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Laufberichte

Drei auf einen Streich

 

Drei Tage – drei Läufe – insgesamt 42,4 km und 1.860 Höhenmeter – in und um Salzburg – bei Tag und bei Nacht. Wohl kaum eine andere Laufveranstaltung erschließt eine Stadt in all ihren Facetten so intensiv und vielgestaltig wie es das Salzburg Trailrunning Festival vermag. Und noch dazu eine so schöne und besondere Stadt, die ihren Reiz nicht nur aus ihrer Historie und der Zusammenballung von Kultur, sondern auch aus ihrer Einbettung in die bergige Natur entlang der Salzach bezieht. Absolvieren kann man alle Läufe auch einzeln. Aber eben und erst der als Paket geschnürte „Trailmarathon“ macht das läuferische Salzburg-Erlebnis perfekt.   

 

Einstimmung aufs Laufevent

 

Auf dem Kapitelplatz inmitten der Mozartmetropole schlägt das Herz des Festivals. Zwischen Dom, Erzabtei St. Peter und Erzbischöflichem Palais, mit Panoramablick auf die alles überragende Festung Hohensalzburg, ist das Start- und Zielgelände sowie die Startnummernausgabe angesiedelt. Wie es sich für ein Festival gehört, ist das jedoch nicht alles. Eine Bühne mit Moderation, Foodtrucks, Stiegl-Schankwagen, Biergarnituren und eine kleine Ausstellerexpo runden die Trail Area ab und laden zum Verweilen ein. Reichlich Banner und Fahnen machen auch jedem Touristen klar, dass hier sportiv Größeres ansteht.

 

 

Insgesamt fünf Strecken zwischen 5,5 und 23,8 km stehen läuferisch zur Auswahl, für den Nachwuchs zudem ein Kindertrail. Nightrun sowie Festungs- und Gaisbergtrail bilden zusammen besagten „Trailmarathon“, dazu kommen innerstädtisch der Panoramatrail (6,4 km / + 170 HM) am Samstag sowie außerstädtisch das Gaisbergrace (9,1 km/ + 1.060 HM) am Sonntag. Man hat also die Qual der Wahl, wenn man sich für einen Lauf entscheiden muss. Oder auch nicht, wenn man sagt: Ich will alles sehen. Dann muss es einfach der „Trailmarathon“ sein. Etwa 150 Läufer sind es, die für dieses Laufpaket und damit die schwarze Startnummer einchecken.

Ab 17 Uhr öffnet am Freitag die Trail Area die Pforten. Eingedenk des schon am Abend anstehenden ersten Laufs kommen viele kleidungsmäßig bereits im „ready to start“-Outfit zur Abholung der Startnummer. Ein Zelt zum Umziehen und als Kleiderdepot gibt es allerdings auch. Es ist schon heftig am Dämmern, als ab sechs Uhr die Blues-Rock-Trio „Strange Fruit“ live das Zepter der musikalischen Untermalung übernimmt – und die kommen richtig gut an.

 

Teil 1: Nightrun

 

Der „Nightrun“ am Freitagabend ist sozusagen der Festival-Opener. Mit 5,5 Kilometern und 80 Höhenmetern im Profil gibt er sich noch recht moderat und setzt voll auf Atmosphäre. Dazu gehört wohl auch das Tragen einer Stirnlampe als Pflichtausrüstung. Wirklich brauchen tut man sie nicht, aber so ein rennender „Glühwürmchen-Schwarm“ hat nicht nur für die Beteiligten Charme.   

Je näher der Zeiger gen sieben rückt, desto dichter wird die Läuferschar, viele begleitet von ihrem Familienclan, auf dem Kapitelplatz. Über 360 sind es, die den Nightrun erleben wollen. Angenehm gehen die Klänge der Band ins Ohr. Es ist schon eine ganz besondere Stimmung, gleichermaßen erwartungsfroh wie chillig, die den Platz beherrscht. Dazu die von Strahlern ausgeleuchtete Kulisse des Doms und der anderen altehrwürdigen Prunkbauten rundum, die Festung über uns nicht zu vergessen. Das hat schon etwas ganz Besonderes.

