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Laufberichte

Der Liebe ein Denkmal

 

Im Namen „Schloss Marienburg“ ist wohl für alle Tage König Georgs Deklaration der Liebe festgehalten. Zwischen 1858 und 1867 entstand das kleine Eldorado. Jedoch sollte Königin Marie damit nicht viel Glück und Freude haben. 1866 verlor König Georg V. mit seinen Truppen in der Schlacht von Langensalza gegen das Königreich Preußen. Während der entthronte Regent ins österreichische Exil ging, siedelte die Königin im selben Jahr mit ihren beiden Töchtern ins Schloss um. Eilig geschriebene Briefe besiegelten fast ein Jahr lang die Liebesbande zwischen den beiden. Politischer Druck, Sehnsucht zu ihrem Gemahl und Heimatgefühle waren zu stark, woraufhin Marie am 24. Juli 1867 das Schloss verließ und dem König in das Exil folgte. Ab 1869 stand die Burg für fast 80 Jahre leer….

„Hey, willst Du vielleicht einen warmen Tee?“, werde ich von einer jungen Dame am ersten Verpflegungspunkt im Innenhof gefragt. Dankend nehme ich einen Schluck und verlasse das Schloss auf der anderen Seite wieder. „Du bist der Mario, oder?“, hält mich ein älterer Herr auf. Ich nicke etwas verwirrt, dabei fallen mir doch glatt meine Hasenlöffel ins Gesicht. „Deine Frau und Kind haben gerade den Schlossinnenhof betreten…lauf doch nochmal zurück.“ Ein Lächeln, dann ist er weg und hinterlässt noch mehr Fragezeichen in meinem Gesicht. Von meiner Frau erfahre ich dann, dass mein Töchterchen bereits lang und breit die Kunde vom rosa Hasen verbreitet hatte. Kumpel Marco ist ebenfalls zugegen, ich grüße ihn und seinen Sohn herzlich. Hm, der Marienberg ist nun vermutlich um eine neue, sagenumwobene Legende reicher: der vom rosa Karnickel, den die halbe Gemeinde Nordstemmen kennt.

Nach einem teilweise schlammigen Trail erreiche ich wieder die andere Seite der Erhebung. Drei lustige und gutgelaunte Typen warten bereits am Waldrand auf mich. Aus dem abseits stehenden Auto schallt Metal-Musik. Es waren keine Zwerge…gottlob aber auch keine auf Karnickel lauernden Förster im Hochsitz. Trotzdem sind die mir nicht ganz koscher, so hält doch einer etwas Spitzes in der Hand. „Keine Sorge, das ist nur ein Filzstift, kein Filetiermesser. Komm her, ich will Deine Starternummer markieren.“

Nun geht es auf demselben Weg wieder zurück nach Adensen, mit Blick auf das verregnete aber nichtdestotrotz schöne Calenberger Leinetal. Es nieselt noch immer leicht, mein Kostüm ist bereits durchgeweicht. Dreimal würde ich heute die Verpflegungsstelle nahe Sporthalle ansteuern. Als ich schließlich ankomme, wird mir ein warmer Becher Tee in die Hand gedrückt. Auf der Wiese steht – und ich muss zweimal hingucken – der Dudelsackspieler. Lässig beantwortet er meinen fragenden Blick: „Da guckst, was? Ich war schneller als der Hase unten. Quasi der Igel.“ Ich winke zum Abschied den kleinen und großen Zuschauern zu. Gerade will mir nur schwer einleuchten, dass ich erst 10 KM zurückgelegt hatte.

Am nordwestlichen Ortsrand von Adensen beginnt die zweite Hälfte des 21,1 km langen Rundkurses. „Hallo Osterhase, warum bist Du denn schon Da?“, ruft mir ein ganz kleines Mädchen vom Bürgersteig aus zu. „Weil Weihnachten dieses Jahr ausfällt“, antworte ich grinsend beim Vorbeilaufen. Umgehend bereue ich jedoch den Spruch und rufe noch ein „War bloß Spaß!“ hinterher. Kein Weinen? Herrjeh, wohl nochmal gutgegangen!

Zu meiner rechten ein weitläufiger Panoramablick auf Schulenburg und Leine, zu meiner linken schaue ich auf das Hallertal. Trotz Schmuddelwetter hat der Landschaftsmarathon mit prägnantem Trailcharakter reizvolles. Ich gebe zu, solche Witterungsbedingungen sind genau mein Ding: je nasser, kälter und regnerischer, desto besser! Schottland wäre vermutlich meine Wahlheimat, wer weiß das schon. Aber hier laufe ich nicht im Schottenrock, sondern in rosa Plüsch durch stellenweise fußknöcheltiefe, glitschig-lehmige, sowie matschig-schlammige Feldwege.

Das Waldgebiet Hallerburger Holz bietet ein wenig Urwald-Flair, denn an einigen Stellen blicke ich auf abgestorbene Bäume. Ich bin zwar kein Experte, aber zweifelsohne gehört zum Ökosystem Wald ein gewisser Anteil an Totholz. Der Streckenverlauf führt nun zeitweilig aus dem kleinen Wäldchen heraus, in einiger Entfernung blicke ich auf die Ortschaft Gestorf.

