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Laufberichte

You’ll never walk alone – der Rodgau Ultra

29.01.11

Die ersten 400 Meter nach dem Start verläuft die Strecke noch weiter durch den winterlich(t)en Laubwald. Dann ist der Waldrand erreicht. Nach einer scharfen Rechtskurve und dem Waldsaum folgend erreichen wir 800 Meter nach dem Start die “Streckenoase”, die gut ausgestattete (einzige) Verpflegungsstelle entlang unseres Parcours. Geboten werden warmer Tee,  heute wohl der “Drink des Tages”, aber auch Cola, Isogetränke und Wasser pur, zu beißen gibt es Bananen, Nüsse, Rosinen, salzige und süße Kekse, Energy-Riegel-Stücke in vielerlei Varianten und Schokolade.

Ab hier geht es durch offenes Gelände. Weit reicht der Blick über die Felder, zur Linken bis zur Skyline Dudenhofens am Horizont. Nach 1,4 km schwenken wir nach rechts auf den Herbert-Klee-Weg ab und tauchen schließlich bei km 1,9 wieder in den Wald ein. Schon von Weitem schallen uns Oldies der 60er und 70er-Jahre entgegen. Strategisch günstig postiert ist der Music Spot bei km 2,5, wo der Kurs nach links auf eine 250 Meter lange Pendelstrecke abzweigt, bei der man Gelegenheit hat, genauer zu sehen, wer gerade vor oder hinter einem läuft und zudem länger als nur für einen Moment in den Musikgenuss kommt.

Bei km 3,1 verlassen wir wieder den Wald. Es folgt ein weiteres Stück durch die Felder, ehe uns bei km 3,7 abermals dichtes Gehölz verschluckt. Vorbei geht es an einem geheimnisvollen, meterhoch und stacheldrahtgekrönt mitten durch den Wald führenden Maschendrahtzaun. Verbirgt sich dahinter ein Hochsicherheitsgefängnis oder gar eine geheime Forschungsanlage, die man derart abschirmen muss? Spekulieren kann man hier viel. Die Realität ist aber banaler: Opel hat hier in der “Pampa” seine vor neugierigen Blicken verborgene Teststrecke angelegt. Von heulenden Motoren ist aber nichts zu hören, uns umgibt allein die Waldesruh.

Ein letzter Schlenker und wir biegen in die Zielgerade ein, die uns bei km 5 wieder zur “Gänsbrüh” bringt, wo Gabi Gründling als Streckensprecherin unermüdlich das Geschehen kommentiert und die Durch- bzw. Einlaufenden begrüßt. Die hier ausharrenden Begleiter/innen der Läufer sorgen so gut es in der Kälte geht für zusätzliche Stimmung.

 

Runde  2, 3, viele ....

 

Wohlgemut und gut aufgewärmt biege ich in meine zweite Runde ein. Im Wesentlichen weiß ich jetzt schon, was mich erwartet und ich achte mehr auf Details der Umgebung. Ich bin flott unterwegs und denke (noch) nicht daran, dass sich das später rächen könnte. Ich genieße die wärmende Sonne in den waldfreien Passagen, das glitzernde Licht, in dem die frostigen Wiesen und vereinzelte Eisflächen erstrahlen, das Licht-Schatten-Spiel, das die Sonne in einigen waldigen Abschnitten zaubert. Meinen Schwung nutzend habe ich mich ein wenig von meinen mitlaufenden  m4y-Kollegen abgesetzt und begegne allründlich zunächst nur Klaus Duwe, der sich mit schwerer Kamera bewaffnet langsam die Strecke in entgegen gesetzter Richtung vorarbeitet und in teilweise geradezu sportlich-abenteuerlicher Körperhaltung die ultimative Rodgau-Ultra-Fotoserie schießt. Besonders beeindruckend: die Position “meditierender Buddha, in der Wiese liegend”.

Nach 47 Minuten sind die ersten 10 km geschafft. Mit anhaltendem Schwung gehe ich die dritte Runde an.

Diese dritte Runde bietet mir in zweierlei Hinsicht ein “Aha”-Erlebnis. Zum einen gelingen mir auf dieser Runde die ersten Überrundungen. Allerdings sind die Überrundeten erst einmal nur ein paar eher walkingorientierte Teilnehmerinnen, was das Erfolgserlebnis doch ein wenig dämpft. Mehr beeindruckt mich da schon, als mich kurz vor Ende der dritten Runde ein Fahrradklingelton an den Wegesrand scheucht und im Gefolge des Radlers leichten und lockeren Schrittes ein menschlicher Blitz an mir vorbei zieht. Es ist die Startnummer 1, der ukrainische Vorjahressieger Evgenii Glyva, der mich auf den Boden meiner beschränkten läuferischen Fähigkeiten zurück holt. Welches Drama sich später an der Spitze abspielen wird, ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Im Laufe der weiteren Runden lerne ich die Strecke in immer weiteren Details kennen. So habe ich schließlich die unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten jedes kleinen Wegstücks verinnerlicht. Am Waldsaum kurz nach dem Start und vor der Verpflegungsstelle etwa ist es besonders zugig und eisig, sodass ich meinen Westenreißverschluss stets bis ganz oben zuziehe und Handschuhe überstreife. Umgekehrt ist die Passage durch die Wiesen nach der Wendepunktstrecke besonders sonnig und vergleichsweise warm, was regelmäßig bedeutet: Reißverschluss auf und Handschuhe runter. Der kleinen Bodenwelle vor dem hohen Zaun, die mir auf den ersten Runden noch gar nicht aufgefallen ist, erwachsen mit steigender Rundenzahl zunehmend Höhenmeter.

Eine weitere interessante Erfahrung ist aber auch: Ich langweile mich in keiner Weise. Auch ohne immer neue Reize von außen, auch ohne Publikum ist das Langstreckenlauferlebnis hier nicht minder intensiv. Das  gleichmäßig über die gesamte Strecke verteilte Läuferfeld mischt sich durch das stetige Überholen und überholt werden immer wieder neu. Fast jeden Läufer sieht man auf diese Weise zumindest einmal, manche auch mehrfach - you`ll never walk alone. Von der m4y-Mannschaft treffe ich unterwegs zunächst Eberhard und Bernie, dann das Dreigespann Daniel, Wolfgang und Markus, dem ich mich ab der sechsten Runde bei nettem Plausch anschließe. Das hilft mir auch, mich von meinen allmählich auftretenden Konditionsproblemen abzulenken. Jetzt rächt sich der schnelle Antritt, aber auch das jahreszeitbedingte Trainingsdefizit muss als Ausrede herhalten. Immer länger und ausgiebiger werden meine Stopps am Verpflegungsposten. Aber dann geht es doch immer wieder weiter .... .

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Informationen: Ultramarathon Rodgau
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