Im Startkanal versammelt erwartet uns ein kurzes Race Briefing, ehe der Startmoderator den Countdown zum kollektiven „Lights on“ der Stirnlampen gibt. Ein fantastisches Bild bietet sich. Nur Minuten später ist es so weit. Pünktlich um 19 Uhr prescht die Meute los, hinaus in die Nacht.  

 

 

Vorbei am Dom, über den Dom- und Residenzplatz und anschließend den Mozartplatz laufen wir direkt der nahen Salzach entgegen. Über den Rudolfskai geht es nun direkt am Ufer des zur Rechten rauschenden Flusses entlang. Linkerhand gleitet die illuminierte Häuserfront der Altstadt an uns vorüber. Immer wieder versuche ich mich darin, die Szenerie des Lichterbandes fotografisch zu bannen, gelingen will es aber nicht so recht.

Nach 1,5 km erreiche ich den Müllnersteg, der ausschließlich Fußgängern und Radlern zur Querung der Salzach vorbehalten ist. Unter dem Getrappel der Läuferfüße bebt der Steg, aber ganz besonders ist von hier der Ausblick über die Lichter der Stadt beidseits des Flusses. Geradeaus weiter stehe ich kurz darauf am Nordende des Mirabellgartens, der barocken Parkanlage des Schlosses Mirabell.

Nur schemenhaft zeichnen sich die sorgsam arrangierten Blumenrabatten, Statuen und Wasserspiele im soft illuminierten Park mit der erleuchteten Festung im Hintergrund ab. Aus dem Park hinaus geht es quer über den Makartplatz, beherrscht vom mondänen Hotel Bristol, ehe wir der schmalen Dreifaltigkeitsgasse folgend in den etwas untouristischeren, aber nicht minder belebten Altstadtbereich auf dieser Seite der Salzach eintauchen.

Am sogenannten Platzl queren wir die Linzergasse, die wohl bekannteste und beliebteste Ausgehmeile außerhalb der historischen Altstadt. Trotz der abendlichen Kühle stehen viele Gäste zum Drink auf der Straße. Der nun am Fuße des Kapuzinerbergs entlangführenden Steingasse folgend wird es jedoch schnell sehr ruhig. 

Nach gut drei Kilometern geht es hinab zur Salzach und über die Karolinenbrücke wieder zurück auf die andere Uferseite. Die historische Altstadt wäre von hier nicht fern, aber ein wenig mühen müssen wir uns zunächst schon noch. Über den Kajetaner Platz geht es entlang der Nonntaler Hauptstraße direkt durch besagten Stadtteil. Der Begriff Hauptstraße sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei eigentlich um ein Sträßlein handelt, das jedoch von auffällig vielen trendigen Lokalen gesäumt ist.

Davon abzweigend katapultiert uns eine kurze, aber steile Passage hinauf zur Nonnberggasse. In einer weiten Kurve führt sie um die Benediktinerabtei Nonntal herum und dann als Höhenweg durch die Flanke des Festungsbergs. Belohnt werden wir mit einem nächtlichen Blick über die Dächer der Altstadt. Über das holprige Pflaster der Festungsgasse geht es schließlich, vorbei am berühmten Bierkeller und -garten der Brauerei Stiegl, im Galopp in Richtung Altstadt und damit Ziel hinab. Schon aus der Entfernung kündet es sich akustisch an. Ein letzter Schlenker und schon eilen wir, per Licht- und Nebelshow begleitet, über den Teppich ins stimmungsvolle Ziel auf dem Kapitelplatz. Wow, das hat was! 

Besonders schön: Die Laufparty ist noch längst nicht zu Ende und viele feiern mit. Bei Bier, Burger und Fritten – es lebe die wahre Läuferkost! – ist der Nachtbiergarten in der Trail Area voll besetzt, dazu die mitreißende Livemusik und zwischendurch die Siegerehrung. Schöner kann ein Lauffestival nicht starten!

