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Laufberichte

Warum ist es am Rhein so schön?

 

Eisenbahnfreaks werden begeistert sein

 
Gegenüber mündet die Lahn in den Rhein. Hier wechselt die Streckenführung entlang der Wasserschifffahrtsstraße zu einer Streckenführung entlang der Bahntrasse. Die Häuser sind zwischen Bahngleisen und der Bundesstraße eingezwängt. Wer hier direkt neben der Rheintalstrecke wohnt, muss Eisenbahnen lieben. EC, TGV, ICE donnern mit einer Geschwindigkeit von 200km/h von oder nach Basel durch das Tal. Mehr, so sagen Eisenbahnliebhaber, würde leider die Strecke nicht hergeben.

1895 wurde die Trasse erbaut und immer wieder modernisiert. Liegt das Interesse eines Eisenbahnliebhabers bei den Personenzügen, wie z. B. dem „trans regio“, also der Mittelrheinbahn, die gerade an uns vorbeibrettert, dann sollte man sich ein Häuschen auf der linken Rheinseite suchen. Tendiert die Eisenbahnvorliebe mehr so für die kilometerlangen Güterzüge, dann empfiehlt sich eine Immobilie auf der rechten Rheinseite. Auf welcher Seite auch immer, zu sehen und zu hören, sind täglich über 500 Züge. Damit zählt das Rheintal zu den meistbefahrenen Eisenbahnstrecken Deutschlands.

 

Rhens-Rheinkilometer 582

 
Wir laufen auf der alten B9 auf Kopfsteinpflaster am wunderschönen rot-weißen historischen Rathaus vorbei. Hier wurde die Idee des Mittelrhein Marathons geboren. Heute feiert dieser sein zehnjähriges Jubiläum. Zehntausend Sportler waren damals begeistert bei der Prämiere dabei. Trotz Sektkorken und Bestmarken gibt es Sorgenfalten. Am Marathon will man festhalten - solange er sich rechnet. Sponsoren haben ihre Zuschüsse gekürzt oder gar ganz gestrichen und die Stadt Koblenz erhebt Gebühren in Höhe von 30.000 Euro. Die 1300 Helfer sind natürlich ehrenamtlich dabei.

 


Die Stimmung im Ort tobt und überall stehen Läufer zwischen dem Patchwork aus Fachwerkhäusern und jubeln uns zu. Es ist erst kurz vor 9.30 Uhr. Eine halbe Stunde bis zum Start bleibt den zehn Kilometer Läufern, bevor sie ebenfalls nach Koblenz laufen werden.

 

Brey-Rheinkilometer 581

 
Ein paar Kilometer weiter wird die Rhein-Landschaft kurzzeitig eintöniger. Platz für andere Entdeckungen. 2002 erhielt das Mittelrheintal DIE Auszeichnung. Weil es schön und schützenswert ist. Auch die Überreste der römischen Wasserleitung hier bei Brey sind Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

 

Spay-Rheinkilometer 577-580

 
Der Weinort Spay liegt an einer mächtigen Rheinkrümmung, mein Blick fällt auf die alte fast unscheinbar wirkende Peterskapelle direkt hier am Ortseingang. Sie gehört zu den mittelalterlichen Schmuckstücken, denn drinnen zeigt sie Fresken aus dem frühen 14. Jahrhundert. Hier schmeckt dem Pfarrer der Wein noch beim Gottesdienst, denn einige der besten Weine des Mittelrheins stammen aus diesem Gebiet. Früher waren die Bewohner jedoch größtenteils Fischer, später kamen aus Spay gefragte Rhein-Lotsen. 70.000 Schiffe passieren jedes Jahr die Strecke zwischen Bingen und Koblenz. Lange bevor das erste Auto durch das Tal fuhr, verbanden schon Fähren die Ufer des Stromes.



