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Laufberichte

Sun, Fun, Schlamm: Der Ultra-Trail du Mont-Blanc (CCC)

27.08.10

Hoch über dem noch tief unter uns verlaufenden Talgrund des Val Ferret folgen wir dessen weiteren Verlauf auf der - vom Bodenrelief betrachtet - “sanften” Talseite, stets im Blick die ungezähmten, schroffen, schnee- und eisbedeckten Gipfel der “wilden” jenseitigen Talseite. Im stetigen leichten Auf und Ab führt der Höhenweg über einige Kilometer durch das offene Gelände. Wir passieren verlassene und verfallene kleine Gehöfte und queren Wildbäche. Schließlich mündet der Weg in einen sich in Serpentinen durch dichtes Buschwerk steil nach unten windenden Pfad. Schnell rückt der Talgrund näher.

Zu meiner Überraschung erwartet uns hier ein großer Empfang. Zahlreiche Zuschauer bevölkern den Auslauf des Pfades im Tal und begleiten uns heftig applaudierend auf unseren letzten Metern nach Arnuva. In Arnuva (1.769 m üNN) ist nach 26,2 km für uns die erste große Versorgungsstation in einem geräumigen Zelt eingerichtet. Und ich staune nicht schlecht, als ich die üppige, in Buffetform angerichtete Verpflegung sehe: Da gibt es Bresaola mit diversen Käsesorten und frischem Baguette - wir sind eben in Italien! - , Obst in frischer und getrockneter Form, Energieriegelstücke in zahlreichen Varianten, Schokolade, heiße Nudelsuppe, Salzgebäck; zu trinken stehen Isogetränke, Cola, Tee und natürlich Wasser, das man sich aus großen Kanistern auch in seine Trinkflaschen nachfüllen kann, zur Auswahl. Da hätte nur noch ein kräftiger Landwein gefehlt.

In Arnuva ist erstmals an der Strecke eine Grenzzeit einzuhalten, also eine Uhrzeit, zu der man spätestens den Weiterlauf angetreten haben muss, um nicht aus dem Rennen genommen zu werden. 17 Uhr ist dies in Arnuva. Als ich mich frisch gestärkt um 15.20 Uhr aufmache, den nächsten Berg in Angriff zu nehmen, habe ich da aber noch genug Spielraum.

 

Über den Grand Col Ferret

 

770 Hm sind auf den nächsten 4,5 km zu überwinden. Und das merkt man sogleich: Zwischen großen Felsbrocken schlängelt sich der Pfad durch das Gelände den steilen Hang empor. Fantastisch ist die Aussicht ins Val Ferret. Wenn ich zurück blicke, sehe ich die durch das Tal strömende Doire du Val Ferret im Gegenlicht gleißen, in der Gegenrichtung verliert sich der weitere Verlauf des Tals in der unzugänglichen Bergwelt.

Mehr und mehr entfernen wir uns jedoch durch ein Seitental vom Val Ferret. Wieder führt uns unser Pfad durch üppig begrüntes Wiesengelände. Spannend ist der Blick auf die hinter dem einsam gelegenen Refuge Elena (2.062 m üNN) nach 28,6 km aus den Bergen hinunter spitzenden Gletscherzungen, denen ein laut rauschender Wildbach entspringt. Je weiter wir in die Höhe vordringen, desto imposanter wird der Blick auf den Gletscher. Auch weitet sich zusehends der Horizont und eröffnet wie am Tête de la Tronche ein berauschendes, sonnendurchflutetes Bergpanorama. 

Eher unspektakuär taucht der Grand Col Ferret (2.537 m üNN) auf, den ich gegen 16.40 Uhr nach 30,7 km erreiche. In gelben Outdoorkuppelzelten ist auf der Passhöhe eine Sanitätsstation eingerichtet. Der zweite Kulminationspunkt der Strecke ist geschafft, 2.400 Höhenmeter habe ich damit hinter mich gebracht. Das sind deutlich mehr als z.B. beim Jungfrau- oder Zermatt-Marathon auf der Marathonsdistanz zu bewältigen sind. Auf dem Grat verläuft die Grenze zwischen Italien und der Schweiz.

Ein schier endloser Grasteppich bedeckt die weiten Berghänge jenseits des Grand Col Ferret. Auf schottrigen, mal mehr, mal weniger stark abfallenden Pfaden durchmessen wir flotten Schrittes die Bergeinsamkeit. Wundervoll ist auch hier der Blick auf die im warmen Licht der Nachmittagssonne in vielerlei Grüntönen kontrastreich erstrahlenden Hänge.

 

Informationen: Ultra Trail du Mont Blanc (UTMB)
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