 

Teil 2: Festungstrail

 

Der zweite Lauf am Samstag ist schon deutlich fordernder: 480 Höhenmeter sind auf 13 Kilometern zu bewältigen, rein innerstädtisch rund um und über den Mönchsberg sowie um den Nonnberg, bis zum Finale die läuferische Erstürmung der Festung ansteht. Aber bis dahin haben wir reichlich Zeit, denn gestartet wird erst um 16:15 Uhr.

 

 

Reichlich Regen trübt zunächst ein wenig die Vorfreude, wäre es doch schön gewesen, den Tag in der Altstadt bei lauer Herbstsonne abzuhängen. Zumindest klart es mit nahender Startzeit dann doch auf und als sich die gut 380 gemeldeten Starter wieder auf dem Kapitelplatz einfinden, taucht die Nachmittagssonne die Altstadt schon wieder in warmes Licht.   

Erst kurz vor dem Start löst sich das emsige Gewusel in der Trail Area auf, formiert sich das Feld im Startkanal. Zehn, neun, acht … lautstark ertönt der Countdown und schon stürmt die Meute los. Sozusagen als Intro zum Warmlaufen, vor allem aber, um das Starterfeld zu entzerren, führt der erste Kilometer in einer flachen Schleife über die Plätze und durch die Gassen des sogenannten Kaiviertels der Altstadt. Wie schon gestern queren wir zunächst mit viel Freiraum nacheinander den Dom-, Residenz- und Mozartplatz, ehe wir in schmale Gassen abtauchen. Urplötzlich finden wir uns wieder auf der Start-/Zielgeraden auf dem Kapitelplatz ein.

Ein weiteres Mal unter dem Startbogen hindurch eilen wir via Domplatz durch die Franziskanergasse und über den Toskaninihof noch flott dahin, um dann jäh ausgebremst zu werden.

 

 

Die 122 Stufen der schmalen wie steilen Clemens-Holzmeister-Stiege lassen den Puls rasant nach oben schnellen. Schweigend und schnaufend stapfen wir bergan. Überholen? Keine Chance. Aber es versucht auch keiner. Eine Verschnaufpause ist uns auch an deren Ende nicht vergönnt. Eine scharfe Rechtskurve lotst uns auf den nächsten Treppenweg, der durch dichtes Gesträuch hinauf bis zum Plateau des Mönchsberges führt. Kurz durchschnaufen heißt es, bevor es weitergeht. Der langgezogene Rücken des sich an den Festungsberg anschließenden Mönchsbergs ist nun unser Laufrevier. Etwa achtzig Meter hoch und etwa 1,7 Kilometer lang überragt er die Stadt.

In stetigem leichtem Auf und Ab geht es hier oben auf bequemen Wegen, schmalen Pfaden und immer wieder auch Treppen durch die meist üppige und immer wieder aussichtsreiche Natur. Nach rechts abbiegend führt der Kurs zunächst dem nördlichen Ende des Berges entgegen. Immer wieder passieren wir alte Befestigungsanlagen, Tore und sonstige Relikte vergangener Zeiten. Besonders imposant: Die mächtigen Mauern und Türme der mittelalterlichen Bürgerwehr quer über den Mönchsberg. Einen traumhaften 180 Grad-Panoramablick über Salzburg und die umliegenden Stadtberge haben wir vor allem von den Terrassen des Museums der Moderne. Mit den Wehranlagen der Müllner Schanze erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Mönchsbergrunde.

