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Laufberichte

Kreuzfahrt-Erlebnisse: Wer lesen kann, ist im Vorteil

27.10.10
Autor: Klaus Duwe

Zwanzig oder dreißig bleichgesichtige Männer und Frauen belegen die spärliche Bestuhlung oder stehen etwas gekrümmt an der Wand. Man möchte ihnen nicht zu nahe kommen. Patient für Patient werden Allergien und Unverträglichkeiten abgefragt, dann gibt’s die Pille. „Eine jetzt, eine in vier Stunden. Und essen Sie was, am besten Brötchen.“  Dankbar nickend verlassen zwei die Praxis, drei kommen rein. Der Schiffsarzt blüht richtig auf, als er meine Verletzungen sieht - endlich gescheite Arbeit. 

Am nächsten Morgen sind wir in La Goulette, Tunesien. Kaum hat das Schiff angelegt, werden wir von einheimischer Folklore berieselt, Kamele für einen Ausritt haben die Musiker auch gleich mitgebracht. Wir wollen aber laufen, nach Karthago. Hört sich doch gut an. Aber es regnet. Wir laufen kurz über ein paar Verkehrsstraßen, am Strand entlang, durch schmale Gassen und dann hinauf zum Byrsa-Hügel zu den Ruinen der einst mächtigsten Stadt am Mittelmeer. 400.000 Menschen lebten hier einmal. In drei Kriegen versuchte Kathargo, eine weitere Expansion des  aufstrebenden Römischen Reiches zu verhindern. Im letzten, dem dritten Punischen Krieg  (149 – 146 v. Chr.) wurde Hannibal’s mit 80 Elefanten verstärkte Armee vernichtend geschlagen, Roms Aufstieg zur Weltmacht beginnt.

Zerstört wird Karthago aber erst Jahre später. Der Römische Senator Cato gibt keine Ruhe: „Karthago muss brennen!“ Drei Jahre wird die Stadt belagert. Bei der Erstürmung der fast völlig ausgehungerten Stadt werden 80 % der Bevölkerung getötet, der Rest versklavt. 17 Tage und Nächte soll die Stadt gebrannt haben.

Karthago ist heute ein nobler Vorort von Tunis, auch der Präsident hat hier seinen Palast. Seit 1890 steht auf dem Byrsa-Hügel, an der Stelle, an der man das Grab Ludwigs IX. vermutet, der 1270 bei einem Kreuzzug starb, die Kathedrale des Heiligen Louis.

Von hier hat man einen schönen Blick hinunter auf die Stadt und den Hafen. Der Wind ist kalt, die Besichtigung der Ruinen daher kurz.  Einige laufen die knapp 8 km zurück, die anderen fahren mit dem Taxi zurück zum Schiff. Den Rest des Tages verbringen die meisten an Bord. Das Wetter ist nicht sehr einladend, die Stadt ist es auch nicht. Das Schöne an der Kreuzfahrt ist, morgen sind wir wo anders ….

… in Palermo nämlich, der Hauptstadt Siziliens. Aus der Zeit der arabischen Herrschaft, als Orangenhaine die Stadt zwischen Monte Pellegrino und Monte Catalfono umgaben, stammt die Bezeichnung Conca d’Oro (Goldene Muschel). Um die vielen Sehenswürdigkeiten Palermos zu erkunden, werden Stadtführungen angeboten. Man kann sich vom Hafen aber auch ganz einfach selbständig auf den Weg machen. Die Läufer joggen gemütlich zu einem Workout und Lauf-ABC in den Stadtgarten, während ich mich von einem Einspänner durch die Stadt kutschieren lassen.

Die Kathedrale von Palermo (Kathedrale Maria Santissima Assunta) wurde im 12. Jahrhundert erbaut und ist wegen der Grabstätten der Stauferkaiser Heinrich VI. und Friedrich II. für die Deutschen von besonderer Bedeutung.  Im 17. Jahrhundert entstand einer der schönsten Plätze Palermos, der Quattro Canti. Piazza Vigliena ist die offizielle Bezeichnung  für den Platz mit den vier prachtvollen Palästen.

In den schmalen Gassen scheint die Zeit stehen zu bleiben. Die Bilder erinnern an die Don-Camillo-Filme aus den 1950er Jahren. Palermo hat es mir sofort angetan. Hier bin ich nicht das letzte Mal. Gelegenheit zu einem erneuten Besuch ist  am 21. November, da ist der Marathon.  Mal sehen.

