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Laufberichte

Trail du Pays Welche: Il o fô, il o fô

12.07.09
Autor: Joe Kelbel

Tatsächlich gibt es in Frankreich  eine hohe Trail-Laufkultur (Raid), und die Raider gehören zu den fittesten der Welt. Deshalb traten bei der letzjährigen Premiere des Trails du Pays Welche  auch schon über 200 Läufer an.

Christian wird am 5 -tägigen Marathon des Oasis in Tunesien im November teilnehmen, den unser Stefan Schlett organisiert. Er stellt mir noch einen Verrückten vor: den bärtigen Michael, der letztes Jahr nach Peking zur Olympiade mit dem Fahrrad gefahren ist. Fünf Monate hatte er gebraucht! Il o fô, il o fô,

Zwischen den ganzen Verückten fühle ich mich wohl. Wir stehen unter einem Durchgang und schauen nach unten auf den Platz, da fällt der Startschuß und alle, ja was machen die? Die drehen sich um und laufen nach oben! Klar! Ist ja ein Extremtrail  hier!  500 Meter durch die Stadt und dann steil nach oben! 22 Minuten brauchen wir für die ersten 2 Kilometer! Wir sind schweissgebadet. Da es am Start regnerisch-kalt war, stopfe ich nun die Klamotten in den Rucksack.

Ja, Rucksack muss sein! Es gibt nur 4 Wasserstationen, sowie 2 Verpflegungsstationen, somit ist dies ein Traillauf mit Halbversorgung. Vorgeschrieben ist ein ärztliches Attest, ein Liter Wasser für unterwegs, eine Pfeife für den Notfall und eine Rettungsdecke. Ohne Rucksack geht´s also nicht. Der Wasserschlauch in meinem Rucksack ist undicht. 2 Liter Wasser tränken die Kleider. Merde! 2 Kilo, die ich ab sofort mehr tragen muss, und nichts zu trinken!Die erste Wasserstation übersehe ich, es war auch nur eine Viehtränke.

Der Trail ist absolut hammerhart. In Orbey  starteten wir auf 500 Meter ü.M. Dann geht es 2 Stunden lang nur bergauf an den „Wackelden Steinen“ vorbei, die die Gletscher auf dem Le Rain des Chenes in 935 Metern Höhe hinterließen. Am Lignekopf (Schlachtfeld) vorbei über den  Col du Wettstein, 300 Meter abwärts, um dann in mehreren steilen Anstiegen und Abstiegen bis auf fast 1300 Höhenmetern, zum Rocher Hans (Hans-Felsen) anzusteigen.

Hier, ab km 25 ist die höchste Stelle erreicht, von hier aus geht es unter Mitnahme von mindestens 5 Gipfeln zurück nach Orbey, laut Veranstalterseite 2200 Höhenmeter, die auch wieder abgestiegen werden müssen. Die Laufstrecke hat alles zu bieten: Wurzeln, Gestrüpp, Felsen und viele Steine, Steine, Steine, Steine, Wiesen, knöcheltiefen Matsch und Kuhfladen. Nur eines hat sie nicht: man kann nicht laufen! Zu steil ansteigend, zu felsig, zu matschig, zu steil abfallend und  immer wieder diese Steine! Und die schmerzen!

Nach 2 Stunden habe ich exakt 12 Kilometer hinter mir. Auf der Westseite des Vogesenkammes verläuft kurz unterhalb der Gipfel die Route des Crêtes (Gratstraße), eine Militärstraße, die von der Französischen Armee als Versorgungsstraße zur Sicherung des gerade eroberten Terrains gegen die von Osten anrückenden Deutschen gebaut wurde. Anders als die meisten anderen Straßen verbindet sie keine Orte untereinander. Sie zählt heute zu den schönsten Motorradstrecken der Welt.  Im Winter wird die Route des Crêtes nicht vom Schnee geräumt und als Skipiste genutzt . In fünf Tagen führt die Tour de France hier  vorbei, über den Col de la Schlucht, kreuzt die Gratstraße und führt weiter nach Munster.

Irgendwo in den alpinen Wiesen steht jemand und macht uns aufmerksam, daß es jetzt hart wird. Steine! Viele gefährliche Steine! Hätt ich jetzt aber nicht gedacht! Ich repariere den Wasserschlauch. Es gibt eine Wasserstation. Ich bin gerettet, denn ohne Wasservorrat schafft man es wirklich nicht. Endlich kann ich den grandiosen Ausblick genießen: die saftigen Wiesen, Enzian und Orchideen, der Blick zu den schneebedeckten Berner Alpen, das lustige Läuten der Kuhglocken, es ist herrlich.

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Informationen: Trail du Pays Welche
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