Die Strecke folgt nun dem Wanderweg entlang der „stillen“ stadtabgewandten Westseite des Mönchsbergs, direkt an der Hangkante entlang. Mauern und Geländer sichern den Weg. Die herbstliche Naturlandschaft erstrahlt in der Nachmittagssonne, im intensiven Gegenlicht ist die weite Landschaft unter uns nur schemenhaft auszumachen. In einem Bogen geht es schließlich, zuletzt steil ansteigend, wieder dem Wall der Bürgerwehr entgegen, durch ein Tor hindurch und weiter, vorbei am buddhistischen Stupa, zur Karolinenhöhe. Den Abzweig zur Richterhöhe passierend halten wir wenig später direkt auf die hoch vor uns aufragende Festung zu. Aber nur ein Stück weit. Dann windet sich ein links abzweigender Weg durch ein Bürgermeisterloch genanntes Tor steil hinab in die Tiefe. Nasses Laub birgt auf dieser Passage erhebliche Rutschgefahr. Und so bin nicht nur ich beim Downhill-Run in ständiger Habachtstellung.

 

 

Im Auslauf erblicke ich gar nicht mehr fern Schloss Leopoldskron am gleichnamigen See. Aber so weit führt unser Weg nicht hinaus. Vielmehr bleiben wir auf Tuchfühlung zum Festungsberg. Nur ein kurzes Wegstück bleibt es flach, schon folgt der nächste Anstieg über einen gepflasterten Weg zum Stift Nonnberg. Ein Highlight ist der Run entlang der Nonnberggasse. Sehr viel eindrucksvoller als gestern Abend präsentiert sich bei Tageslicht der Blick über die Kuppeln und Kirchtürme der Altstadt. Ansonsten folgt der Kurs ab hier dem des gestrigen Nighttrails. Im Galopp geht es die Festungsgasse hinab und vorbei am Stieglkeller in einer finalen Schleife zum Kapitelplatz.

Halbzeit ist hier nach 6,5 Kilometern. Ein sehr willkommener Break ist die Verpflegungsstelle am Rande der Trail Area. Nicht nur ein Becher Flüssiges wandert durch meine Kehle. Ein wenig Kräfte sammeln sollte man. Denn nun heißt es: Da capo. Ein weiteres Mal ist die bereits bekannte Mönchsberg-/ Nonntal-Runde zu absolvieren.

Deutlich ruhiger, ja geradezu einsam es nun auf dem Parcours. Kein Wunder: Weit hat sich das Läuferfeld auseinandergezogen. Viel Platz habe ich daher, als ich erneut den wohl anstrengendsten Part, die Treppen hinauf zum Mönchsberg, in Angriff nehme. Schneller bin ich aber deshalb in keiner Weise. Kühl und schattig ist es nun auf der Ostseite des Mönchsbergs, während die tiefstehende Sonne auf der Westseite nochmals ihre Kraft zeigt. 12 km liegen hinter mir, als ich erneut den Kapitelplatz und damit die Verpflegung erreiche. Nur noch ein einziger Kilometer liegt vor mir, aber der hat es in sich. Und ist gleichzeitig namengebend für den ganzen Lauf: „Festungstrail“. Hoch hinauf geht es nun zur und hinein in die Festung Hohensalzburg.

Bis ins 11. Jahrhundert zurück reichen die Ursprünge der Burg, eine der größten Anlagen Europas und noch dazu vollständig erhalten. Über die Jahrhunderte wurde an diesem Wahrzeichen Salzburgs immer weiter gebaut, nie wurde sie zerstört. So zeigt sie sich auch heute noch in Ihrer ganzen Mächtigkeit und Wehrhaftigkeit, von der man sich besten davon überzeugen kann, wenn man sie beschwerlich zu Fuß und nicht bequem per Bahn „erobert“.

 

 

 

Ersteres ist auch uns vorbestimmt. Ein weiteres Mal unter dem Startbogen hindurch, vorbei am „Mann auf der goldenen Kugel“ geht es nach links in die Festungsgasse. Bis kurz vor dem Stieglkeller halte ich den Laufschritt. Dann ist Schluss damit und der Kurs nur noch eines: steil im Superlativ. Rechterhand schleiche ich zunächst die Stufen der schmalen Michael-Haydn-Stiege empor. Dies geschafft geht es keineswegs entspannt weiter. Ein breiter, von meterhohen Mauern und noch höherem finsterem Fels gesäumter Weg führt von Tor zu Tor immer weiter in die Burg hinauf und hinein. Kein Wunder, dass niemand Lust hatte, diese Burg jemals zu erobern, denke ich mir angesichts dieses Profils. Das sogenannte Höllentor führt schließlich in den weiten Innenhof der Festung.

