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Laufberichte

Herz ist Trumpf

 

Durch Wald ...

 

Am Freibad vorbei drehen wir eine Schleife in der Kleingartensiedlung an der Hellwiese, wo wir bereits den zweiten Kilometer geschafft haben. Übrigens sind die ersten fünf und dann jeder fünfte Kilometer markiert, was vollkommen reicht. Ein gleichmäßiges Tempo kann man wegen der Profilierung des Geländes eh vergessen. Die Schleife endet wieder am Großen Teich.

Eine 700 Meter lange Steigung müssen wir im Stadtwald hoch, die lässt sich aber gut belaufen. Beim Bismarckturm (37 Meter hoch) erreichen wir den höchsten Punkt der Strecke. „Turm der Jugend“ hieß das Bauwerk zu Zeiten der DDR. An einer Kreuzung mitten im Wald werden wir durch einen Moderator und mit Musik weitergetrieben. Zwei, drei Zuschauer und ein Hund beobachten die Szenerie.

 

 

Wir Marathonis haben nun ein schönes Geläuf (gute Waldwege), keine Steigungen und alles sehr gefällig. Die Läufer erzählen sich die neuesten Geschichten und die Vögerl pfeifen. Derweil passieren wir die Skatbank-Arena und das Klinikum, das mit einer zahlreichen Mannschaft angetreten ist, und können nach dem Überqueren der Zwickauer Straße kurz nach dem fünften Kilometer zum ersten Mal verpflegen. Auf meine Frage nach einem Bier meint ein Helfer nur: „Das gibt’s im Ziel“.  Aber Henny hat am Ende des Biertisches schon eines erspäht. Ich nehme ihr den Becher ab und bekomme gleich einen Anschiss, denn  sie will das Bier für sich. Die Speisekarte lässt keine Wünsche übrig: Wasser, Cola, Melonen, Äpfel, Orangen, Bananen, Waffeln, Kekse und dunkles Altenburger. Nach einem kurzen Verpflegungsstopp traben wir zusammen mit Dr. Helmut (so steht es auf der Startnummer) wieder an. Leider wird der  Mathematikprofessor  nicht finishen können, ein Sturz auf rutschigem Pflaster bedeutet für ihn das Aus.

Wir laufen kurz über eine Rasenfläche, dann geht es am Waldrand entlang, ein wenig ansteigend. Und dann werden wir Zeuge einer verrückten Wette. Thomas Kirstein will im Marathonfeld eine Runde rückwärts laufen. Sein Weg wird noch lange dauern. Jetzt hat er seine liebe Mühe, auf den grasigen, holprigen Feldweg einigermaßen vorwärts zu kommen. Das folgende Schild dokumentiert dies auch. „Altenburg ist kein Marathon light!“

 

... und Flur

 

Tommy wird heilfroh sein, als wir auf einem asphaltierten Feldweg einbiegen. Der bringt uns zur Ortsumgehung Altenburgs, die Blicke ins Umland werden weit. Das Marathonfeld hat sich mittlerweile ziemlich auseinandergezogen. Der Faschingsverein Altenburg betreibt eine Verpflegungsstelle. Noch einmal ein Kommentar von mir dazu: Hier wird keiner verdursten und verhungern, denn alle drei Kilometer kann man nachladen.

 

 

Die Tendenz bleibt entlang der Umgehung und dann Richtung Münsa bis zur Bahnüberführung gefällig. Trotzdem, dieses Stück sollte man nicht unbedingt hinunterbrettern, sondern seine Kräfte einteilen. An den Feldrändern blühen schon die ersten Sommerblumen. Kilometer 10, wieder eine Bunkerstelle, jetzt auch mit Schokolade, Gurken, Aprikosen und dunklem Hopfengetränk. Fans haben Sprüche und Startnummern auf den Boden gemalt. Das Erholungsstück endet, wir nähern uns wieder bebautem Gebiet. Der Autor hat nun Zeit, seine wuchsfreie Zone am Haupt gärtnerisch aufzupäppeln. Ich stecke mit ein paar Blumen hinters Stirnband.

Auf dem Wilchwitzer Weg steigt der Kurs an. Ein Vertreter der Honda Zunft hat in der Unterführung der Umgehung seine Karre abgestellt und lässt uns wissen, wie laut seine Anlage plärren kann. Über den Falkenplatz biegen wir in den Zick-Zack-Weg ein, der wirklich so heißt und der alle 25 Meter seine Richtung ändert.

