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Laufberichte

Von Meran nach Bozen

03.10.10
Autor: Klaus Duwe

Nach der Brücke, die uns über die Etsch bringt, sehen wir rechts auf der Höhe über den Rebhängen Marling mit der Pfarrkirche und an der Straße erstaunlich viele Zuschauer. Die Berge sind leider in Wolken und das Licht noch immer zu schlecht für einigermaßen gute Fotos. Also lasse ich das Gerät zunächst meist stecken und schaue, dass ich vorwärts komme.

Die Etsch (ital. Adige), namensgebender Fluss des Tales, ist mit 415 km der zweitlängste Fluss in Italien. Die Quelle liegt oben am Reschenpass, bei Meran fließt die Passer dazu in der Nähe von Bozen der Eisack. Zusammen mit den Mündungsarmen des Po mündet sie in die Adria.

Die Strecke führt zumeist leicht abwärts und steigt erst bei Lana etwas an. Insgesamt kommen 439  m Anstieg zusammen, 512 m läuft man abwärts. Beides spürt man kaum. In der Ebene werden Äpfel angebaut, an den Hängen Wein, auf den Bergen sieht man unzählige Schlösser und Burgen, Kirchen und Kapellen.

In Südtirol werden jährlich fast 1 Mio. Tonnen Äpfel geerntet. Das sind 12 % der europäischen und 50 % der italienischen Produktion. Die Hälfte geht in den Export und davon 2/3 alleine nach Deutschland. Die beliebtesten Sorten sind Janagold, Idared, Golden Delicius und Gloster. Äpfel sind seit Jahrtausenden ein wertvolles Nahrungsmittel und reich an Mineralstoffen und Vitaminen.  So gesehen meinen es die Veranstalter heute gut mit uns, denn an fast jeder Verpflegungsstelle liegen Apfelstücke bereit. Manche sagen, zu gut. Denn zu Essen gibt es sonst fast nichts. Jetzt kann ich endlich meine Taschen leeren, denn bei den letzten vier Marathons blieb die mitgeführte eiserne Riegel-Ration wegen ausreichender Versorgung unangetastet. 

Wir kommen nach Lana (km 10), eine Gemeinde mit über 11.000 Einwohnern. Es dauert lange, bis wir den sich in die Länge ziehenden Ort hinter uns lassen. Das ist aber nicht schlimm, denn es gibt sehr schöne alte Häuser zu sehen und auch die Bewohner verstecken sich nicht. Wieder reibe ich mir verwundert die Augen und will nicht glauben, wie viele Leute die Straße säumen. Wenn da jetzt noch irgendwo eine Blasmusik spielen würde …

Wir wechseln über die MeBo-Brücke die Flussseite und kommen nach Burgstall. Die Straße ist übrigens vollkommen verkehrsfrei gehalten, es gibt überhaupt keine Probleme und nicht ein einziges Mal hört man eine Protest-Hupe. Es ist ein wunderbares entspanntes Laufen in einer herrlichen Landschaft, von der man heute allerdings viel zu wenig sieht.

Ich bin ganz gut unterwegs und will versuchen, beim Start es Halbmarathons in Terlan zu sein. Dazu müsste ich allerdings eine Zeit hinlegen, wie ich sie dieses Jahr noch nicht gelaufen bin. Weil die Fotostopps aber nicht so häufig sind wie sonst, sehe ich eine Chance.

Die Gelegenheit, in Gargazon (km 16) zwei junge Mädels vor der über hundertjährigen Herz-Jesu-Pfarrkirche abzulichten, lasse ich mir dann aber doch nicht entgehen. Weiter geht’s - rote Äpfel links, grüne Äpfel rechts, dann wieder umgekehrt - nach Vilpian (km 20) und schließlich nach Terlan.

Genau im richtigen Moment sprinten die „Halben“ von rechts auf die alte Staatsstraße und teilen sich von jetzt an die Strecke mit den teilweise schon recht müden Marathonis, die sich auf die linke Fahrbahnseite retten. Jetzt geht so richtig die Post ab. Das große Läuferfeld erreicht den Ort, der ausnahmsweise mehr durch den Wein- als durch den Obstanbau bekannt ist. Auch Spargel ist eine Terlaner Spezialität.

Die Stimmung ist großartig, die vielen Zuschauer feuern die Läuferinnen und Läufer lautstark an. Vor uns die Pfarrkirche aus dem 14. Jahrhundert , zusammen mit der Burgruine Maultasch aus dem 13. Jahrhundert Wahrzeichen des Ortes. Jetzt könnte ich die Schwaben ärgern und behaupten, von hier kämen die Maultaschen. Ich will aber bei der Wahrheit bleiben -  der Name kommt von Margarete von Tirol, die man auch „Maultasch“ nannte. So bezeichnete man damals „Huren und liederliche Weiber“.

Auf dem Dorfplatz herrscht Volksfeststimmung, die eine Rockband kräftig anheizt. Als ich meine Fotosession beende, sind die Schnellen durch und ich kann meinen Lauf entspannt fortsetzen.

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Informationen: Südtirol-Marathon
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