Das Ziel ist vor Augen, aber eben noch nicht erreicht, denn ein Schmankerl der besonderen Art wartet auf mich. Eine Schleife durch den weitläufigen Burghof mündet schließlich in einem mittelalterlichen Kanonengang. Von hier führt eine enge Wendeltreppe nochmals zwei Stockwerke höher, hinein in einen langen Kreuzgang. Über dessen Holzbohlen gelange ich zu einer weiteren Wendeltreppe, die mich wieder hinab führt und schließlich in den Innenhof entlässt. Erneut habe ich den bunten Zielbogen vor Augen und jetzt ist es soweit: Noch ein paar schnelle Schritte durch den Zielkanal, ein letztes Mal über die piepende Zeiterfassungsmatte, dann ist es geschafft.

Wie weggeblasen erscheinen die vorangegangenen Mühen, dominiert das Gefühl, etwas ganz Besonderes erlebt zu haben. Eingehüllt in wärmende Isolierfolien verweilen viele der Ankömmlinge, genießen laut oder auch nur in sich gekehrt bei kühlem Bier oder heißem Tee die besondere Atmosphäre, und schlendern schließlich ganz entspannt durch die kühle Dämmerung hinab in die Stadt, zurück zum Kapitelplatz, wo der Biergarten einmal mehr zum After-Run-Drink einlädt.   

 

Teil 3: Gaisbergtrail

 

Läuferisch die größte Herausforderung erwartet uns am Sonntag: Teil 3 der kleinen Laufserie führt uns 23,8 Kilometer weit über vier Salzburger Hausberge: den Kapuzinerberg, den Kühberg, den namengebenden Gaisberg als Top Spot und final den Nonnberg. Primär auf Wald- und Naturwegen, aber auch auf ausgesetzten Single Trails sind immerhin 1.344 Höhenmeter zu bewältigen, ehe es im Auslauf (fast) flach über die Hellbrunner Allee zurück ins Herz der Stadt geht.

Mit etwa 450 Meldungen ist er der teilnehmerstärkste Bewerb. Entsprechend ist der morgendliche Andrang auf dem Kapitelplatz, wobei die Startzeit um 9:45 Uhr erneut einen entspannten Einstieg in den Tag erlaubt. Gestartet wird leicht zeitversetzt in drei Blöcken, wobei der Versatz mit 40 Sekunden minimal ist. Schlag auf Schlag geht es nach dem ersten Countdown.

 

 

Nach dem schon bewährt-bekannten frisch-freien Einlauf über die Plätze um den Dom herum queren wir via Mozartsteg, eine im Jugendstil verspielt gestaltete Fußgängerbrücke, sogleich die Salzach und tauchen ein in die holprige Steingasse. Jäh endet das Getrappel am Zugang zur Imbergstiege. Stufe um Stufe geht es steil am Kapuzinerberg nach oben und spätestens hier wird die Motivation des Blockstarts klar. Freilich kann auch der den Stau nicht verhindern. Aber mit einer Mischung aus Humor und Schicksalsergebenheit nehmen es alle, ich selbst bin alles andere als unglücklich über den gemütlichen Treppenmarsch. Die 261 Stufen der winkeligen Stiege bringen uns rasant in die Höhe und der rückwärtige Ausblick auf die Salzach und das unter uns liegende Altstadtviertel belohnen die Mühen allemal.