 

Poschwitz

 

Die nächste Hammersteigung kommt dann zur Kleingartenanlage Poschwitzer Höhe. Witzige Sprüche lesen wir an der Seite wie: „Dir tut nichts weh. Dann bist du zu langsam!“ Oder: „Alle denken immer nur an sich, nur ich denke an mich!“ Am Ende der Steigung haben sich THWler postiert, falls einer mit heißem Motor liegenbleibt und dann Wasser für die Kühlung braucht.

 

 

Eine kurze Begegnungsstrecke führt uns in den Poschwitzer Park, eine Idylle mit Wasser, Wald und weichem Waldboden. Die Parkrunde dauert keinen Kilometer, dann laufen wir am Altenburger Kraftfutterwerk vorbei und gelangen dann wieder zur Begegnungsstrecke mit den hinter mir Laufenden auf der anderen Seite. Beim kurzen Wendepunkt (keine 100 Meter) können wir wieder verpflegen. Die Stimmung dort, wo auch ein Flüchtling hilft, ist grandios. Aber nicht nur dort, sondern alle Helfer muss ich über den Schellnkönig loben. So sagt man bei uns, wenn jemand seinen Job ausgezeichnet macht. Über die Mozartstraße erreichen wir die Beethovenstraße, wo am Ende die Spielkartenfabrik steht.

ASS Altenburger heißt das Spielkartenunternehmen heute, das 2009 das 500jährige Jubiläum der Altenburger Spielkarten feierte. ASS bedeutet Altenburger und Stralsunder Spielkartenfabrik. Das Unternehmen gehört heute den belgischen Cartamundi Konzern. Auf der Leipziger Straße geht es wieder ins Zentrum. Noch vier Kilometer, dann hat Henny ihr Werk getan und ich darf oder muss in die zweite Runde.

 

Auf und nieder im Zentrum

 

Wir blicken nach links zum Lindenau-Museum hoch. Dieses beherbergt Sammlungen des Gelehrten Bernhard August von Lindenau (1779 bis 1854). Ausgestellt sind rund 180 italienische Tafelbilder, Gipsabdrücke von Meisterwerken der griechisch-römischen Antike und Werke der europäischen Malerei des 16. bis 20. Jahrhunderts. Und dann wird es bluternst, denn 500 Meter lang müssen wir uns Höhenmeter um Höhenmeter erkämpfen, bis wir zum Teehaus im Schlosspark gelangen. Beiderseits des Anstieges haben fleißige Helfer die gestern verfassten  Tafeln in den Boden gesteckt. Es geht im Schritttempo voran, sodass man alle Bilder lesen kann und auch das unsrige gleich entdecken. Perfekt, wenn dann noch ein Zuschauer meine Kamera für ein gemeinsames Bild bedienen kann.

 

 

Eine Sambatruppe, mehrere Transparente, einige Cheerleadergruppen und eine Tankstelle vervollständigen das ganze Aufgebot vor dem Teehaus, das 1712 erbaut wurde. Der Park wurde Ende des 16. Jahrhunderts angelegt. Noch steiler hinunter als bergauf geht es die Jungfern- und Berggasse. „Schlechte Wegstrecke“ werden wir mit einem Schild gewarnt. Und zu Recht, denn das nasse Kopfsteinpflaster erfordert „högschte Konzentration“ (Jogi-Deutsch). Wer nicht mehr kann, soll links abbiegen, denn bei Steffi und Veronika wartet ein weiches Sofa. Zum Ziel geht es allerdings straight on! Am Ende des Gefälles braucht Henny einen Schluck Sekt, der wird da von einer privaten Tankstelle ausgeschenkt. Ich bleibe lieber beim Altenburger.

Wir haben über ein kurzes Stück die Wallstraße für uns allein und dann kommt nach dem Theaterplatz ein spektakulärer Anstieg auf der Schlossauffahrt bis zum Triumphbogen. Am Torhaus will die Henny noch an den Rosen schnuppern. Wir umrunden das Schloss. Steil, zum Teil über Stufen, geht es zum Theaterplatz wieder hinunter, wir überqueren die Straße und dann weist uns eine Helferin in ein schmalstes Gässchen hinein, wo man nur hintereinander laufen kann.

Auf der Pauritzer Straße, wieder halbhoch, sehen wir das Schloss in seiner ganzen  Größe. Wahnsinn, diese  Streckenführung. Von der Marktgasse geht es direkt zum Markt hoch. Den Moderator konnten wir schon eine Zeitlang hören. Bergauf verabschiedet sich meine Holde in den Zielkanal und ich darf nach einem dicken Schmatzer auf die Backe in die zweite Runde.

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Informationen: Skatstadtmarathon Altenburg
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