Von weitem entdecke ich einen einsamen Campingwagen mit Überdachung, der zu einem Verpflegungspunkt  umfunktioniert wurde. Mitten in der Feldmark lässt sich eine kleine Schar von Helfer nicht unterkriegen und jubeln jedem Durchreisenden zu – das sind unweigerlich jene Momente, in denen Dir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert wird. Ich schnappe mir mehrere Stücke Schoko-Lebkuchen und schiebe sie tief in den Rachen. „Osterhase und Weihnachts-Schoki? Irgendwas läuft da gewaltig schief“, lacht einer von denen herzlich. Ich nicke bloß mit vollen Karnickelbacken und packe mir dann für unterwegs noch ein paar Stücke in die linke Pfote. Dann verabschiede ich mich und folge den in regelmäßigen Abständen gut sichtbar und mit gelber Kreide gemalten Markierungen.

Erneut führt mich der Streckenverlauf durch  das Hallerburger Holz, hauptsächlich jedoch am südwestlichen Waldrand entlang. Plötzlich kreuzt eine DRK-Reiterstaffel meinen Weg. Dort, wo ein  Geländewagen nicht mehr weiterkommt, ist der Einsatz zu Pferde unproblematisch. Das macht auch Sinn, zumal Verletzte so schnelle Ersthilfe erhalten. Die Pferde gucken mich argwöhnisch an, die Damen kichern.

Nach einer letzten Rutschpartie habe ich plötzlich wieder Asphalt unter meinen Füßen und kann somit etwas schneller und sicherer Laufen. Hallerburg liegt nun vor mir, zu meiner rechten Eldagsen. In dieser Ortschaft hatte eine Zeit lang mein jüngerer Bruder Boris gelebt – lang ist‘s her.

Ich treffe auf Hans-Werner Rehers und Maria Rolfes. Beiden bin ich bei meinem 100 Meilen Lauf 2013 in Berlin zwar nicht direkt begegnet, aber ich weiss um den Rennzwischenfall mit Verletzung. Ha-We Rehers unterbrach damals seinen Lauf, um die gestürzte Lauffreundin Maria ins Potsdamer Klinikum zu begleiten. Einige Stunden später setzte der Osnabrücker sein Rennen fort und lief dann sogar noch mit einem Lächeln neun Minuten vor Schluss ins Ziel. Das waren starke Emotionen beim Zieleinlauf. Dafür ist HaWe bei Marathon4you als Hero 2013 nominiert.

Innerorts erreiche ich erneut die Sporthalle. Freund und Familie warten bereits auf mich, die erste Hälfte des Marathons habe ich somit geschafft. „Mensch Mario, was brauchst denn diesmal so lang, leg mal nen ordentlichen Zahn zu, du bist ein Hase…keine Schnecke!“, witzelt Kumpel Marco. Ja, grins du nur, denk ich mir. Ein kurzer Kuss für Frau und Töchterchen, dann geht es erneut auf die zunehmend rutschige Piste.

In meinem Kostüm wird mir zunehmend wärmer, gleichzeitig saugt sich dieses durch den unablässigen, feinen Nieselregen aber auch immer voller. Ich spüre, dass die Kräfte unerwarteter weise nachlassen und schaue auf die Uhr: ich hatte zweieinhalb Stunden für die erste Hälfte gebraucht? „Da war aber jemand echt schon mal schneller“, murmele ich mehr zu mir selbst. Während ich den Marienberg zum zweiten Mal in Angriff nehme, kommen mir bereits die ersten Läufer entgegen.

Satte fünf Stunden später erreicht ein klitschnasser, dreckiger und glücklicher rosa Hase den Zielbereich, klatscht mit seinem Kumpel ab und umarmt die liebe Ehefrau. Gierig schlingt das gefräßige Viech dann eine Bratwurst mit Bier hinunter, während es mit dem CaBaNauten Peter Brause schnackt.

Später erfahre ich von Organisator Heiner Schütte, dass über fünfzig Helfer aus der Familie, dem Freundeskreis, Verein,  Feuerwehr und weitere Mitbürger aktiv tätig waren. Und er verrät mir noch etwas: „Ich glaube, mittlerweile denken meine Vorstandskollegen wie ich: Nächstes Jahr muss es den 2. Schloss-Marienburg-Marathon geben!“

Ergebnisse 1. Schloss Marienburg Marathon 2013

Männer
1. Oliver Sebrantke LC Hansa Stuhr 02:57:15
2. Timo Habedank  Diekholzen  03:08:56
3. Edwin Lahm  ExxonMobil  03:15:02

Frauen
1. Astrid Staubach  LG Vogelsberg  03:24:37
2. Bianca Stanienda SVE Hiddestorf  03:26:51
3. Ute Deters  TEA  03:51:43

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Informationen: Schloss Marienburg Marathon
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