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Laufberichte

Sun, Fun, Schlamm: Der Ultra-Trail du Mont-Blanc (CCC)

27.08.10

Schnell erreichen wir die gemütliche kleine Freiluft-Getränkestation von La Peule (2.071 m üNN) bei km 34,2 km. Wie ein großer Balkon wirkt der holzspangedeckte Platz vor der Schutzhütte; eine Jurte gibt dem Ganzen einen exotischen Touch. Nur noch wenige Sonnenstrahlen dringen hier in die Bergwelt hinein.

Von hier geht es in slalomartigen Kurven steil weiter hinab ins Tal. Blühendes Buschwerk verdrängt die Wiesen. Und ehe wir uns versehen, ist der Talgrund erreicht, durch den die Dranse de Ferret rauscht. Auch dieses Tal nennt sich Val Ferret, nur ist es eben nun das schweizerische.

Ganz ungewohnt ist es zunächst, im Flachen durch das Tal weiter zu laufen. An die 15 km sind es, die ab hier durch relativ wenig profiliertes Gelände führen und wieder einmal „echte“ Lauferei ermöglichen. Auf kleinen Sträßlein passieren wir eine Bilderbuchlandschaft mit saftigen Almen und dunklen Nadelwäldern; am Horizont türmen sich mächtige gletscherführende Berge vor uns auf. Wenig später verschwinden wir in den Bäumen und folgen weichen Waldpfaden.

Die Berge am Horizont rücken näher. Direkt zu ihren Füßen erreiche ich gegen 18 Uhr und nach 40,1 km das malerisch gelegene Dorf La Fouly (1.593 m üNN) und die dort in einem Zelt untergebrachte Versorgungsstation. Erstaunt stelle ich fest, wie viele Läufer sich hier zusammen finden, nachdem die Läuferdichte unterwegs doch schon ziemlich nachgelassen hat. Lange halte ich mich nicht auf, denn ich will versuchen, noch vor Nachteinbruch die nächsten 15 km nach Champex-Lac, dem – abgesehen vom Start- und Zielort - größten Ort entlang der Laufstrecke hinter mich zu bringen. 

 

Weiter nach Champex-Lac

 

Die Tour durch das Val Ferret setzt sich fort, mal auf Asphaltwegen, dann wieder auf winkeligen Pfaden durch die Natur, zeitweise nahe der Dranse de Ferret. Die mal in in leichtem Auf, aber vor allem hinab führenden Wege sind zumeist gut zu belaufen. Kurz halte ich gedanklich inne, als ich in etwa die Marathondistanz erreiche und feststellen muss, dass ich auf dieser Distanz hier und heute mit gut acht Stunden meinen absoluten Langsamkeitsrekord aufgestellt hätte. 

Die Wolken verdichten sich und verhüllen zusehends die Berggipfel; auch fängt es wieder an zu regnen, was beim Laufen aber nicht weiter stört. Hübsche kleine Dörfer am Weg sorgen für optische Abwechslung, etwa Praz de Fort mit seinen im Ortskern dicht an dicht gebauten alten Holzhäusern oder Issert, wo ein großer Felsbrocken in die Ortsbebauung integriert ist.

Mit Issert (1.055 m üNN) nach 50,1 km haben wir auch den tiefsten Punkt der Strecke zwischen dem Col de Ferret und dem nächsten Berg, dem Bovine, erreicht. Zudem bedeutet Issert das Ende des entspannten Dahinlaufens. 420 HM und 4,6 km sind von hier noch nach Champex- Lac zu überwinden. Gleich hinter Issert steigt der Weg an und schlängelt sich  schließlich als morastiger Trail durch den zusehends düster werdenen Wald. Wirklich technisch anspruchsvoll oder steil ist der Weg zwar nicht, für mich jedoch im Nachhinein die wohl härteste Prüfung während des Laufs. Ich fühle mich ausgelaugt, kraflos und komme nur mit Mühen weiter voran.

Als ich endlich gegen 20.30 Uhr nach 54,7 km Champex-Lac (1.477 m üNN) erreiche, ist es nach der Ruhe und Kühle draußen für mich fast wie ein Schock, als ich das riesige Versorgungszelt betrete und mir unvermittelt eine Dampf- und Lärmwolke entgegen schlägt, die nicht nur meine Brille vernebelt. Hunderte Läufer drängen sich hier wie die Ölsardinen und wuseln geschäftig herum. Vor dem Buffet wartet eine lange Schlange und die Helfer können gar nicht so schnell nachlegen, wie die Platten wieder abgeräumt sind. Auch an den Tischen herrscht Durcheinander, was dadurch verstärkt wird, dass ein Großteil der Läufer den Stop zum Kleiderwechsel nutzt.

Als ich es endlich geschafft habe, Suppe, Nudeln mit Soße, etwas zu trinken und einen Sitzplatz zu organisieren, bin ich zunächst einmal zu gar nichts mehr fähig und bekomme keinen Bissen herunter. Ich frage mich unwillkürlich, wie ich von hier noch weiterkommen soll. Aber manchmal ist Nichtstun einfach das Beste. Und so kehren ganz allmählich die Lebensgeister und der Tatendrang wieder zurück. Eine Dreiviertelstunde nehme ich mir als Auszeit  und diese Zeit ist gut investiert. Bevor ich aufbreche, entscheide auch ich mich dafür, für die anstehende Nacht kleidermäßig von „kurz“ auf „lang“ und etwas Wärmeres umzusteigen. Eine weise Entscheidung. Der letzte Handgriff gilt einem Utensil, ohne dem ansonsten ab hier gar nichts mehr liefe: Der Stirnlampe.   

 

Informationen: Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB)
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