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Laufberichte

Hundert Kilometer um Ulm herum

12.06.09

Morgengrau(s)en

In Richtung Osten kann ich schon erste Erhellungen am Himmel bemerken. Aber da muss ich schon genau hinschauen. Erstes Morgengrauen? Oder Morgengrausen? Es ist jetzt 04.10 Uhr. Wie wenn ein Schalter umgelegt wird, fangen die ersten Vogel zu singen an. Und das geht rasend schnell. Immer mehr Vogelgezwitscher stellt sich ein. Ein richtiges Morgenkonzert. Es soll ja Leute geben, die das überhaupt in der Frühe nicht abkönnen. Ich würde mir wünschen, gut eingepackt auf einer Bank dem Konzert zu lauschen. Aber die Realität ist grausam. Weiter.

Wir überlaufen dann die Donau auf der Adenauerbrücke. Der Radweg parallel zu den Bundesstrassen 10 und 28 gehört uns. Und dann sind wir nach wenigen Metern im Roxy, das ein Teil der Oberen Donaubastion ist. Und die gehört zur Bundesfestung Ulm. Diese Festung wurde durch den Bund im Jahr 1859 fertig gestellt. Mit einer Hauptumwallung von neun Kilometern hatte Ulm die größte Befestigung des 19. Jahrhunderts.

Kilometer 50 ist hier geschafft, Halbzeit. Die Staffeln können hier wieder wechseln. Manfred Ahrendts, Läufer aus Herbrechtingen, kommt relativ zeitgleich mit mir an. Ich verpflege abermals, was ich greifen kann und laufe weiter.

Es geht nun an der Stadtmauerpromenade entlang. Den Kurs kenne ich noch vom Ulmer Marathon. Hier irgendwo war damals die Trennung der Halbmarathonis und der Marathonis. Wenn man hier links abbiegen würde, wäre man in Kürze in der Altstadt.

Bei meinem Nachdenken schimpft eine Wildente, die neben unserer Laufstrecke sitzt. Wahrscheinlich ist ihr zu viel los hier. Nach etwa zwei Kilometer wechseln wir auf das Südufer der Donau. Radwegweiser zeigen nach Neu-Ulm, Offenhausen, Pfuhl und Burlafingen. Das Läuferfeld hat sich nun weit auseinandergezogen. Nur hin und wieder kommt ein Staffelmensch von hinten heran. „Morning has broken“, das Lied von Cat Stevens, summe ich vor mir hin.

"Here Comes The Sun" in Oberelchingen

Auf Höhe Thalfingen wechseln wir wieder die Donauseite. Es geht etwa zwei Kilometer auf dem Donaudamm dahin. Dann verlassen wir den Fluss nach links auf einem Radweg. Als ich aus dem Wald herauskomme, sehe ich oben auf der Anhöhe bereits die Klosterkirche Oberelchingen. Und da müssen wir hoch. Heilandzack, würde der Schwabe bei dem Anblick sagen.

Ich nähere mir Elchingen und da ist die markante Bahnüberquerung. Beim Briefing wurde vorgewarnt: „Irgendeinen wird’s erwischen mit geschlossener Schranke.“ Ich habe jedoch Glück, die Sperre ist offen. Ich laufe drüber und dann auf dem Radweg Richtung Unterelchingen.

Dort kommt dann das kurze Pendelstück, das eigentlich keines ist, denn auf einer Parallelstraße, getrennt durch eine Buschreihe, geht es zurück. Ansteigend, das kann man aber noch laufen.

Und dann nach der folgenden Rechtskurve stehe ich wie der Ochs vorm Berg. Laufen unmöglich. Vielleicht 20 Prozent Steigung. Dann geht es wieder ein wenig moderater. Aber nach der nächsten Rechtskurve noch mal das Gleiche. Ich fluche schon innerlich. Das Spiel wird dann noch auf die Spitze getrieben. Beim anschließenden Spielplatz geht es in Serpentinen hoch. Verdammt.

Es wird schwer (Kilometer 65 - 80)

Nach den fünf, sechs Kurven sind wir oben. Nun führt ein Trampelpfad Richtung Klosterkirche. Und wir Trampel trampeln drauf. Ideal uneben, gut zum Fußvertreten, also langsam. Und dann durchlaufen wir den Friedhof und sind anschließend zur Absolution unserer Flüche auf dem letzten Stück bei der Klosterkirche.

Die Klosterkirche wurde 1142 als romanische Basilika errichtet. Das Kloster wurde Anfang des 12. Jahrhunderts vermutlich durch die Grafen von Dillingen gegründet. Aufgrund der Säkularisation wurde die Klosteranlage fast zur Gänze 1840 abgebrochen. Lediglich die Kirche und das Westtor (Martinstor) blieben erhalten. Das sehe ich dann linkerhand, als ich nach meinem Frühstück weiterlaufe. Kilometer 65, es ist trotzdem noch ein weiter Weg.

 
 

Informationen: Ulmer Laufnacht
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