, benötigte der mit 28 Jahren jüngste Gewinner der Königsdistanz in der Geschichte der Davos X-Trails 5:56:29 Stunden.
Einen Rekord brach auf der längsten Distanz, bei der es über den Scaletta- (2606 m ü. M.) und den Sertigpass (2738 m ü. M.) ging, Jasmin Nunige. Mit 7:21:17 Stunden verbesserte die Davoserin die Bestmarke von 2022, gelaufen von Heidi-Annemarie Schwartz aus Deutschland, um 27 Minuten. Dies notabene im Alter von bald 53 Jahren.
In Davos lief Jasmin Nunige bereits zum neunten Mal als Siegerin durchs Ziel. Zuvor hatte sie acht Mal bei der Vorgänger-Veranstaltung, dem Swissalpine, gewonnen – erstmals 2005 und somit ein Jahr nach der Geburt von Tochter Fiona Nunige, die am Samstag als Startläuferin zusammen mit Karin Timcke und Gioia Bebi unter der Bezeichnung Alpeflizer den zweiten Rang im Diamond Team der Frauen erreichte.
Zusammen mit den Mädchen und Knaben, die sich am Freitagnachmittag im Kids Race massen, umfasste die Teilnehmerliste 2603 Personen, die aus 28 Ländern stammten und 55 Nationalitäten vertraten. Höchst erfreulich präsentierte sich mit 40 Prozent der Frauenanteil. Im 9.27 Kilometer messenden Bronze Run mit je 236.90 Steigungs- und Gefällemetern, den die Bernerin Zoé Danielle Dreyer (39:53,6) und der Walliser Juri Wyer (32:44,6) gewannen, starteten gar mehr Frauen als Männer.
Ob Frau oder Mann: Die fünften Davos X-Trails bescherten den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einmal mehr «ein grossartiges Erlebnis in einer traumhaften Landschaft», wie Mari Wetterhus stellvertretend meinte. «Danke vielmals für die Superorganisation», sagte Manuele Polli. Diesem Lob dürften sich viele der Finisher angeschlossen haben.