Die Stiege mündet in den sogenannten Basteiweg, einen schmalen und immer wieder ausgesetzten Wanderweg, der entlang der alten Wehrmauern am Kapuzinerberg bis zu dessen Gipfel führt. Steile, gestufte Passagen wechseln sich mit flachen und gut zu belaufenden ab, sodass sich die Läuferkarawane im stetigen Tempowechsel fortbewegt. In seinem ersten Abschnitt bietet der Weg einen geradezu sensationellen Ausblick auf die gesamte Altstadt und den Festungsberg am jenseitigen Salzachufer und mir die beste Ausrede für viele Fotostopps. Im weiteren Verlauf tauchen wir immer mehr in den bewaldeten Abhang ein. Wenig Überholmöglichkeit lässt der Trail auch hier, aber die Läuferkarawane hat sich mittlerweile sortiert. Die ersten 200 Höhenmeter sind geschafft, als das Franziskischlössl aus dem Blätterdach über mir auftaucht. Einen wunderbaren Biergarten gab es hier einst im Innenhof. Leider wird die Miniburg aktuell aber nicht mehr bewirtschaftet.

Ganz bis zum Gipfel des Kapuzinerbergs kommen wir nicht und schwenken am Schlössl direkt in einen Treppenweg ein, auf dem wir uns im rasanten Treppabtrippeln üben können. So steil es hinauf ging, so steil geht es nun hinab. Durch das Geäst des dichten Laubwaldes sehe ich langsam die Zivilisation in der Tiefe näher rücken.

 

 

Mit Gnigl erreichen wir einen der ferneren Außenbezirke Salzburgs. Bodenpfeile und Flatterbänder lotsen uns durch das Viertel, Polizei und Streckenposten sichern die Straßenübergänge. Über eine moderne Brücke hinweg können wir schon einen Eindruck unserer nächsten läuferischen Ziele gewinnen. Vor uns erhebt sich der Kühberg, dahinter nochmals deutlich höher der Gaisberg. Noch kurz geht es flach dahin, dann weist ein Schild auf den Beginn eines weiteren Uphill-Segments hin. Und wie es aufwärts geht! Nach einem Treppeneinstieg schlängelt sich ein wurzeliger Pfad durch den Wald jäh in die Höhe. Die gebückte Haltung vieler Läufer spricht Bände und erstmals bedauere ich, meine Laufstöcke nicht dabei zu haben. Viele andere waren da schlauer.

Knapp 280 schweißtreibende Höhenmeter verlangt uns der Kühberg im Anstieg ab, immer höher, immer weiter durch den nicht enden wollenden Wald führend. Reichlich welkes Laub am Boden macht diesen bisweilen rutschig und verdeckt so manche Stolperfalle. Allmählich abflachend ist der kaum als solcher auszumachende „Gipfel“ erreicht. Im welligem Auf und Ab erreiche ich schließlich das weite Grün der Gersbergalm und dort die ersehnte erste von drei Verpflegungsstellen auf unserem Kurs. Direkt hinter der Alm baut sich der Gaisberg auf und der immerhin hundert Meter hohe Sendemasten der Rundfunkstation auf dessen Gipfel erscheint zumindest nicht mehr ganz so weltentrückt.

Direkt an der Labestation teilt sich die Route. Linkerhand führt sie für die Teilnehmer des Gaisbergrace direttissima gen Gipfel, rechterhand geht es für alle anderen recht kommod weiter. Frisch „betankt‘“ setze ich meinen Lauf auf nunmehr bequemen Naturwegen durch die Flanke des Gaisbergs fort, mal leicht ansteigend, aber immer auch mal wieder abwärts verlaufend.

 

 

Ein kurzer steiler Anstieg über den Stefaniesteig mündet in einen vergleichsweise breiten, gut ausgebauten Weg, auf dem sich nunmehr vermehrt sonstige Besucher tummeln. Outfit und bisweilen auch Physis verraten, dass hier weniger der Typus des Bergfex als der des ausflugtreibenden Spaziergängers unterwegs ist. Der Gaisbergrundweg, ein Höhenweg unterhalb des Gipfels, ist erreicht, und den wiederum kann man auch motorisiert erklimmen. Für uns bedeutet das entspanntes Dahintraben. Herrliche Fernblicke bieten sich unterwegs, vor allem von einer mit einer langen Holzballustrade balkonmäßig gestalteten Passage.  

