2024 und vor zwölf Monaten gewann Dorian Marchal den Gold Run der Davos X-Trails. Nun greift der Franzose mit Schweizer Pass am Samstag, 25. Juli, nach dem Hattrick – und jagt gleichzeitig einen Rekord, den er selbst als «praktisch unerreichbar» bezeichnet. Am Tag zuvor stellt er sich bereits der Premiere des 1K Vertical.
Wer Dorian Marchal nach seiner Motivation fragt, den Gold Run der Davos X-Trails bereits zum dritten Mal in Folge zu laufen, erhält keine Antwort über Preisgelder oder Prestige. Stattdessen spricht der 31-Jährige von einem Gefühl. «Es ist unerklärlich, aber ich fühle mich jedes Mal, wenn ich in Davos bin, sehr ruhig und ausgeglichen. Es ist, als hätte ich dort mehr Energie als an anderen Orten.»
Diese besondere Verbindung trug den Franzosen mit Schweizer Doppelbürgerschaft bereits zu zwei Siegen. 2024 und 2025 war Dorian Marchal der Schnellste über die 42,93 Kilometer des Gold Run. Nun möchte der im waadtländischen Ollon wohnhafte Bergläufer den Hattrick schaffen – und verfolgt dabei ein Ziel, das ihn seit Jahren antreibt.
«Ich liebe die Strecke, die sehr abwechslungsreich und relativ flach ist. Man kann die gesamte Strecke laufen und manchmal sogar ziemlich schnell», so Dorian Marchal. Doch der eigentliche Antrieb liegt noch tiefer. «Ich habe ein ziemlich verrücktes Langzeitziel, nämlich den Rekord von Matthias Kyburz zu brechen.»
Dass der mehrfache Orientierungslauf-Weltmeister vor sechs Jahren auf der praktisch identischen K43-Strecke des damaligen Swiss Alpine Marathon in 3:00:16,7 Stunden ins Ziel stürmte, beeindruckt Dorian Marchal bis heute. «Ich halte den Rekord für praktisch unerreichbar. Solange ich aber Fortschritte mache, werde ich wiederkommen.»
Dabei könnte der Zeitpunkt günstiger sein. Dorian Marchal reist direkt aus einem Trainingslager mit der Schweizer Berglauf-Nationalmannschaft nach Davos. Er gehört seit einem Jahr zum Schweizer Team, obwohl seine Wurzeln in Frankreich liegen. «Ich bin Doppelstaatsangehöriger, aber mein gesamtes Erwachsenenleben verbrachte ich in der Schweiz. Meine Frau und meine Tochter sind Schweizerinnen. Ich habe mich ganz klar für die Schweiz entschieden, weil mein Leben hier ist.»
Der 31-Jährige ist Vater einer 15 Monate alten Tochter – und sein Alltag veränderte sich dadurch grundlegend. «Mit meiner Tochter trainiere ich nur noch halb so viel wie früher.» Im Schnitt komme er seit Monaten auf lediglich sechs Trainingsstunden pro Woche. Dies blieb nicht ohne Folgen. «Bei allen meinen Trail-Läufen hatte ich Krämpfe aufgrund nervöser Erschöpfung durch Schlafmangel.»
Die Resultate fielen entsprechend wechselhaft aus. Ein Sieg bei den Waadtländer Cross-Meisterschaften, ein Erfolg bei der Verticale du Mont Tendre, Rang 2 bei den Villars Ultraks, Platz 4 beim Zermatt-Marathon und Rang 5 in Montreux – solide Resultate, aber nicht jene Dominanz, die man von Dorian Marchal kennt. Umso erstaunlicher findet er selbst seine Entwicklung. «Trotz des geringen Trainingsumfangs gelang es mir, im Training ein ähnliches oder sogar etwas besseres Niveau als zuvor zu halten.»
Zum ersten Mal stellt sich Dorian Marchal in diesem Jahr gleich doppelt der Herausforderung. Neben dem Gold Run startet er am Freitagabend auch bei der Premiere des 1K Vertical (siehe Kästchen). «Die Herausforderung – immer wieder die Herausforderung», sagt er lachend. Gerade weil der steile Kilometer seine Schwäche sei, reize ihn die Kombination. «Den Marathon am nächsten Tag zu gewinnen, ist auf diese Weise noch schöner.»