Der erste Schiffsbrückendiener zeitlebens war 1532 Peter Menges aus St. Goar. Die Gebühr zur Übersetzung zahlten nicht die Passagiere der Fähren, sondern die beiden miteinander verbundenen Städte St. Goar und St. Goarshausen in Form einer jährlichen „Brückenabgabe“. Auf diese Weise wurden die Wurzeln zum Weinbau am Mittelrhein gelegt den die Fähren waren die Voraussetzung dafür, dass sich der Weinbau auf beiden Rheinseiten entwickeln konnte.

 

Boppard-Rheinkilometer 562 – 571

 
Kilometer siebzehn. Noch immer laufen wir gegen den Strom, nun kommt die Spitze der Marathonläufer uns entgegen. Der warme Wind lässt die Blätter an den Weinstöcken rascheln. Hier heißt es Handlese an Steilhanglagen. Die Straße an der Rheinbiegung wird zur Riesling-Spur. Feinster Wein aus dem 75 Hektar großen Weinbaugebiet Bopparder Hamm spiegelt die fast zweitausend Jahre alte Kultur am Mittelrhein wider. Die höchste Erhebung ist die Fleckertshöhe mit 531 Metern über NN.

 

Halbmarathon-Wendestrecke –Laufkilometer 21,1

 
1:58 Stunde. Gleich ist es 10:30 Uhr, erst in einer Dreiviertelstunde starten von hier aus die Halbmarathonläufer, Walker und Nordic-Walker. Dirk, unter dem Einfluss des pulsierenden und applaudierenden Läufer-Publikums zieht noch zusätzlich am Gashahn.

Piep, piep über die Zeitmessmatte, einmal hundertachtzig Grad herum. Das ging mir dann doch zu schnell. Gleich im doppelten Wortsinn. Will man uns nicht in Boppard haben, schießt es mir durch den Kopf. Wir kommen nicht in den Genuss der Bopparder Uferpromenade, der großen Anlegestelle für Schiffe.

 


Ich wäre so gerne durch die Stadt gelaufen, in der 1796 Michael Thonet, wahrscheinlich auf einem Stuhl, geboren wurde. Bis hier hin war ich Herrin der Lage, in jeder Situation. Als ob jemand den Stecker bei mir gezogen hat, lässt meine Energie nach. Tja, und Dirk läuft mir mit angeschwellter Brust und einer bereits ausgedünnten Ausflüglerkleingruppe auf und davon.

 

Sich mit dem Strom treiben lassen

 
So war meine Vorstellung. Die von mir zurzeit erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt etwa zehn Kilometer in der Stunde, die mittlere Fließgeschwindigkeit des Rheins beträgt 2 Meter pro Sekunde. Auf dem Fluss sind ganze Armadas unterwegs; Von Tankschiffen bis zum Kanufahrer balancieren sie sich über die Wellen. Teils über 100 Meter lange und über tausend PS starke Binnenfrachter ziehen ihre Spur durchs Wasser, Tonnen von Getreide in ihrem Bauch.

Jetzt erst kommt das Ausflugsschiff „Goethe“ den Rhein heraufgefahren. Das Schiff lag heute Morgen noch schlafend in Koblenz vor Anker. Genüsslich zieht ein überdimensional großes Schweizer Hotelschiff in der Fahrtrinne vorbei. Auf dem Schiffsdeck stehen und sitzen Passagiere – meist über die Lebensmitte hinaus: Sie, mausgraue Kurzhaarlockenfrisur und getönte Brille mit Goldrand auf der Nase. Einige sitzen einfach nur da und betrachten stumm, in sich versunken und völlig fasziniert, das idyllische Geschehen. Neben der Loreley bieten wir Läufer heute eine willkommene Touristenattraktion. Sichtlich darüber erfreut winkt die Dame zu uns herüber, eine andere prostet uns mit einem Sektglas zu. Ein blasser Herr im ebenso blassen Nylonblouson zückt seinen kleinen Fotoapparat und hält die Läufer für die Ewigkeit fest. Neben ihm gleite ich nun etwas ruhiger durch eine Landschaft, die sich seit Jahrhunderten ständig verändert hat. Beschaulich zieht die Landschaft vorbei.

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Informationen: Mittelrhein-Marathon
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