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Laufberichte

Durch’s Calenberger Land

23.11.13

Königin Marie war maßgeblich an der Planung des von 1819 bis 1878 erbauten Schlosses beteiligt. Schon damals ließ sie in den großen Rittersaal eine Fußbodenheizung einbauen und die Schlossküche erhielt fließend warmes und kaltes Wasser. Bei einer Besichtigung des Museums und der prunkvollen Räume kann man sich das und viele andere interessanten Details ansehen.

Neben den alten Gemäuern, Zinnen und Türmen bestaunen wir die Turmuhr und eigenartige Figuren, die als Radabweiser dienten. Radabweiser wurden im 19. Jh. an bestimmten Häuserecken, damit die schweren Kutschenräder  und Fuhrwerke das Haus nicht beschädigen. Ein Radabweiser hier erinnert an die Sage der Zwerge im Marienberg und zeigt deren König mit einem Goldschatz in der Hand.

Habt Ihr Lust auf die Geschichte? Ein Musikant aus Elze musste einst bei einer Hochzeit zum Tanz aufspielen. Anschließend wankte er betrunken heimwärts. Am Fuß des Marienbergs fiel er in ein Gebüsch und schlief ein. Ein wundersamer Gesang aus einer Höhle weckte ihn. Als er den Marienberg durch die Höhle betrat, kam er in einen großen Saal, der vor lauter Gold und Silber glänzte. Zwerge sangen und tanzten. Der König der Zwerge bat ihn, den Zwergen zum Tanz aufzuspielen. Sofort griff der Musiker nach seiner Geige und die Zwerge tanzten und tanzten.

Als Dank steckte der Zwergenkönig dem Musiker ein Geschenk in die Tasche und sagte: „Fasse nicht eher in die Tasche, als bis du bei deiner Familie angekommen bist. Dann wirst du ein reicher Mann.“ Auf dem Heimweg merkte der Musikant, dass seine Tasche schwer und schwerer wurde. Aber er bezwang seine Neugier und griff nicht hinein. Als er am Stadttor von Elze angekommen war, pöbelte er den Torwächter an: „Mit meck kannste deck doch nich mäten. Eck kann jetzt ganz Elze köpen.“ Als der Torwächter ihn auslachte, griff der Musikant in seine Tasche, um seinen Goldschatz zu zeigen. Aber statt Gold hielt er nur ein paar Pferdeäpfel in der Hand.

Wolfgang Schwabe, Ex-M4Y-Hero und Ex-M4Y-Reporter lässt es sich an seinem Geburtstag nicht nehmen, als Gast hier viele Freunde und Bekannte zu begrüßen.  Nach einem Schwätzchen geht es auf der anderen Seite aus dem Schlosshof raus und durch die die Überreste der mittelalterlichen Wallanlagen in den Wald. Vom romantischen Schlosspark um die Burg, auf dem viele Wander- und Spazierwege angelegt sind, sehen wir wenig, denn wir tauchen gleich in den Wald ein.

Gut bewacht von einer Reiterstaffel des Roten Kreuzes laufen wir am Schulenburger Berg vorbei und bei km7 um den Adenser Berg, die zum Landschaftsschutzgebiet Calenberger Leinetal gehören. Unterwegs bekommen wir zur Kontrolle eine Markierung auf unsere Startnummer. Die Kontrolleure sind mir einer Kiste Bier versorgt und auf Anfrage bekomme ich davon was ab. Einen Kilometer weiter kommt zum Erholen eine kurze Abwärtsstrecke mit Blicken ins verregnete und leicht nebelige Hallertal und das Calenberger Land.

Hinterm Km-Schild 9 überqueren wir wieder die B3 und kommen nach einem weiteren Kilometer zurück nach Adensen. An der Sporthalle haben wir das erste Viertel des Marathons geschafft. Die Staffelläufer haben hier ihren 1. Wechsel.

Für uns beginnt nun die Westschleife, die genauso lang ,jedoch mit viel weniger Höhenmetern bestückt ist. Am ganz westlichen Ortsrand über den Pussenweg verlassen wir Adensen. „Jetzt umkehren wäre blöd“ steht auf einem Transparent. Stimmt.

Im Ort überragt die St. Dionysiuskirche die Häuser. Sie wurde nach Dionysius dem ersten Bischof von Paris im 3. Jh. benannt. Einer Heiligenlegende nach wurde ihm das Haupt abgeschlagen. „Kopflos“ sei vom Montmartre bis nach Saint-Denis gelaufen, wo er begraben werden wollte.

