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Laufberichte

Zwei Tage im Wald

05.06.11

Bernhard hatte uns bereits vorab ermahnt, nicht mehr weiter zu laufen, wenn einige hundert Meter lang kein SH-Zeichen mehr zu sehen war. Dann hieß es zurück zu gehen und schauen, wo man die Abzweigung übersehen hat. Dieser Ratschlag hat mir dann auch manches mal ein längeres Verlaufen erspart.

Das hört sich alles schwieriger an, als es war. Kurz den falschen Weg eingeschlagen hat zwar vermutlich jeder ein- oder zwei mal, fand aber mit nur wenigen Metern Umweg wieder zurück auf den Weg. Wer hier zu Zweit oder Mehreren läuft ist sicher im Vorteil, sofern er sich nicht im Gespräch ablenken lässt!

Nun, was soll ich über die Strecke an sich sagen? Man findet im Internet jede Menge Informationen, die muss ich hier nicht wiederholen und zusammen mit meinen Bildern bekommt man sicher einen guten Eindruck. Abwechslungsreich, anspruchsvoll, sehr schön, stellenweise wunderschön – es gäbe sicher noch weitere solche lobenden Attribute. Teilweise wurde ich an den Rennsteig erinnert, dann wieder an den Kyffhäuser Berglauf, die Harzquerung und manches Mal auch an den einen oder anderen Abschnitt vom Transalpin Run. Ein paar Höhepunkte aber will und muss ich doch speziell erwähnen.

Da war der ewig lange Holzsteg bei Kilometer 22, auf dem wir nahezu einen Kilometer lang trockenen Fußes, leicht abwärts durch ein Hochmoor laufen konnten. Oder die knapp 400 Höhenmeter schattenlosem Aufstieg zum Erbeskopf (km 37), dem mit 818 m höchsten Berg in Rheinland Pfalz. Vom hölzernen Aussichtsturm dort oben hätte man sicher einen herrlichen Ausblick über das Land ringsum gehabt - Hunsrück, Eifel, Westerwald und den Taunus - den Aufstieg auf den Turm aber haben wir uns verkniffen. Übrigens: auf dem Erbeskopf befindet sich auch eine Wetterstation der Meteomedia AG, dem 1991 von Jörg Kachelmann gegründeten Wetterdienst.

Wenige Kilometer später und hundert Meter tiefer passierten wir eine unscheinbare, aber sagenumwobene Quelle. Hier soll der Nibelungenheld Siegfried vor etwa 1.500 Jahren durch Hagen von Tronje hinterrücks erstochen worden sein (Nibelungenlied). Zwar erheben viele Dörfer in Deutschland Anspruch darauf, den “einzig wahren” Siegfried-Brunnen zu besitzen, aber ich bin überzeugt, dass diese Schandtat genau hier stattfand, lief mir doch beim Fotografieren ein Schauer über den Rücken! Und das nahegelegene Dorf heißt Dhronecken – Hagen von Tronje wird im Original als Hagen von Tronege geschrieben. Wer will da noch zweifeln?

Nicht zuletzt muss ich den beschwerlichen Abstieg zwischen Kilometer 55 und 60 erwähnen. Auf teilweise schwierigem Untergrund „verlor“ man hier mehr als 340 Höhenmeter. Vor allem aber kletterte man beim Abstieg über den mächtigen Ringwall von Otzenhausen, einem beeindruckenden Zeugnis keltischer Kultur in Deutschland. Hier existierte bereits 600 vor Christus eine große keltische Siedlung.

Am Ende des Abstiegs wartete dann die letzte Verpflegungsstation und kurz danach kam dann die Staumauer, an der wir den SH-Trail verlassen sollten und die letzten Kilometer den Markierungen von Bernhard folgen.

Die gesamte Strecke war eine gelungene Mischung aus toller, verschiedenartiger Landschaft, historisch und geologisch interessanten Orten und anspruchsvollen Wegen. Man kam an vielen Teichen und Fischweihern vorbei, lief auf naturbelassenen Pfaden und Wegen und stolperte über Geröll und Wurzelwege. Zu keinem Augenblick wurde es also langweilig. Es war aber auch ein schwerer erster Tag, viel schwerer als ich mir das vorgestellt hatte. Der sehr anspruchsvolle Untergrund – Steine, Wurzeln, holprige Wiesenwege, schmale Pfade – und fortwährend steile Auf- und Abstiege. Am Ende summierte sich das dann zu ca. 1.700 hm Auf und 1.900 hm Ab und vor allem das Ab brachte mir dann am Abend schmerzende Oberschenkel ein.

Wohltuend und auch aufmunternd war, dass ich nie an ein Zeitlimit denken musste. Die erlaubten 13 Stunden für die 66 km reichten auch für noch langsamere Läufer wie mich problemlos. Ein Übriges zum gelungenen Lauf taten die sechs Verpflegungsstellen, die die lange Strecke in überschaubare Abschnitte von meist eineinhalb bis max. zwei Stunden aufteilten und so auch mental über die vielen anstrengenden Stunden halfen.

Apropos Verpflegung, die war bestens und vollkommen ausreichend! Mag ja sein, dass der Eine oder Andere seine Spezialität vermisste, wie z.B. Axel, der gerne eine Buttermilch bekommen hätte, aber solche Sonderwünsche kann man sich ja ein anderes Mal erfüllen.

Ab der Staumauer also verließen wir den SH-Trail und folgten den Markierungen von Bernhard. So hatte er es uns vor dem Start gesagt und so stand es auch auf dem Blatt, das wir, zusammen mit den Startunterlagen, bekommen hatten. Warum erwähne ich das so ausführlich? Gerüchteweise habe ich gehört, dass drei Teilnehmer an der Staumauer nicht abgebogen sind, sondern mehrere Kilometer weiter dem SH-Trail folgten und daher an diesem Tag 5-6 km zusätzlich gelaufen sind. Soll man so etwas glauben?

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Informationen: Saar-Hunsrück-Supertrail
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