Den halben Gaisberg umlaufen wir auf diese Weise, dann endet für uns die Bequemlichkeit. Einmal mehr müssen wir uns der Herausforderung eines heftig über Wurzeln und Gestein in zahllosen engen Serpentinen ansteigenden Pfades stellen. An einigen Stellen erleichtern leiterartige Holzkonstruktionen den Anstieg. Erst als die Aufbauten der Sendeanlage direkt vor unserer Nase aus dem Wald auftaucht, weiß ich: Es ist geschafft. Der 1.287 m hohe Gipfel ist nach 12,3 km erreicht, fast das gesamte Höhenmeterpaket des Kurses bewältigt.

Auf einer Alm etwas unterhalb des Gipfels mit herrlichem Bergpanorama im Hintergrund platziert ist die nächste Verpflegung. Mit Red Bull-Cola wecke ich die Lebensgeister und gönne mir ein wenig Ruhe, bevor es weitergeht. 800 Höhenmeter downhill stehen bevor. Und klar ist: Das werden meine Beine nicht mögen.  

Etwas anstrengend, aber umso schöner ist der Weg zunächst durch eine kleine Schlucht. Im Anschluss geht es mal auf breiten Naturwegen eher bequem, dann aber auch wieder auf Waldpfaden weniger bequem, aber mit höherem Trailspaßfaktor hinab. Eine Bergkulisse vom Feinsten und erwartet mich beim Durchlaufen der Zistelalm, ehe sich der Mix aus Waldwegen und -pfaden fortsetzt. Immer wieder denke ich, dass der Talgrund doch nun endlich erreicht sein müsste, aber der Weg zieht sich. Dass er erreicht ist, merke ich erst, als ich an der dritten Verpflegung am Waldausgang in Aigen südlich der Stadt einlaufe. 

 

 

Flach geht es nun weiter, zunächst wenig aufregend durch das Siedlungsgebiet von Aigen, dann auf einer luftigen Fußgänger- und Radbrücke über die Salzach und deren Auen hinweg. Mit der Hellbrunner Allee erreiche ich mir bekanntes Terrain. Die wohl älteste Allee Europas mit ihren mehrhundertjährigen Eichen verbindet Salzburg mit dem Schloss Hellbrunn und ist essenzieller Bestandteil des Salzburg Marathons. Langsam rückt der Festungsberg am Horizont näher und damit auch der uns läuferisch vertraute Stadtteil Nonntal. Ein finaler Anstieg führt mich nochmals hinauf zur Nonnberggasse. Ein weiteres und letztes Mal zieht unterhalb der Gasse die Altstadtkulisse an mir vorüber. Vorbei am Stieglkeller windet sich der Kurs schließlich final hinab gen Kapitelplatz und damit ins Ziel.

So schön es war, so bedeutet es doch auch ein wenig Erlösung, den Zielbogen zu durchlaufen. Mit der nun schon dritten Medaille dekoriert lasse ich mich bei einem frischen Bier in der Trail Area nieder, während sich nun eine Siegerehrung an die andere reiht. Der Dreitages-Trailmarathon ist vollbracht und selten habe ich die Marathondistanz mit so viel ganz verschiedenen Eindrücken gespickt erlebt wie hier, läuferisch wie auch optisch. Überaus gelungen ist auch die Einbettung all der Läufe in die Wohlfühloase der Trail Area. Nach drei Zieleinläufen fühlt es sich fast schon an wie Heimkommen. Unwillkürlich kommt zum Ende der Veranstaltung die Lust in mir auf: wiederzukommen, wieder dabei zu sein. Und ich denke: das geht vielen so.  

 

 

Informationen: Trailrunning-Festival
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