Den Gold Run kennt Dorian Marchal mittlerweile beinahe auswendig. Besonders tat es ihm der Abschnitt zwischen dem Scaletta- und dem Sertigpass an. «Ich liebe den Abstieg und den anschliessenden Aufstieg. Es ist wunderschön und sehr wild, und der Weg ist überaus abwechslungsreich.» Dort könnten technisch starke Läufer wertvolle Sekunden gewinnen. Dorian Marchal weiss genau, ab wann das Rennen entschieden wird. «Seit zwei Jahren sage ich mir, dass der Marathon in Dürrboden beginnt.»
Obwohl Dorian Marchal als Titelverteidiger an den Start geht, bleibt er erstaunlich gelassen. «Ich bin jemand, der wenig Druck verspürt. Dafür bin ich wirklich begeistert – vor allem, wenn ich mich in den Tagen davor gut fühle und es nicht zu heiss ist.» Diese Unbeschwertheit passt zu seiner Sicht auf den Trailrunning-Sport. «Die Kombination aus Ausdauersport und Besinnlichkeit in den Bergen ist für mich einzigartig. Es gibt eine Freiheit und eine Vielzahl von Möglichkeiten, die selbst im Training aussergewöhnlich sind.»
Und falls am Ende tatsächlich der dritte Sieg in Serie gelingt? Ganz zufrieden wäre Dorian Marchal deshalb noch nicht. Sein eigener Massstab ist klar definiert: «Unter 3:15 Stunden zu laufen. Selbst mit der Müdigkeit aus dem Trainingslager wäre ich ein wenig enttäuscht, wenn ich das nicht schaffe.»
Der Hattrick wäre also nur die halbe Geschichte. Denn Dorian Marchal kommt immer wieder nach Davos zurück – nicht nur, um Rennen zu gewinnen, sondern um sich Schritt für Schritt einem Rekord anzunähern, den er selbst als fast unerreichbar bezeichnet.
Bereits der erste Tag der Davos X-Trails bietet ein abwechslungsreiches Programm. Im Mittelpunkt steht am Freitag, 24. Juli, die Premiere des 1K Vertical aufs Jakobshorn (Start 18.15 Uhr), bei dem es auf den knapp sieben Kilometern fast 1100 Höhenmeter zu bewältigen gilt. Für Begleitpersonen sowie Zuschauende besteht die Möglichkeit, um 18.00 und 18.40 Uhr kostenfrei auf den Gipfel zu fahren. Ein Ticket muss bei der Startnummernausgabe/Infodesk im Eisstadion bezogen werden. Die Talfahrten sind auf 20.00, 21.00 und 22.00 Uhr angesetzt. Auf dem Jakobshorn lädt das Restaurant Sun Peak zum Verweilen ein. Läuferinnen und Läufer erhalten einen Gratis-Teller Pasta.
Ergänzt wird der Freitag durch den Community Run mit Materialtest von Scott und das Kids Race. Verkaufsstände und Festwirtschaft sorgen für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Kurzum: ein gelungener Auftakt ins Davos X-Trails-Wochenende mit den fünf Läufen vom Samstag als Höhepunkt.
Freitag, 24. Juli 2026
Kids Race: 0,3 bis 1,6 Kilometer – Start ab 16.00 Uhr beim Sportzentrum Davos.
1K Vertical: 6,94 Kilometer, +1080 Meter – Start um 18.15 Uhr beim Sportzentrum Davos.
Samstag, 25. Juli 2026
Diamond: 68.37 km (+/-3309 m) – Start (7.00 Uhr) und Ziel beim Sportzentrum in Davos – auch als 3er-Team.
Gold: 42.93 km (+/-1711 m) – Start (7.00 Uhr) und Ziel beim Sportzentrum Davos.
Silver: 23.76 km (+870.40 m /-524.60 m) – Start (9.40 Uhr) beim Bahnhof in Klosters und Ziel in Davos.
Bronze: 9.27 km (+/-236.90 m) – Start (8.30 Uhr) und Ziel beim Sportzentrum Davos.