Auch in Neapel, der nach Rom und Mailand bevölkerungsreichsten Stadt Italiens (mind. 1 Mio. Einwohner) und unsere nächste Station, gibt es einen Marathon. Nur den werde ich nie laufen. Schmutz und Dreck wohin man schaut, Müllberge an fast jeder Straßenecke und ein auch für italienische Verhältnisse überdurchschnittlich chaotischer Verkehr verderben mir die Lust auf mehr. Alleine die Galeria Umberto I beeindruckt mich positiv. Das imposante Einkaufszentrum wurde 1887 nach dem Vorbild der Mailänder Galeria erbaut, ist ähnlich prachtvoll aber ohne das einmalige Flair des Originals. Mich könnte jetzt nur noch eine Fahrt nach Capri oder Ischia reizen.

Oder ein Ausflug nach Pompeji. 

24. August 79 n. Chr.: In Pompeij, einer der reichsten römischen Städte, beginnt der Tag wie jeder andere. 1500 Jahre hat der nahegelegene Vesuv geschwiegen, ein leichtes Beben am Morgen nimmt man kaum zur Kenntnis. Dann aber, um 13.00 Uhr explodiert die Vulkanspitze und schneller als der Schall schießt eine Wolke kochender Lava in den Himmel. Niemals zuvor hatte man so etwas gesehen. Die Menschen schauen und staunen. Keiner ahnt die Gefahr, keiner flieht.

Von Misenum aus, das auf einer Halbinsel im Golf von Neapel liegt, beobachtet der Gelehrte Gaius Plinius mit seinem Neffen das Naturschauspiel und notiert seine Beobachtungen. Er erkennt die Gefahr und alarmiert Schiffe, um den Menschen in Pompeij zu helfen.

Dort verdunkelt die Aschewolke den Himmel, es wird Nacht, mitten am Tag. Die gasförmige Lava verbindet sich mit der Luft, kühlt ab und fällt zur Erde. Es dauert eine halbe Stunde, bis die so gebildeten Bimssteine über Pompeij niederregnen. Dazu prallen schwere Gesteinsbrocken mit 200 km/h auf die Erde. Jetzt bricht Panik aus. Tausende rennen auf die Straßen, um die fliehen, andere suchen Schutz in ihren Häusern.

100.000 Tonnen werden pro Sekunde in Luft geschleudert, am Nachmittag sind schon 100 Mio. Tonnen Asche und Bimsstein auf die Stadt gefallen. Die Dächer halten der Last nicht lange stand, stürzen ein und begraben die Menschen unter sich. Asche und Lava stoßen zusammen und erzeugen Blitze, es ist  gespenstisch. 7 Stunden nach dem Ausbruch irren nur noch wenige Menschen durch die Straßen von Pompeij, Steine blockieren die Ausgänge, egal wo die Menschen sich befinden, sie können dem Inferno nicht entkommen.

Man glaubt Gaius Plinius lange nicht, was er sieht und aufzeichnet: Der Vulkanschlot bricht zusammen und stürzt den Vulkan hinunter, es ist eine tödliche Lawine aus extrem heißer Asche und glühendem Stein, die alles verbrennt. Die Glut ist so heiß, dass der Tod sofort eintritt. Die Menschen verbrennen nicht, sie verkohlen.  Eine große schwarze Giftwolke liegt über der Bucht von Neapel. Ein Augenzeuge schrieb auf:  Ich dachte, die Welt würde untergehen und ich mir ihr.

Unglaubliche 10. Mrd. Bimsstein, Felsen und Asche begruben Pompeji  in 18 Stunden unter sich, die Stadt und ihre Menschen waren tot, Pompeji geriet in Vergessenheit.

1500 Jahre später beim Bau eines Aquädukts wird sie zufällig wiederentdeckt.  Die Ausgrabungen beginnen. Das Ergreifendste sind die Abdrücke der Opfer, die man findet.  Die Asche hat ihre Umrisse bewahrt. Der Augenblick ihres Todes ist verewigt.

2 Mio. Menschen besuchen heute jährlich die Ruinen, die wie nirgendwo anders Einblick geben in eine längst vergangene Zeit.

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Palermo und Pompeij alleine sind die Reise wert. Rom, unsere nächste Station, werde ich nicht mehr sehen. Ich werde die Heimreise antreten. Am 20. März nächstes Jahr ist der Rom Marathon, dann hole ich die Besichtigung nach. Meine  letzte Nacht an Bord ist besonders schön. Die See ist ruhig und die beleuchtete Küste immer in Sichtweite. Mittlerweile hat meine innere Uhr die übliche Weckzeit vergessen, ich schlafe wie ein Murmeltier.

Noch einmal ein paar Joggingrunden, ein letztes Frühstück an Bord, dann heißt es Abschied nehmen. Ein Auge lacht (ich will und muss mich um andere Dinge kümmern), das andere weint. Korsika, Nizza und Barcelona, die weiteren Kreuzfahrthäfen,  müssen warten. Wer weiß, vielleicht gar nicht so lange.

Mein Schiff, ahoi.

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