Wir folgen dem Pussenweg bis zu km 13. Die nächsten 7km führen uns über Felder und Wiesen und nur ein paar Waldstücke. So richtig zum Genießen  wäre dieser Streckenabschnitt, wäre da nicht der ekelige Nieselregen, der die Wege manchmal ziemlich matschig und rutschig macht. Wer Natur erleben will, ist hier genau richtig. Graugänse kann man sehen, die sich nicht dem Flug gen Süden angeschlossen haben. Infolge der immer milderen Winter und der intensivierten Landwirtschaft finden sie das ganze Jahr über  genügend Nahrung. In der Ferne sehe ich Rotwild, das auf den Feldern unterwegs ist. Wir sind im Hallerburger Holz, einem Naturschutzgebiet mit der feuchten Senke des Zigeunerwäldchens. Der Name erinnert daran, dass man in früheren Jahrhunderten Sinti und Roma nicht  nach Eldagsen ließ und sich die Menschen dann notgedrungen hier im Wald niederließen.

Südlich von Gersdorf haben wir wieder ausgedehnte Felder und Grünland und mittendrin die nächste  Versorgungsstation. Das Landschaftsbild ändert sich auch die nächsten Kilometer nicht. Wir folgen nun dem kleinen Flüsschen Haller bis nach Hallerburg, das wir bei Km 20 erreichen. Hallerburg und Adensen bilden eine Dorfgemeinschaft. Der Fernwanderweg Calenberger Weg führt durch die Orte. Ursprünglich wies die Endung Burg  auf Sümpfe bzw. feuchte Wiesen hin. Sumpfig sind die Ufer der Haller auch heute noch.

Am Ende von Hallerburg beginnt Adensen und schon ist die erste Runde rum und 21,1km gelaufen. Die Staffeln wechseln, die Halbmarathonis sind im Ziel und die Marathonis begeben auf die 2. Runde.

Ein Zwei-Runden-Lauf ist niemals langweilig, weil man auch als langsamer Läufer nicht alles erfassen und aufnehmen kann und deshalb auf der zweiten Runde immer wieder Neues entdeckt.  Es geht wieder in den Wald, wo die Wege noch rutschiger sind und jedem Trailer einen Jubelschrei entlocken würden. Nicht ganz so den Marathonis,  denn im Nu landen Helmut und Peter  im Matsch. Passiert ist nichts.

Wieder geht es rauf zur Burg. Gefühlt führen die Serpentinen jetzt noch höher und sind noch steiler. Im Schloss wurden letztes Jahr 26 folgen der Fernsehserie In Your Dreams - Sommer deines Lebens, gedreht. Auch einem Märchenfilm nach den Gebrüder Grimm sowie einer Dokumentation über Münchhausen diente das Schloss als Kulisse.

Am Waldrand gibt es wieder Kontrollstriche auf die Startnummer und für mich ein Bier. Weiter geht’s, runter und raus aus dem Wald, über die B3 und zurück zum Start/Zielbereich. Jetzt noch 10,55km.  Es geht am Ortsende wieder ins Feld. Um mich rum laufen jetzt Marathonis, die zusammen weit über 4.000 Marathons in den Beinen haben. Manchmal zieht sich die Gruppe auseinander, kommt dann aber wieder zusammen. Jeder will nur unter 6 Stunden bleiben. Dann kommt nach der letzten Matschpartie das km-Schild 20 vor Hallerburg. Das heißt, insgesamt  41,1km. Gleich sind wir da. Noch einmal abbiegen, auf die Zielmatte, pips und es ist geschafft.

Ins Ziel kamen heute: 176 MarathonläuferInnen, 180 Halbmarathonis, 13 Partner-Marathonis 19 Marathon-Staffeln. Der junge Mann mit der Startnummer 1 ist Heiners Sohn, der unter 4 Stunden ins Ziel kam.

Heiner Schütte ist heute mit seinen vielen fleißigen Helfern eine ganz tolle Veranstaltung gelungen. Aus Gesprächen mit vielen Mitläufern weiss ich, dass alle gerne wiederkommen wollen.

Marathon – Sieger:
1. Oliver Sebrantke LC Hansa Stuhr 2:57:15
2. Timo Habedank  Diekholzen  3:08:56
3. Edwin Lahm  ExxonMobil  3:15:02

Marathon-Siegerinnen:
1. Astrid Staubach  LG Vogelsberg  3:24:37
2. Bianca Stanienda SVE Hiddestorf  3:26:51
3. Ute Deters  TEA   3:51:43

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Informationen: Schloss Marienburg Marathon
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